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Die chilenische Diktatur: Vergangenheitsbewältigung im Drama "La muerte y la doncella" von Ariel Dorfman

Facharbeit (Schule) 2014 17 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltliche Zusammenfassung und formale Gestaltung

3. Soziologischer und historischer Kontext
3.1 Die Diktatur in Chile
3.2 Andere Möglichkeiten zur Interpretation im Rahmen einer Diktatur

4. Psychologische Analyse der Protagonistin
4.1 Opferrolle
4.1.1 Ängstlichkeit und Misstrauen als Triebmotive der Opferrolle
4.1.2 Unterwürfigkeit als Triebmotiv für die Opferrolle
4.1.3 Psychopathologie des Vergessens als Auslöser und Indikator der Opferrolle
4.2 Täterrolle
4.2.1 Wandel vom Opfer zum Täter
4.2.2 Psychopathologie als Folge der Belastungen als Opfer und Täter
4.2.3 Manifestation der psychopathologischen Ausdrucksformen Macht und Dominaz

5. Schlussbemerkungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Seminararbeit befasst sich mit den psychologischen und soziologischen Auswirkungen der Protagonistin im Drama „La muerte y la doncella“ (deutscher Titel: „Der Tod und das Mädchen“) von Ariel Dorfmann mit der leitenden Fragestellung „Wie wirkt sich die Vergangenheitsbewältigung der Protagonistin im sozio-psychologischen Kontext des Dramas „La muerte y la doncella“ aus?“.

Anfangs erfolgt eine kurze Zusammenfassung des Dramas und Untersuchungen zur formalen Gestaltung, um dem Rezipienten den Einstieg in die weiterführende literarische Analyse zu erleichtern.

Es folgen soziologische und historische Hintergründe des Dramas, die in den Kontext des Werkes eingeordnet werden. Im Speziellen wird sich mit der Diktatur in Chile, sowie anderen Möglichkeiten zur Interpretation beschäftigt, da der Handlungsort von Ariel Dorfmann nicht explizit genannt wird und es so möglich ist den Inhalt des Dramas auf viele weitere Staaten zu übertragen, die eine Diktatur in ihrer Geschichte zu verzeichnen haben.

Des weiteren wird eine psychologische Analyse der Protagonistin vorgenommen, um die Auswirkungen von Folter und sexueller Gewalt auf das Individuum zu erklären und für den Leser mögliche Schlussfolgerungen abzuleiten, um diese auf das eigene Leben übertragen zu können und ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie belastende Lebenssituationen – nicht nur zur Zeit einer Diktatur – die psychische Konstitution eines Menschen negativ verändern können. So steht es dem Rezipienten frei, mit folgenden Ausführungen zu wachsen diese positiv auf sich selbst anzuwenden.

Zum Schluss erfolgt eine Reflexion der vorhergegangenen Untersuchungen in Form einer Schlussbemerkung, um abschließend die Frage zu klären, wie sich die Vergangenheitsbewältigung der Protagonistin im sozio-psychologischen Kontext des Dramas auswirkt und welchen Schluss der aufmerksame Rezipient aus den Untersuchungen ziehen kann – für sich, die Familie, die Gesellschaft und alle Menschen, die ihm wichtig sind.

2. Inhaltliche Zusammenfassung und formale Gestaltung

Der Autor Ariel Dorfmann wurde am 6. Mai 1942 in Buenos Aires, Argentinien, geboren und ist chilenischer Schriftsteller, Dramtiker, Essayist und Menschenrechtsaktivist.

Das Drama „La muerte y la doncella“, das 1992 von Ariel Dorfmann verfasst wurde, beschreibt die (sozial-) psychologische Vergangenheitsbewältigung der Protagonistin im soziopolitischen Kontext des Handlungsortes.

Mit ihrem Mann, dem Anwalt Gerado Escobar, lebt Paulina Salas, die Protagonistin, abseits der Zivilisation in einem Haus, das sich an der Küste Chiles befindet. Begründet durch den zweieinhalbmonatigen Freiheitsentzug vor 15 Jahren, bei dem sie wegen ihres politischen Aktivismus gegen die Diktatur vergewaltigt und gefoltert wurde, machen sich bei Paulina Salas posttraumatische Symptome sowie Hinweise zu einer tief greifenden Angststörung deutlich. Als später der Arzt Roberto Miranda zwecks eines beruflichen Besuchs ihr Haus betritt wird ihre Angststörung an-triggert kommt zu einem vermeintlichen Wiedererkennen gekoppelt mit dem Wunsch nach Vergeltung. Ihr gelingt es ein physisches Abhängigkeitsverhältnis zu Roberto Miranda zu etablieren, der sich aber vehement die Vorwürfe der Verbrechen an seinem Gegenüber wehrt. Am Ende gelingt es Paulina Salas aber, ihm unter Aufbietung all ihrer Kraft ein Geständnis abzunehmen. Bis zum Ende des Werkes erfolgt keine Auflösung darüber, ob die Protagonistin den Arzt tötet oder verschont einschließlich der Auflösung, inwiefern sich Roberto Miranda der vorgeworfenen Taten schuldig gemacht hat.[1]

Paulina Salas spielt in dem Drama zwei Rollen: Einerseits nimmt sie die Rolle des Opfers, andererseits die des Täters an. Es handelt sich bei der Protagonistin um einen komplexen Charakter und es ist daher unmöglich, die beiden Rollen, klar voneinander zu trennen, weshalb sich bei den folgenden Untersuchungen nicht auf ein Charakterisierungsmodell, sondern eine wissenschaftlich fundierte, psychologische Analyse gestützt wird, die die forensische Psychologie der Protagonistin nach Meinung des Verfassers am Besten repräsentiert.

Formal gestaltet sich das Ariel Dorfmanns Theaterstück, das typisch dramatische Züge aufweist, anfangs in eine kurze Einführung der Charaktere, gefolgt von dem ersten Akt, der aus vier Szenen besteht, dem der zweite Akt mit zwei Szenen und der dritte Akt mit ebenfalls zwei Szenen folgen.[2]

3. Soziologischer und historischer Kontext

In der Textfassung des Dramas beschreibt Ariel Dorfman den Handlungsort anfangs mit „[…] un país que es probablemente Chile, aunque puede tratarse de cualqier país que acaba de salir de und dictadura.“, was übertragen ins Deutsche mit „ein Land, das vermutlich mit Chile beschrieben werden kann, obwohl es sich um jedes Land, das sich aus einer Diktatur befreit hat, handeln kann.“ bedeutet.[3]

Damit deutet der Verfasser an, dass das Stück auf die historische und soziopolitische Situation vieler Staaten übertragen werden kann, die in der Vergangenheit die Geschichte einer gewalttätigen Diktatur bewältigen mussten.

3.1 Die Diktatur in Chile

Die Militärdiktatur in Chile stellt einen wichtigen Teil der chilenischen Geschichte dar. Am 11. September 1973 putschte das Militär in Chile, infolgedessen sich der demokratische gewählte Präsident Salvador Allende suizidierte. Unter Führung einer Junta wurde das Land daraufhin von Augusto Pinochet bis zum 11. März 1990 regiert; der Putsch wurde von den Vereinigten Staaten sowohl finanziell, als auch politisch, vor allem durch verdeckte Operationen der CIA, finanziert. Dieses Ereignis wird als ein zentrales Symbol des kalten Krieges gedeutet, dem eine ähnlich symbolhafte Bedeutung wie die Revolution in Kuba zugeschrieben wird.[4]

3.2 Andere Möglichkeiten zur Interpretation im Rahmen einer Diktatur

Da Ariel Dorfman lediglich auf den möglichen Handlungsort verweist, diesen aber nicht explizit nennt, eignen sich andere mögliche Handlungsorte, die sich nahtlos als solchen verwenden lassen. Im Folgenden sollen diese Möglichkeiten der Interpretation kurz erläutert werden.

Als einige wichtige Beispiele der menschlichen Geschichte gelten Spanien (1939-1975), Südkorea (1961-1987), Griechenland (1967-1974) und Myanmar (1962-2011). So wurde Korea nach der Kapitulation Japans von den Streitkräften der Vereinigten Staaten besetzt, die dort eine Besatzungszone errichteten und in Myanmar (früher: Birma) wurde unter Führung des Generals Than Shwe, der bis zum heutigen Tag immer noch eine leitende Position in den Streitkräften einnimmt, eine politische Militärführung aufgebaut, die heute zivil von Thein Sei n wahrgenommen wird, der früher selbst dem Militär angehörte.[5]

[...]


[1] Dorfman, Ariel, 2011, in: Ariel Dorfman, La muerte y la doncella, Berlin, Cornelsen Verlag.

[2] Eigene Untersuchungen

[3] Dorfman, Ariel, 2011, in: Ariel Dorfman, La muerte y la doncella, Berlin, Cornelsen Verlag, S. 2, Z. 4-6

[4] Spiegel Online: 40 Jahre Pinochet-Putsch: Nachts hörten wir Schüsse der Exekutionen (Veröffentlichung unbekannt), http://einestages.spiegel.de/static/entry/_nachts_hoerten_wir_die_schuesse_der_exekutionen/112006/praesidentenpalast_la_moneda.html?o=position-ASCENDING&s=0&r=48&a=29546&c=1

[5] Schmidt-Häuer, Christian: "Tötet alle, verbrennt alles!", in: Onlinepublikation der Wochenzeitung Die Zeit. 23. Mai 2002.

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656631583
ISBN (Buch)
9783656631576
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271011
Note
Schlagworte
diktatur vergangenheitsbewältigung drama ariel dorfman

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