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Achtsame Biografiearbeit als Weg für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter zu Professionalität und Wohlbefinden

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 25 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1  Einleitung

2 Professionalität und Wohlbefinden
2.1  Der Begriff der Professionalität
2.2  Der Zusammenhang von Professionalität und Wohlbefinden

3 Biografiearbeit
3.1  Definition von Biografiearbeit
3.2 Biografiearbeit und Professionalität
3.3 Herausforderungen im Rahmen der Biografiearbeit

4 Achtsamkeit
4.1 Der Begriff der Achtsamkeit
4.2  Empirische Forschungsergebnisse zur Achtsamkeitspraxis
4.3 Praxis der Achtsamkeit

5 Konsequenzen für das Studium der sozialen Arbeit

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Konzept der Studienarbeit

Abbildung 2: Liverpooler Arbeitsmodell zu den Wirkmechanismen der Achtsamkeitspraxis(Malinowski in Zimmermann)

1 Einleitung

Das Thema Professionalität ist von anhaltender Relevanz für die Diskussion im Bereich der Theorie der sozialen Arbeit, wie auch das Curriculum der vergangenen Veranstaltung zeigen konnte. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwieweit Selbstreflexion und Biografiearbeit zu Professionalität in der sozialen Arbeit beitragen können. Ebenfalls soll der Zusammenhang zwischen Professionalität der Sozialarbeiterin und ihrem Wohlbefinden untersucht werden. Hierbei soll sich im Wesentlichen auf die Theorie der Salutogenese von Antonovsky gestützt werden (vgl. Benge et al., 2001).

Da die These verfolgt wird, dass Biografiearbeit auf bestimmte Weise erfolgen soll, um sinnvoll zu sein, wird anschließend der Begriff der Achtsamkeit definiert und definiert, was unter achtsamer Biografiearbeit verstanden werden kann. Gestützt auf empirische Forschungsergebnisse wird der konkrete Nutzen der Achtsamkeitspraxis erörtert. Abschließend werden Formen dieser Praxis in einem Überblick dargestellt.

Als Abschluss der Arbeit wird aufgeführt, welche Konsequenzen für die Ausbildung und Praxis der sozialen Arbeit aus den gewonnen Erkenntnissen resultieren. Die Arbeit wird durch ein Resümee abgerundet.

Es werden dementsprechend folgende Fragen untersucht werden:

- Wie hängen Professionalität und Wohlbefinden zusammen?
- Wie kann Biografiearbeit Sozialarbeiterinnen auf dem Weg zu Professionalität und Wohlbefinden unterstützen?
- Warum ist es grundlegend, dass Biografiearbeit auf achtsame Art erfolgt? Was bedeutet Achtsamkeit in diesem Kontext?
- Welche Konsequenzen resultieren für Ausbildung und Praxis der sozialen Arbeit?

Die Arbeit ist entsprechend in folgende Themenblöcke unterteilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Konzept der Studienarbeit

Im Text erfolgt die Bezeichnung weiblicher oder männlicher Personen aus Gründen der Lesbarkeit und Übersichtlichkeit jeweils in femininer Form. Mit allen verwendeten Personenbezeichnungen sind stets beide Geschlechter gemeint.

2 Professionalität und Wohlbefinden

Im Folgenden wird eine Definition von Professionalität erarbeitet werden, die als Basis dieser Arbeit dienen soll. Im Anschluss werden die Konzepte Professionalität und Wohlbefinden miteinander verknüpft werden.

2.1  Der Begriff der Professionalität

Professionalität wird nachfolgend aus handlungs- und wirkungsorientierter Perspektive definiert werden (vgl. Heiner 2004, S. 16). „Das handlungsorientierte und kompetenzbezogene Professionsmodell konzentriert sich stärker auf die Analyse von Interaktionsprozessen sowie auf die Absichten und Strategien der Beteiligten und deren Umsetzung. Entscheidend ist das berufliche Handeln und die Problemlösungskompetenz der Professionsmitglieder und nicht der gesellschaftliche Status des Berufs.“ (Heiner 2004, S. 20)

Diese Definition erscheint relevant, da die vorliegende Arbeit einen besonderen Schwerpunkt auf die individuelle Dimension, d. h. die Kompetenzen der Sozialarbeiterin legt, die Dimension, die im Vordergrund dieser Arbeit steht. Dabei ist die Kompetenz von Sozialarbeiterinnen auf drei Arten zu unterscheiden:

- Instrumentelle Kompetenzen
- Soziale Kompetenzen
- Reflexive Kompetenzen

Instrumentelle Kompetenzist die Beherrschung von Fähigkeiten und Fertigkeiten bis hin zu Verhaltensroutinen und die Verfügbarkeit von Fachwissen.“ (Geißler 2007, S. 195)

Soziale Kompetenzmeint die Fähigkeit, sich auf die Klienten mit ihren Bedürfnissen und Anforderungen einzustellen bzw. einzulassen, über die Situation und deren Bedingungen selbst nachdenken zu können und sich nicht in ihr zu verfangen.“ (Geißler 2007, S. 199)

Reflexive Kompetenzmeint die Fähigkeit des Sozialpädagogen, die eigenen Entwicklung in ihren prägenden Spuren nicht zu verlieren oder zu verleugnen, sondern sie in das berufliche Handeln zu integrieren.“ (Geißler 2007, S. 197)

Geißler betont dabei die Wichtigkeit, Fähigkeiten in allen der drei Kompetenzfelder zu entwickeln und diese integrativ miteinander zu verknüpfen. (vgl. Geißler 2007, S. 196)

Da der Begriff der reflexiven Kompetenz bzw. der Reflexivität in diesem Kontext zentral ist, erscheint eine genauere Definition notwendig:

„In der folgenden Untersuchung wird Reflexivität als Bereitschaft und Fähigkeit zur systematischen, methodisch kontrollierten und selbstkritischen Analyse des eignen Tuns und der dazu gehörigen Rahmenbedingungen (der Institution, des Hilfesystems etc.) definiert. Diese systematische Analyse bezieht sich sowohl auf die eigenen Deutungsmuster (Tatbestandsdeutungen, Ursachenannahmen, Bewertungen) als auch auf die zentralen Interventionsmuster (Handlungspräferenzen und Handlungsroutinen). Zwei Hypothesen bilden die Grundlage der Reflexion: (1) Es könnte auch anders sein (bzw. sein sollen) als ich bisher gedacht habe. (2) Vielleicht könnte (und sollte) ich anders handeln. Die erste Hypothese legt eine Überprüfung der eigenen Wahrnehmungen, Erklärungen und Bewertungen der Realität nahe, die zweite die Entwicklung und Abwägung von Handlungsalternativen.“ (Heiner 2004, S.44)

Bereits an dieser Stelle wird deutlich, dass die Erarbeitung und das Verstehen der prägenden Spuren und damit das Erlangen reflexiver Kompetenz ein wesentlicher Teil sozialarbeiterischer Professionalität ist. „Auszubildende und Berufsanfänger treten nicht als „unbeschriebene Blätter“ in die Institutionen ein, sondern mit spezifischen lebensgeschichtlichen Voraussetzungen, Deutungsmustern und Orientierungssystemen, die sie in den Prozess ihrer eigenen Sozialisation einbringen.“ (Gildemeister 1983, S. 84)

Bevor Biografiearbeit als Mittel der Selbstreflexion und der Gewinnung reflexiver Kompetenz näher beleuchtet wird, wird nachfolgend untersucht, inwieweit ein Zusammenhang zwischen Professionalität und Wohlbefinden besteht.

2.2  Der Zusammenhang von Professionalität und Wohlbefinden

Professionalität wurde als Bündel aus instrumentellen Kompetenzen, sozialen Kompetenzen, reflexiven Kompetenzen definiert, die sich im beruflichen Handeln zeigen. Der Zusammenhang zwischen Professionalität und Wohlbefinden wird anhand von Antonovskys Modell der Salutogenese deutlich.

„In seinem sautogenetischen Modell der Gesundheit setzt Antonovsky eine Reihe von Konstrukten mit der Entstehung bzw. dem Erhalt von Gesundheit in Zusammenhang. […] Der Gesundheits- bzw. Krankheitszustand eines Menschen wird nach Antonovsky wesentlich durch eine individuelle, psychologische Einflussgröße bestimmt: eine allgemeine Grundhaltung eines Individuums gegenüber der Welt und dem eigenen Leben – durch eine Weltanschauung, wie Antonovsky es einmal unter Verwendung dieses deutschen Wortes beschreibt (Antonovsky, 1993d, S. 972).“ (Benge et al., 2001, S.28).

Diese Grundhaltung wird von Antonovsky als Kohärenzgefühl bezeichnet Der Zusammenhang zwischen Kohärenzgefühl und psychischer Gesundheit gilt mittlerweile als validiert (vgl. Benge et al., 2001, S.46). Eine positive, für das Individuum und seine Gesundheit zuträgliche Grundhaltung besteht nach Antonovsky aus drei Komponenten:

- „Gefühl von Verstehbarkeit (sense of comprehensibility)

Diese Komponente beschreibt die Erwartung bzw. Fähigkeit von Menschen, Stimuli – auch unbekannte – als geordnete, konsistente, strukturierte Informationen verarbeiten zu können und nicht mit Reizen konfrontiert zu sein bzw. zu werden, die chaotisch, wilkürlich, zufällig und unerklärlich sind. Mit Verstehbarkeit mein Antonovsky also ein kognitives Verhaltensmuster“ (Benge et al., 2001, S. 29)

- „Gefühl von Handhabbarkeit bzw. Bewätigbarkeit (sense of manageability)

Diese Komponente beschreibt die Überzeugung eines Menschen, dass Schwierigkeiten lösbar sind.“ (Benge et al., 2001, S. 29)

- Gefühl von Sinnhaftigkeit bzw. Bedeutsamkeit (Sense of meaningfulness)

Diese Dimension beschreibt das „Ausmaß, in dem man das Leben als emotional sinnvoll empfindet: Daß wenigstens einige der vom Leben gestellten Probleme und Anforderungen es wert sind, daß man Energie in sie investiert, daß man sich für sie einsetzt und sich ihnen verpflichtet, daß sie eher willkommene Herausforderungen sind als Lasten, die man gerne los wäre.“ (Benge et al., 2001, S. 30)

Reflexive und soziale Kompetenz finden sich im Gefühl von Verstehbarkeit wieder – als Gegenstück zur instrumentellen Kompetenz ist (partiell) das Gefühl von Handhabbarkeit und Bewältigbarkeit zu sehen. Es bleibt daher im Ergebnis festzustellen, dass die Definitionen von Kohärenzgefühl und Professionalität eine signifikante Schnittmenge haben und somit die gleichen Kompetenzen und Einstellungen sowohl Professionalität als auch dem Kohärenzgefühl (und damit dem Wohlbefinden nach Antonovsky) zugrunde liegen.

3 Biografiearbeit

Biografiearbeit soll nun unter differenten Gesichtspunkten betrachtet werden: Nach dem Erarbeiten einer Arbeitsdefinition von Biografiearbeit wird der bereits angedeutete Zusammenhang zwischen Biografiearbeit (als Teil der Selbstreflexion) und Professionalität weiter verdeutlicht, abschließend wird auf Herausforderungen im Rahmen von Biografiearbeit und Selbstreflexion eingegangen werden.

3.1  Definition von Biografiearbeit

Folgende Kernmerkmale weisen Biografien nach Miethe auf:

Biografien sind bedeutungsstrukturiert:

„Das ,was uns bedeutsamer erscheint, registrieren wir, anderes merken wir überhaupt nicht, obwohl möglicherweise genau dieser Fakt für einen anderen Menschen ganz zentral ist.“ (Miethe 2011, 13)

Biografien basieren auf sequenziellen Erfahrungsaufschichtungen:

„Wenn wir Entscheidungen treffen müssen, dann treffen wir diese Entscheidungen vor dem Hintergrund dessen, was uns bis zu diesem Zeitpunkt bekannt war. Dies ist eine wichtige Prämisse für die Biografiearbeit, bedeutet dies doch, dass nichts, was früher passiert ist, durch etwas erklärt werden kann, was erst später stattfinden wird.“ (Miethe 2011, 14)

Biografien sind subjektive Konstruktionen:

„Biografien sind immer subjektive Konstruktionen. Ich deute die mich umgebenden Fakten, in der für mich passenden Art und Weise und ein anderer Mensch kann ähnliche Fakten völlig anders deuten.“ (Miethe 2011, 15)

Biografie ist nicht statisch, sondern „work in progress“:

„Leben ist ein ständiger Prozess, in dem immer wieder neues geschieht. Von daher ist auch eine Biografie nicht statisch, sondern in einem ständigen Prozess der Veränderung.“ (Miethe 2011, 17)

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Details

Seiten
25
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656631729
ISBN (Buch)
9783656631712
Dateigröße
759 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271062
Institution / Hochschule
Fachhochschule Mannheim, Hochschule für Sozialwesen
Note
1,7
Schlagworte
achtsame biografiearbeit sozialarbeiterinnen sozialarbeiter professionalität wohlbefinden

Autor

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Titel: Achtsame Biografiearbeit als Weg für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter zu Professionalität und Wohlbefinden