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Das "kunstseidene Mädchen" Doris bei Irmgard Keun

Inwieweit entspricht Doris der neuen Frauenrolle der 20er Jahre?

von Hendrik Kahlbach (Autor)

Wissenschaftlicher Aufsatz 2012 11 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rollenbilder von Frauen in den 20er Jahren
2.1 Die Frau im Beruf
2.2 Die Frau in der Ehe und Familie
2.3 Die Frau als Verführerin

3. Die kunstseidene Doris
3.1 Charakterisierung von Doris
3.2 „Inwieweit entspricht Doris der Neuen Frauen ?“

4. Schlusswort

5. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Zum historischen Hintergrund der vorliegenden Hausarbeit ist zu sagen, dass im November 1918 das deutsche Kaiserreich aufgrund der Niederlage im ersten Weltkrieg zusammenbricht, es beginnt die Zeit der Weimarer Republik.

Während in der Mitte der 20er Jahre ein kurzer wirtschaftlicher Aufschwung festzustellen ist, folgt in der Spätphase der Weimarer Republik die Weltwirtschaftskrise von 1929.

Es ist festzustellen, dass neben Massenarbeitslosigkeit und politischer Radikalisierung ebenfalls im kulturellen Bereich restaurative Veränderungen in Erscheinung treten, welche von der Autorin Irmgard Keun in ihren Zeitromanen aufgegriffen werden.

Im Jahr 1931 veröffentlicht die junge Keun ihren ersten Roman Gilgi, eine von uns, welcher ihr großen Erfolg bringt. Bereits im darauf folgenden Jahr erscheint ihr nächster Roman Das kunstseidene Mädchen, der sich mit Keuns kritischer Verarbeitung der sozialen und kulturellen Veränderungen der damaligen Gesellschaft befasst und ein besonderes Augenmerk auf die neue aufkommende Rolle der Frau in der Gesellschaft der Weimarer Republik lenkt, der Neuen Frau.

Zu der Entwicklung der Neuen Frau kommt es unter anderem durch die Weimarer Reichsverfassung, durch welche am 19.01.1919 die deutschen Frauen zum ersten Mal in der Geschichte an der Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung teilnehmen dürfen.

Im weiteren Verlauf meiner Hausarbeit werde ich zunächst einmal kurz auf die verschiedenen Merkmale der Neuen Frau eingehen. Weiterhin wird eine Charakterisierung der Protagonistin, Doris, folgen. Als nächstes werde ich eine Analyse der Leitfrage meiner Hausarbeit „Inwieweit entspricht Doris der Neuen Frau ?“ vornehmen. Abschließend wird ein Fazit meiner neu gewonnen Erkenntnisse folgen.

2. Rollenbilder von Frauen in den 20er Jahren

Zuerst einmal lässt sich das Konzept der Neuen Frau in drei verschiedene Rollenbilder einteilen. Erstens in die Rolle der Frau im Beruf, zweitens in die Rolle der Frau in der Ehe und Familie und drittens in die Rolle der Frau als Verführerin. Nun werde ich nacheinander eine kurze Erläuterung der genannten Rollenbilder geben.

2.1 Die Frau im Beruf

Zum beruflichen Rollenbild ist zu sagen, dass es sich bereits während der Kriegszeit entwickelt, da viele „Frauen in ehemaligen Männerberufen tätig [sind]“, sodass die Männer an der Front kämpfen können. „Dieser Trend [...] setzt[ ] sich auch während der Weimarer Republik fort“. Viele Frauen arbeiten im Bereich der Verwaltung, des Handels und des Dienstleistungsbereiches. Besonders im Dienstleistungsbereich steigt der Anteil weiblicher Erwerbstätigkeit stark an, „von 1907 bis 1933 [...] von 14,6% auf 25,6%“.

Es ist jedoch zu betonen, dass Frauen im Gegensatz zu Männern eine untergeordnete und schlechter bezahlte Positionen einnehmen, daher kompensieren die Frauen „fehlende Befriedigung im Beruf [...] wiederum durch verstärkte Betonung ihrer äußerlichen Attraktivität und eine ausgeprägte Freizeitkultur, die neben Kinobesuchen auch regelmäßige Tanzbar- und Cafébesuche, sowie sportliche Aktivitäten umfasst[ ]“.

Darüber hinaus ist zu sagen, dass die meisten Frauen nur bis zu ihrer Ehe erwerbstätig sind, „denn 93,6% der weiblichen Angestellten [sind] 1925 unverheiratet“.

Somit lässt sich insgesamt sagen, dass die neue Frauenrolle im Berufsfeld „eine aus Furcht oder aus übersteigertem Fortschrittsbewusstsein entstanden Projektion einiger Männer [ist]. [...] Der emanzipatorische Aspekt der Frauenerwerbstätigkeit [liegt] vor allem in der Selbstverständlichkeit der Unabhängigkeit in der meist kurzen vorehelichen Phase“, so die Historikerin Ute Frevert.

2.2 Die Frau in der Ehe und Familie

Im Bereich der Ehe und Familie findet zwar größtenteils weiterhin eine traditionelle Rollenverteilung statt, jedoch zeigt sich eine Veränderung in der Sexualität zwischen Mann und Frau.

Besonders junge Frauen brechen aus den alten Konventionen aus, während es der älteren Frauengeneration noch schwer fällt, los zulassen.

Des Weiteren kann man feststellen, dass „Die neue Geschlechtermoral [...] die Rationalisierung des Geschlechtertriebs ermöglicht“ und als Hauptursache für die zunehmende Anwendung von Verhütungsmitteln gesehen wird.

So ist bereits in den zwanziger Jahren von einer Krise der Familie die Rede, in Folge steigender Abtreibungsraten und Scheidungsraten.

2.3 Die Frau als Verführerin

Wie bereits erwähnt ändert sich die Sexualmoral der jungen Frauengeneration. Hauptsächlich junge Frauen, inspiriert und beeinflusst durch die amerikanische Filmkultur, orientieren „sich an weiblichen Leitbildern wie [dem] Girl oder [dem] Vamp, [...] die das bürgerliche Liebesleben in Frage stellen“ und „Geselligkeit und Genuss ohne Gemeinschaftlichkeit und Bindung [verkörpern]“. Die Frau nimmt somit die Rolle der Verführerin ein.

Der Bubikopf, modische Kleidung, das geschminkte Gesicht und die Zigarette sind kennzeichnent für das äußere Erscheinungsbild des Vamp s.

Das Girl entspricht der Femme Enfant, die in den 20er Jahren als vollkommene Schönheit auftritt und ihre sexuelle Attraktivität sachlich zur Schau stellt.

Eine Variante des Girls ist der Flapper, der eine mehr auf den Alltag ausgerichtete Form des Girl darstellt.

[...]

Details

Seiten
11
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656619215
ISBN (Buch)
9783656619208
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271094
Note
Schlagworte
mädchen doris irmgard keun inwieweit frauenrolle jahre

Autor

  • Hendrik Kahlbach (Autor)

    4 Titel veröffentlicht

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Titel: Das "kunstseidene Mädchen" Doris bei Irmgard Keun