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Kognitivistische und non-kognitivistische Emotionstheorien am Beispiel von Martha Nussbaum und Jesse Prinz

Hausarbeit 2013 30 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was sind Emotionen?
1.1 Kognitivistische Emotionstheorie
1.2 Wie entstehen Emotionen?
1.3 ,Verkörperte Wahrnehmungstheorieʻ
1.4 Die Erweiterung der auslösenden Faktoren
1.5 Damasio: Zwischen Kognition und körperlicher Wahrnehmung

2. Bewusstsein und Emotionen
2.1 Prinz' Bewusstseinstheorie
2.2 Un/Bewusste Einflussnahme

3. Fazit

4. Literatur

In dieser Arbeit möchte ich zwei persönliche Intuitionen zusammenbringen. Zum einen die Intuition, dass Emotionen zu einem erheblichen Teil mit unseren körperlichen Vorgängen und unserer Wahrnehmung von diesen zusammenhängen und dass der phänomenale, körperliche Aspekt notwendig zu Emotionen gehört. Diese Intuition (I1) teile ich mit Autoren wie Jesse Prinz und William James, die eine ,gefühlte Emotionstheorieʻ[1] vertreten.

Eine weitere Intuition betrifft die Möglichkeit kognitiv Einfluss auf Emotionen nehmen zu können, wie man z.B. in der psychotherapeutischen Praxis sehen kann oder an der Tatsache, dass man die eigenen Emotionen durch Nachdenken regulieren kann. Diese Intuition (I2) scheint zunächst nicht mit einer ,gefühlten Emotionstheorieʻ  vereinbar zu sein, sondern eher der Gegenposition zuzugehören – der kognitiven Emotionstheorie, die in dieser Arbeit von Martha Nussbaum repräsentiert wird. Ziel ist es, beiden Intuitionen gerecht zu werden.

Da ich in dieser Arbeit jedoch keine geschlossene, integrative Theorie – aufgrund ihrer Komplexität[2] anbieten kann, möchte ich mich zunächst mit den obengenannten Autoren auseinandersetzen, um im Anschluss mit der für mich überzeugenderen Theorie weiterzuarbeiten. Dies tue ich mit Rückgriff auf Prinz' Theorie vom assoziativen Lernen und vom Bewusstsein, die ich an dieser Stelle jedoch primär funktional für meinen Versuch der Integration der Intuitionen I1 und I2 beschreibe.

1. Was sind Emotionen?

Eine Theorie von Emotionen sollte möglichst viele der Phänomene und Eigenschaften erklären, die für Emotionen konstituierend zu sein scheinen. Ich möchte mit Prinz[3] von sechs Annahmen ausgehen:

I. Emotionen haben ein formales Objekt, auf das sie gerichtet sind. Man hat ,Angst vorʻ oder ist ,froh überʻ. Emotionen sind also in irgendeiner Form gerichtet und repräsentieren dadurch etwas in der Welt.
II. Die Repräsentation wird bewertet, was z.B. mit einer bestimmten Handlungsmotivation einhergeht. Die simpelste Form scheint mir die Vermeidung und das Aufsuchen von Situationen aufgrund der Bewertung.
III. Emotionen hängen mit Handlungspotenzialen bzw. -tendenzen zusammen, die es ermöglichen z.B. mit dem formalen Objekt umzugehen.
IV. Emotionen haben einen phänomenalen Aspekt, d.h. sie fühlen sich auf eine bestimmte Art und Weise an. Z.B. bringt Wut ein anderes Körpergefühl mit sich als Fürsorge.[4]
V. Emotionen sind häufig mit Ausdrucksverhalten, immer aber mit einer körperlichen Reaktion verbunden. Dies kann sich z.B. mimisch (Lachen, Weinen etc.) oder gestisch (das Zurückziehen der Schultern bei Wut, das Senken des Kopfes bei Scham) äußern.
VI. Bestimmte Emotionen sind mit bestimmten kognitiven Verarbeitungsarten verbunden. So bin ich wahrscheinlich aufmerksamer, wenn ich Gefahr fürchte oder desinteressiert an meiner Umwelt, wenn ich tief traurig bin.

Nicht alle dieser Eigenschaften können von mir ausführlich im Lichte der beiden Grundpositionen überprüft werden. Daher beschränke ich mich auf eine Auswahl. Eine vollständige Einarbeitung sollte jedoch Ziel einer gelingende Emotionstheorie sein.

Die Annahme dieser Eigenschaften wird zum großen Teil akzeptiert. Dies legt nahe, dass der Begriff ,Emotionʻ eine Menge von Phänomenen umfasst, die durch ihn gut und stimmig abgedeckt werden. Doch es scheint neben den Ähnlichkeiten auch Unterschiede in den Phänomenen zu geben, die wir Emotionen nennen. So wird die Aggression in mir, wenn ich erschrecke, ganz automatisiert ausgelöst. Ich benötige für den bösen Gesichtsausdruck und den schnelleren Herzschlag keine Idee davon, was mich genau erschrocken hat. Und selbst das Wissen über den folgenden Schreckmoment z.B. in einem Krimi, nimmt diesem nicht seine Wirkmacht.

Demgegenüber steht z.B. der Stolz auf ein seltenes, wertvolles Sammlerstück. Das Wissen um die Seltenheit und den Aufwand, der mit der Beschaffung verbunden war, den Wert und den Werdegang dieses Sammlerstücks konstituieren erst wirklich den Stolz, der sich scheinbar nicht körperlich äußert. Würde ich später erfahren, dass es sich um eine gute Kopie handelte, würde meinem Stolz ein Abbruch getan.

Es scheint also Unterschiede in der Zugänglichkeit und in der körperlichen Intensität zu geben. Ich möchte jedoch die These vertreten, dass Emotionen immer von körperlichen Reaktionen begleitet werden und dass diese notwendigerweise dazu gehören. Doch Emotionen erschöpfen sich meines Erachtens nicht in der passiven Wahrnehmung von körperlichen Veränderungen, sondern sind zugänglich für Beeinflussung. Diese kann sowohl über körperliche Übungen wie Atemtechnik oder pharmazeutisches Eingreifen, als auch durch Intellektualisierung wie Affirmationen oder Rationalisierung zustande kommen[5].

Ich möchte also in den ersten Zügen einer Integration dieser Begebenheiten (I1 &I2) die Emotionstheorie von Jesse Prinz als Ausgangspunkt verwenden, die Emotionen nah zur Wahrnehmung körperlicher Veränderungen rückt. Zudem möchte ich im Kontrast eine kognitivistische Emotionstheorie darlegen, die Emotionen als kognitive Zustände bzw. Prozesse versteht. Ich beginne mit Letzterer und versuche zu zeigen, warum ich diese für nicht überzeugend halte. Die darauffolgenden Überlegungen werden stark an die von Prinz angelehnt und entlehnt sein.

1.1 Kognitivistische Emotionstheorie

Die kognitivistischen Theorien von Emotionen „typically claim that emotions involve propositional attitudes“, da sie eine große Ähnlichkeit von Emotionen und Urteilen bzw. Überzeugungen[6] annehmen. Dies scheint plausibel, betrachtet man emotionales Verhalten. Beispielsweise kann man sich nicht mehr über eine Beleidigung ärgern, die – wie man später herausgefunden hat – gar nicht stattgefunden hat. Fehlt die Überzeugung, dass man beleidigt wurde, verschwindet auch das Gefühl des beleidigt-Seins.[7] Demnach besteht ein Zusammenhang von Emotionen und Kognitionen wie Urteilen oder Überzeugungen. Die Behauptung, Emotionen seien zum großen Teil oder sogar vollständig erklärbar durch kognitiven Prozessen, stellt die Grundthese kognitvistischer Emotionstheorien dar.

Es ist jedoch Vorsicht geboten, da verschiedene Ansätze unter die Bezeichnung ,kognitivistische Theorieʻ subsumiert werden, die derart nicht ohne weiteres zusammengefügt werden können. So postuliert z.B. Solomon klar, dass „eine kognitivistische Theorie Affekte […] mit zu berücksichtigen vermag“, während andere emotionstheoretische Kognitivisten den affektiven, phänomenalen Aspekt völlig für vernachlässigbar halten.[8]

Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass eine mentale Repräsentation der Außenwelt – sei es begrifflich oder bildlich – vorliegen muss, um eine Emotion zu haben.

Somit sind für jeden Vertreter Gedanken, Einstellungen, Überzeugungen etc. notwendig, für viele weitreichend, für einige hinreichend.

Als eine Vertreterin der Urteilstheorie möchte ich Martha Nussbaum vorstellen. Sie argumentiert in ihrem Aufsatz[9], dass Emotionen Urteile darüber sind, ob etwas für uns wertvoll und wichtig ist: „[E]motions are forms of judgment.“[10] Sie geben laut Nussbaum Auskunft darüber, was einer Person wichtig ist und gleichzeitig nicht unter ihrer Kontrolle ist, demnach sind sie „acknowledgements of neediness and lack of self-sufficiency.“[11]

Mit dieser Position hält sie sich an die Stoiker bzw. Neo-Stoiker und kann einige der oben genannten Eigenschaften von Emotionen plausibel erklären: So kann eine Emotion, die im Grunde ein Urteil ist, ein formales Objekt haben. Man urteilt, wenn man Angst hat, dass man vor beispielsweise einem Rottweiler Angst hat und dieses Urteil hängt mit einer bestimmten Perspektive zusammen, die man – als Fühlende – gegenüber diesem Rottweiler als Objekt hat. Somit sind die Punkte I und II erklärbar und zudem liegt der Fokus stark auf der subjektiven, fehlbaren und internen Bewertung eines Objekts. (Dieser Aspekt der Subjektivität ist insofern schwer erklärbar für körperliche Emotionsthoretiker, als dass sie eine Erklärung für unterschiedliche emotionale Reaktionen auf Rottweiler liefern müssten, die mit der Wahrnehmung von unterschiedlichen körperlichen Veränderungen übereinstimmen muss.) Aus kognitivistischer Perspektive ist dies leicht erklärbar: es handelt sich bei einer Emotion in manchen Fällen um das Ergebnis eines „complex set of beliefs“[12] wie ,Rottweiler sind gefährlichʻ oder ,Halter von Rottweilern sind unverantwortlich und aggressivʻ etc. und diese Zusammenkunft von komplexen Gedanken kann je nach Erfahrungswert der Personen variieren.[13] Dies zeigt, dass es nicht bloß um eine generelle Bewertung von Hunden als gefährlich geht, sondern um einen komplexeren Zusammenhang zu meiner, persönlichen Wertebene. In diesem Sinne bezeichnet Nussbaum Emotionen als „eudaimonistic“[14], da sie Bezug auf das Gedeihen und Wohlbefinden des Fühlenden selbst haben.

Auch meint Nussbaum erklären zu können, warum Emotionen eine bestimmte, von ihr beeindruckend beschriebene Phänomenologie haben, dies können oder wollen Kognitivisten häufig nicht leiste. Ihre Antwort liegt in der Annahme, dass das Urteilen ein „dynamic, not static“ Prozess sei und diese Dynamik, die Bewegung und Gerichtetheit von Gedanken ende sozusagen in einer Nachahmung durch den Körper: „The recognizing and the upheaval belong to one and the same part of me, the part with which I make sense of the world.“[15] Die Phänomenologie, die Körperlichkeit liegt laut Nussbaum also bereits im Urteil selbst[16], es gibt hier keine Abfolge. Dieses Argument, das – würde es überzeugen – eine große Lücke in der Erklärung von Emotionen unter kognitivistischen Grundannahmen füllen würde, versucht sie zu untermauern, indem sie behauptet, dass andere körperlichen Veränderungen wie „blood pressure […,] pulse rate“ o.ä., die nicht Teil eines Urteils sind, nicht notwendig zu einer Emotion gehören. Nussbaum erläutert dies am Beispiel der Trauer. Demnach würde man einer Person nicht absprechen, dass sie trauere, wenn sie keine Veränderungen in ihren körperlichen Funktionen hätte. Dies würde zeigen, dass eben diese körperlichen Veränderungen für die (Zuschreibung[17] von) Trauer nicht konstitutiv seien.

Ich halte dieses Argument (A1) für fehlgeleitet. Zum einen würde ich einer Person, die keinerlei körperliche Veränderung zeigt, tatsächlich absprechen, eine emotionale Veränderung durchzumachen: Zeigt der Körper einer Person die gleichen Werte vor und nach einem Ereignis, das Trauer auslösen könnte, dann würde ich sagen, dass diese Person nicht trauert. Ich stimme zu, dass es zunächst merkwürdig erscheint, abstrakte medizinische Messwerte notwendig für Emotionen zu halten. Ich denke allerdings auch, dass sich diese Merkwürdigkeit durch genauere Kenntnis über die Auswirkungen z.B. eines bestimmten Hormonpegels oder Blutdrucks auf unser Körperempfinden auflösen ließe. Wenn ein Engegefühl in der Brust nun einmal durch einen erhöhten Blutdruck entsteht, scheint dieser durchaus konstitutiv für Trauer, wenn man sagen würde, dass ein Gefühl der Enge zur Trauer gehört. Vielleicht spüre ich nicht den Blutdruck selbst, sondern seine verschiedenen Auswirkungen auf meinen Körper: pochende Kopfschmerzen, erhitztes Gesicht, Unruhe oder gar die Gesamtheit als eine Art Symptom[18]. Wo Nussbaum hier die Grenze der Phänomenologie zieht, ist mir unklar. Dies stellt jedoch einen entscheidenden Punkt ihrer Argumentation dar, denn einige Gefühle möchte sie in ihre Theorie aufnehmen, andere nicht:

Sie scheint einerseits anzunehmen, dass der „kinetic and affective aspect“[19] durchaus durch das Urteilen erklärbar ist, da sie meint, „the real, complete, recognition of that terrible event […, den Tod der Mutter, Anm. Atzler] is the upheaval.“[20] Somit sei die Phänomenologie Teil des Urteils.

[...]


[1] Ich bezeichne die Emotionstheorien von William James und Carl Lange als ,gefühlte Emotionstheorieʻ, da dies den Gegensatz zu kognitivistisch-intellektuellen Emotionstheorien deutlich macht. Es geht bei dieser Unterscheidung u.a. um die Frage, ob Emotionen Gefühle, also körperliche Empfindungen, sind oder nicht. Vertreter einer ,gefühlten Emotionstheorieʻ behaupten, dass Emotionen mit Gefühlen gleichzusetzen sind. Prinz Theorie geht jedoch über eine feeling-Theorie hinaus und wird von mir daher als ,verkörperte Wahrnehmungstheorie von Emotionenʻ oder kurz als ,verkörperte Wahrnehmungstheorieʻ bezeichnet.

Vgl. Jesse Prinz, Are Emotions Feelings?, in: Journal of Consciousness Studies, 2005, 12, S. 9-25.

[2] „In light of the huge complexity of emotional experiences, I believe that any attempt to reduce them to a single component, such as cognition, evaluation, motivation, or feeling, is inadequate. It makes more sense to characterize emotions by referring to some sort of arrangement of all its various elements. Referring to merely one element will not suffice since each of them can be found in another mental mode.“ Aaron Ben-Ze'Ev, Emotions Are Not Mere Judgments, in: Philosophy and Phenomenological Research, 2004, 68, S. 450-457, hier S. 457.

[3] Jesse Prinz, Works of Wonder. Unveröffentlichtes Manuskript, S. 9.

[4] Auch Ben-Ze'Ev erläutert diese ersten vier Annahmen anhand eines schönen Beispiels: „In emotions, there is an inherent connection between the evaluative (or the cognitive-evaluative), the motivational, and the feeling components. In light of the crucial role of evaluations in emotions, emotions involve a positive or a negative stance toward the object, and hence they also entail either taking action or being disposed to act in a manner that is compatible with the evaluation. A positive emotional evaluation of someone is typically correlated with readiness to be with that person, and a negative evaluation with readiness to avoid that person. Similarly, a positive evaluation is typically correlated with a pleasant feeling and a negative evaluation with an unpleasant or a painful feeling. Motivation and feelings are then not irrelevant to the emotional experience; they are as relevant as evaluations.“ Aaron Ben-Ze'Ev, Emotions Are Not Mere Judgments, S. 452.

[5] Ähnlich beschreibt diese Begebenheit auch Prinz: „[...] emotion terms cut across highly cognitive and highly noncognitive episodes. Anger can be stirredup by a glare or by a chain of high-level moral reasoning. Fear can be triggered by a sudden loss of support, or by reading the latest election returns.“ Jesse Prinz, Which Emotions Are Basic?, in: D. Evans and P. Cruse (Hg.), Emotion, Evolution, and Rationality. Oxford University Press 2004, S. 8.

[6] Es gibt keine Einigkeit darüber, welcher Art von Kognition den Emotionen ähnlich sind, da auch der Begriff der Kognition nicht klar definiert ist. Vgl. hierfür Robert Solomon, Emotionen, Gedanken und Gefühle: Emotionen als Beteiligung an der Welt, in: Sabine Döring (Hg.), Philosophie der Gefühle. Frankfurt am Main 2009, S. 148-168, hier S. 153f.

[7] Vgl. Jenefer Robinson, Emotionen: Biologische Tatsache oder soziale Konstruktion, in: Sabine Döring (Hg.), Philosophie der Gefühle. Frankfurt am Main 2009, S. 302-326, hier S. 302.

[8] So gesteht auch Solomon ein, dass er zeitweise körperliche Komponenten und Erfahrungen „als bloße Begleit- oder Sekundäraffekte in die kausalen Randgebiete von Emotionen“ abgedrängt hat. Robert Solomon, Emotionen, Gedanken und Gefühle: Emotionen als Beteiligung an der Welt, S. 163.

[9] Martha Nussbaum, Emotions as Judgments of Value and Importance, in: Robert Solomon (Hg.), Thinking about feeling: contemporary philosophers on emotion. Oxford University Press 2004, S. 183-199.

[10] Martha Nussbaum, Emotions as Judgments of Value and Importance, S. 185.

[11] Ebd.

[12] Ebd., S. 188.

[13] Allerdings scheint mir eben dieser Erfahrungswert für die Vertreter einer ,verkörperten Wahrnehmungstheorieʻ als  eine mögliche Erklärung für das Problem. Erfahrung wird in diesem Zusammenhang nur weniger kognitiv, vielmehr als Gewohnheit oder Konditionierung verstanden. Vergleichbar mit der Assoziationstheorie, die Prinz gibt und die unter 1.4 erläutert wird.

[14] Martha Nussbaum, Emotions as Judgments of Value and Importance, S. 189.

[15] Ebd., S. 194.

[16] „I believe […] that emotions like, other mental processes, are bodily, but that this does not give us reason to reduce their intentional/cognitive components to non intentional bodily movements.“ Martha Nussbaum, Emotions as Judgments of Value and Importance, S. 197, Fußnote 9.

[17] An dieser Stelle scheint mir die Befragung von Intuitionen anhand eines Gedankenexperiments schwierig. Man kann argumentieren, dass man einer Person Trauer dennoch zuschreiben würde, würde man sich all ihre körperlichen Veränderungen wegdenken. Ich denke jedoch nicht, dass die Annahmen auf die tatsächliche Physiologie des Fühlenden zugreifen kann. Wenn – angenommen – spezifische körperliche Veränderungen zu einer Emotion gehören, weil der Körper ein Gesamtsystem ist und er jeden Prozess verursacht und mitträgt, kann man von Nicht-Fachmännern, die man mit einem solchen Gedankenexperiment befragt, nicht erwarten, über die tatsächlich ablaufenden, körperlichen Prozesse Bescheid zu wissen. Man kann theoretisch keine handfesten Informationen über die Empirie gewinnen. Daher muss ich ihr Argument zurückweisen, was die tatsächliche empirische Grundlage von Emotionen angeht. Sie kann allein Aussagen über deren Zuschreibung treffen: „I believe that Nussbaum is right in excluding bodily conditions from her psychological definition of emotions.[Hervorhebung durch Atzler]“ Aaron Ben-Ze'Ev, Emotions Are Not Mere Judgments, S. 452.

Ähnlich reagiert auch Prinz auf ein ähnliches Gedankenexperiment, man solle sich die Überraschung über den Ausgang einer Wahl vorstellen und die körperlichen Veränderung wegdenken: „Isn't this a case of conscious emotion without no bodily symptoms? […I]t is an empirical question whether a person could experience surprise without bodily changes. The case may be impossible.“ Jesse Prinz, Gut Reactions. New York, 2004, S. 206.

[18] Die Diskussion welche körperliche Reaktion genau wahrgenommen wird, diskutiert Prinz im Zusammenhang mit seiner Bewusstseinstheorie, hier Punkt 2.1.

[19] Martha Nussbaum, Emotions as Judgments of Value and Importance, S. 194.

[20] Ebd., S. 194.

Details

Seiten
30
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656627241
ISBN (Buch)
9783656627234
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271103
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
kognitivistische emotionstheorien beispiel martha nussbaum jesse prinz

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Titel: Kognitivistische und non-kognitivistische Emotionstheorien am Beispiel von Martha Nussbaum und Jesse Prinz