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„Force noire“ und „Schwarze Schmach“. Die Debatte über den Einsatz afrikanischer Soldaten in Deutschland und Frankreich, 1910-1925

Bachelorarbeit 2013 78 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Das Umfeld der Debatte: Rassismus, Kolonialismus, Nationalismus und Geschlecht
1.1 Rassismus und Wissenschaft im Europa des 18. Und 19. Jh
1.1.1 Die „Verwissenschaftlichung“ des Rassenbegriffs
1.1.2 Das Bild des Schwarzafrikaners in der europäischen Öffentlichkeit des 18. Jh
1.2 Die europäische Kolonialpolitik bis zum Vorabend des Ersten Weltkrieges
1.2.1 Die „Zivilisierungsmission“
1.2.2 Die Politik der Dissimilation
1.3 Eugenik
1.3.1 Biologismus und bürgerliche Gesellschaft
1.3.2 Kolonialismus und Eugenik
1.3.3 Militarismus und Eugenik
1.4 Nationalismus und Militarismus
1.4.1 Die „Geburtenfrage“
1.4.2 Nationalismus und Militarismus im Deutschen Reich
1.4.3 Nationalismus und Militarismus im Frankreich der III. Republik
1.5 Die französischen kolonialen Truppen zwischen 1914 und
1.5.1 Zahlen und Zusammensetzung
1.5.2 Rekrutierung

II. Der „Aufruf der 93“ und die „Schwarze Schande“: die deutsche Vision vom „Ende des Abend- landes“
2.1 Völkerrecht und Kolonialtruppendiskussion
2.1.1 Kurze geschichtliche Skizze des Völkerrechts
2.1.2 Stellung und Bewertung der Kolonialtruppen durch das Völkerrecht
2.1.3 Deutsche Intervention in der Frage der Kolonialtruppen
2.2 Der „Aufruf der 93“: ein Appell an die Kulturwelt!
2.2.1 Das politische Manifest
2.2.2 Das „Manifest der 93“: Autorenschaft, Ziele und Inhalt
2.2.3 Die Reaktion des Auslands
2.3 Die „Schwarze Schande“: Propaganda gegen die Besatzung des Rheinlandes
2.3.1 Die Rheinlandbesatzung durch Frankreich - Ursache, Verlauf, Auswirkungen
2.3.2 Die Akteure der „Schwarze Schande“.
2.3.3. Die „Schwarze Schande“

III. „Grande nation“ und „Force noire“: Frankreichs „zivilisatorische Mission“
3.1 „La culture coloniale“ - Selbstverständnis einer kolonialen Macht
3.1.1 Das zivilisatorische Sendungsbewusstsein der „grande nation“ in seine Kolonien
3.1.2 Kolonialer Alltag in Frankreich - zur kolonialen Durchdringung der französischen Ge- sellschaft
3.2 Die „Force noire“ des Generals Mangin
3.2.1 Von der Person des Generals Mangin
3.2.2 Konzept der Force noire
3.2.3 Kritik des Einsatzes kolonialer Soldaten in Frankreich am Beispiel der Force noire
3.3 Französische Antworten auf die „Schwarze Schmach“
3.3.1 Die „Weiße Schande“
3.3.2 Die militärische und kulturelle Aufwertung der „Tirailleurs sénégalais“
3.3.3 Die Wahrnehmung der Kolonialsoldaten als einzelne Individuen

Zusammenfassung und Ausblick

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang

Einleitung

Wir appellieren an das Weltgewissen, wir appellieren an die ganze zivilisierte Welt, [ … ] wer farbige Truppen einem tausendjährigen Kulturstaat als Besatzung zuführt, der verwirkt durch solche Missachtung jedes europäischen Solidaritätsgedankens und Kulturgefühls die Legitimation zur Be- schuldigung anderer Länder “.1 Mit diesen Worten drückte der Zentrumsabgeordnete Dr. Bell bei einer Sitzung des deutschen Reichstages am 6. November 1920 unter großem Beifall seiner Kollegen seine Entrüstung über die Stationierung kolonialer Soldaten als Besatzungstruppen durch die franzö- sische Regierung im Rheinland aus. Dieses Zitat veranschaulicht sowohl die rassistische als auch die nationale Dimension der Diskussion über den Einsatz nichtweißer Truppen auf dem europäischen Kontinent. So beschuldigt Bell die Franzosen nicht nur des Verrats an der „weißen Rasse“ und der Zivilisation, sondern spricht ihnen im gleichen Zug jegliches Recht ab, über das besiegte Deutsche Reich und die Weimarer Republik zu urteilen beziehungsweise zu richten.

Seit den Anfängen ihrer Expansion haben die Kolonialmächte einheimische Truppen als Poli- zei- und Ordnungstruppen in ihren eigenen Kolonien eingesetzt oder als Hilfstruppen für weitere koloniale Eroberungszüge verwendet.2 So geschah es auch auf dem afrikanischen Kontinent. Diese Vorgehensweise erwies sich als kostengünstig und machte das massenweise Einschiffen von europäi- schen Soldaten überflüssig. Europäer waren noch bis zur Mitte des 20. Jh. zahlreichen tropischen Krankheiten wie der Malaria, dem Dengue-Fieber oder der Schlafkrankheit schutzlos ausgeliefert. Auch waren sie, wie die zahlreichen Beiträge über die „Akklimatisierungsfrage“3 in der zweiten Hälfte des 19. Jh. belegen, den harten klimatischen Bedingungen nur unzureichend gewachsen. Entgegen aller Anstrengungen von staatlicher oder privater4 Seite ließen sich außerdem nur eine winzige An- zahl von Kolonisten in den afrikanischen Kolonien nieder. Algerien und Südafrika bildeten hierbei als Siedlungskolonien eine Ausnahme.

Der massive Einsatz von kolonialen Truppen im Ersten Weltkrieg, vorwiegend von Frankreich (etwa 500.000 Soldaten) und Großbritannien, kam einem Tabubruch gleich oder brach zumindest mit den gewohnten Mustern.5 Erst während des Ersten Weltkrieges nahm die europäische Öffentlichkeit zum ersten Mal die kolonialen Soldaten und Untertanen bewusst wahr. Ungeachtet der Tatsache,

dass die Kolonialtruppenproblematik schon seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. von einem sehr kleinen Kreis der politischen, bürgerlichen, wirtschaftlichen und militärischen Elite diskutiert wurde, ent- brannte Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jh., vor allem nach der Besetzung des Rheinlandes durch Frankreich, recht schnell eine intensive propagandistische Schlacht um die moralische und rechtliche Legitimation dieses Einsatzes zwischen den Kriegsteilnehmer. Die Beteiligung kolonialer Soldaten an der Besetzung des Rheinlandes wurde von den Gegnern der Besetzung als „Schwarze Schmach am Rhein“ diffamiert und publizistisch in der gesamten damaligen westlichen Welt ausgetragen. In der Kolonialtruppendiskussion verlief die Linie zwischen den Befürwortern des Einsatzes kolonialer Trup- pen auf dem europäischen Kontinent (Frankreich und Großbritannien) und den Kritikern eines sol- ches Einsatzes (vor allem Deutschland). Ein klassischer „have“ und „have not“ Gegensatz erscheint mir nicht sehr sinnvoll da, um als Beispiel die „Fita-Fita“ und „Askari“ zu nennen6, Deutschland durchaus über koloniale Verbände verfügte beziehungsweise über das Potential, diese ebenfalls in Europa einzusetzen.7 Unter „koloniale Truppen“ sollen in der vorliegenden Arbeit, wenn nicht anders angegeben, nichtweisse Einheiten aus den französischen Afrikakolonien verstanden werden: sowohl Schwarz- (oft als „Tirailleurs“ oder „Tirailleurs sénégalais“ subsumiert) als auch Nordafrikaner (oft „Zouaves“, „Spahis“, „Ghurkas“ oder „Goums“ genannt).

Ziel dieser Arbeit ist es nicht, eine Auflistung von Schlachten und Fakten über den Einsatz af- rikanischer Soldaten im Ersten Weltkrieg zu unternehmen, sondern vielmehr die Debatte um die Möglichkeiten, Gefahren und Legitimation solch eines Einsatzes darzustellen. So spiegelt diese Arbeit den Wandel innerhalb der militärgeschichtlichen Forschung wieder, weg von einer oft glorifizieren- den Schlachtenerzählung hin zu einer komplexen Darstellung des Wirkens militärischer Auseinander- setzungen auf die gesamte Gesellschaft, Politik und Kultur der jeweiligen Kriegsteilnehmer und neut- ralen Länder.8 Der beobachtete Zeitraum erstreckt sich über etwa fünfzehn Jahre, von der Publikati- on der militärtheoretischen Schrift des französischen General Mangin, La Force Noire im Jahr 1910, über den Ersten Weltkrieg, bis zum Abzug der letzten kolonialen Kontingente der französischen Be- satzungstruppen aus dem Rheinland 1925. Stets zu berücksichtigen ist die Tatsache, dass diese De- batte mit eindeutigen propagandistischen Mitteln ausgetragen wurde. Auch ständig zu beachten ist der Umstand, dass die Debatte anfangs nur von einem ganz kleinen Kreis der Gesellschaft getragen wurde. Nur im Zuge der publizistischen und propagandistischen Aktionen, sowohl in den 1910er Jah- ren mit dem „ Aufruf der 93 “, als auch in den 1920er Jahren mit der „Schwarze Schmach“ (oder „Schwarze Schande“) wurde die Polemik einer größeren Öffentlichkeit zugetragen.

Neben der Hauptfrage, wie konkret die Polemik verlief, also mit welchen Argumentationen und Hilfsmitteln die Kontrahenten operierten, werden Fragen die die Akteure und ihre Motive, aber auch ihre Vorstellungswelt und Wertorientierung betreffen, aufgeworfen. Was haben bestimmte Konzepte, wie die der „deutschen Wehrfamilie“ oder des „Volkes unter Waffen“ auf sich, und wie wirkten sie bezüglich der Kolonialtruppendiskussion? Welchen Stellenwert hatten die Eugenik (Ras- senhygiene) und der Rassismus in der Vorstellungswelt eines Westeuropäers im 18., 19. und 20. Jh.? Welches Bild des Schwarzafrikaners herrschte zu dieser Zeit? War dieses Bild einheitlich oder vielfäl- tig und welchem Wandel unterlag es? Welche Bedeutungen hatten sowohl die Technisierung des Krieges, der Militarismus und das Auftreten der (Kriegs)Propaganda am Vorabend des Ersten Welt- krieges auf die europäische Gesellschaft? Schließlich wird die Frage gestellt, welche Auswirkungen die deutsche und französische Kolonialpolitik auf den Einsatz kolonialer Soldaten hatten.

Die vorliegende Arbeit ist vergleichend-analytisch aufgebaut. Aus dem Vergleich der französischen und der deutschen Position sollen die wesentlichen Elemente der Diskussion um den Einsatz afrikanischer Truppen auf dem europäischen Kontinent bestimmt und analysiert werden. Aus dem Vergleich lassen sich auch die Schwerpunkte der französischen und der deutschen Kolonialpolitik feststellen. Da das Untersuchungsobjekt im Spannungsverhältnis zwischen Propaganda und Fakten steht, ist es meistens nur schwer, wenn nicht gar unmöglich, die „wahren“ Ansichten der an der Debatte über den Einsatz kolonialer Truppen in Europa beteiligten Personen aufzudecken. Um die Positionen, Argumentationen und Vorgehensweisen Deutschlands und Frankreichs in der Debatte darzustellen, werden unterschiedliche Quellengattungen herangezogen: politische Werke wie Manifeste, Proklamationen und offizielle Dokumente, Sachbücher wie La Force Noire des Generals Mangin und besondere kulturelle Zeugnisse wie Medaillen und Karikaturen.

Im ersten Teil der Arbeit wird das Umfeld, in dem die Debatte stattfand, klar abgegrenzt und beschrieben. Es werden unter anderem die bestimmenden Faktoren der europäischen bürgerlichen Gesellschaft von der zweiten Hälfte des 19. Jh. bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges skizziert (Eugenik, Nationalismus, Militarisierung, Kolonialismus und Imperialismus), mit besonderem Augen- merk auf das damalige Bild des Schwarzafrikaner. Anhand des berühmten „ Manifest der 93 “ und der propagandistischen Aktion um „die Schwarze Schande“ beziehungsweise „Schwarze Schmach“ wird die deutsche Position und Argumentation in der Debatte um den Einsatz kolonialer Soldaten in Euro- pa ausgearbeitet. Analog dazu wird im dritten Teil mit der französischen Haltung verfahren, indem sowohl die Schrift Mangins „ La Force Noire “ als auch die französische Antwort auf die publizistische Kampagne der „Schwarze Schmach“ dargestellt und analysiert werden. Schließlich werden nochmal die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit präsentiert und ein kleiner Ausblick unternommen, inwieweit diese Debatte die weitere Entwicklung der Kolonien und die Beziehung derselben mit ihren ehemaligen Kolonialmächte geprägt hat.

Keine Gesamtdarstellung der Geschichte der Kolonialtruppen in Europa ist bisher erschienen, nur einzelne Untersuchungen zum Einsatz der Kolonialtruppen im Ersten Weltkrieg und bei der Rheinlandbesetzung. Die erste Welle der historiographischen Beschäftigung mit den Kolonialverbän- den im Ersten Weltkrieg erschien noch während oder relativ kurz nach dem Krieg (bis zur Mitte der zwanziger Jahren) und hatte vor allem den Zweck, den Einsatz selbst zu rechtfertigen und als Erfolgs- geschichte zu präsentieren. Die Autoren hatten eine gewisse Nähe zu staatlichen Institutionen oder hatten selber koloniale Truppen kommandiert. Von 1925 bis in die siebziger Jahre setzte eine zweite Phase ein: kennzeichnend für diese Phase war die Abwesenheit von Werken über den kolonialen Einsatz selbst. Vielmehr wurde der Kriegseinsatz in Europa als wesentliche Voraussetzung für die Bewegung des Antikolonialismus in den Kolonien interpretiert. Ab den siebziger Jahren bewirkte der „War and Society“-Ansatz eine Ablösung der Schlachtengeschichte zugunsten dichter Beschreibun- gen unter Einbeziehung von politischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekten. Zehn Jahre später wandte sich, in einer vierten und letzten Phase, die Kolonialtruppenforschung immer mehr imagolo- gischen9, mentalitäts- und geschlechtergeschichtlichen Fragestellungen zu. Schließlich wurde die „Oral-History“ Methode angewandt, um die Erfahrungen und Erlebnisse der ehemaligen kolonialen Soldaten erfassen zu können.10

Die wissenschaftlichen Untersuchungen über die „Schwarze Schmach“ begannen, mit weni- gen Ausnahmen, erst in den 1970er Jahren und wiesen eine deutliche Asymmetrie zwischen der deutschen und französischen Seite auf. Beiträge aus Frankreich waren mehr als spärlich, nur einige Autoren erwähnten in ihren Abhandlungen ganz nebenbei die „Unterstellungen“ der deutschen Seite und erhoben die zivilisatorischen Fortschritte, die ihre kolonialen Untertanen bereits gemacht hät- ten. In Deutschland gab die Monographie über die Sterilisierung der „Rheinlandbastarde“ von Reiner Pommerin, erschienen 1979, den entscheidenden Anstoß zur weiteren Beschäftigung mit diesem Thema. Andere Autoren untersuchten Charakter, Symbolik und Kontext der publizistischen Kampag- ne. Die Perzeption der afrikanischen Truppen im Rheinland wurde mit denen der schwarzen Deut- schen und der Mischlingskinder aus den Beziehungen deutscher Frauen mit Afroamerikanern vergli- chen.11

Schließlich machte die geschlechtergeschichtliche Nationalismusforschung der neunziger Jah- re die Beobachtung, dass „ bei der Konstruktion von Identität und Alterität im Nationalstaat die Ge- genbilder zum weissen, bürgerlich-liberalen und männlichen Subjekt häufig nach demselben Muster gestrickt waren, handelte es sich nun um Frauen, kolonisierte oder jüdische Männer oder Angehörige der Unterschichten “.12 Ausreichend untersucht worden sind weder die Analyse der Kolonialtruppen- diskussion in der zeitgenössischen Presse noch das Verhältnis zwischen der Zivilbevölkerung Rhein- lands und den Kolonialtruppen. Obwohl die internationale Dimension der Kampagne um die „Schwarze Schmach“ offensichtlich ist, wurden kaum komparative Studien dazu unternommen.13

I. Das Umfeld der Debatte: Rassismus, Kolonialismus, Nationalismus und Geschlecht

1.1 Rassismus und Wissenschaft im Europa des 18. Und 19. Jh.

1.1.1 Die „Verwissenschaftlichung“ des Rassenbegriffs

Laut Wolkenhorst war „ der Rekurs auf Rassentheorien ein transnationales Phänomen, das im späten 19. Jahrhundert in allen industrialisierten Gesellschaften an Einflußgewann “, wobei sich in ihm „ keine Rückkehr zu einem vormodernen, archaischen Weltbild manifestierte, sondern die Suche nach einem neuen, wissenschaftlich abgesicherten Wissen von Politik und Gesellschaft “.14 Im Rassen- begriff verbanden sich freilich zwei verschiedene semantische Traditionen: eine kulturphilosophisch- anthropologische und eine naturwissenschaftlich-biologistische. Für die erste deutlich ältere Leseart war der kulturelle und nicht der biologische Aspekt entscheidend für die „rassische“ Eigenart einer Gruppierung. Die zweite Leseart war hingegen eng mit der Vorstellung von der „Reinheit des Blutes“ verbunden und wurde durch den französischen Diplomat Arthur Comte de Gobineau in seinem „ Essai sur l ’ In é galit é des Races “ zu einer universalhistorischen Theorie zusammengefasst.15

Die zwei unterschiedlichen Deutungen von „Rasse“ lassen sich wiederum auf den Gegensatz zwischen dem Monogenismus und dem Polygenismus zurückführen. Die Anthropologie der Aufklä- rung stellte alle Anthropologen vor die schwierige Frage, wie sich die aus dem Naturrecht abgeleitete prinzipielle Einheit und Gleichheit der Menschheit mit dem, inzwischen empirisch beobachteten, physischen Unterschieden zwischen den Menschen erklären ließ. Anhänger des Monogenismus glaubten an eine gemeinsame Abstammung aller Menschen. Die kulturelle Pluralität wurde vorzugs- weise durch die verschiedenen natürlichen Umweltbedingungen, denen die Menschen ausgesetzt waren, erklärt, und nicht aus unveränderlichen, vererbbaren biologischen Merkmalen. Mit anderen Worten ausgedrückt gab es keine rassisch bedingten geistigen Unterschiede zwischen den Men- schen, nur verschiedene Umwelten, die verschiedene Kulturen bedingten. Die Polygenisten hingegen führten die beobachteten Unterschiede auf eine unterschiedliche biologische Abstammung zurück und legitimierten dadurch eine „natürliche“ Hierarchisierung der verschiedenen Menschengruppen.16 In diesem Licht betrachtet, spielten polygenistischen Argumente eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Rechtfertigung der Sklaverei, der Kolonialherrschaft sowie der bürgerlichen Ungleichheit der Kolonisierten.17

Obwohl der Vorgang der Rassenvermischung eher für die gemeinsame Abstammung aller Menschen sprechen würde, legte der Polygenist Gobineau ein besonderes Augenmerk auf diesen Prozess. Für ihn konnte die Vermischung - je nach Qualität der Rassenanteile- entweder kulturför- dernd wirken oder aber zur Degeneration und letztendlich zum Tod von Völkern und Zivilisation füh- ren. Weil der Franzose mit seiner Theorie des Erhalts der „Rassenkraft“ und der Vorstellung einer ständigen Entwicklung und Veränderung der „Rassen“ die Grenzen zwischen Naturwissenschaft und Kulturphilosophie, zwischen Biologie und Geschichte verwischte, trug er entscheidend dazu bei, die ganze Menschheitsgeschichte als einen „Rassenkampf im biologischen Sinne“ zu deuten.18

Gobineaus Ansatz, bezeichnend für den naturwissenschaftlich-biologistischen Rassismus, fußte auf die Evolutionstheorie von Charles Darwin, obwohl dieser selbst keine eigene Theorie der Rassen aufstellte. Darwins Prinzipien der „natürlichen Auslese“ und des „Überlebens der Tüchtigs- ten“ im „Kampf ums Dasein“ wurden nicht der Wissenschaft vorenthalten, sondern auch von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen und rezipiert. Indem der Rassenbegriff wissenschaftlich wurde, erfolgte einen „Biologisierung des Gesellschaftlichen“. Diese Verwissenschaftlichung des kul- turellen Konstrukts der Rasse war schließlich auch eine Grundvoraussetzung für seine Ausbreitung im Bildungsbürgertum. Zusammenfassend entstand Ende des 19. Jh. in einigen Teilen der europäischen Bevölkerung ein geschichtsphilosophischer Glaube an den nationaldarwinistischen Daseinskampf als ehernes Grundgesetz der historischen Entwicklung.19

Ebenso hat der gebürtige Engländer Houston Stewart Chamberlain eine wesentliche Rolle bei der modernen Definition von „Rassen“ gespielt. Im Gegensatz zu Gobineau waren für ihn nicht pri- mär die körperlichen Merkmale wie Hautfarbe und Schädelform entscheidend für die Rassenzugehö- rigkeit, sondern der subjektive Wille und das Bewusstsein. Rasse war also vor allem eine idealistisch- lebensphilosophische Kategorie und keine reine biologische. Begriffe wie „Rassenbewusstsein“ und „Rassegefühl“ drückten diese Begriffsänderung aus. Für Chamberlain waren „Rassen“ Produkte eines biologischen Zuchtprozesses. So definierte er einerseits die „Nation“ als Selektionsinstanz, die dafür verantwortlich war, die politischen, sozialen und kulturellen Voraussetzungen für die Erschaffung einer „hochedlen Menschenrasse“ hervorzubringen. Andererseits sollte die so entstandene Rasse dann selbst die biologische Grundlage der nationalen Entwicklung bilden, das heißt selbst ein Antrieb für die weitere Entwicklung der ganzen Nation sein. „Rasse“ und „Nation“ sah er daher in einem Pro- zess zunehmender Konvergenz. Diese Deutung von „Rasse“ deckte sich mit den Vorstellungen einer ethnisch und kulturell homogenen „Volksgemeinschaft“, dass von großen Teilen der europäischen bürgerlichen und nationalistischen Bevölkerungsgruppen geteilt wurde. So wurde der Weg für die, in den 1890er Jahren entstandenen wissenschaftlichen Disziplinen der Rassenanthropologie und Euge- nik vorbereitet.20

Die historische Rassismusforschung ist von besonderer Bedeutung für die Diskussion über den Einsatz nichtweißer Soldaten in Europa. Deren wichtigstes Ergebnis wurde durch die viel zitierte These von Louis Dumont auf den Punkt gebracht, wonach der Rassismus ideengeschichtlich das un- vermeidliche Gegenstück zur Aufklärung darstellte. Gemäß Dumont wurde der Rassismus als letzter Rückzugsort für all diejenigen angesehen, die nach der Auflösung der ständischen und korporativen Ordnung in der säkularisierten bürgerlichen Gesellschaft orientierungslos geworden sind.21 Eine wei- tere wichtige Erkenntnis der historischen Rassismusforschung ist die Tatsache, dass der Niedergang des religiösen Glaubens im Zuge der Aufklärung eine wichtige Voraussetzung für die Hierarchisierung von Menschen, also für die Entwicklung des wissenschaftlichen Rassismus war:

„ Erst mit dem Zerfall der christlichen Autoritäten und in engem Zusammenhang mit dem sozialen Transformationsprozeß, der den Aufstieg der bürgerlichen Klasse brachte, konnten sich seit dem 17. Jahrhundert Klassifikationssysteme durchsetzten, die die verschiedenen menschlichen Gruppen und Individuen nicht länger nach spiri tuellen Qualitäten, sondern nach physischen Gesichtspunkten zu ordnen versuchten. “ 22

Welche Position nahmen die Schwarzen konkret in diesem Klassifikationssystem ein, beziehungsweise welches Bild von den schwarzen Menschen herrschte in Europa am Übergang zwischen der Frühen Neuzeit und der Neuzeit?

1.1.2 Das Bild des Schwarzafrikaners in der europäischen Öffentlichkeit des 17. und 18. Jh.

Obwohl seit dem 17. Jh. an den europäischen Adelshöfen aus Prestigegründen zunehmend dunkelhäutige Menschen als Bedienstete beschäftigt wurden, blieben diese Schwarzen eher ein Ku- riosum denn vollwertige Gesellschaftsmitglieder.23 Ungeachtet der Leistungen einzelner Schwarzen, wie Anton Wilhelm Amo, der es bis zum ordentlichen Professor der Universität Halle geschafft hat24, oder Ibrahim Hannibal, der „Lieblingsmohr“ Zar Peters I., der zu einem General der russischen Trup- pen gemacht wurde25, herrschte im Allgemeinen in Europa die Meinung vor, dass „Neger“ grundsätz- lich unwissend und „kindisch“ seien und daher der Erziehung durch einen „vernünftigen Menschen“ bedürfen, um sich als gesellschaftlich nützlich erweisen zu können. Gepaart war diese Annahme mit der Vorstellung, dass sie aufgrund ihrer Physis, die den ästhetischen Kriterien des gebildeten Bürger- tums des 18. Jh. nicht entsprach26, ohnehin nicht in der Lage seien „höhere“ Leistungen zu vollbrin- gen.

Jana Braun hat 2005 anhand deutscher Zeitschriften des 18. Jh. eine sehr interessante Studie über das Bild „des Afrikaners“ verfasst und herausgearbeitet, dass das Hauptaugenmerk aller Be- schreibungen von Schwarzen die Unterschiede, nicht die eventuellen Gemeinsamkeiten fokussierte. Ihre Lebensweise, Äußeres und Natur wurden zum Gegensatz der eigenen deutschen Identität und der ihr zugrunde liegenden Werte und Normen gemacht. Durch die angebliche Passivität der frem- den afrikanischen Kultur konnte die Dynamik der eigenen, im abendländischen Kulturraum veranker- ten, deutschen Gesellschaft hervorgehoben und die eigene Identität somit bestätigt werden.27

Eine weitere wichtige Gemeinsamkeit aller Zeitschriften war die Thematisierung des Sklaven- handels. Der schwarze Sklave wurde zwar zu einer bemitleidenswerten Kreatur gemacht, der aber letztendlich die Wildheit seiner Natur nie abstreifen würde. Eigenschaften wie Schmerzunempfind- lichkeit, Wollust, Praktiken wie die Polygamie oder die naturgebundenen afrikanischen Religionen wurden wiederum durch die niedrigere Stufe des Afrikaners auf der Skala der Menschheitsentwick- lung erklärt.28 Zusammenfassend wurden Stereotype verfestigt, mit denen der Leser ohnehin schon durch Lexika, Reiseberichten oder bildlichen Darstellungen der Zeit konfrontiert wurde. Wo dies nicht der Fall war, appellierte der Autor durch allgemeine Bemerkungen wie „ der Leser wird dem zustim- men müssen “ oder „ man kann nicht daran zweifeln, dass “ an den gesunden Menschenverstand des Lesers, um eine innere Bestätigung für seine These zu bekommen. Die Vorstellung der kulturellen

Überlegenheit führte zu den pauschalisierenden Werturteilen der Autoren, die weder auf die sozialen und kulturellen Wirklichkeiten der afrikanischen Lebenswelt, noch auf die Vielzahl der afrikanischen Identitäten eingegangen sind.29

Obwohl die Aufklärung auf Vernunft, Rationalität und Empirie basierte, wurde bei der Dar- stellung der Schwarzafrikaner auf Vernunft und Rationalität verzichtet. Die „Fakten“ waren wissen- schaftlich weder neutral noch hinreichend geprüft. Die meisten Autoren hatten keine Möglichkeit, den afrikanischen Kontinent zu bereisen und übernahmen in der Regel Informationen aus zweiter Hand ohne ausreichende Überprüfung. Auffallend ist schließlich die Tatsache, dass bei der Beschrei- bung der afrikanischen Lebenswelt ausgerechnet die Themen ausgewählt worden sind - die Freizü- gigkeit der Frauen, die Nacktheit, der religiöse Aberglaube -, die die Aufklärung gerade zu überwin- den suchte: das Irrationale, das Exotische, das Anormale beziehungsweise Unmoralische.30 Dieser Umstand zeugt von der Tatsache, dass schwarze Menschen, noch in der Frühen Neuzeit vor allem als respektierte Exoten angesehen, im Zuge des transatlantischen Sklavenhandels und der Klassifikati- onsversuche der Aufklärung zunehmend zu „Wilden“ gemacht und nicht selten als „ Missing link “ zwischen Menschen und Tieren wahrgenommen wurden.31

Schließlich soll aber auch erwähnt werden, dass es im damaligen Europa durchaus kritische Stimmen gab, die den Umgang der Weißen mit den Schwarzen kritisierten. Diese Stimmen kamen aus unterschiedlichen Milieus der Gesellschaft.

Der liberale Reichstagsabgeordnete (1903-1906) Hellmut von Gerlach, der kurz vor dem Ersten Welt- krieg die deutsche Kolonie Kamerun besuchte, prangerte vor allem den aus der Annahme der „Min- derwertigkeit“ resultierenden brutalen Umgang der Kolonialbehörden mit den Menschen aus den Kolonien an:

„ Ungemein häufig war die Verhängung der Prügelstrafe. [ … ] Sehr unerfreulich war der Anblick der vielen Ket- tengefangenen, die man bei Wegearbeiten undähnlichen Beschäftigungen im Freien erblicken konnte.[ … ]Das schlimmste schien mir, daßdie deutsche Verwaltung grundsätzlich von dem falschen Gesichtspunkt ausging: die Schwarzen sind eine minderwertige Rasse, die, wie der Pidschin-Ausdruck lautet, „ by strong “ regiert werden muß, mit hartem Zwang “ . 32

Aus dem katholischen Lager heraus argumentierte der Zentrumspolitikers Matthias Erzberger in seiner Reichstagsrede am 26.12.1905 aus humanitären und wirtschaftlichen Gesichtspunkten:

„ Es ist im Grunde nichts anderes als eine im großen vorgenommene Beraubung der Eingeborenen. [ … ] Nach Durchführung der Verordnung sind die Eingeborenen in Südwestafrika verarmte Sklaven. [ … ] Der Schwarze wird „ Arbeitstier “ beim Weißen! Eine moderne Sklaverei hält mit dieser Verordnung ihren Einzug in Südwestafrika “ . 33

Viele Kritik erntete der Kolonialismus aus dem sozialistischen Lager. Wobei, wie am Beispiel des Sozialdemokrat August Bebel zu sehen ist, die koloniale Kritik meistens im Eigeninteresse und nicht frei von rassistischen und paternalistischen Denkmustern geschah. So sagte Bebel noch in einer Reichstagsdebatte am 26.01.1889:

„ was bedeutet aber in Wahrheit Ihre christliche Zivilisation in Afrika? [ … ]äußerlich Christenthum, innerlich und in Wahrheit Prügelstrafe, Weibermißhandlung, Schnapspest, Niedermetzelung mit Feuer und Schwert, mit Säbel und Flinte [ … ] Es handelt sich um ganz gemeine materielle Interessen, ums Geschäftemachen und um nichts weiter! [ … ] Es handelt sich einfach um Ausbeutung und Ausraubung der Negerbevölkerung zu Gunsten christli- cher Kapitalisten “ . 34

Eine ganz andere Stoßrichtung nahm sein Beitrag in der Kolonialdebatte vom 01.12.1906:

„ dass Kolonialpolitik betrieben wird, ist an und für sich kein Verbrechen. Kolonialpolitik zu treiben kann unter Umständen eine Kulturtat sein. [ … ] Kommen die Vertreter kultivierter und zivilisierter Völkerschaften, [ … ] zu fremden Völker als Befreier, als Freunde und Bildner, als Helfer in der Not, um ihnen die Errungenschaften der Kultur und Zivilisation zuüberbringen, um sie zu Kulturmenschen zu erziehen, geschieht das in dieser edlen Ab sicht und in der richtigen Weise, dann sind wir Sozialdemokraten die ersten, die eine solche Kolonisation als große Kulturmission zu unterstützen bereit sind “ . 35

Vereinzelte kritische Stimmen kamen schließlich auch aus dem konservativ-nationalistischem Lager, die die Heuchelei des kolonialen Systems anprangerte, wie Auszüge aus einem Bericht vom 04.07.1896 von Theodor Leutwein belegen:

„ Kolonialpolitik istüberhaupt eine inhumane Sache [ … ] man darf nicht auf der einen Seite den Eingeborenen auf Grund zweifelhafter Verträge das Land wegnehmen, [ … ] auf der anderen Seite aber im Reichstag für Humanität schwärmen “ . 36

1.2 Die europäische Kolonialpolitik bis zum Vorabend des Ersten Weltkrieges

1.2.1 Die „Zivilisierungsmission“

Zwischen 1880 und 1900 erfolgte ein Bruch in der europäischen Kolonialpolitik.37 Bis dahin herrschte die Doktrin der „Zivilisierung“ außereuropäischer Völker durch Assimilation. Die Idee des Universalismus, ein Kind der Aufklärung, machte den Kolonialismus zur Zivilisationsmission. Die Kolo- nialmächte waren überzeugt, dass ihre eigene Kultur in die Welt getragen werden müsse. Bezeich- nend für diese Auffassung könnte die Aussage des französischen Publizist Gabriel Hanotaux aus dem Jahr 1902 sein, wonach Frankreich „ viele neue Frankreichs “ in der Fremde erschaffen müsse:

„ Es geht darum,über die Meere hinweg in gestern noch unzivilisierten Ländern die Prinzipien der Zivilisation auszubreiten, deren sich eine derältesten Nationen der Erde sehr zu Recht rühmen kann; es geht darum, in unserem Umkreis und in weiter Ferne so viele neue Frankreichs zu schaffen wie möglich; es geht darum [ … ] unsere Sprache, unsere Sitten, unser Ideal, den Ruf Frankreich und des Romanentums zu bewahren. “ 38

Laut Russell Bermans These von einem „sekundären deutschen Kolonialismus“ bestand die treibende Kraft des deutschen Kolonialunternehmens primär in dem Wunsch, durch Expansion eine Gleichstellung mit anderen Kolonialmächten herzustellen.39 Die folgende Äußerung des deutschen Historikers Heinrich von Treitschke von 1874 scheint diese Theorie zu stützen:

„ So ist jede Kolonisation [ … ] für die Zukunft der Welt ein Factor von ungeheurer Bedeutung geworden. [ … ] es ist sehr gut denkbar, daßeinmal ein Land, das keine Kolonien hat, gar nicht mehr zu den europäischen Großmäch- ten zählen wird [ … ].Darum dürfen wir nicht in jenen Zustand der Erstarrung kommen, der die Folge einer rein festländischen Politik ist, und das Ergebnißunseres nächsten glücklichen Krieges mußwomöglich die Erwerbung irgend einer Kolonie sein. “ 40

Dieser harte Konkurrenzkampf wird ebenfalls in der Reichstagsrede von Bülow am 06.12.1897 sicht- bar:

„ Die Zeiten, wo der Deutsche dem einen seiner Nachbarn die Erdeüberließ, dem anderen das Meer und sich selbst den Himmel reservierte [ … ] sind vorüber. [ … ] Wir sind endlich gern bereit, [ … ] den Interessen anderer Großmächte Rechnung zu tragen, in der sicheren Voraussicht, daßunsere eigenen Interessen gleichfalls die ihnen gebührende Würdigung finden. Mit einem Wort: wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne. “ 41

Dass das Deutsche Reich nie ernsthaft den Versuch unternahm, seine eigenen kolonialen Untertanen zu germanisieren, bestätigt die These Bermans.42

Die „Zivilisierungsmission“ der europäischen Nationen in der Welt wurde auch literarisch von Schriftstellern wie Rudyard Kipling oder James Gordon Farrell verbreitet. Darin wurde diese Mission oft als „die Bürde des weißen Mannes“ wahrgenommen.43 Die „Zivilisierungsmission“-Rhetorik der Kolonialmächte sollte aber nicht überschätzt werden. Sie diente vor allem als Versuch, ihre kolonia- len Expansionen zu legitimieren. Das realpolitische Zitat von Treitschke verdeutlich, dass sowohl ökonomische Gründe wie die Suche nach neuen Ressourcen und Absatzmärkte für die heimische

Wirtschaft, als auch das Motiv des nationalen Prestiges von Beginn an eine wichtige Rolle für die europäische Kolonisation spielten.44

1.2.2 Die Politik der Dissimilation

Der Globalisierungsschub der Weltökonomie nach 1880 und die zunehmend sozialen, juristi- schen und ökonomischen Verflechtungen zwischen Metropolen und kolonialer Peripherie, zwischen Kolonisten und Kolonisierten, setzten die Kolonialmächte unter Druck. Denn die Kolonien konnten nicht mehr von privaten Initiativen oder einzelnen staatlichen Akteuren geführt werden, die ihre eigenen Ziele vor Augen hatten oder nur auf akute Ereignisse reagierten. Eine durchdachte und lang- fristige Kolonialpolitik musste entworfen werden, die die Kolonien dem Einfluss partikularer Interes- sen entzog und in die bürgerliche Industriegesellschaft endgültig und fest integrierte. Anders ausge- drückt, mussten die Kolonien politisch, wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich an die jeweiligen Mutterländern gebunden werden. Die größte Herausforderung bei diese Aufgabe wurde von den Kolonialmächte in den Bereichen gesehen, die aus ihrer Sicht die „ reproduktive Basis des bürgerli- chen Staates “ ausmachten: die Arbeitsbeziehungen, die Familie und die militärische Ordnung. Um diese Bereiche zu schützen, sollte die koloniale Bevölkerung ökonomisch nutzbringend mit der Met- ropole assoziiert werden ohne dabei in die nationale Staatsbürgergemeinschaft integriert zu werden. Die, vor allem aus rassischen Gründen erfolgte Ausklammerung der kolonialen Untertanen von der staatsbürgerlichen Gemeinschaft war aber konträr, wenn wir die Äußerung Hanotaux zu der Idee der „vielen neuen Frankreichs“, die in der Ferne erschaffen werden müssten, wieder aufgreifen wollen. Der Assimilationsgedanke musste aufgegeben werden zugunsten einer Politik der Dissimilation, de- ren Grundlage auf der Politik der biologischen Differenz und der „ getrennten Entwicklung der Ras- sen “ basierte. Die Änderung der Kolonialpolitik, die mit unterschiedlicher Akzentuierung in allen eu- ropäischen Kolonialmächten stattfand, bewirkte die Gründung einer neuartigen, eugenisch gepräg- ten, kolonialen Rassenpolitik45.46

Erst im Vorfeld des Ersten Weltkrieges (1910) löste sich das Deutsche Reich mit seiner Rüs- tungspolitik weitgehend von der internationalen kolonialpolitischen Entwicklung ab. Denn, anders als Frankreich und Großbritannien, bezog es seine Kolonien und deren Einwohner nicht in seine militäri- sche Planung mit ein.47 Die Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien lösten das Spannungsver- hältnis zwischen Nationalstaat und kolonialer Rassenpolitik bewusst nicht auf. Sie ordneten vielmehr ihre koloniale Rassenpolitik ihrem militärischen Interesse unter. Somit konnten sie, entgegen ihren eigenen rassenpolitischen Überzeugungen, farbige Truppen aus Gründen der Staatsraison gegen „Weiße“ einsetzen. Demgegenüber entschied sich die Reichsleitung für die konsequente Aufrechter- haltung des „kolonialen Rassenstaates“. Die koloniale Militärpolitik Frankreichs und Großbritanniens ethnisierte den militärischen Bereich und verstärkte dadurch die in der deutschen Bevölkerung zu- nehmend wahrgenommene Vorstellung eines „Rassenkampfes“. Diese Vorstellung verleitete weite Teile der deutschen Bevölkerung - vor allem die bürgerlich und nationalistisch gesinnten - zu der Überzeugung, dass die Eugenik als wichtigste Leitfigur einer neuen bürgerlichen Gesellschaftspolitik dienen solle.48

1.3 Eugenik

1.3.1 Biologismus und bürgerliche Gesellschaft

Der Biologismus löste sich nach 1890 von der anthropologischen Natur- beziehungsweise Kul- turgeschichte und war ein Versuch, den sozialen Wandel und die gesellschaftlichen Konflikte als uni- verselle Naturgesetzmäßigkeiten zu deuten, die auf festen biologischen Unterschieden zwischen Völkern, Nationen und „Rassen“ basieren würden. Die Genetik wurde zur Grundlage, auf der Wissen- schaftler die körperliche und geistige Minderwertigkeit von Juden, Afrikanern, Kriminellen und ande- ren Gruppen begründeten. Da das wissenschaftliche Denken der Zeit zudem durch die Tendenz ge- prägt war, jegliche soziale Probleme auf vermeintlich biologische Ursachen zurückzuführen, wurden viele negative gesellschaftliche Entwicklungen „biologisiert“49 Regelrechte Degenerationsphanta- sien50 beschäftigte die deutsche und europäische Gesellschaft im ausgehenden 19. Jh.51 Die mensch- liche „Zuchtwahl“, im Rahmen der Eugenik, sollte dem Fortschritt der Degeneration fortan entgegen wirken. Um erfolgreich zu sein, mussten eugenische Konzepte einerseits die permanente Pathologi- sierung des „Anderen“ aufrechterhalten, andererseits auf das Blut als die konstituierende Substanz des „Volkskörper“ zurückgreifen.52

sei und der koloniale Polizei- und Militärapparat nur der Stabilisierung der inneren Machtverhältnisse zwischen Staat, Kolonisten und Kolonisierten diene. Vgl. Grosse: Eugenik, S. 197.

Die oberste Zielsetzung der Eugeniker war es also, einerseits Einfluss auf die Bevölkerungs- zahl und andererseits auf die biologische „Qualität“ der Bevölkerung zu nehmen. Die gesamtgesell- schaftliche „Leistungsfähigkeit“ sollte nach Maßgaben ökonomischer und „intellektueller“ Produktivi- tät gesteigert werden. Die Leistungsfähigkeit der Individuen wurde nicht mehr, wie in der traditionel- len meritokratischen Lehre des bürgerlichen Liberalismus, an ihren eigenen Befähigungen und Fleiß gemessen, sondern auf biologische Kollektiveigenschaften wie Rasse oder Geschlecht zurückge- führt.53 Der Gedanke der Eugeniker, eine Degeneration des deutschen Volkes abwenden zu müssen, lässt sich nicht von der kolonialen Expansionspolitik des wilhelminischen Kaiserreichs trennen.54

1.3.2 Kolonialismus und Eugenik

Durch ihren Wunsch die humane biologische Reproduktion zu steuern, revidierten die Euge- niker einige wichtige Aspekte der zeitgenössischen Sexualität. Sie stellten zum Beispiel die Autono- mie der tradierten männlichen Sexualität in Frage, indem sie sie einer rassenpolitischen Disziplin unterordneten. Sie wurde somit aus der Privatsphäre herausgerissen und der rassischen Ordnung, und somit einem neu definierten „öffentlichen Gemeinwohl“ unterstellt. Die Frauensexualität blieb weiterhin Gegenstand der öffentlichen Sphäre55, denn die „ weiße Frau“ wurde als „Trägerin deut- scher Kultur“ angesehen. Der wichtigste Berührungspunkt zwischen Kolonialpolitik und Eugenik be- traf also die Organisation der sexuellen Beziehungen zwischen den Kolonisten und den kolonialen Untertanen. „Mischehen“ und „Rassenmischung“ wurden als Konzepte angesehen, die der Leitidee der Dissimilation zuwider liefen. Das „Mischeheverbot“ wurde nicht nur als eine Frage des Macht- erhalts, der Moral oder der gesellschaftlichen Konvention wahrgenommen, sondern auch als eine bevölkerungspolitisch relevante Frage, da es die bürgerliche Gleichstellung einzelner Kolonisierter bewirken könnte. Dadurch wäre die „rassische Grundordnung“ durchbrochen und letztendlich die biologische Qualität der „weißen Rasse“ gefährdet.56

Einen weiteren wichtigen Berührungspunkt zwischen Eugenik und Kolonialpolitik stellte die sogenannte „Akklimatisationsfrage“ dar. Es ging um die Frage, unter welchen bevölkerungspoliti- schen Voraussetzungen die Europäer ein machtpolitisch abgesichertes und ökonomisch profitables koloniales Regime etablieren und bewahren konnten. Um die politische und gesellschaftliche Vor- machtstellung der Weißen in diesen Gebieten aufrecht zu erhalten, bedienten sich die kolonialen Verwaltungen auch eugenischen Maßnahmen.57

1.3.3 Militarismus und Eugenik

Die ab 1910 erfolgte Verbindung von gesellschaftlichem Militarismus und Rassenpolitik führ- te zur endgültigen Legitimierung der Eugenik als ein sozialtechnologisches Konzept. Unter „gesell- schaftlichem Militarismus“ wird sowohl die Mobilisierung der Gesellschaft für militärische Zwecke als auch die Vergesellschaftung des Militärs verstanden. Im Zuge dieser Verknüpfung wurde einerseits der Rassenbegriff militarisiert, andererseits die Militärpolitik rassenpolitischen Gesichtspunkten un- terzogen. Die „deutsche Wehrfamilie“ (oder „deutsche Wehrgemeinschaft“) folgte als ultimative Zielvorstellung des deutschen bürgerlichen Militarismus dem Prinzip des völkischen Nationalismus, indem sie alle nicht „reinrassigen“ Elemente der Gesellschaft ausschloss58. Demgegenüber mobilisier- ten die Entente-Mächte ihre gesamte Bevölkerung „rassenübergreifend“ für den kommenden Kon- flikt. Frankreich und Großbritannien riefen nämlich wie die USA, Russland und Japan ihre kolonialen Untertanen beziehungsweise ihre ethnischen Minderheiten59 zu den Waffen. Allerdings sollte das deutsche Modell nicht als eine Reaktion auf das alliierte Modell verstanden werden, es handelte sich vielmehr um zwei parallel laufende Entwicklungen.60 61

1.4 Nationalismus und Militarismus

1.4.1 Die „Geburtenfrage“

Ausgangspunkt der „Geburtenfrage“ am Vorabend des Ersten Weltkrieges war die Überle- gung, dass die zukünftigen Kriege vor allem durch die Menge an Menschen-Material und Maschinen entschieden werden können. Wie kam es aber zu dieser Überlegung? Der Krieg wurde im Zuge der Moderne zuerst verstaatlich beziehungsweise nationalisiert und dann technisiert. Dieser Prozess fand im frühneuzeitlichen Europa statt und führte dazu, dass nicht mehr Fürsten und Könige (wie in den Kabinettskriegen des 17. Und 18. Jh.), sondern ganze „Völker“ und Nationen sich auf den

Schlachtfeldern gegenüber standen.62 Nationale Feindbilder spielten eine integrative Funktion, indem sie den inneren Zusammenhalt der Nation förderten. Der Krieg wurde somit als die wichtigste Her- ausforderung der neu gebildeten Nationalstaaten angesehen, die nur gemeistert werden konnte, wenn die Nation genug Menschen mobilisieren konnte.63 Technische Errungenschaften aller Art64, oft ursprünglich für den zivilen Bereich vorgesehen, fanden schnell ihren Weg in die militärische Sphäre und führten zu einer Technisierung des Krieges. In diesen industrialisierten Kriegen hing die Kampf- fähigkeit der Frontsoldaten hochgradig von den Leistungen der Fabrikarbeiter an der sogenannten „Heimatfront“ ab.65 Da in modernen Kriegen also, einerseits viel höhere Verluste zu erwarten und andererseits zusätzliche Arbeitskräfte für die Kriegsindustrie vonnöten waren, wurde die Anzahl an mobilisierbaren Menschen zur Schlüsselfrage der Nationen im Krieg. Der Geburtenrückgang, der En- de des 19. Jh. in fast allen westeuropäischen Staaten zu beobachten war, stellte also für alle Natio- nen eine große Herausforderung dar.

Der Bezug der „Geburtenfrage“ auf Deutschland und Frankreich könnte folgendermaßen zu- sammen gefasst werden: während Frankreich, wie viele andere Nationen, sein Geburtenproblem durch die Einbeziehung von Minderheiten und kolonialen Untertanen zu lösen trachtete, wählte Deutschland den Weg der Familienpolitik, indem es Frauen dazu ermutigte, mehr Kindern in die Welt zu setzen. Gemäß der Vorstellung der „deutschen Wehrfamilie“ sollte die Frau durch eine solche Handlung ihrem „Dienst an der Nation“ leisten. Die Reduzierung des „weiblichen Soldatentums“ auf die biologische Reproduktion wendete außerdem, nach Ansicht der bürgerlichen Militaristen, die Gefahr der Frauenemanzipation ab.66

1.4.2 Nationalismus und Militarismus im Deutschen Reich

Das Deutsche Reich konnte im Gegensatz zur Frankreich nicht auf die Vorstellung einer „Staatsbürgernation“ mit verfassungsmäßig garantierten Grundrechten und demokratischer Partizi- pation aller Bürger aufbauen, und sah sich deshalb primär als „ staatlich geeinte Volks- und Kulturna- tion “, bei der das „Deutschsein“ ausschließlich durch ethnische und kulturelle Kriterien definiert wurde67. Als besonderer Ausdruck der politischen Sozialisation im Reich kann der „KyffhäuserBund“68 dienen, der Dachverband der Kriegervereine, der kurz vor dem Ersten Weltkrieg 2.837.944 Mitglieder vereinigte - weitaus mehr als in Gewerkschaften und Sozialdemokratie.69

Weil aber der Nationalstaat für immer breitere Schichten der Bevölkerung konkret wurde, büßte er, paradoxerweise, für immer mehr nationalistische Vordenker seine utopischen Wirkung ein; die Realisierung des deutschen Nationalstaat führte zu der Notwendigkeit der Formierung eines neu- en, weitreichenden nationalen Ziels. Vor dem Hintergrund eines sich immer mehr verschärfenden imperialistischen Konkurrenzkampfes musste Deutschland nun seine „nationalen Interessen“ in Eu- ropa und in der Welt vertreten und notfalls mit Gewalt durchsetzen. Ein gänzlich neuer Denkhorizont wurde angestoßen: um den „ unvollendeten Nationalstaat “ zu „ vollenden “ bildete sich ein neuartiger radikaler, völkisch und imperialistisch aufgeladener Nationalismus, deren neues Ziel die Errichtung eines deutschen Welt- und Kolonialreiches war.70 Als Ausdruck dieses Wandels des nationalistischen Selbstverständnisses können die sich seit den 1870er formierende Kolonialbewegung71 und die zahl- reichen Organisationen zum „ Schutz des Deutschtums im Ausland “ dienen, wie der „Deutsche Schul- verein“, der „Allgemeinen Deutschen Sprachverein“ und der „Allgemeine Deutsche Verband“, der Vorläufer des „Alldeutschen Verband“, angesehen werden.72

Das oberste Ziel der Radikalnationalisten73, wesentliche Träger dieses neuen Nationalismus, war die Erhöhung der militärischen Macht des Deutschen Reiches. Die ersten zentralen Forderungen waren nämlich rüstungspolitischer Natur.74 Dabei ging es nicht nur um die konkrete Forderung nach Kriegsmaterial, sondern auch um die „mentale Mobilisierung“ der gesamten Gesellschaft für eine dezidierte Weltmachtpolitik.75

[...]


1 Zitiert nach Koller, Christian: „Von Wilden aller Rassen niedergemetzelt“. Die Diskussion um die Verwendung von Kolonialtruppen in Europa zwischen Rassismus, Kolonial- und Militärpolitik (1914-1930). Stuttgart 2001, S. 12.

2 Siehe am Beispiel Deutschlands: Morlang, Thomas: Askari und Fitafita. „Farbige“ Söldner in den deutschen Kolonien. Berlin 2008.

3 Siehe Grosse, Pascal: Kolonialismus, Eugenik und bürgerliche Gesellschaft in Deutschland 1850-1918. Frankfurt 2000, S. 53-83.

4 Hiermit sind vor allem die zahlreichen kolonialen Vereine oder Unternehmen gemeint.

5 Im Krimkrieg und im Deutsch-französischen Krieg von 1870/71 kämpften jeweils nur wenige Tausend koloniale Truppen. Siehe: Koller: Wilden, S. 13.

6 Zu den Askari und Fitafita siehe Morlang: Askari, S. 7-23.

7 Es lassen sich außerdem einige Kolonialmächte feststellen, wie Holland und Belgien, die im Krieg offensicht- lich keinen Gebrauch ihrer kolonialen Soldaten gemacht haben. Für Belgien hat es nie über einen Einsatzplan hinausgereicht. Lohnenswert wäre eine Arbeit, die nach den Gründen fragen würde, wie etwa ob mangelndes Interesse oder Ressourcen, oder die Angst vor Aufruhr in den Kolonien oder in der Heimat eine Rolle spielten.

8 U.a. Fragen der Mentalitäten, Identitäten, Fremd- und Feindbilder.

9 Auch interkulturelle Hermeneutik genannt eine Disziplin die das „Bild vom anderen Land“ untersucht. Dabei spielen sowohl Kenntnisse über fremden Kulturen, Sprachen und Mentalität als auch ein tieferes Verständnis der eigenen Kultur eine wichtige Rolle.

10 Vgl. Koller: Wilden, S. 23-27.

11 Ebd. S. 29-31.

12 Zitiert nach Koller: Wilden, S. 32.

13 Vgl. Koller: Wilden, S. 32.

14 Vgl. Walkenhorst, Peter: Nation - Volk - Rasse. Radikaler Nationalismus im Deutschen Kaiserreich 1890- 1914. Göttingen 2007, S. 102. Wie „Nation“ und „Volk“ sind auch „Rassen“ soziale Konstrukte, die allein auf dem „subjektiven Glauben an eine Abstammungsgemeinschaft“ gründen, siehe hierzu Weber, Max: Ethnische Gemeinschaften. In: Mommsen, W. J. (Hg.): Max Weber Gesamtausgabe, Bd. 22, Teilband 1: Gemeinschaften. Tübingen 2001, S. 167-182 (S. 174).

15 Vgl. Walkenhorst: Nation, S. 102.

16 Vgl. Grosse: Eugenik, S. 102. Vgl. Koller, Christian: Rassismus. Paderborn 2009, S. 30-31.

17 Vgl. Grosse: Eugenik, S.107.

18 Vgl. Walkenhorst: Nation, S. 102-103. Vgl. Koller: Rassismus, S. 32-33. Vgl. Geulen, Christian: Geschichte des Rassismus. München 2007, S. 69-75.

19 Vgl. Koller: Rassismus, S. 33-36 und 41-45. Dieser Vorgang für Deutschland ist am Beispiel der Radikalnationalisten zu sehen, hierfür vgl. Walkenhorst: Nation, S. 103-105.

20 Vgl. Walkenhorst: Nation, S. 106-109.

21 Vgl. Koller: Wilden, S. 33.

22 Zitiert nach Martin, Peter: Schwarze Teufel, edle Mohren. Hamburg 1993, S. 196.

23 Ebd. S. 129-181.

24 Ebd. S. 308-328.

25 Ebd. S. 303-308.

26 Ebd. S. 240-273.

27 Vgl. Braun, Jana: Das Bild des „Afrikaners“ im Spiegel deutscher Zeitschriften der Aufklärung. Leipzig 2005, S. 51,54.

28 Ebd. S. 38-50.

29 Ebd. S. 52.

30 Ebd. S. 52-55.

31 Vgl. Martin: Schwarze Teufel, S. 195-271.

32 Zitiert nach Albrecht, Günter (Hrsg.): Erlebte Geschichte. Berlin 1967, S. 106-109.

33 Zitiert aus Der Tag, Nr. 9, 6. 1. 1906.

34 Zitiert nach Meier, A. (Hg.): Weiß auf Schwarz. Kolonialismus, Apartheid und afrikanischer Widerstand. Berlin 1986, S. 116.

35 Zitiert aus Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Deutschen Reichstages. 1. Dezember 1906, S. 4057.

36 Zitiert aus Graßmann, S: Zeitaufnahme. Geschichte für die Sekundarstufe I. Band 2. Braunschweig 1979, S. 161-162. Leutwein war von 1895 bis 1905 Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe und Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika.

37 Der Übergang Frankreich von der „assimilation“ zur „association“ schildert McNamara, Francis Terry: France in Black Afrika. Washington 1989, S. 33-40.

38 Zitiert aus Holzbauer, Hans: bsv Geschichte 3N. Von der Zeit der Aufklärung bis zum Ersten Weltkrieg. München 1986, S. 203.

39 Vgl. Berman, Russell A.: Der ewige Zweite. Deutschlands Sekundärkolonialismus. In Kundrus, Birthe (Hg.): Phantasiereiche. Zur Kulturgeschichte des deutschen Kolonialismus. Frankfurt 2003, S. 28.

40 Zitiert nach Treitschke, H. v.: Politik. Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin, Bd. 1, Leipzig 1897, S.

41 Zitiert aus Verhandlungen des Reichstages. IX. leg. Per. V. Session 1897/98, 1. Bd., S. 60. Von Bulow war Staatssekretär des Auswärtigen Amtes.

42 Vgl. Berman: ewige Zweite, S. 24-25.

43 Vgl. Fabian, Schefold: Koloniale Mythenbildung und ihre literarische Dekonstruktion. Britische Kolonialliteratur von Kipling zu Farrell. Göttingen 1999, S. 10-63.

44 Siehe dazu außerdem Osterhammel, Jürgen: Kolonialismus. Geschichte, Formen, Folgen. München 2012, S. 26-28.

45 Zur Übergang von der Assimilation zur Dissimilation am Beispiel der deutschen Kolonie Südwestafrika siehe Walgenbach, Katharina: „Die weiße Frau als Trägerin deutscher Kultur“. Koloniale Diskurse über Geschlecht, „Rasse“ und Klasse im Kaiserreich. Frankfurt 2005, S.71-75.

46 vgl. Grosse: Eugenik, S. 11, 26-30.

47 Ein weiterer Grund, wieso das Deutsche Reich die militärische Aufrüstung der Kolonien als unerheblich hielt, war seine Überzeugung, dass jegliche weitere koloniale Expansion über einen Sieg in Europa selbst zu erreichen

48 Ebd. S. 10-35. Vgl. Bernan: ewige Zweite, S. 19-35. Vgl. Birthe, Kundrus: Die Kolonien - „Kinder des Gefühls und der Phantasie“ in ders.: Phantasiereiche, S. 7-19. Vgl. Zantop, Susanne M.: Kolonialphantasien im vorkolonialen Deutschland (1770-1870). Berlin 1999, S. 9-31.

49 Zu Biologisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse siehe Dietrich: Weiße Weiblichkeiten. Konstruktionen von „Rasse“ und Geschlecht im deutschen Kolonialismus. Bielefeld 2007, S. 153-157. Vgl. Grosse: Eugenik, S. 12.

50 Unter anderen zu nennen wäre der Geburtenrückgang in den bürgerlichen Familien bei gleichzeitigem Anstieg der Geburten in den Familien der Unterschichten, Verelendung der Stadtbevölkerung, Krankheiten, Alkoholismus oder der Zerfall der Sittlichkeit und Moral durch Prostitution und sexuelle Devianzen.

51 Vgl. Maß, Sandra: Weiße Helden, schwarze Krieger. Zur Geschichte kolonialer Männlichkeit in Deutschland 1918-1964. Wien 2006, S. 209. Vgl. Dietrich: Weiße Weiblichkeiten, S. 168-170.

52 Vgl. Maß: Weiße Helden, S. 209-210. Vgl. Geulen: Rassismus, S. 90-101. Vgl. Koller: Rassismus, S. 45-52.

53 Vgl. Grosse: Eugenik, S. 13. Vgl. Walkenhorst: Nation, S. 110-119.

54 Vgl. Maß: Weiße Helden, S. 209. Vgl. Koller: Rassismus, S. 59-64.

55 mit den vielen Moralvorstellungen der ehelichen Pflichten.

56 Speziell zur neuen männlichen kolonialen Sexualität siehe Wildenthal, Lora: German Women for the Empire, 1884-1945. London 2001, S. 79-131. Allgemein zum Komplex Kolonialismus-Eugenik und zur Rolle der Frau als Bewahrerin der deutsche Kultur in den Kolonien siehe Ebd. S. 131-172; Grosse: Eugenik, S. 41-53, 145-176 und Walgenbach: weiße Frau, S. 119-208.

57 Vgl. Grosse: Eugenik, S. 53-96.

58 Obwohl die Juden noch im Ersten Weltkrieg dienen konnten, wurde schon während dem Krieg aus verschiedener Seite (auch der Heeresleitung) versucht, ihnen zahlreiche Dienstvergehen anzulasten. Siehe hierzu die sogenannte „Judenzählung“ vom 1. November 1916, eine staatlich angeordnete statistische Erhebung des jüdischen Anteils der Frontsoldaten. Obwohl dieser Erlass ursprünglich die weit verbreitete Annahme, die Juden an der Front seien „Drückeberger“ entkräften sollte, sorgte die gezielte Verweigerung seitens des Kriegsministeriums der Bekanntgabe der Umfrageergebnisse für eine erhebliche Verstärkung des antijüdischen Ressentiments im deutschen Heer. Vgl. Rosenthal, Jacob: „Die Ehre des jüdischen Soldaten“. Die Judenzählung im Ersten Weltkrieg und ihre Folgen. Frankfurt am Main 2007.

59 USA: Afro-Amerikaner, Russland: zentralasiatische und fernöstliche Völker, Japan: Koreaner und Taiwaner

60 Vgl. Grosse: Eugenik, S. 193-195.

61 Zum Übergang von einem Patriotismus Alteuropas zu einem Nationalismus des 19. Jh. am Beispiel von Schule und Freizeit siehe Ingenlath, Markus: Mentale Aufrüstung. Militarisierungstendenzen in Frankreich und Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg. Frankfurt 1998, S. 86-135.

62 Vgl. Raithel, Thomas: Das „Wunder“ der inneren Einheit. Studien zur deutschen und französischen Öffentlichkeit bei Beginn des Ersten Weltkrieges. Bonn 1996, S. 61.

63 Vgl. Herfried, Münkler: Der Wandel des Krieges: von der Symmetrie zur Asymmetrie. Weilerswist 2006, S. 30-37. Vgl. Echternkamp, Jörg: „Teutschland, des Soldaten Vaterland“. Die Nationalisierung des Krieges im frühen 19. Jahrhundert. In: Rösener, Werner (Hg.): Staat und Krieg. Vom Mittelalter bis zur Moderne. Göttingen 2000, S. 181-204.

64 um nur einige zu nennen: Fernmeldetechnik, Luft- und Seefahrt, Eisenbahnen, Automatisierung, Chirurgie und Notfallmedizin…

65 Vgl. Holzer, Anton: Die andere Front. Fotografie und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Mit unveröffentlichten Originalaufnahmen aus dem Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek. Darmstadt 2007, S. 138-166.

66 Vgl. Grosse: Eugenik, S. 227-233.

67 Der Prozess der reichsdeutschen Nationsbildung wurde durch eine ganze Reihe von Faktoren begünstigt: unter anderem die Expansion staatlicher Aufgabenfelder, die politische Mobilisierung durch das allgemeine, gleiche Männerwahlrecht, die politische Sozialisation in Familie, Volksschule, Gymnasium, Universität, Militär und Vereinswesen und die öffentlichen Inszenierungen des Nationalstaats (z.B. Sedanfeiern, Kaisergeburtstage, Militärparaden und Denkmalseinweihungen).

68 Oberstes Gebot der Vereine war die „ Pflege des Nationalbewusstseins “ und die Erinnerung an die zahlreichen Kriege. Vgl. Walkenhorst: Nation, S. 44.

69 Ebd. S. 38-44.

70 Ebd. S. 46-47.

71 Eine sehr detaillierte und Interessante Einzeluntersuchung zur Kolonialbewegung in Bayern zwischen 1882 und 1943 liefert Markus Seeman. Siehe Seeman, Markus: Kolonialismus in der Heimat. Kolonialbewegung, Kolonialpolitik und Kolonialkultur in Bayern 1882-1943. Berlin 2011.

72 Vgl. Walkenhorst: Nation, S. 59-68.

73 Trotz ihrer reduktionistischen Vision in der Hinsicht auf die Rolle der Frauen, lässt sich in der Person von Frieda von Bülow eine feministische Variante des Radikalnationalismus feststellen. Vgl. Wildenthal: Women for Empire, S. 54-79.

74 der Wehr- und Flottenverein wurden allein deswegen gegründet.

75 So war beispielsweise der Ruf nach einer modernen Kriegsflotte eng mit dem Ruf verbunden, mit ihr neue Kolonien in Übersee zu erschließen. Auch im Innern sollte die Rüstungspolitik wirken, indem das Deutschen Reich zu einem nach Effizienzkriterien organisierten und geleiteten bürgerlichen Machtstaat ausgebaut werden sollte. Vgl. Walkenhorst: Nation, S. 226-229

Details

Seiten
78
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656621324
ISBN (Buch)
9783656621300
Dateigröße
3.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271134
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Militarismus Kolonialismus Imperialismus Ersten Weltkrieg Kolonialsoldaten

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Titel: „Force noire“ und „Schwarze Schmach“. Die Debatte über den Einsatz afrikanischer Soldaten in Deutschland und Frankreich, 1910-1925