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Life-Style-Coaching für Führungskräfte

Positive Psychologie: Auf der Suche nach dem Glück

Projektarbeit 2014 41 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Was ist Positive Psychologie und woher kommt diese?

Positive Psychologie - auf dem Weg zum Glück?

Konzepte der Positiven Psychologie

Ansätze der Positiven Psychologie im Coaching
PERMA - eine Theorie zur Steigerung des Wohlbefindens
Appreciative Inquiry Coaching
Das Resilienz-Konzept nach Reivich und Shatte (2002)

Aktuelle Forschungsergebnisse
Positive Emotions
Engagement
Relations
Meaning
Accomplishment
Feedback

Reflexion der Seminareinheit

Literaturverzeichnis

Appendix
Appendix 1: Debatte „Positive Psychologie – Pro und Contra“
Appendix 2: Konzepte der Positiven Psychologie
Appendix 3: Brief Strengths Test
Appendix 4: My Life Wheel
Appendix 5: Life Smiley
Appendix 6: Zielscheiben-Feedback
Appendix 7: Moderationsplan
Appendix 8: Fotoprotokoll

Was ist Positive Psychologie und woher kommt diese?

In den letzten 20 Jahren hat sich eine neue Denkrichtung der Psychologie entwickelt, die mit der bisher üblichen Ausrichtung der Psychologie bricht und versucht, einen neuen Fokus zu etablieren. Nachdem die Psychologie sich seit ihrer Entstehung schwerpunktmäßig mit psychischen Erkrankungen und den damit einhergehenden Problemen beschäftigt und nach Möglichkeiten gesucht hat, diese zu heilen und Beschwerden zu lindern, versteht sich die Positive Psychologie als die Wissenschaft von positiven Emotionen sowie positiven Charaktereigenschaften und Institutionen, die diese unterstützen und hervorbringen.

Obwohl diese Richtung der Psychologie noch jung ist und sie gerade in den letzten Jahren einen großen Interessensanstieg verzeichnen konnte, finden sich die Wurzeln für diese Ausrichtung schon bedeutend früher (Seligman, Steen, Park, & Peterson, 2005).

Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein Wissenschaftler bekannt, der im Nachhinein als der erste positive Psychologe bezeichnet wurde: William James. Der Amerikaner, der 1984 und 1904 das Amt des Präsidenten der American Psychological Association bekleidete, etablierte die noch junge Wissenschaft der Psychologie. Seine zentralen Fragen an die psychologische Forschung suchten nach der menschlichen Energie und den Möglichkeiten, diese optimal zu nutzen und zu fördern (Froh, 2004). Diese Fokussierung auf die Stärken und Ressourcen der Menschen fand Mitte des 20. Jahrhunderts großen Anklang, besonders im Humanismus. In den 1950er Jahren entwickelte sich die humanistische Ausrichtung der Psychologie, die sich besonders in Abgrenzung zum Behaviorismus definierte, der – nach Meinung der Humanisten – mit seinem rein verhaltensorientierten Ansatz ein zu reduktionistisches Menschenbild hatte. Vertreter des Humanismus verfochten die Ansicht, dass Menschen ein Bedürfnis nach Entwicklung und Selbstverwirklichung haben und versuchten die Erkenntnisse der Psychologie zu nutzen, um den Menschen diese Verwirklichung zu ermöglichen. Der Einfluss von Wünschen und Zielen ist entscheidend, um eine Person verstehe zu können. Ein wichtiger Vertreter der Humanistischen Schule war Abraham Maslow (1908 – 1970). Von ihm stammt das folgende Zitat, welches bereits die meist genannte Kritik der Positiven Psychologie an bisheriger psychologischer Forschung formuliert:

The science of psychology has been far more successful on the negative than on the positive side; it has revealed to us much about man’s shortcomings, his illnesses, his sins, but little about his potentialities, his virtues, his achievable aspirations (…). (zitiert nach Froh, 2004, S. 19)

In seinem Buch “Motivation and Personality” von 1954 ist zum ersten Mal der Begriff der Positiven Psychologie zu finden, der Maslow ein Kapitel widmet (Towards a Positive Psychology).

Als eigene Richtung der Psychologie etablierte sich die Positive Psychologie schließlich in den 1990er Jahren. Als Hauptvertreter, die diese Richtung maßgeblich prägten und ihre Verbreitung unterstützten, sind vor allem Martin E. P. Seligman und Mihály Csíkszentmihályi zu nennen.

Seligman, bekannt geworden durch seine Forschung zur Erlernten Hilflosigkeit, leitet das Positive Psychology Center der University of Pennsylvania, eines der größten und bedeutendsten Forschungszentren auf diesem Gebiet. Sein Gegenkonzept zur bisherigen Ausrichtung der Psychologie, der er einen zu starken Fokus auf menschliche Probleme und Schwächen unterstellt, manifestiert sich vor allem im von ihm erstellten Character Strengths and Virtues: A Handbook and Classification. Ziel dieses Werks war es, einen Gegenentwurf zum Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) zu erstellen. Während das DSM das Standardwerk zur diagnostischen Begutachtung psychischer Erkrankungen ist, soll Seligmans Manual besonders die Stärken eines Individuums herausstellen (Froh, 2004).

Der ungarische Psychologe Csíkszentmihályi hat besonders das in der Positiven Psychologie verbreitete Konzept des Flow-Zustandes beforscht (mehr dazu im Abschnitt Konzepte der Positiven Psychologie).

Positive Psychologie - auf dem Weg zum Glück?

Obwohl die Positive Psychologie auf vielen Ebenen kritisiert wird und zu vielen kontroversen Debatten geführt hat (wie im Folgenden ausgeführt werden soll), lässt sich festhalten, dass in den letzten 20 Jahren ein großer Anstieg der veröffentlichten Literatur auf diesem Gebiet stattgefunden hat (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Verfügbare Artikel über UB Heidelberg, Stichwort „Positive Psychology“

Trotz zahlreicher Kritiker erfreut sich die Positive Psychologie in den letzten Jahren gerade im Bereich des Coachings großer Beliebtheit. Die Fokussierung auf positive Eigenschaften und die Förderung der Entwicklung dieser wird vor allem im Life Coaching, bei dem die Klienten in ihrer Selbstfindung und -verwirklichung unterstützt werden sollen, häufig angewendet.

Gerade in diesem Fokus sieht Seligman einen großen Vorteil der Positiven Psychologie in der Coaching-Praxis, da sich ein solches Coaching durch genaue Vorgaben besser definieren und von der Vielzahl anderer Coachingangebote abgrenzen lässt. Darüber hinaus beschreibt er die empirische Grundlage und Überprüfung der Positiven Psychologie als entscheidendes Qualifikationsmerkmal dieser Ausrichtung im Vergleich zu vielen anderen Coaching-Angeboten (Seligman, 2007). Kritiker der Positiven Psychologie hingegen bezweifelt gerade diesen wissenschaftlichen Anspruch und werfen der Positiven Psychologie einen Mangel wissenschaftlicher Belege für ihre Annahmen und Konzepte vor. Miller (2008) geht sogar so weit, die Grundannahme der Positiven Psychologie, dass die Entwicklung einer positiven Einstellung zum Selbst und zu Ereignissen zu Glück und positiven Emotionen führe, in Frage zu stellen. Besonders die Kontrollierbarkeit von Einstellungen und Emotionen, die notwendig ist, um zu einer positiveren Einstellung zu gelangen, zweifelt Miller an (für einen Überblick von Argumenten für und wider eine Anwendung der Positiven Psychologie siehe Appendix 1).

Weitere Forschung auf dem Gebiet der Positiven Psychologie mit möglichst objektiven, empirisch nachvollziehbaren Methoden wird also gerade in der Coaching-Praxis benötigt, um eine bessere Bewertung der Positiven Psychologie zu ermöglichen.

Konzepte der Positiven Psychologie

Die Vermittlung wichtiger Konzepte der Positiven Psychologie kann in frontalem oder interaktivem Format erfolgen (Material zur Bearbeitung in interaktivem Format, hier in Form von Textausschnitten für Kurzreferate der Teilnehmenden, s. Appendix 2; zu Vor-und Nachteilen der Formate s. Reflexion). Im Folgenden sind exemplarisch einige wichtige Konzepte und deren Bedeutung in der Positiven Psychologie aufgeführt.

Ein zentrales Konzept der Positiven Psychologie ist happiness . In Seligmans Authentic Happiness Theory benennt dieser drei zentrale Aspekte zur Erreichung von happiness : Pleasure, Engagement und Meaning . Pleasure beinhaltet das Erleben positiver und angenehmer Erfahrungen. Tätigkeiten, in denen eine Person leidenschaftlich aufgeht, steigern Engagement . Meaning erfährt ein Mensch z.B. in Aktivitäten, durch welche er/sie einen Beitrag zu einem größeren Ganzen leistet. Happiness ist eines der zentralen Ziele in der Positiven Psychologie (Norrish & Vella-Brodrick, 2009).

Ein weiteres wichtiges Konzept ist Flow , eine subjektive Erfahrung, innerhalb derer eine Person gänzlich in einer Tätigkeit aufgeht und in welcher die Anforderungen der Aktivität und die Kompetenzen der Person sich genau entsprechen. Ein Flow -Zustand ist verbunden mit hoher intrinsischer Motivation und einem Verlust von Zeitempfinden. Da empirische Studien einen Zusammenhang zwischen Flow -Erlebnissen und einer Steigerung von Wohlbefinden feststellen (Freire, 2012), ist eine Unterstützung in der Erfahrung von Flow -Momenten ein wichtiger Bestandteil von Interventionen auf Basis der Positiven Psychologie (s. Workshopteil).

Die Positive Psychologie zeichnet sich insbesondere durch einen Fokus auf die Stärken des Menschen aus. Stärken sind die natürliche Fähigkeit, sich auf eine Weise zu verhalten, zu denken oder zu fühlen, dass ein optimales Handeln in Richtung des gewünschten Outcome die Folge ist. Empirische Studien zeigen, dass die bewusste Nutzung von Stärken auf neue Art und Weise zu einer Steigerung von happiness und einer Verringerung von depression führen (Freire, 2012).

Ein weiteres grundlegendes Konzept der Positiven Psychologie stellen Positive Emotions dar. Positive Gefühle lassen sich der Kategorie affektiver Phänomene unterordnen. Zu Beginn einer Emotion steht die bewusste oder unbewusste individuelle Bewertung eines Ereignisses, die eine Fülle von Reaktionen wie physiologische Veränderungen hervorruft. Positive Gefühle sind zum einen ein Kennzeichen von Wohlbefinden, zum anderen führen positive Gefühle auch zu happiness , indem sie Stärken wie Resilienz und Immunität gegen Krankheiten festigen (Frederickson, 2001; Freire, 2012).

Meaning ist ebenfalls ein wichtiges Konzept der Positiven Psychologie. Unter Sinn verstehen wir die positive Bewertung oder Bedeutung, die bei einem Geschehen, einer Tätigkeit oder einem Ereignis wahrgenommen oder erlebt wird. Studien zeigen, dass ein starkes Gefühl von Sinnhaftigkeit verbunden ist mit Lebenszufriedenheit und Glück, ein Mangel an Sinn dagegen mit depressiven Gefühlen assoziiert wird (Freire, 2012; Waters, 2011). Meaning wird daher als ein wichtiger Bestandteil von Wohlbefinden konzeptualisiert und findet sich in dieser Form in verschiedenen Modellen (z.B. im PERMA-Modell von Seligman s. Ansätze der Positiven Psychologie im Coaching).

Im Folgenden soll der Zusammenhang der hier dargestellten Konzepte dargelegt werden.

Die Positive Psychologie hat zum Ziel Menschen glücklicher, gesünder und zufriedener zu machen, kurz happiness und well-being zu steigern und einen Menschen darin zu unterstützen, aufzublühen. Die Konzepte happiness und well-being sind daher wichtige Zielsetzungen in der Positiven Psychologie.

Um diese Ziele zu erreichen, richtet die Positive Psychologie den Fokus auf die Ressourcen eines jeden Menschen. Stärken wie z.B. hope und gratitude benennen einige dieser Ressourcen, die jeder/jede bereits mitbringt, aber im Rahmen von Interventionen explizit kennenlernen, neu anwenden und noch steigern kann.

Das Bewusstmachen und Nutzen von Ressourcen führt zu positiven Zuständen und Erlebnissen, die zu einer Steigerung von well-being beitragen. Durch Übungen zur Steigerung von Stärken wie gratitude und hope werden beispielsweise verstärkt positive Gefühle erzeugt. Die Steigerung von gratitude und kindness hat u.a. positive Auswirkungen auf die Intensivierung sozialer Netzwerke, die ebenfalls wesentlich zum Anstieg von well-being beitragen

Zudem haben auch diese positiven Ereignisse einen unterstützenden Effekt auf Stärken. So bewirken positive Gefühle beispielsweise in der Situation des Erlebens ein Weiten des eigenen Denkens und Empfindens und fördern so Fähigkeiten wie Kreativität (Frederickson, 2001).

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine zentrale Annahme der Positiven Psychologie darin besteht, dass mit der Nutzung eigener Ressourcen positive Zustände erlebt werden können, die wiederum well-being steigern. Welche positiven Zustände und Erlebnisse besonders wichtig zur Steigerung von well-being sind, variiert nach Modell und AutorIn, lässt jedoch in jedem Fall Raum für individuelle Schwerpunktlegung bei jedem Menschen.

Ansätze der Positiven Psychologie im Coaching

Coaching bedeutet Veränderung – und Veränderung ist anstrengend. Hilfreich bei Entwicklungsprozessen sind dabei starke psychologische Ressourcen wie Selbstwirksamkeit, Resilienz und Optimismus. Coaching-Ansätze, die sich bewusst damit beschäftigen, diese Eigenschaften zu fördern, sind seit einigen Jahren weit verbreitet und auch in der Literatur beschrieben (Fredrickson, 2001). Dabei werden sie oft als Ergänzung zu bestehenden Methoden gesehen. Im Folgenden sollen drei verschiedene Coaching-Interventionen beschrieben werden, die aus der positiven Psychologie heraus entwickelt wurden.

PERMA - eine Theorie zur Steigerung des Wohlbefindens

Warum sich immer nur von Problemen steuern lassen? Ein anderer Ansatz wäre doch die Abkehr vom defizitorientierten Vorgehen hin zur Ressourcen- und Lösungsorientierung. Das PERMA-Modell wurde von Martin Seligman persönlich entwickelt und schlägt eine Formel vor, die jene Faktoren zusammenfasst, die Wohlbefinden bestimmen und zunehmendes Aufblühen von Menschen ermöglichen sollen (Seligman, 2011). Systematisch soll dabei erforscht werden, wie Menschen ihre Stärken nutzen, um ihr Wohlbefinden zu steigern, sich gut zu fühlen, erfolgreich zu sein, in guten Beziehungen zu leben und dem Leben einen tieferen Sinn zu geben.

Als Strukturvorgabe dient das Akronym PERMA:

Der Mensch braucht P ositive Emotionen, nicht nur hedonistisches Vergnügen („pleasure“), das körperliche Bedürfnisse stillt, sondern auch tief-emotionale Freude („enjoyment“), die aus intellektueller Herausforderung und durch Kreativität entsteht.

Außerdem arbeitet er heraus, dass Menschen zufriedener sind, wenn sie ihre Stärken leben und sich für ihr E ngagement einsetzen. Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist auch der „Flow“ (siehe Konzepte der Positiven Psychologie). Das vollständige Involviert-Sein in einer Tätigkeit führt zu Wohlbefinden.

Als nächster wichtiger Punkt steht das soziale Netzwerk eines jeden Menschen, da laut Seligman vertrauensvolle und bedeutsame Beziehungen („ R elations“) einen zentralen Faktor darstellen.

Der vierte Aspekt ist „ M eaning“ - Menschen brauchen Sinn und Bedeutung im Leben. Erfüllung in diesem Bereich sei am besten erreichbar durch Projekte, die etwas größer sind, als man selbst, z.B. durch gelebte Religiosität oder ein Ehrenamt.

Zuletzt beschreibt Seligman den Faktor „ A ccomplishment“. Sich selbst konkrete Ziele zu setzten und diese aktiv selbstbestimmt zu erreichen führt zu gesteigertem Selbstvertrauen und Zufriedenheit.

Appreciative Inquiry Coaching

Menschen und Systeme bewegen sich in die Richtung, in die sie ihren Blick richten. Die Fragen, die wir stellen, entscheiden also darüber, was für Antworten wir finden werden. Im Appreciative Inquiry Coaching steht die wertschätzende Befragung als Kernelement im Fokus. Es sollen also gezielt Fragen gestellt werden, um Stärken, Erfolge und Potenziale aus der Vergangenheit und Gegenwart aufzuspüren und diese positiven Erfahrungen als Potential für die Zukunft zu nutzen. Im Gegensatz zu traditionellen Ansätzen (Psychoanalyse, Behaviorismus etc.) werden Probleme nicht direkt bearbeitet, sondern in Änderungswünsche umformuliert. Sinnvoll eingesetzt werden kann das Appreciative Inquiry Coaching in Situationen, in denen eine noch ungewisse Zukunft kreativ gestaltet und Fähigkeiten weiterentwickelt werden sollen.

Zu Beginn steht dabei die Entdeckungsphase („ discovery - what gives life? “) - positive Erfahrungen aus der Vergangenheit können durch Sammeln von Anekdoten oder Erfolgsgeschichten wieder entdeckt, verstanden und wertgeschätzt werden.

Darauf folgt die Traum-Entwicklung („ dream - what might be? “), bei der Visionen entwickelt werden über das, was (wieder) sein kann. Was wäre möglich, wenn…?

Der nächste Schritt ist der konkrete Zukunftsentwurf („ design - what should be the ideal? “), bei dem die zuvor entwickelten Visionen konkreter ausgestaltet und in kleinen Schritten auf die persönliche Situation abgestimmt werden.

Zuletzt folgt die Umsetzungsphase („ destiny - "how to empower, learn, adjust and improvise ?”), in der die neuen Ideen mit konkreten Plänen verwirklicht werden sollen.

Das Resilienz-Konzept nach Reivich und Shatte (2002)

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, Schwierigkeiten, Konflikte oder Rückschläge, aber auch positive Erlebnisse wie Beförderung und gestiegene Verantwortung zu meistern und als Anlass für persönliche Entwicklung zu nutzen (Luthans et al. 2006). Somit kann Resilienz als die wichtigste Ressource bei Veränderungsprozessen betrachtet werden, da diese Eigenschaft dabei hilft, erfolgreich mit komplexeren Herausforderungen und Ambiguitäten während verschiedener Entwicklungsstufen umzugehen.

Reivich und Shatte (2002) identifizierten sieben charakteristische Eigenschaften resilienter Menschen. Dazu gehört zunächst eine gute Emotionsregulation , das heißt, sein eigenes Verhalten in Drucksituationen zu steuern, Gefühle kontrollieren und angemessen ausdrücken zu können. Eng damit verknüpft ist die Impulskontrolle , durch die Denkfallen, falsche Glaubenssätze und Perspektivenverlust vermieden werden soll. Als weiterer Aspekt wird realistischer Optimismus genannt, der sehr eng verbunden ist mit Selbstwirksamkeit , also dem Vertrauen in die eigenen Erfolgschancen und Problem-Löse-Strategien. Auch in schwierigen Situationen wird so Sinnhaftigkeit gesehen und weiter an der Überzeugung festgehalten, dass sich die Dinge zum Positiven wenden werden. Darüber hinaus erwähnen Reivich und Shatte die Kausalanalyse als die Bereitschaft, ein Problem, zeitlich und inhaltlich, gründlich und treffend zu analysieren mithilfe eines flexiblen Denkstils, der offen für neue Möglichkeiten ist und Beschuldigungen sowie Grübeln vermeidet. Außerdem ist Empathie wichtig, also die Fähigkeit, sich auf der Basis von beobachteten Verhalten, in die psychische und emotionale Lage eines anderen Menschen zu versetzen. Dazu gehört auch das Hinterfragen von „Eisberg-Überzeugungen“, um herauszufinden, was einen persönlich motiviert. Den Abschluss bildet der Faktor der Zielorientierung („reaching out“), der ein Maß dafür ist, wie gerne sich ein Mensch neue Ziele setzt und diese, überwiegend unabhängig von der Meinung anderer, verfolgt und umsetzt.

Aktuelle Forschungsergebnisse

Der Positiven Psychologie wird als sehr neuer Zweig der Psychologie viel Skepsis entgegengebracht (zur Kritik s. Appendix 1). Im Folgenden werden eine Meta-Analyse, ein Review und eine Studie vorgestellt, die die Effektivität von Interventionen auf Basis der Positiven Psychologie untersucht haben.

In einer Meta-Analyse prüfen Sin und Lyubomirksky (2009) den Erfolg von Interventionen auf Basis der Positiven Psychologie ( Positive Psychology Interventions- PPI ) im klinischen Bereich. Insbesondere untersuchen sie, inwieweit PPI well-being steigern und negative Gefühle verringern. Sie definieren PPI als Interventionen, Therapie oder Aktivitäten, die als primäres Ziel den Anstieg positiver Gefühle, positiver Verhaltensweisen oder positiver Kognitionen haben und keine Symptomatik, negativen Gedanken oder Fehlverhalten verändern möchten.

Ihre Meta-Analyse, die die Ergebnisse aus 51 Interventionen untersucht, hat ein eindeutiges Ergebnis: PPI sind signifikant erfolgreicher als die jeweilige Kontrollgruppe (Placebo / gewöhnliche Behandlung / keine Behandlung) in der Förderung von well-being und der Reduktion depressiver Stimmungen.

Zudem stellen die Autorinnen weitere Faktoren heraus, die die Effektivität von PPI beeinflussen: Depressive Patienten/Patientinnen profitieren mehr als nicht Depressive. Dieser Unterschied wird mit dem sogenannten Floor -Effekt erklärt: Bei einem/r depressiven Patienten/in ist noch mehr Möglichkeit der Steigerung von well-being als bei einer gesunden Person. Daher profitieren diese aus Sicht der Forscherinnen noch mehr von Positiver Psychologie. Die eigene Entscheidung für eine Intervention auf Basis der Positiven Psychologie hat zudem einen positiven Einfluss auf die Effektivität der Intervention, was in der Analyse mit einer Steigerung der Motivation und des persönlichen Engagements bei den Übungen erklärt wird. Zudem hat die Dauer der Intervention einen Einfluss auf das Ausmaß deren Erfolges: Je länger die PPI, desto erfolgreicher.

Diese Meta-Analyse leistet durch den großen Umfang der untersuchten Studien zur Effektivität der PPI im klinischen Bereich einen deutlichen Beitrag zur Stützung der empirischen Evidenz Positiver Psychologie.

Waters (2011) erforscht in einem Review den Erfolg von PPI im schulischen Kontext. Die zwölf untersuchten Studien behandeln Interventionen mit spezifischem Fokus. Eine Steigerung der folgenden Ressourcen steht jeweils im Zentrum der Interventionen: hope , gratitude , serenity , resilience und character strenghts . Die Auswertung zeigt, dass lediglich in einer Studie kein Unterschied der Werte der Untersuchs-und Kontrollgruppe nach Durchführung der PPI gemessen wird. Alle anderen Studien stellen einen Anstieg in der im Fokus stehenden Ressource bei der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe fest. Zusätzlich wurden in einer Intervention zur Steigerung von hope , sowie in einer Intervention zur Steigerung von resilience die Verringerung depressiver Stimmungen und Angstgefühle im Vergleich zur Kontrollgruppe gemessen. Des Weiteren konnten langanhaltende Effekte über eineinhalb und zweieinhalb Jahre in der Steigerung von well-being und Lebenszufriedenheit in einer Intervention zu resilience und einer zu hope festgestellt werden.

Das Review empfiehlt ausdrücklich den Einsatz von PPI im schulischen Kontext zur Steigerung von well-being der SchülerInnen und unterstützt durch seine Ergebnisse die empirische Beweislage des Erfolges von PPI im Schulbetrieb.

In einer Studie zu einem online-basierten Life-Coaching verdeutlichen Seligman et al. (2005) die Varianz der Dauer der Effektivität von PPI. Die randomisierte Studie mit Placebo-Kontrollgruppe beinhaltet fünf happiness -Übungen und eine Placebo-Übung, die über den Zeitraum einer Woche erfüllt wurden. Happiness und depression wurden über sechs Monate hinweg gemessen.

Folgende happiness -Übungen wurden getestet:

- Gratitude visit : die Teilnehmenden sollten innerhalb einer Woche einen Dankbarkeitsbrief an eine Person schreiben, die besonders freundlich zu ihnen war, der sie aber bisher nicht entsprechend dankten.
- Three good things in life : die Teilnehmenden wurden aufgefordert an jedem Tag der Woche drei positive Ereignisse des Tages aufzuschreiben, sowie die Gründe zu vermerken, wie es zu diesen kam.
- You at your best : die Teilnehmenden sollten über einen Zeitpunkt in ihrem Leben schreiben, in dem sie über sich hinauswuchsen, etwas Besonderes geleistet hatten und sehr zufrieden mit sich waren. Zudem sah die Aufgabe vor, die persönlichen Stärken in dieser Situation identifizieren. Einmal am Tag sollten die Teilnehmenden sich die Geschichte und ihre Stärken ins Gedächtnis rufen.
- Using signature strengths in a new way : Die Teilnehmenden wurde dazu aufgefordert mit Hilfe des Stärkentestes von Seligman ihre fünf herausragenden Stärken zu identifizieren und eine dieser Stärken auf eine neue Art und Weise in der kommenden Woche zu nutzen.
- Identifying signature strengths . Die Teilnehmenden erhielten die Aufgabe ihre Stärken auf Basis des Testes (s.o.) zu identifizieren und in der kommenden Woche häufiger zu nutzen.

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Details

Seiten
41
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656632290
ISBN (Buch)
9783656632252
Dateigröße
4.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271168
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Psychologie
Note
1,3
Schlagworte
Coaching Positive Psychologie Konzepte Coachingansätze Praxis Führungskräfte Life-Style-Coaching Happiness Flow PERMA nach Seligman Resilienz Aktuelle Forschung Engagement

Autor

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Titel: Life-Style-Coaching für Führungskräfte