Lade Inhalt...

Unterschiede zweier Journalismuskulturen. Ein Vergleich der Pressearbeit in Deutschland und Italien

Projektarbeit 2013 33 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hintergründe zweier Mediensysteme
2.1 Historie
2.2 Juristische Lage
2.2.1 Medienrecht in Deutschland
2.2.2 Medienrecht in Italien

3 Die Medienordnung Deutschlands und Italiens
3.1 Printmedien
3.2 Rundfunk
3.2.1 Situation der Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland
3.2.2 Situation der Öffentlich-Rechtlichen in Italien
3.2.3 Situation des privaten Rundfunks in Deutschland
3.2.4 Situation des privaten Rundfunks in Italien

4 Journalismuskulturen im Vergleich
4.1 Modell des polarisierten Pluralismus nach Sartori
4.2 Modell des demokratischen Korporatismus
4.3 Stand der Pressefreiheit
4.3.1 Aktuelle Situation in Deutschland
4.3.2 Aktuelle Situation in Italien

5 Fazit

Literaturquellen

Abbildungsquellen

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Marktanteile im deutschen Fernsehen 2012

Abbildung 2: Radiohörerschaft in Deutschland 2012

Abbildung 3: Erlösquellen europäischer TV-Systeme

Abbildung 4: Mediensystem-Theorie nach Hallin/Mancini (1)

Abbildung 5: Mediensystem-Theorie nach Hallin/Mancini (2)

Abbildung 6: Freedom House / Germany's Press Freedom Ranking

Abbildung 7: Freedom House / Italy's Press Freedom Ranking

Abbildung 8: Freedom House / Press Freedom in Western Europe

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Amtsmissbrauch, Bestechung, Prostitution, mehrfache Steuerhinterziehung – die Liste an Deliktsvorwürfen und laufenden Strafverfahren rund um das einstige italienische Staatsoberhaupt ist lang. Und auch bei näherer Betrachtung erweist sich Silvio Berlusconi wahrlich als kein Kind von Traurigkeit. Bereits über 30 Mal stand er in seinem Heimatland vor Gericht[1], entging trotz in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierter Prozesse bisher jedoch stets einer Haftstrafe.[2]

Das außergewöhnlich hohe Medieninteresse an der Person Berlusconi sowie der mit ihm assoziierten Fehltritte lässt sich indes plausibel erklären. So gehörte der 76-jährige Politiker, Unternehmer und Medienmogul über Jahrzehnte hinweg zu den mächtigsten Männern Europas. Auch Jahre nach seinem partiellen Ausscheiden aus politischen und wirtschaftlichen Ämtern änderte sich daran nur wenig und so gilt er 2013 noch immer als „wichtiger Strippenzieher hinter den Kulissen“.[3] Als Resultat seiner gekonnter Selbstinszenierung und strategischer Nutzung nationaler Medienkanäle war es Berlusconi gelungen, zum größten Meinungsmacher in Italien aufzusteigen. Folglich entstand in dem südeuropäischen Staat mit der Zeit eine undurchsichtige Verflechtung politischer, wirtschaftlicher und medialer Machtinstanzen. Während seiner aktiven Zeit in der Politik kontrollierte Silvio Berlusconi alleine etwa 90 Prozent der dortigen Fernsehlandschaft.[4] Neben dem Besitz mehrerer privater TV-Sender gilt der milliardenschwere Geschäftsmann unter Anderem als Inhaber der Finanzholding Fininvest S.p.A. und nimmt somit bedeutenden Einfluss auf die Rundfunkordnung des Landes. Abgesehen von seinen Machtpotenzialen in den Bereichen Fernsehen, Film und Verlagswesen nimmt Berlusconi des Weiteren eine dominierende Position im Internet- und Finanzdienstleistungssektor ein.[5] Eine unbelastete Mediennutzung scheint in Italien nur schwer möglich.

Verglichen dazu gilt die Medienordnung in Deutschland, obwohl nur wenige 100 Kilometer weiter nördlich gelegen, als neutrale Instanz. Bereits kurz nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges existierten hierzulande öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, welche sich fortan um die Leistung des Grundversorgungsauftrages kümmern sollten. Sie werden gemäß Paragraph 11 des Rundfunkstaatsvertrages in die Pflicht gerufen, „durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier, individueller und öffentlicher Meinungsbilder zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen.“[6] Und auch sonst erweist sich die Infrastruktur für Journalisten in Deutschland in der öffentlichen Wahrnehmung auf den ersten Blick als vergleichsweise zufriedenstellend.[7] Die juristische Grundlage dafür findet sich bereits in den hiesigen Gesetzestexten. Pressefreiheit und Meinungsfreiheit sind im Grundgesetz deutlich definiert, Verstöße werden umgehend geahndet.

Auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen bleibt Schwarz-Weiß-Malerei trotz alledem ein Tabu. Erst eine genauere Untersuchung und abschließende Abwägung der vorherrschenden Umstände in der deutschen sowie italienischen Medienlandschaft erlaubt die Abgabe einer objektiven Bewertung. Eine vergleichende Analyse zweier Journalismus-Kulturen prüft deshalb zuerst die jeweilige Identität des nationalen Journalismus, legt etwaige Korrelationen zwischen dem Journalismus und seinem jeweiligen Kulturumfeld offen und erfragt die Existenz einer universell gültigen Journalismus-Kultur.[8] Im Mittelpunkt steht dabei die soziologische Rolle des Journalismus als Instrument einer industriell-massenmedialen Kulturproduktion.[9] Es soll ein Einblick darauf entstehen, warum Journalisten handeln wie sie handeln und greift dabei den Bedeutungszuwachs kultureller Ansätze in der Untersuchung von Pressearbeit auf.

Die vorliegende Projektarbeit der internationalen Medienwirtschaft will sich den vorangehend erwähnten Thematiken annehmen und in der Folge näher beleuchten, inwiefern Journalismus-Kulturen generell einzuordnen sind und wie zwischen den unterschiedlichen Kulturen in der Publizistik Italiens und Deutschland im Detail differenziert wird.

2 Hintergründe zweier Mediensysteme

2.1 Historie

Nach dem durch die amerikanischen Alliierten herbeigeführten Ende des Zweiten Weltkrieges, vollzog sich eine deutliche Umgestaltung der meisten europäischen Mediensysteme. Trotz kultureller Gemeinsamkeiten in den Kriegsjahren kristallisierte sich schnell heraus, dass der geschichtliche Verlauf der Mediensysteme in Deutschland[10] und Italien künftig unterschiedliche Strukturen[11] aufweisen würde.

Während den Jahren unter der diktatorischen Herrschaft Hitlers (1933-1945) hatten die Nationalsozialisten die Medienarbeit ausnahmslos bestimmt. Eine Entwicklung, der nach der Kriegsniederlage Deutschlands ein rasches Ende gesetzt wurde, indem die Alliierten ein Mediensystem mit demokratisch und politisch ausgewogenen Kräfteverhältnissen in die Wege leiteten.[12] Bisher existierende Informationskanäle wurden sukzessive abgeschafft und durch neue Medieninstanzen ersetzt. Unter Ausstellung einer Lizenz durch die Besatzungsmächte kam es so zur Gründung zahlreicher Informationsdienste in Form von Printmedien, welche durch die Aufhebung der Lizenzpflicht ab 1949 zu einem wahren Zeitungsboom führte.[13] Daraufhin erfolgte die Gründung des deutschen Presserats als Qualitäts- und Kontrollinstanz hiesiger Mediensysteme.

Ebenso unterlag der drei Jahre nach Kriegsende gegründete deutsche Rundfunk vorerst der Aufsicht der Alliierten.[14] Als organisatorisches Fundament diente dabei das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem Großbritanniens. Nur unwesentlich später verankerte der deutsche Staat das Recht auf Pressefreiheit in Artikel 5 des Grundgesetzes und schuf so eine verfassungsrechtliche Basis[15], die undemokratische Handlungen untersagte. Demnach wurde dritten Parteien gesetzlich verboten, in die Berichterstattung einzugreifen oder gar Medienzensur zu betreiben. Bereits kurze Zeit nach der Gründung des deutschen Rundfunks kam es Anfang der 50er-Jahre zu einem Zusammenschluss der Rundfunkzentralen einzelner Bundesländer, dabei entstand die ARD.[16]

Indes kam es im Nachkriegs-Italien zu unterschiedlichen Entwicklungen. Zwar räumte die Verfassung der Republik ihren Bürgern im Jahr 1948 Meinungs- und Pressefreiheit ein[17] - schon früh kristallisierte sich jedoch ein ungewöhnlich großes politisches Interesse an der Führung nationaler Mediensysteme heraus. Diese Abhängigkeitsbeziehung äußerte sich vor Allem in den hohen Auflagenzahlen der Parteipublikationen.[18] Des Weiteren erschien auffällig, dass durch die hohe Anzahl an Analphabeten, ein Großteil medialer Berichterstattung ausschließlich elitärer Gesellschaftsgruppen in Italien vorbehalten war.[19] Nachdem 1954 mit RAI der erste öffentlich-rechtliche Fernsehsender des Landes ins Leben gerufen wurde, kam es in der Folge zu drastischen Auflagen- und Umsatzeinbußen seitens der Printmedien. Schon früh zeichnete sich damit die Stellung des Fernsehens als mächtigstes Medium Italiens ab.[20]

Trotz oder gerade auf Grund staatlicher Einflussnahme auf die Medienlandschaft Italiens hat sich dort im Laufe der Zeit eine überdurchschnittlich hohe Machtkonzentration gebildet, die nahezu alle Marktanteile auf Rundfunkebene zwischen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt RAI und den Privatsendern unter Silvio Berlusconis Konzern Mediaset aufteilt. Seit Jahren sieht sich dieser angesichts latenter Vorwürfe des Amtsmissbrauchs und Steuerbetrugs mit öffentlicher Kritik, globalem Medieninteresse und zahlreichen Strafprozessen konfrontiert.[21]

2.2 Juristische Lage

2.2.1 Medienrecht in Deutschland

Die juristische Basis journalistischen Schaffens in Deutschland liegt in Artikel 5 des Grundgesetzes und gewährleistet Presse- und Meinungsfreiheit ohne Zensur. [22] Weitere wichtige Grundlagen schuf der Erlass von Rundfunkgesetzen 1961, welche politische Einflussnahme untersagte und einzelne Bürger stärker involvierte.[23]

Der deutsche Rundfunk und somit auch das Rundfunkgesetz ist Ländersache. Die Landesrundfunkgesetze bilden somit die Rechtsgrundlage für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Landesmediengesetze stellen diese Funktion wiederum für den privaten Rundfunk dar. Über mögliche Kooperationen und Zusammenschlüsse rund um den Rundfunkmarkt entscheiden die jeweiligen Staatsverträge der Bundesländer. Bei Uneinigkeiten hinsichtlich der Staatsverträge oder Verfassungsmäßigkeiten von Gesetzen, greift das Bundesverfassungsgericht mit den sogenannten „Rundfunkurteilen“ ein. Somit ist das Bundesverfassungsgericht die treibende Kraft für eine stetige Rundfunkentwicklung.[24] Um eine bundeseinheitliche Regelung zwischen allen Bundesländern im dualen Rundfunksystem zu schaffen, wurde im Jahr 1991 der Rundfunkstaatsvertrag verabschiedet. Er enthält neben dem ARD-Staatsvertrag, den ZDF-Staatsvertrag, den Rundfunkgebührenstaatsvertrag sowie den Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag. Darüber hinaus sind darin die wichtigsten Normen für Kontrollinstitutionen wie der KEK oder konkrete Ermittlungen des medialen Finanzbedarfs, geregelt.[25] Das duale Rundfunksystem gilt daher als komplexes Geflecht rundfunkrechtlicher Regelungen, deren Grundlage das Grundgesetz und die „Rundfunkurteile“ des Bundesverfassungsgerichts darstellen.

2.2.2 Medienrecht in Italien

Bis Mitte der 80er-Jahre gab es - abgesehen von der verfassungsrechtlich festgelegten Meinungs- und Pressefreiheit kaum gesetzliche Barrieren innerhalb der italienischen Medienlandschaft.

Im Jahr 1976 hatte das italienische Verfassungsgericht angeordnet, kommerzielles Fernsehinhalte fortan nur noch auf regionaler Ebene auszustrahlen. Nachdem er sich über dieses Urteil hinweg gesetzt hatte, schloss Medienunternehmer Berlusconi die drei sich in seinem Besitz befindlichen Sender zu einem Netzwerk zusammen. Sein TV-Programm konnte, teilweise zeitversetzt, in der gesamten Republik empfangen werden.[26] Im Herbst 1984 bestimmten drei Richter den sofortigen Sendeschluss der Programme und planten eine Festigung der staatlichen Monopolstellung rund um RAI.[27] Der in Italien bisweilen betriebene Nepotismus sorgte allerding dafür, dass der damalige Ministerpräsident Bettino Craxi als enger Vertrauter Berlusconis rasch eine Notverordnung zu Gunsten seines Freundes aussprach. Zwar wurde dieser zunächst auf eine sechsmonatige Laufzeit terminiert, eine fristlose Duldung aller Mediaset-Sender trat jedoch bereit im darauffolgenden Jahr in Kraft.[28]

Die als „Legge Mamì“ betitelten Gesetzesnorm zur „Regelung des öffentlichen und privaten Rundfunk- und Fernsehsystems“ galt als Reaktion auf die seit Jahren geforderte Vorgaben für öffentlich-rechtliche Einrichtungen und bildete die gesetzliche Basis für Sendefrequenzen, Werbeauflagen und Kartellrecht.[29] Im Detail regelten die Normen die Besitzobergrenzen von Medienunternehmern, versuchten zu hohe Einnahmen (etwa durch Werbung) einzudämmen und schufen gleichmäßig verteilte Kontrollinstanzen um Monopolismus entgegenzuwirken.[30] Nahezu unmittelbar fanden sich jedoch Gesetzeslücken und juristische Grauzonen, von denen vor Allem Silvio Berlusconi erneut profitierte und sein Machtpotenzial auszubauen wusste.[31] Gerade einmal vier Jahre später gestanden Vertreter des italienischen Verfassungsgerichtes das Scheitern der „Legge Mammì“ ein. Die Gesetzgebung hinterließ die Medienlandschaft Italiens mit einer deutlichen Vorherrschaft von RAI und Mediaset, die über mehr als 90 Prozent des nationalen TV-Inhaltes bestimmten.[32]

Mit der „Legge Maccanico“ zielten italienische Gerichte 1997 darauf ab, die mediale Ausnahmestellung Berlusconis unterbinden und zielte auf weitläufigere eine Streuung des Medienangebots.[33] Auf Grund wachsender Kritik an unzähligen Ausnahmen im Gesetzestext und ihrer relativen Erfolgslosigkeit im Kampf gegen die voranschreitende Medienkonzentration stellte sich schnell heraus, dass auch die aktuelle Gesetzgebung nicht dazu imstande war, die augenscheinlichen Probleme italienische Mediensysteme zu beseitigen und wurde wenige Jahre später bereits wieder annulliert. Zurück blieb eine lose Aneinanderreihung restriktiver Mediengesetze, welche nicht nur inhaltliche Überschneidungen boten, sondern sich vielmehr gegenseitig neutralisierten. [34]

[...]


[1] Vgl. Kornelius 2013, S.1.

[2] Vgl. ebd.

[3] de.reuters.com

[4] Vgl. Feustel 2007, S.6 ff.

[5] Vgl. Saviano 2011, S.1 ff.

[6] www.mediaperspektiven.de

[7] Vgl. www.reporter-ohne-grenzen.de

[8] Vgl. Hanitzsch 2007, S.163 ff.

[9] Vgl. ebd.

[10] Vgl. Ludwig 2008, S. 18 ff.

[11] Vgl. Weber 1997, S. 52 ff.

[12] Vgl. Ludwig 2008, S. 18 ff.

[13] vgl. Dreier 2003, S. 253 ff.

[14] Vgl. ebd.

[15] Vgl. Dreier 2003, S. 256

[16] Vgl. Dreier 2003, S. 256

[17] Vgl. Geffert 2004, S. 39ff.

[18] Vgl. Weber 1997, S. 54ff.

[19] Vgl. ebd.

[20] Vgl. ebd.

[21] Vgl. Schlamp 2013, S.1

[22] Vgl. Schrag 2007, S. 184ff.

[23] Vgl. ebd.

[24] Vgl. Dörr/Schwartmann 2012, S. 56ff.

[25] Vgl. ebd.

[26] Vgl. Feustel 2007, S.39ff.

[27] Vgl. ebd.

[28] Vgl. www.welt.de

[29] Vgl. Lange 2008, S.332ff.

[30] Vgl. Jansen 2007, S.192

[31] Vgl. www.welt.de

[32] Vgl. Wallisch 1997, S.93

[33] Vgl. Kneisler 2011, S.205

[34] Vgl. Kneisler 2011, S.205

Details

Seiten
33
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656623762
ISBN (Buch)
9783656623748
Dateigröße
940 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271332
Institution / Hochschule
Macromedia Fachhochschule der Medien Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
unterschiede journalismuskulturen vergleich pressearbeit deutschland italien

Autor

Zurück

Titel: Unterschiede zweier Journalismuskulturen. Ein Vergleich der Pressearbeit in Deutschland und Italien