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Leibniz´ Versuch zur Lösung des Leib-Seele-Problems unter Einbeziehung seiner Descarteskritik

Studienarbeit 2013 19 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Antiker Ursprung
2.1 Platons Seelenauffassung

3. Descartes
3.1 Substanz, res cogitans, res externa
3.2 kausale Interaktion

4. Leibniz´ Monadologie
4.1 Monade aller Monaden
4.2 Phänomene
4.3 prästabilierte Harmonie
4.4 Uhrengleichnis

5. Leibniz´ Kritik an Descartes

6. Resümee

Literaturliste

1. Einleitung

Eines der ältesten Probleme der Philosophie ist das Leib-Seele-Problem. Die zentrale Frage bei diesem Problem ist die Frage nach der Beziehung zwischen Körper und Seele. Und hinter der Frage nach der Beziehung zwischen Seele und Körper steht die grund-legendere Frage nach der ontologischen Natur des Seelischen. Ob also das Seelische etwas Eigenständiges und vom Physischen grundsätzlich verschieden ist, oder ob es nur eine Spielart des Physischen ist. Eine Seele zu haben bedeutet auch, dass diese über bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften verfügt. Somit stellen sich folglich Fragen über die Natur des Trägers dieser Eigenschaften und über die Natur der Eigenschaften selbst.

In meiner Hausarbeit möchte ich versuchen, das Leib-Seele-Problem und dessen Lösung aus der Sicht von Gottfried Wilhelm Leibniz darzustellen. Dazu ist es notwendig auf seine Monadenlehre und das System der prästabilierten Harmonie einzugehen. Da sich Leibniz´ Versuch der Problemlösung stark auf den von René Descartes bezieht, komme ich nicht umhin, Descartes Substanzdualismus und das Verhältnis von Seele und Körper voran zu stellen, um darauf Leibniz´ Kritik folgen lassen zu können. Dazu sind ebenfalls verschiedene Begriffsklärungen und Definitionen notwendig. Die Hausarbeit schließt mit einem kritischen Resümee ab.

Aufgrund des limitierten Umfangs einer Hausarbeit muss auf ein umfassenderes Eingehen auf gewisse Teile der Arbeit verzichtet werden. Dennoch wird eine thematische Stringenz und Verständlichkeit verfolgt.

Ich möchte anmerken, dass ich aufgrund der besseren Lesbarkeit in dieser Arbeit auf eine geschlechterneutralisierende Formulierung verzichten werde. Die Textdarstellung erfolgt in männlicher Form, was jedoch keine persönliche Wertung des Autors wiederspiegelt.

2. Antiker Ursprung

Um zu Descartes´ Dualismus, und somit zu Leibniz´ Parallelismus zu gelangen, muss ein Ansatzpunkt bereits früher gesehen werden.

Schon Philosophen der Antike haben eine Trennlinie zwischen belebten und unbelebten Dingen gezogen, jedoch nicht zwischen Wesen mit oder ohne mentalen Eigenschaften. Der Unterschied wurde durch das Vorhandensein der Seele (psyche) gemacht, der das Lebende vom Toten trennt. Seele und Leben gehörten in der Antike untrennbar zusammen.

2.1 Platons Seelenauffassung

Für Platon war die Seele nicht nur das Prinzip des Lebens, sondern vielmehr ein vom Körper verschiedenes Wesen (vgl. 2004, 115). Damit vertrat er bereits eine dualistische Auffassung: der Mensch besteht nicht nur aus einem Körper, sondern aus einem Körper und einer Seele; die Seele ist ein immaterielles Wesen und für ihre Existenz nicht auf den Körper angewiesen; beim Tod löst sich die Seele vom Körper; der Körper ist sterblich, die Seele ist unsterblich.

3. Descartes

Mit Descartes wird erst in der frühen Neuzeit der in der Antike selbstverständliche Zusammenhang zwischen Seele und Leben aufgebrochen, er bestreitet die antike Gleichsetzung dessen. Alle Lebensphänomene, bis hin zur Wahrnehmungs- und Bewegungs-fähigkeit, sind für Descartes mechanisch erklärbar. Für ihn sind Pflanzen und Tiere Maschinen, deren Eigenschaften und Fähigkeiten sich aus dem Aufbau und der Anordnung ihrer physischen Teile ergeben.

Für Descartes bildet nur das Denken eine Ausnahme. Dieses ist für ihn untrennbar mit Bewusstsein und dem Ideenhaben verbunden. Nach Descartes können Maschinen weder Bewusstsein (cogitatio) noch Ideen haben. Der Unterschied, der zwischen einem lebenden und einem toten Wesen besteht, ist der gleiche, der zwischen einer funktionsfähigen und einer defekten Maschine besteht. Descartes naturphilosophische Grundüberzeugung ist also, dass die gesamte Natur, die organische und die anorganische, von den selben mechanischen Prinzipien beherrscht wird.

3.1 Substanz, res cogitans, res extensa

Mit Substanz meint Descartes jenen unzerstörbaren Urstoff, den schon die Vorsokratiker suchten: etwas, das durch alle Zustands-änderungen unverändert hindurchgeht. Allerdings ist hier eine Einschränkung zu machen.

Da Gott beide Substanzen geschaffen hat, kann er sie auch zerstören. Unzerstörbare Substanz im absoluten Sinn ist nur Gott selbst. Aber wo Descartes von zwei Substanzen spricht, meint er immer die beiden von Gott geschaffenen res extensa und res cogitans.

Für Descartes gibt es zwei Arten von Substanzen: 1. denkende Dinge und 2. ausgedehnte Dinge. Das Denken ist für Descartes das wesentliche Merkmal der Seele. Dagegen denken physische Dinge nicht. Das wesentliche Merkmal physischer Dinge ist ihre Ausgedehntheit.

Im Begriff res cogitans setzt Descartes Seele und Denken bzw. Seele und Bewusstsein gleich, da er Denken und Bewusstsein zur wesentlichen Eigenschaft der Seele erklärt. Die Seele ist res cogitans, physische Dinge sind bei Descartes res extensa.

Descartes betrachtete res extensa und res cogitans als verschiedene voneinander unabhängige Substanzen; ein lebloser Körper ist für ihn res extensa ohne res cogitans, und menschliche res cogitans ist für ihn denkbar ohne körperliche res extensa.

Die Unsterblichkeit der individuellen Seele betrachtete er als gewiss, aber unbeweisbar.

Descartes teilt Platons These, dass die Seele das eigentliche Selbst des Menschen ist. Für Descartes ist es nicht der Mensch, sondern seine Seele, die denkt, wahrnimmt, erinnert und entscheidet.

Dafür, dass die Seele eines Menschen eine denkende und keine physische Substanz ist, führt Descartes das Argument (vgl. 1996, 80ff.) an, dass sich jeder Mensch klar und deutlich vorstellen kann, ohne seinen Körper und sogar ohne alle körperlichen Eigenschaften zu existieren; er kann sich aber nicht vorstellen, ohne Denken zu existieren. D.h. was man sich vorstellen kann, ist möglich.

Er kommt zu einem Schluss: Wenn es für jeden Menschen möglich ist, ohne körperliche Eigenschaften zu existieren, dann gehört diese Eigenschaft nicht zu seinen wesentlichen Eigenschaften. Also ist der Mensch keine körperliche Substanz. Vielmehr ist er eine denkende Substanz. Denn da es für den Menschen nicht möglich ist, ohne Denken zu existieren, ist Denken seine einzige wesentliche Eigenschaft. Aus dieser Logik heraus stammt auch Descartes Beweis der eigenen Existenz, denn aus dem Zweifel meiner Existenz folgt, dass ich bin: cogito ergo sum.

Ebenfalls schließt sich Descartes´ ontologischer Gottesbeweis aus dieser Logik: aus der Vorstellung Gottes folgt die Existenz Gottes.

3.2 kausale Interaktion

Mit dem Vorhandensein zweier Substanzen ergibt sich die Problemstellung, wie es Körper und Seele vermögen, kausal zu interagieren. Die Beziehung zwischen Körper und Seele bietet einen großen Kritikpunkt bei Descartes Substanzdualismus (– bei dem Leibniz´ Lösung des Parallelismus ansetzt; dazu später mehr). Es stellt sich die Frage, welche seelischen genau welche körperlichen Vorgänge verursachen können und umgekehrt und wo genau, an welcher Stelle des Körpers, diese kausale Interaktion stattfindet, d.h. wo sich genau die Schnittstelle zwischen Seele und Körper befindet. Denn dass es eine Interaktion zwischen beiden gibt, dafür spricht sehr viel, z.B. können Wahrnehmungserlebnisse durch physische Stimuli hervor gerufen werden, z.B. durch Drogen, oder dass Hirnverletzungen zu kognitiven Ausfällen führen.

Nach Descartes findet diese kausale Interaktion zwischen Seele und Körper in der Zirbeldrüse statt. Descartes ging davon aus, alles Handeln und Wahrnehmen wird durch das Nervensystem des Menschen vermittelt. Und die Zirbeldrüse ist für ihn das Zentrum der Bewegungen der spiritus animales, sehr kleiner Teilchen, so stellte er sich vor, die sich durch Nervenröhrchen bewegen und ein Abbild der wahrgenommenen Dinge erzeugen. Die Zirbeldrüse lenkt, so Descartes, gewollte Handlungen, und somit Willen und Seele, zu den ensprechenden Muskeln, um diese in Bewegung zu versetzen.

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Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656631477
ISBN (Buch)
9783656631415
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271335
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,7
Schlagworte
leibniz´ versuch lösung leib-seele-problems einbeziehung descarteskritik

Autor

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Titel: Leibniz´ Versuch zur Lösung des Leib-Seele-Problems unter Einbeziehung seiner Descarteskritik