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Persönlichkeitsentwicklung. Sozialisation zwischen Familie und Peers

Hausarbeit 2013 12 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Sozialisation zwischen Familie und Peers
2.1 Der Begriff „Sozialisation“
2.2 Sozialisationsinstanz Familie
2.3 Sozialisationsinstanz Peergroup
2.4 Resümee

3. Nachwort

1.Vorwort

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach der Persönlichkeitsentwicklung und ihren prägenden Institutionen. Im Vordergrund soll die Sozialisation in Bezug auf ihren Beitrag zur Identitätsbildung stehen. Die Komplexität der unterschiedlichen Sozialisationsinstanzen lässt keine umfassende Betrachtung aller Instanzen in dieser Arbeit zu. Deshalb sollen hierbei nur die Instanzen Familie und Peergroup näher betrachtet, erläutert und vergleichen werden - ausgewählt aus dem Grund der allgemeinen Gültigkeit jeden Lebenslaufes. Jeder Mensch ist üblicherweise in irgendeiner Form durch diese beiden Instanzen sozialisiert und geprägt worden. Genauer soll dargestellt werden inwiefern sich diese Instanzen auf die Entwicklung der Persönlichkeit beziehen und welche Rolle die unterschiedlichen sozialen Einflüsse selbst spielen. Des Weiteren soll der Frage nach einer möglichen Priorität der beiden nachgegangen und untersucht werden. Die Arbeit soll allgemein einen ersten Einblick auf den wichtigen Begriff „Sozialisation“ schaffen, der in pädagogischen Kontexten unverzichtbar ist. Aussagen verschiedener Autoren zu diesem Forschungsgebiet sollen betrachtet und gegenüber gestellt werden. Immer wieder sollen Bezüge pädagogischen Handelns hergestellt werden um die Priorität der Sozialisation in diesem Bereich hervorzuheben.

Zuerst soll der Begriff Sozialisation näher betrachtet und grundlegend erläutert werden, anschließend folgen dann die genaueren Betrachtungen der Sozialisationsinstanzen Familie und Peergroup mit einem abschließenden Resümee.

2. Sozialisation zwischen Familie und Peers

2.1 Der Begriff „Sozialisation“

Zu Beginn soll der Begriff „Sozialisation“ grundlegend erläutert und Definitionen verschiedener Autoren hierzu betrachtet werden. Allgemein wird Sozialisation als „das Erlernen des sozialen Verhaltens, den Prozess, in welchem der Mensch in der Gesellschaft bzw. in einer ihrer Gruppen handlungsfähig wird“ definiert (Hobmair 2009, S.80). Der Mensch ist bei Geburt nicht mit allen lebensnotwendigen Instinkten ausgestattet, sondern er ist an das Erlernen von Verhaltensweisen, Wert- und Normvorstellungen gebunden um sich in der Welt zurechtzufinden (ebd., S.80). Sozialisation beinhaltet jedoch nicht nur das Erlernen von Norm- und Wertvorstellungen, sondern auch die Ausbildung von Einstellungen, die Übernahme von Rollen und die Formierung des Gewissens (Hobmair 2009, S.81). Hermann Veith, Professor für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Sozialisationsforschung definiert Sozialisation mit folgenden Worten: „Mit dem Begriff der Sozialisation verbindet sich die Vorstellung, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen Menschen aufwachsen und leben, ihre Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig beeinflussen“ (Veith 2008, S.7). Veith beschreibt Sozialisation also als das soziale Umfeld, welches auf die Entwicklung des Menschen Einfluss nimmt. Weiter führt er aus inwieweit Handlungsfähigkeiten in Verbindung mit dem jeweiligen kulturellen Hintergrund stehen (ebd., S.9). Auch die individuellen Normvorstellungen entwickeln sich im Laufe des Sozialisationsprozess und werden von jenem beeinflusst (ebd., S.13). Wenn diese Normvorstellungen hingegen einer klaren Absicht unterliegen, versteht man darunter nicht mehr eine „unbestimmte“ Sozialisation, sondern pädagogisches Handeln (ebd., S.14). Auch Klaus Hurrelmann, Hochschullehrer für Sozialisation- und Gesundheitsforschung, beschreibt Sozialisation wie folgt: „Sozialisation bezeichnet damit den Prozeß [sic!] der Konstituierung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von und in kontinuierlicher Auseinandersetzung mit der gesellschaftlich vermittelten sozialen und dinglich-materiellen Umwelt einerseits und der biophysischen Struktur des Organismus andererseits“ (Hurrelmann 1994, S.15). Er schreibt, dass der Mensch in einer lebenslangen, wechselseitigen Beziehung mit der Umwelt steht, durch welche seine Persönlichkeit gebildet und ein ganzes Leben lang geprägt beziehungsweise verändert wird (ebd., S.15). Jeder Mensch steht also ständig in einer sozialen Interaktion, in der er sich fortwährend weiterentwickelt (ebd., S.15). Somit kann man die Untersuchung des gesellschaftlich, sozialen Hintergrundes auch gut in pädagogischen Bezügen anwenden um das Verhalten eines Menschen besser verstehen zu können.

Da Sozialisation ein lebenslanger Prozess ist, kann er in drei Phasen unterteilt werden. Die Primäre Phase wird auch basale Sozialisation genannt und schließt das Alter von 0-3 Jahren ein. Es setzt die Voraussetzungen für alle späteren sozialen Lernprozesse. Die sekundäre Sozialisation umfasst dann das Alter von 3 Jahren bis einschließlich dem Jugendalter und ist geprägt von dem Ausbau beziehungsweise der Veränderung dessen in der primären Phase Angelegtem. Zuletzt folgt schließlich die Tertiäre Sozialisation, welche das Erwachsenenalter umfasst und für das Erfüllen von wichtigen Entwicklungsaufgaben steht. (Hobmair 2009, S.83)

Des Weiteren gibt es verschiedene Sozialisationsinstanzen in den unterschiedlichen Lebensphasen, welche den Sozialisationsprozess bestimmen und auf die Persönlichkeitsbildung Einfluss nehmen. Angefangen von der Familie und dem Kindergarten bis hin zur Schule, der Gruppe der Gleichaltrigen, die sog. Peergroup, dem beruflichen Umfeld und der Beeinflussung der Medien. Im nächsten Teil der Arbeit sollen die Instanzen Familie und Peergroup näher betrachtet und analysiert werden.

2.2 Sozialisationsinstanz Familie

Die Sozialisationsinstanzen stellen entscheidende Faktoren im Sozialisationsprozess dar und sind somit auch für die Persönlichkeitsentwicklung von Bedeutung. Eine äußert wichtige unter etlichen anderen Instanzen ist die Familie, die in diesem Abschnitt behandelt werden soll. In Hurrelmanns Werk „Handbuch der Sozialisationsforschung“, dass es die Sozialisationsinstanz Familie auch schon früher gegeben hat, diese sich jedoch im Laufe der Zeit verändert hat (Hurrelmann/Ulich 1998, S. 321f). Er fasst diesen Wandel in drei Konzepten zusammen: die Familie als sich entwickelndes, dynamisches Konzept, die ungeteilte Umwelt in der Familie und die innere Repräsentation von Beziehungen (ebd., S.323ff). „Die Familie wird nicht mehr nur als statische Struktur verstanden, sondern als eine dynamische systemische Einheit, die in verschiedenen Lebensstadien eine eigenständige Entwicklung durchläuft und dabei das Beziehungsnetz permanent an die sich verändernden Bedingungen und Entwicklungen der verschiedenen Familienmitgliedern anzupassen versucht“ (ebd., S.323 zit. n. Duvall/Aldous/Olson;McCubbin). Dieser Wandel, dass die Familie sich den wechselnden Bedürfnissen der Familienmitgliedern anpasst, ist in der Vergangenheit nicht beachtet beziehungsweise vernachlässigt worden (ebd., S.323). Des Weiteren ist die Auffassung neu, dass nicht nur die Kinder durch die Familie sozialisiert werden, sondern auch die Erwachsenen, also die Eltern eine Sozialisationsprozess innerhalb der Familie unterlaufen (Hurrelmann 1998, S.322f). Ein weiterer Aspekt ist die ungeteilte Umwelt in Familie, wie Kreppner es nennt (Hurrelmann/Ulich 1998, S.324). Er meint damit das Verhältnis von genetischem Erbe und dem Einfluss der Familie als soziales Umfeld (ebd., S.324). „Der Kern der neuen Sichtweise besteht darin, daß [sic!] Familie als von anderen Familienmitgliedern nicht geteilte Umwelt, also ´non-shared environment´, konzipiert wird“ (ebd., S.324, Herv. i. O.). Somit kann man auch nicht davon ausgehen, dass Geschwisterkinder gleichermaßen sozialisiert und geprägt werden, da sie zu unterschiedlichen Zeiten in die Familie und auch in ein anderes Umfeld hineingeboren werden (ebd., S.324). Des Weiteren haben die Eltern selbst eine andere Einstellung und einen größeren Erfahrungsschatz dem zweiten Kind gegenüber (ebd., S.324). „Unterschiede zwischen den Kindern werden im Laufe der individuellen Entwicklungen noch vertieft, verstärken sich während der Schuldzeit und in der Pubertät“ (ebd., S.324). Diese Tatsache der ungleichen Entwicklung und Identitätsbildung konnten auch einige Studien mit Zwillingen und Adoptivkindern belegen (ebd., S.324). Der letzte Aspekte, der den Wandel der Familie beschreiben soll, ist der der „Inneren Repräsentation von Beziehungen“ (ebd., S.325). Hiermit ist das Konzept „internal working model“ gemeint, welches Bowlby entwickelt hat und welches darstellen möchte inwieweit das Kind sich ein kognitives Konstrukt für die Gestaltung sozialer Interaktionen aufbaut. Dieses Konstrukt ist entscheidend in Bezug auf die primären Bezugspersonen, wodurch es durch Replikation bestimmter Muster der sozialen Interaktion zur Ausprägung von Erwartungshaltungen kommt (ebd., S.325). Dadurch entsteht schließlich auch die Sichtweise beziehungsweise die Einschätzung anderer als charakterliche Personen und anknüpfend entwickeln sich hierdurch auch Erwartungshaltungen, welche alle zukünftigen sozialen Interaktionen beeinflussen (ebd., S.325). Auch Gisela Trommsdorff, Inhaberin des Lehrstuhls für Entwicklungspsychologie und Kulturvergleich am Fachbereich Psychologie der Universität Konstanz, beschäftigte sich mit Eltern-Kind-Beziehungen und ihren prägenden Einflüssen (Walper/Pekrun 2001, S.480). Sie definierte den Begriff der Sozialisation in Bezug auf die Sozialisationsinstanz Familie wie folgt: „In der gegenwärtigen familialen Sozialisationsforschung wird Sozialisation allgemein verstanden als das Hineinwachsen in den gegebenen sozio-kulturellen Kontext mit der Übernahme sozialer Rollen, Erwartungen und Handlungsmuster“ (ebd., S.38). Auch hier wird ebenfalls das Entstehen von Erwartungen und Erwartungshaltungen als wichtiger Aspekt der Sozialisation gesehen. Allgemein kann man also festhalten, dass die Familie als Sozialisationsinstanz von enormer Bedeutung für die Entwicklung eines Menschen ist. Dass natürlich auch die genetische Vererbung eine maßgebliche Beeinflussung auf den Charakter hat steht hierbei außer Frage, jedoch soll die prägende Macht der Familie für die Identitätsbildung betont werden. Doch die Familie stellt nicht die einzige Instanz dar, welche zur Persönlichkeitsbildung beiträgt, auch die sog. Peergroup spielt eine entscheidende Rolle im Sozialisationsprozess und soll in dem folgenden Abschnitt näher betrachtet werden.

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Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656633747
ISBN (Buch)
9783656633730
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271360
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
unbenotet
Schlagworte
Sozialisation Peergroup Pädagogik Soziologie; Persönlichkeit Persönlichkeitsentwicklung Jugend Familie Sozialisaitonsinstanzen

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Titel: Persönlichkeitsentwicklung. Sozialisation zwischen Familie und Peers