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Wohnungslosenhilfe. Inwieweit verschärfen die Hartz IV Gesetze die Situation junger Wohnungsloser?

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Menschen in Wohnungsnot
1.1 Lebenssituation wohnungsloser Menschen
1.2 Allgemeine Ursachen und Hintergründe für Wohnungslosigkeit

2 Wohnungslosenhilfe
2.1 Rechtliche Rahmenbedingungen der Wohnungslosenhilfe
2.2 Kritische Betrachtung des Hilfesystems

3 Junge Menschen in der Wohnungslosigkeit
3.1 Verschärfung der Lage junger Menschen durch Hartz IV
3.2 Verbesserungsbedarfe in Bezug auf junge Wohnungslose

4 Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Wohnen bedeutet nicht nur Schutz vor Witterung und wilden Tieren, sondern ermöglicht neben hygie-nischen Bedingungen wie Körperpflege und Wäschewaschen, selbstbestimmter Ernährung und Versor-gung auch das Pflegen sozialer Kontakte und bietet Raum zur Entspannung. Zudem ist ein abge-schlossener Wohnraum ein Rückzugsort, der ein hohes Maß an Privatsphäre und Freiheit bietet. Woh-nen ist ein Menschenrecht (Art.25 Abs.1), welches 1. die Sicherheit des Besitzes, 2. den Zugang zu sauberen Trinkwasser, Energieversorgung, medizinischer Versorgung, sanitäre Anlagen u.a., 3. Be-zahlbarkeit der Wohnung, 4. Bewohnbarkeit und 5. Erreichbarkeit umfasst (vgl. UN zit. in www.amnesty.de). Dieses Recht ist in Deutschland jedoch nicht verfassungsrechtlich garantiert und lässt sich stattdessen nur durch Rechtsnormen wie die Unantastbarkeit der Menschenwürde und die Freiheitsrechte ableiten. Die Kommunen sind jedoch verpflichtet Hilfesuchenden zu ihrem Schutz eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen, da Obdachlosigkeit als Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung gilt. Dennoch leben nach Schätzungen der BAG W im Jahre 2010 ca. 22 000 Menschen ohne Unterkunft auf der Straße. Somit ist die Zahl wohnungsloser Menschen von 2008 bis 2010 um 10% gestiegen. Dieser Personenkreis bildet jedoch nur einen kleinen Teil der insgesamt ca. 246 000 Woh-nungslosen; denn als Wohnungslos gilt jeder Mensch, der über keinen mietrechtlich abgesicherten Wohnraum verfügt. Der Anteil wohnungsloser Männer ist mit 64% am höchsten. Der Frauenanteil liegt bei 26% und der von Kinder und Jugendliche bei 10%. Prognosen zu Folge wird die Wohnungslosig-keit der unter 25jährigen in den kommenden Jahren zunehmen (vgl. www.bagw.de). Inwieweit dies mit der derzeitigen Aktivierungspolitik zusammenhängt, soll im Folgenden betrachtet werden.

Zunächst werden im ersten Teil die Begrifflichkeiten Wohnungsnotfall, Obdachlosigkeit und Woh-nungslosigkeit erläutert, da auf der Grundlage dieser Begriffe die verschiedenen Hilfen arbeiten. Im Weiteren werden die Lebenssituationen wohnungsloser Menschen beschrieben und die Ursachen, die zu Wohnungslosigkeit führen können aufgezeigt. Somit wird zum Einen der Personenkreis dargestellt, mit dem das Hilfesystem arbeitet, und zum Anderen werden die gesellschaftlichen und individuellen Hintergründe erläutert, die Wohnungslosigkeit begünstigen können. Im zweiten Teil wird das Hilfesys-tem mit seinen rechtlichen Grundlage vorgestellt und kritisch betrachtet, um die Arbeitsweise des Sys-tems zu verdeutlichen und mögliche Schwierigkeiten bei der Verwirklichung von Hilfen aufzuzeigen. Der dritte Teil setzt sich mit der Frage auseinander, warum vermehrt unter 25jährige von Wohnungs-losigkeit betroffen sind und inwieweit insbesondere ihre Lage im Zusammenhang mit den Hartz IV Ge-setzen verschärft wird. Abschließend wird unter Betrachtung bestehender Veränderungsbedarfe disku-tiert, wie die Lebens- und Problemlage junger wohnungsloser Menschen verbessert werden kann.

1 Menschen in Wohnungsnot

Menschen befinden sich nicht nur in Wohnungsnot, wenn sie akut von Wohnungslosigkeit betroffen sind und somit über keinen mietrechtlich abgesicherten Wohnraum verfügen, sondern auch, wenn Personen und Haushalte unmittelbar von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Dies kann beispielsweise aufgrund von bevorstehenden Kündigungen, Räumungsklagen, Zwangsräumungen oder sozialen Kon-flikten der Fall sein. Zudem gelten Menschen, die in unzumutbaren Wohnverhältnissen leben und Per-sonen, die von Wohnungslosigkeit betroffen waren, jedoch zur Stabilisierung des derzeitigen miet-rechtlichen Wohnverhältnisses auf Unterstützung angewiesen sind, als „Wohnungsnotfall“ (BAG W 2010, S.1f.).

In Bezug auf die Fallgruppe der Personen, die aktuell über keinen mietrechtlich abgesicherten Wohn-raum verfügen und somit von akuter Wohnungslosigkeit betroffen sind, wird zwischen obdachlos und wohnungslos differenziert. Als obdachlos gelten Menschen, die unfreiwillig ihren mietrechtlich abge-sicherten Wohnraum verloren haben und diesen Missstand aus eigener Kraft bzw. aufgrund fehlender Mitteln nicht beheben können. Unfreiwillige Obdachlosigkeit gilt als Gefahr für die öffentliche Sicher-heit und Ordnung – insbesondere als Gefahr für die betroffene Person selbst – und ist somit ein ord-nungswidriger Zustand. Entsprechend besteht für betroffene Familien und Einzelpersonen ordnungs-rechtlich der Anspruch, durch die Kommune in einer Ersatzwohnung bzw. Notunterkunft unterge-bracht zu werden. Die Einweisung in Ersatzunterkünfte beinhaltet nur eine vorübergehende Nutzung und ist keinem mietrechtlich abgesicherten Wohnraum gleichzusetzen (vgl. Lutz/Simon 2007, S. 90f. u. Malyssek/Störch 2009, S.39.). Stollenwerk (2009) fügt hinzu, dass die Entscheidung über den An-spruch auf Unterbringung im Ermessen der zuständigen Ordnungsbehörde liegt und somit im Grunde nur der Anspruch auf eine „ermessensfehlerfreie Entscheidung“ besteht. Zudem weist Stollenwerk da-rauf hin, dass der Anspruch auf Unterbringung entfällt, wenn die zur Verfügung gestellte Unterkunft nicht bezogen wird oder Hilfesuchende gegen die „innere Ordnung“ der zugewiesenen Unterkunft ver-stoßen. Erhebt ein von akuter Wohnungslosigkeit betroffener Mensch keinen Anspruch auf kommunale Unterbringung, gilt diese Person im ordnungsrechtlichen Sinne als freiwillig obdachlos, sofern davon ausgegangen werden kann, dass die Person fähig ist eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. In diesem Fall besteht für Städte und Gemeinden keine Pflicht zur Unterbringung (vgl. Stollenwerk 2009, S. 273f.). Menschen, die weder über einen regulären, mietrechtlich abgesicherten Wohnraum verfü-gen, noch ordnungsrechtlich mit einer Ersatzwohnung bzw. Notunterkunft versorgt worden sind und zudem, wie zumeist der Fall, von besonderen sozialen Schwierigkeiten bedroht sind, welche sozialar-beiterische Hilfen und Maßnahmen implizieren, werden als wohnungslos bzw. als alleinstehende Woh-nungslose bezeichnet. Diese Menschen wohnen beispielsweise in Behelfsunterkünften, illegal bei Be-kannten oder ohne Unterkunft auf der Straße (vgl. Lutz/Simon 2007, S. 90f. u. Malyssek/Störch 2009, S.39).

Wie sich die Lebenssituation wohnungsloser Menschen ausgestaltet und mit welchen physischen und psychischen Gefahren ein Leben auf der Straße verbunden ist, wird im Folgenden zusammenfassend dargestellt.

1.1 Lebenssituation wohnungsloser Menschen

Der Verlust der Wohnung, der vielfach mit dem Verlust des Arbeitsplatzes einhergeht, führt oftmals zum Abbruch sozialer Beziehungen und somit in die soziale Isolation. Die meisten wohnungslosen Menschen haben keine tragfähigen familiären und freundschaftlichen Beziehungen mehr. Vielfach geht Wohnungslosigkeit mit Alkohol- und Drogenproblemen einher. Viele leben von Gelegenheitsjobs. Da das Geld zumeist nicht ausreicht, wird der Lebensunterhalt zudem oft durch Betteln bestritten. Auf-grund verweigerter Hilfe und Anerkennung ziehen viele von Stadt zu Stadt. Wohnungslose Menschen sind nicht nur Stigmatisierungen und Gewalterfahrungen ausgesetzt, sie werden zudem von öffentli-chen Plätzen und Straßen vertrieben, da sie als Störfaktor wahrgenommen werden (vgl. Malyssek/ Störch 2009, S. 20ff.). Entsprechend formulieren Lutz und Simon (2007, S.85): „Die Lebenslage Woh-nungslosigkeit, die in der Regel mit unzureichenden oder prekären Wohnverhältnissen, keinem oder geringen Einkommen, mangelnder sozialer Sicherung durch primäre Sicherungssysteme, fehlender Pri-vatsphäre, gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Mangel an materiellen Gütern, äußerer Gefährdung und sonstigen diskriminierenden Lebensbedingungen einhergeht, zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Betroffenen erhebliche Mühe haben ihre subjektiven Rechtsansprüche zu verwirklichen.“ Stollenwerk (2009, S.273) fügt hinzu, dass dauerhafte Wohnungslosigkeit zu einer Verwahrlosung und Verelendung der Betroffenen führt und sich ihr Charakter nachhaltig verändert, sodass eine Resozialisierung erschwert wird.

1.2 Allgemeine Ursachen und Hintergründe für Wohnungslosigkeit

Die oben aufgeführte Definition Wohnungsnotfall weist darauf hin, dass das Problem der Wohnungslo-sigkeit grundsätzlich schon vor dem akuten Verlust des mietrechtlich abgesicherten Wohnraums be-ginnt (vgl. Lutz/Simon 2007, S.91; BAG W 2010, S.1). Die Ursachen und Hintergründe, die zu akuter Wohnungslosigkeit führen sind, da sie auf individuellen Problem- und Lebenslagen basieren, bei denen sowohl personale Einflussfaktoren (z.B. individuelle Problemlösekompetenz oder die physische und psychische Gesundheit), als auch situative Einflussfaktoren (z.B. Unglücksfälle oder Konflikte im sozia-len Nahbereich, Naturkatastrophen) eine Rolle spielen, vielfältig. Häufig geht der Wohnungslosigkeit eine Verkettung mehrerer, sich gegenseitig beeinflussender und verstärkender Faktoren voraus, die Einzelne überfordern und in ihrer Existenz bedrohen können (vgl. Malyssek/Störch 2009, S.21). Ent-sprechend bezeichnen Lutz und Simon (2007, S. 101) den Verlust der Wohnung als „Ausdruck und Endpunkt einer Krise, die schon früher begann und keine Lösung fand“. Die jeweiligen Ursachen und Hintergründe sind, da sie auf persönlichen Krisen basieren individuell unterschiedlich, sodass weder von „der Ursache“, noch von „dem Wohnungslosen“ gesprochen werden kann. Dennoch sind Risiko-faktoren zu benennen, die Wohnungslosigkeit begünstigen können. Hierzu zählen: Langzeitarbeitslo-sigkeit, Niedrigeinkommen und Armut, Mietschulden oder mietwidriges Verhalten, Krankheit und Un-fall, Konflikte im sozialen Nahbereich (z.B. Trennung und Scheidung Gewalterfahrungen), Suchtmittel-abhängigkeit und psychische Erkrankung, sowie Entlassung aus Langzeitbehandlung oder Haft. Armut wird hier sowohl als materielle Unterversorgung, als auch als fehlender Zugang zu Bildung, Arbeit und Wohnraum verstanden. Als ausschlaggebendes gesellschaftliches Problem, durch das Wohnungslosig-keit begünstigt wird, gilt die derzeitige Wohnungspolitik, die vor allem privatwirtschaftlich Interessen vertritt und zu einer Verknappung bezahlbaren Wohnraums führt. Auch die hohe Arbeitslosigkeit ist ein gesellschaftliches Problem, denn vor allem Langzeitarbeitslosigkeit gilt als Risikofaktor. In diesem Zusammenhang ist auch der fehlende Zugang ins Berufsleben, insbesondere bei jungen Menschen, zu sehen (vgl. Lutz/Simon 2007, S. 51ff.). Malyssek und Störch (2009, S.28) führen zudem die Entwick-lung hin zu einem neoliberalen Staat als gesellschaftlichen Risikofaktor an. Sie formulieren: „Die abge-hängten Menschen, die sogenannten Modernisierungsverlierer im neoliberalen und auf Wachstum und Leistung setzenden Deutschland sind die Klienten von Morgen. Der permanente gesellschaftliche Druck, sich am Markt behaupten zu müssen, verbunden mit dem Verlust von früheren Rückzugsgebie-ten und sozialen Nischen sowie der Zunahme von Selektionsprozessen, setzt alte und neue Randgrup-pen frei, mit Endstation Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit, Straße, Hilfesystem.“. Im Zuge der hier angesprochenen und derzeit vorherrschenden Aktivierungspolitik soll zum einen der Arbeitsmarkt durch Deregulierung aktiviert werden, indem staatliche Eingriffe in die Wirtschaft minimiert werden. Die Aufgabe des Staates ist es Rahmenbedingung zu schaffen, die Chancengleichheit ermöglichen. Ei-genverantwortung und Eigeninitiative der Bürger stehen dabei im Vordergrund. In Folge der Deregu-lierung werden unter anderem Arbeitnehmerschutzrechte wie beispielsweise der Kündigungsschutz abgebaut, Flächentarifverträge werden „aufgeweicht“ und Arbeitszeiten sowie Beschäftigungsverhält-nisse werden entsprechend der Kapazität eines Unternehmens angepasst, sodass eine dauerhafte, so-zialrechtlich geschützte und tariflich bezahlte Vollzeitbeschäftigung nicht mehr der Regel entspricht. Da der Wohlfahrtsstaat als zu teuer und zu ineffektiv gilt, zieht sich der Staat zunehmend von seinen wohlfahrtsstaatlichen Leistungen zurück. Durch Fördern der vorhandenen Selbstheilungskräfte und gleichzeitiges Fordern, welches sich durch Sanktionen gegenüber nicht kooperationsfähigen oder –will-ligen Hilfesuchenden ausdrückt, sollen die BürgerInnen aktiviert werden. Des Weiteren soll der Inef-fektivität der sozialstaatlichen Dienstleistungen in der öffentlichen Verwaltung durch mehr Konkurrenz und Wettbewerb entgegengewirkt werden (vgl. Galuske 2004, S.1ff.).

Ängste, Unkenntnis, negative Erfahrungen und Hemmschwellen können die Inanspruchnahme von so-zialen Hilfeleistungen zudem negativ beeinflussen. So führen 1. die Angst vor Stigmatisierung und Dis-kriminierung bei der Inanspruchnahme von Sozialleistungen, welche unter anderem auf die gesell-schaftlich geforderte Eigenverantwortlichkeit und die vorherrschende Leistungsideologie, sowie die stimmungstreibende Medienberichterstattung über sogenannte „Sozialschmarotzer“ zurückzuführen ist, 2. mangelnde Information über Art und Umfang des Anspruchs oder falsche Information aufgrund fehlerhafter Berichterstattung, die vielfach mit der Angst vor Regressansprüchen verbunden ist, und 3. negative Erfahrungen, sowie das Gefühl, den Ämtern hilflos ausgeliefert zu sein, zu einem Verzicht auf zustehende Leistungen (vgl. Lutz/Simon 2007, S.39ff.).

2 Wohnungslosenhilfe

Von Wohnungslosigkeit Betroffene haben das Recht, staatliche Hilfen in Anspruch zu nehmen. Welche Hilfeleistungen in Betracht kommen ist von der jeweiligen Problem- und Lebenslage des Einzelnen ab-hängig. Entsprechend der oben dargestellten Personengruppen gliedern sich die Aufgaben bzw. Lei-stungen der Wohnungslosenhilfe in präventive Aufgaben, die einem Wohnungsverlust vorbeugen bzw. ihn verhindern sollen und integrative Aufgaben, wie ambulante und stationäre Dienstleistungen, die bei eingetretenem Wohnungsverlust greifen. Die an den Hilfeleistungen für Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen beteiligten Träger sind die Bundesagentur für Arbeit, die Kommunen, überörtliche Träger der Sozialhilfe und die frei-gemeinnützigen Träger. Wie bereits unter 1. dargestellt, sind ordnungsrechtlich die Kommunen bzw. kommunalen Ordnungsbehörden für die Be-seitigung unfreiwilliger Obdachlosigkeit zuständig, indem sie hilfebedürftigen Hilfesuchenden eine Un-terkunft zur Verfügung stellen. Auch die kommunalen Eingliederungsleistungen nach §16a SGB II (Kinderbetreuungsleistung, Schuldner und Suchtberatung, psychosoziale Betreuung) sind als präventi-ve Maßnahmen zu verstehen. Neben der Versorgung mit entsprechenden Einrichtungen fällt auch die Versorgung mit preiswertem Wohnraum zu den präventiven Aufgaben der Kommunen. Zu den Aufga-ben der Sozialhilfeträger zählt die Sicherstellung einer ausreichenden Funktions- und Leistungsfähig-keit der verschiedenen Dienste und Einrichtungen in Bezug auf die Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten. Bei mittellosen Obdachlosen werden die finanziellen Mittel zum Lebensunter-halt durch die kommunalen Sozialbehörden (ARGE, Sozialamt) zur Verfügung gestellt. Neben hoheitli-cher Funktionen (Feststellung der Erwerbsfähigkeit und Bereitstellung finanzieller Mittel) stehen weite-re Maßnahmen zur Verfügung, die die Hilfebedürftigkeit beenden bzw. verringern sollen. Die Leistun-gen der ARGE beziehen sich dabei auf die Eingliederung in Arbeit und umfassen Beratung, Vermitt-lung, Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen (vgl. BAG W 2009, S.1f).

Die Angebote und Maßnahmen der organisierten Wohnungslosenhilfe basieren grundsätzlich auf den Hilfen nach §§67-69 SGB XII und setzen somit neben dem Verlust der Wohnung das Vorliegen beson-derer sozialer Schwierigkeiten voraus (vgl. Lutz/Simon 2007, S.95). Die entsprechenden sozialarbeite-rischen und sozialpädagogischen Hilfen und Maßnahmen werden hauptsächlich von den freien und kirchlichen Trägern erbracht. Die organisierte Wohnungslosenhilfe umfasst Fachberatungsstellen, Stra-ßensozialarbeit, Tagesaufenthaltsstätten, Betreutes Wohnen für ehemals Wohnungslose, Wohnheime, Übernachtungseinrichtungen, medizinische Ambulanzen und Arbeitshilfen (vgl. Malyssek/Störch 2009, S.22). Die Wohnungslosenhilfe gliedert sich in ambulante, teilstationäre und stationäre Hilfen auf. Die ambulanten Angebote sind vorrangig, sodass eine Unterbringung in stationären Einrichtungen nur er-folgt, wenn die ambulanten Maßnahmen nicht ausreichen. Die ambulanten und stationären Hilfefor-men der Wohnungslosenhilfe sind nicht nur untereinander sondern auch mit anderen Hilfesystemen vernetzt, die auf weitergehende Hilfen (beispielsweise bei Suchtproblemen, Schuldenfragen oder me-dizinischen Belangen) spezialisiert sind. Die Angebote der ambulanten Beratungsstellen sind nieder-schwellig und freiwillig, um Hemmschwellen abzubauen, sowie Vertrauen zu schaffen und somit die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Hilfesuchenden und Hilfeleistenden zu schaffen. Lutz und Simon (2007, S.109) betonen: „Die Nutzung der Serviceleistungen darf nicht an das Angebot der Beratung gekoppelt sein, d.h. die Nutzung der Einrichtung beinhaltet zunächst keine weitergehen-den Verpflichtungen.“ Ziel ist es, Betroffenen das Leben zu erleichtern und sie bei der Strukturierung ihres Alltags zu unterstützen. Entsprechend umfassen die Hilfen u.a. die „Versorgung hinsichtlich Er-nährung, Kleidung, Körperhygiene, medizinischer Hilfen, menschlicher Wärme“ sowie sozialarbeiteri-sche Beratung und Unterstützung. Zusätzliche Serviceleistungen umfassen neben Informationstafeln zu Jobangeboten unter anderem die Möglichkeit, dass die Beratungsstelle als Postadresse genutzt werden kann. Für Personen, die kein Konto mehr eröffnen können, gibt es die Möglichkeit der Geld-verwaltung. Auch die Bereitstellung von kostenlosen Schließfächern für wichtige Papiere ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Neben den niederschwelligen Angeboten besteht in ambulanten Bera-tungsstellen die Möglichkeit, in Zusammenarbeit von Klient und Einrichtung Ziele und Maßnahmen zur Alltagsstrukturierung im Rahmen eines Hilfeplans zu vereinbaren. Eine weitere niederschwellige Maß-nahme der Wohnungslosenhilfe ist Streetwork. Die aufsuchende Straßensozialarbeit hat zum Ziel, Überlebenshilfe und Beratung zu leisten. Dabei soll Misstrauen gegenüber den etablierten Hilfen abge-baut und Kontaktpflege betrieben werden. Zudem fungiert sie als „Frühwarnsystem, das zur Hilfepla-nung beiträgt“ (Lutz/Simon 2007, S.118f.). Zusätzlich wird hier Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Der All-tag in den stationären Einrichtungen ist stark strukturiert. Sie bieten nicht nur die Möglichkeit einer in-tensiven und längerfristigen Arbeit mit Betroffenen, sondern auch einen „Schutz- und Schonraum“, in dem problemlösungsorientiertes Verhalten gelernt und geübt werden kann. Beispielsweise wird das Wohnen im Wohnraum oder das nachgehen einer regelmäßigen Beschäftigung geübt. Zudem werden vorbereitende Maßnahmen z.B. in Bezug auf Suchttherapie oder die Einweisung in Pflege- oder Senio-renheime durchgeführt. Im Gegensatz zu der Freiwilligkeit niederschwelliger Hilfen und Angebote sind die im Hilfeplan festgelegten Vereinbarungen zwischen Klient und Einrichtung verpflichtend (vgl. Lutz/Simon 2007, S.93ff.).

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Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656634324
ISBN (Buch)
9783656634317
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Erscheinungsdatum
2014 (April)
Note
1,0
Schlagworte
Wohnungsnotfall Obdachlosigkeit Wohnungslosigkeit Hartz IV Wohnugslosenhilfe

Autor

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Titel: Wohnungslosenhilfe. Inwieweit verschärfen die Hartz IV Gesetze die Situation junger Wohnungsloser?