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Frühförderung. Grundlagen, Intervention und Zusammenarbeit mit Eltern

Hausarbeit 2014 18 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Allgemeines

2.1 Bedeutung der Frühförderung

2.2 Geschichtliche Entwicklung

3. Inhalte

3.1 Früherkennung & Entwicklungsdiagnostik

3.2 Arbeitsprinzipien & Ziele

4. Stellung der Eltern

4.1 Entwicklungspartnerschaft

4.2 Gespräche mit Eltern – Leitlinien

5.Zusammenarbeit mit Familien mit Migrationshintergrund

6. Sonstiges

6.1 Rollen der Fachkräfte & ihre Qualifikationen

6.2 Räumlichkeiten

6.3 Probleme

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Frühförderung hat sich zu einem flächendeckenden und interdisziplinär arbeitenden System entwickelt, das vielen Kindern eine positive Lebensperspektive und ihren Eltern Entlastung und Hilfe im Alltag bietet. Das ehemals stark kindzentrierte Vorgehen hat sich zu einem Handeln entwickelt, das sich durch Kooperation auszeichnet.

Die folgende wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung der Frühförderung, ihrer Intervention sowie der Zusammenarbeit mit Eltern. Strukturelle Rahmenbedingungen werden ebenso beleuchtet wie aktuelle Probleme.

2. Allgemeines

2.1 Bedeutung der Frühförderung

Zuerst sollte geklärt werden, wie Frühförderung sich definiert und welche Bedeutung ihr heute zukommt. Unter Frühförderung versteht man „ein Hilfsangebot für Kinder im Säuglings-, Kleinkind- und Kindergartenalter, die eine Behinderung haben oder davon bedroht sind, und auch für deren Eltern und andere Personen, die Elternfunktionen wahrnehmen.“ (Thurmair/Naggl 2010, S. 13) Ziel der Frühförderung ist es, die Entwicklung des Kindes optimal zu unterstützen, sodass sein Selbsterleben gestärkt wird, es seine Kompetenzen entfalten und sich in seine Lebenswelt integrieren kann. (vgl. ebd., S. 13) Doch nicht nur Kinder mit somatischen oder genetisch bedingten Störungen profitieren von dieser Fördermaßnahme. Immer mehr Eltern, deren Kinder psychosoziale Probleme haben, wenden sich an eine Frühförderstelle. (vgl. Gebhard et al. 2012, S. 9) Frühförderstellen sind offene Anlaufstellen für Familien, regional vertreten und ihre Angebote finden bei Bedarf auch in Form von Hausbesuchen statt. Die Frühförderung in Deutschland gestaltet sich hauptsächlich interdisziplinär; Diagnose, Therapie/Förderung und Elternberatung sind miteinander vernetzte Aufgabenfelder. Dabei finden nicht nur (heil-)pädagogische, sondern auch psychologische und medizinisch-therapeutische Fördermaßnahmen statt. (vgl. Thurmair/Naggl 2010, S. 13 f.) Inzwischen ist ein gesetzlicher Anspruch auf Frühförderung gewährleistet. Dieser ist gesetzlich im § 55 Abs. 2 Nr. 2 des Sozialgesetzbuches (SBG) IX festgelegt:

Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft

(2) Leistungen nach Absatz 1 sind insbesondere

2. heilpädagogische Leistungen für Kinder, die noch nicht eingeschult sind“

Weitere Rechtsquellen sind § 56 SGB IX für heilpädagogische Maßnahmen, § 26 SGB IX für Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation und § 30 SGB IX für deren Leistungen. Doch die Bedeutung der Frühförderung und somit die Zahl der Frühförderstellen hat erst in den letzten Jahren zugenommen. Wie sich die interdisziplinäre Frühförderung etabliert hat, wird im folgenden Kapitel beschrieben.

2.2 Geschichtliche Entwicklung

1971 wurde in der BRD die Grundlage der Früherkennung geschaffen, indem ein Gesetz über Vorsorgeuntersuchungen für Säuglinge und Kleinkinder eingeführt wurde. Zwei Jahre später legte der deutsche Bildungsrat seine Empfehlungen zur pädagogischen Förderung behinderter oder von Behinderung bedrohter Kinder vor. Dabei berief er sich auf Forschungsergebnisse der Lernpsychologie, die für eine möglichst frühe, behinderungsspezifische Förderung sprachen. Diese Forderung war der Anstoß des Aufbaus zur Frühförderung. Doch das Angebot der frühen Hilfen entwickelte sich in zwei Richtungen: Zum einen als Frühförderung mit interdisziplinär organisierten Frühförderstellen - von der in dieser Arbeit die Rede ist - und zum anderen als „Entwicklungsrehabilitation“ für Kinder, die in sozialpädiatrischen Zentren unter ärztlicher Leitung stattfindet. (vgl. Nedwed o. J., S. 27 f.) Inzwischen gibt es ein breites Angebot von 1300 Frühförderstellen und 135 Sozialpädiatrischen Zentren. (vgl. Leyendecker 2010, S. 16) Im März 2009 ist in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft getreten. Ziel der Konvention ist es, Menschen mit Inklusionsbedarf „die Teilhabe an allen gesellschaftlichen Prozessen zu garantieren.“ (Aktion Mensch e. V. 2013)

Wer sich mit der Frühförderung auseinandersetzt, stößt früher oder später auf den Begriff der „Frühen Hilfen“. Ursprünglich war damit die Schaffung von Frühförderstellen gemeint. 2007 entstand das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH). Heute sind die Frühen Hilfen als Erweiterung der interdisziplinären Frühförderung zu sehen:

„Es handelt sich um einen Komplex gesundheitlicher und sozialpädagogischer Dienstleistungen, die – kurz gesagt – der Prävention und Hilfe bei frühkindlichen Beeinträchtigungen, der Unterstützung von Familien mit sozial gefährdeten Kleinkindern und dem Kinderschutz dienen sollen.“ (Speck 2012, S. 15)

Auch wenn die Arbeitsweisen und Methoden dieser beiden Systeme ähnlich sind, findet bisher keine ausreichende Kooperation statt. Darüber wird aktuell diskutiert, doch bisher sind die zwei Bundesministerien zu keiner Übereinstimmung gekommen. (vgl. ebd., S. 15)

3. Inhalte

3.1 Früherkennung & Entwicklungsdiagnostik

Eine wesentliche Aufgabe der Frühförderung ist das frühzeitige Erkennen von möglichen Entwicklungsabweichungen eines Kindes. Da die meisten psychischen, kognitiven und physischen Fähigkeiten eines Kindes in seiner frühen Entwicklungsphase ausgebildet werden, ist auch in dieser Phase eine Intervention am erfolgreichsten.

„Umgekehrt können Versäumnisse im Neugeborenen-, Säuglings- und Kleinkindesalter schwerwiegende Folgen haben. Maßnahmen zur Früherkennung und Frühförderung sind für die Lebensperspektive dieser Kinder von größter Bedeutung.“ (Sohns 2000, S. 56, zit. nach: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung Baden-Württemberg 1993, S. 11)

Voraussetzung für eine Diagnostik ist die Früherfassung durch die Eltern. Dabei konsultieren sie zuerst den Haus- oder Kinderarzt für eine Rückmeldung zur Entwicklung ihres Kindes. Sind Auffälligkeiten zu erkennen, folgt eine Entwicklungsdiagnostik. Eine professionelle Entwicklungsdiagnostik ist immer interdisziplinär und beinhaltet neben der Eingangs- eine Verlaufs- und Abschlussdiagnostik. Somit versteht sich die Entwicklungsdiagnostik als fortlaufender Prozess, der an den Verlauf der Förderung angepasst wird. Sie besteht aus der Diagnostik eines Arztes, eines Psychologen, eines Heilpädagogen und einer medizinisch-therapeutischen Fachkraft. Jede Fachkraft berücksichtigt die Entwicklung des Kindes mit seinen Entwicklungspotentialen und - schwierigkeiten mithilfe ihrer spezifischen Fachkenntnisse. (vgl. Behringer/Höfer 2005, S. 66 f)

Hauptinstrument der Diagnostik ist die Beobachtung: Es werden Situationen generiert, in denen das Kind angeregt wird, zu zeigen, was es kann und wie es interagiert. Die Fachkraft hat somit die Möglichkeit, Einblick in die Entwicklung und Persönlichkeit des Kindes zu bekommen. Dies geschieht unter Beachtung der Altersspezifik und Individualität des Kindes. (vgl. Facharbeitskreis für Interdisziplinäre Frühförderung 2012, S. 9) Ebenfalls wichtig sind das Elterngespräch sowie die Analyse von Fremdbefunden. Ergänzt wird der Prozess durch standardisierte Testverfahren und Fragebögen. (vgl. ebd., S. 9)

Der Förder- und Behandlungsplan wird auf Grundlage der Entwicklungsdiagnostik interdisziplinär entwickelt und mit den Eltern besprochen. Anschließend wird er vom Kinderarzt und der verantwortlichen pädagogischen Fachkraft unterschrieben. (vgl. Behringer/Höfer 2005, S. 67 f)

3.2 Arbeitsprinzipien & Ziele

Unabhängig von der Beeinträchtigung des Kindes gelten in der Frühförderung die folgenden fünf essentiellen Arbeitsprinzipien:

Individualität und Autonomie: In der Frühförderung werden Entwicklungsvoraussetzungen und –bedürfnisse, Fähigkeiten und besondere Neigungen des einzelnen Kindes wahrgenommen und berücksichtigt. Ziele werden individuell gestaltet, ebenso die Vorgehensweisen und der zeitliche Aufbau. Dabei soll das Kind sich selbst ständig und aktiv handelnd erleben. Der zentrale Motor für die Entwicklung des Kindes ist die aus seinem Eigeninteresse heraus geleitete Aktivität und die Erfahrung, etwas bewirken zu können. Es geht nicht darum, an einer normalen Entwicklung festzuhalten, sondern die individuell bestmögliche Entwicklung des Kindes zu erreichen. (vgl. Landesarbeitsgemeinschaft der Frühförderstellen Hessen e. V. 2003, S. 15)

Familien- und Lebensweltorientiertheit zeichnet sich aus durch das Bemühen, Förderung und Therapie in stetige Beratung und Begleitung der Eltern im Kontext des Familienalltags einzubetten. Die Lebenswelt des Kindes bestimmt seinen Entwicklungsverlauf entscheidend, daher ist das Ziel „der familienorientierten Arbeit (…) die Stärkung der eigenständigen familiären Bewältigungskompetenz im Kontext eines differenzierten Unterstützungssystems.“ (Sarimski et al. 2013, S. 37, Auslassung C. B.)

Mit Ganzheitlichkeit in Bezug auf Frühförderung ist „kindbezogen das Wissen und die Berücksichtigung über die komplexen biopsychosozialen Zusammenhänge der kindlichen Entwicklung“ (Landesarbeitsgemeinschaft der Frühförderstellen Hessen e. V. 2003, S. 15) gemeint. Der ganzheitliche Ansatz ist demnach gekennzeichnet durch integrativ ausgerichtete Handlungsansätze, die auf die Bedürfnisse und Interessen des Kindes sowie auf seine familiäre Situation eingehen und diese berücksichtigen.

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Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656626190
ISBN (Buch)
9783656626169
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271458
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,0
Schlagworte
frühförderung grundlagen intervention zusammenarbeit eltern

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Titel: Frühförderung. Grundlagen, Intervention und Zusammenarbeit mit Eltern