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Das römische Reich und das Partherreich - die schwierige Koexistenz (20 v. Chr. - 150 n. Chr)

Seminararbeit 2002 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Gliederung

Einführung

I Die geostrategischen Probleme
1) Das Zusammentreffen von zwei Interessenssphären
2) Die von Augustus gelegten Grundlagen der römischen Politik
3) Das parthische Programm

II Zyklen Konflikt/ Verhandlungen/ Frieden
l) Der neronische Kompromiss
2) Feldzüge Trajans (114-117)
3) Das Ende des Expansionismus

III Die (friedliche?) Koexistenz
1) Ein Beispiel von friedlicher Politik: Hadrian (117-138)
2) Die Entwicklung des Imperialismus
3) Die Darstellung der Pather durch die Römer

Abschluss

Literatur

Aushang: Karten der römischen und parthischen Reiche

Einführung

"Iran, der große Gegner Roms"[1], so könnte man von vornherein die Beziehungen zwischen dem parthischen und dem römischen Reich zusammenfassen. Nach langen parallelen Entwicklungen (das parthische Reich wurde im 3. Jh. v. Chr. gegründet) konnten diese beiden expansionistischen großen Mächte sich nur auseinandersetzen. Von dem ersten diplomatischen Treffen (96 v.u.Z.) bis in die Kaiserzeit und sogar in der byzantinischen Zeit haben die Gelegenheiten gegeneinander zu kämpfen, einander kennen zu lernen und sich auszutauschen nicht gefehlt.

Diese komplexen Beziehungen umfassen also zahlreiche Bereiche. Es gibt zuerst Kriege: Warum gelingt es den Römern nicht, die Parther militärisch zu überwältigen? Zwei fundamental expansionistische Staaten treffen aufeinander aber es kommt zu Gleichgewicht zwischen ihnen. Da stößt das römische Reich auf unüberwindliche Hindernisse seiner Expansion. Nun: Was passiert nach dem Krieg? Welche Haltung (Feindlichkeit, mehr oder weniger Verhandlungen, Frieden, gegenseitige Herabsetzung) nehmen die beiden Mächte ein? Gibt es wirtschaftlichen oder kulturellen Austausch? Denn da finden die Römer eigentlich eine "Gegenzivilisation" vor, die aktiv eine römische Kolonisation ablehnt. Es stellt sich also prinzipiell die Frage der Koexistenz mit einem Feind, den man nicht beseitigen kann.

Für diese Untersuchung hat man ein wichtiges methodologisches Problem, wenn man die Beziehungen in diesem Gebiet nicht nur in Hinsicht auf die griechisch-römische Welt sehen will. Es existieren nämlich nur wenige parthische und orientalische Quellen. Man muss also die meisten Nachrichten aus römischen und griechischen Quellen ziehen, die eigentlich auch nicht so zahlreich sind und die manchmal nicht sehr objektiv oder zumindest auf römische Sichtweise zentriert zu sein scheinen. Es kann also einen Eindruck von Passivität der Parther geben, der wahrscheinlich nicht begründet ist.[2]

Ich werde mit dem Handeln des Augustus ab 20 v. Chr. beginnen, weil die Grundlage der kaiserlichen Politik gegen die Parther schon in dieser Zeit für mehr als anderthalb Jahrhunderte entworfen wird. Andere Zäsuren sind nicht einfach zu finden. Mit Hadrian und seinem Nachfolger Antoninus Pius wird ein relativ langer Frieden eingesetzt, vielleicht eine "Reife" in den gegenseitigen Beziehungen. Ich werde versuchen, zuerst die geostrategischen Lage im Orient, dann einige römisch-parthische Konflikte und ihre Lösungen, schließlich die Möglichkeit einer friedlichen Koexistenz -etwas sehr neues für die Römer! - zu beschreiben.

I Die geostrategischen Probleme

1) Das Zusammentreffen von 2 Interessenssphären

Das römische und parthische Reich sind grundsätzlich zwei Vielvölkerstaaten, die sich durch Eroberung und Integration von neuen Völkern ausdehnen. Die Römer haben in alle Richtungen gesehen, natürlich auch nach Osten, selbst wenn das weniger zu ihrer kulturellen Sphäre gehört. Die Parther haben als Vorbild die lange Geschichte der großen östlichen Reiche (insbesondere das von Alexander). Sie brauchen einen Weg zum Mittelmeer, aber die Römer sind im 1. Jh. v. Chr. schon fest in Syrien angesiedelt.

Das Zusammentreffen in Kleinasien und im Nahen Osten war deswegen unvermeidbar. Auf zwei besonderen Gebieten werden die schon am Anfang sehr misstrauischen Gegner sich konzentrieren: auf die Euphratgrenze und auf Armenien.

Sulla und ein parthischer Botschafter einigen sich nur in Nordsyrien für die Euphratgrenze 92 v. Chr., selbst wenn es nicht offiziell ist und wenn es im 1. Jh. v. Chr. Noch umstritten ist. Aber diese Grenze wird sich eigentlich niemals wirklich ändern. Hingegen möchten die Parther, dass der ganze Euphrat (auch in Cappadocia) die Grenze wird, was eine Eingliederung Armeniens in ihre Sphäre bedeuten würde und was die Römer niemals zulassen werden. Armenien ist also zu jeder Zeit der Zankapfel zwischen den beiden Reichen, indem sie sich die Vorherrschaft darüber streitig machen. Das ist der Vorwand für zahllose Konflikte, eigentlich fast jedes Mal, wenn ein armenischer König gekrönt werden muss![3] Jedoch hat Armenien ein relativ niedriges wirtschaftliches Interesse. Die großen Handelsstraßen verlaufen mehr im Süden... Armenien hat zwar eine strategische Lage gegen die kaukasischen Völker (Alanen), die sowohl die römischen als auch die parthischen Gebiete plündern können. Aber um gut zu verstehen, warum Armenien ein solches Problem darstellt, muss man die Ziele und die Politik von Römern und Parthern untersuchen.

2) Die von Augustus gelegten Grundlagen der römischen Politik

Augustus, der vor allem pragmatisch ist, zieht vor, seine Kräfte zu sparen. Tatsächlich

haben die Römer schon viele Energie gegen die Parther verloren. (Niederlage von Karrhae 53

v.Chr., fruchtlose Versuche von Marcus Antonius in den Dreiziger Jahren). Er wählt also diplomatische Lösungen, wobei er einige Erfolge hat. Im Jahre 20 v. Chr. erreicht er von Phraates IV, dass er ihm die Gefangenen und die Standarten von Karrhae zurückgibt. Das wird in Rom als ein großer Sieg empfunden: "Armenius cedidit; jus imperiumque Phrahates Caesaris accepit genibus minor".[4] Das ändert aber nicht die militärischen Gewichte!

Ein "formlose[r] Friedensvertrag" wird abgeschlossen[5] - Augustus spricht von dem Streben nach "amicitia,,[6]. Das entspricht der endgültigen Anerkennung der Euphratgrenze durch die Römer, aber gleichzeitig wird Phraates gezwungen, die Oberhoheit Roms über Armenien zuzulassen. "Armeniam maiorem interfecto rege eius Artaxe cum possem facere provinciam, malui maiorum nostrorum exemplo regnum id Tigrani regis Artavasdis filio, nepoti Gutem Tigranis regis [..]tradere,,[7]. Armenien wird also ein Klientelstaat oder Vasallenstaat, dessen König von Augustus ernannt wird . Dieses Mittel ist typisch für die römische schrittweise Integrationsmethode.

Andere große diplomatische Treffen (Caius und Phraataces 1 v.Chr.) "demonstrated the status of Parthia as a comparable power; hut once again Augustus could distance himself by not meeting Phraates in person".[8] Augustus sucht eigentlich ein modus vivendi. Das Partherreich ist als eine Macht anerkannt - das ist schon schwer für die Römer zu erfassen- in diesem Sinn sollen die Römer damit gleichberechtigt verhandeln. Nichtsdestoweniger bleibt es der Feind Nr. l... Augustus ist also merkwürdigerweise in den Quellen nicht derjenige, der den Parthern abgegeben hat, im Gegensatz zu Hadrian später.

Man kann also überhaupt nicht sagen, - es wäre unmöglich vereinbar mit der universalen Weltreichanschauung, die die römische Gesellschaft prägt - dass die Römer endgültig auf die Beseitigung der parthischen Bedrohung verzichten, entweder durch eine einfache Annexion dank militärischer Feldzüge - Trajan ist später der Vertreter dieses Plans - oder durch eine Verwandlung des Partherreiches in einen Klientelstaat wie Armenien. Übrigens wird das Parthische Reich so in römischen Quellen betrachtet: Von Augustus in der Res Gestae aber auch von Strabo, der erklärt, dass "Ies Parthes, aujourd'hui, viennent souvent chercher à Rome le prince dont ils désirent faire leur roi et sont vraiment tout près d'abandonner toute leur autorité entre les mains des romains! »[9]

Mit Augustus hat man also eine Mischung zwischen Pragmatismus, festen Verhandlungen unter militärischer Drohung, Frieden unter Bedingung „Armeniens“ und Propaganda (die Parther wären in Begriff, unterworfen zu werden)

3) Das parthische Programm

Es wäre ein Fehler, die Parther als passiv zu betrachten. Das Partherreich ist tatsächlich unfähig das römische Reich zu zerstören und hat sicher nie diese Vermessenheit gehabt. Strukturell ist das Partherreich ein schwacher Staat, zumindest im Vergleich zum unbestritten zentralisierten römischen Principatstaat. Die Parther leiden unter unaufhörlichen dynastischen Streitigkeiten und zentrifugalen Kräften (Aristokratie), woraus die Römer Vorteil ziehen. Jede Nachfolge ist die Gelegenheit für große Unruhen. Es gibt viele Beispiele von römischen Einmischungen. Augustus und Tiberius nutzen einen "Vorrat" von Kandidaten (die von Phraates IV freiwillig nach Rom geschickten Prinzen bloß um eine Menge von Thronanwärtern zu entfernen (10 v. Chr.)). Damit schwächt Augustus den parthischen Zusammenhalt und hofft, Einfluss auf pro-römischen Prinzen auszuüben. Die Römer versuchen immer, eine Kontrolle über die parthischen Angelegenheiten zu erlangen, ohne es trotzdem wirklich zu schaffen.

Sowieso hat das Partherreich viel weniger Fläche, Bevölkerung, Soldaten, Ressourcen.[10] Dagegen muss man feststellen, dass die Parther immer widerstanden haben, das heißt, es ist ihnen gelungen, genug Kräfte zu mobilisieren. Einige große Könige setzen sich durch und ragen geschichtlich heraus, so Phraates IV, Artaban II. (ca11- 38) oder Vologaise I (ca 51- ca 79). Diese Männer sind große Politiker, die eine kohärente und schlüssige Politik auf Dauer durchführen. Im Gegensatz zu den Römern, deren Politik sich mit jedem Kaiser ändert, kann man eine ständige Leitlinie während der ersten zwei Jahrhunderte unserer Zeit beobachten. J. Wolsky erläutert anhand von Tacitus ein "maximales" und "minimales" Programm[11]:

Das maximale wird von Artaban II. geäußert: "simul ueteres Persarum ac Macedonum terminos seque inuasurum possessa Cyro et post Alexandro [..} iacebat,,.[12] Diese Behauptung beruft sich auf die achämeniden Ideologie. Die Arsakiden stellen sich also als Nachfolger der großen Reiche der Antike dar. Das entspricht auch der von den Arsakiden geprägten kulturellen Bewegung des "Neoiranismus". Z.B. wird die Legende der Münze von griechisch durch die offizielle parthische Sprache (das Pehlevi) ersetzt. Sie ist ein politisches Mittel, um die verschiedenen Klans zu versammeln und um sich gegen den Hellenismus und die Römer zu behaupten. Es gibt also hinter der kriegerischen Auseinandersetzung auch eine kulturelle Rivalität zwischen zwei Zivilisationssphären.

[...]


[1] G. Widengren, Iran, der große Gegner von Rom: Königsgewalt, Feudalismus, Militärwesen. ANRW 11,9,1,

Berlin 1976. S.219

[2] Josef Wolsky, Les rapports romano-parthes et la question de l'Arménie, Ktema 8 (1983) S. 269-277

[3] M-L. Chaumont, L'Arménie entre Rome et l'Iran, De l'avènement d'Auguste à l'avènement de Dioclétien.

ANRW II,9,l.Berlin 1976. S. 71-194.

[4] Hor. Epist. 1,12,27-28

[5] Klaus Schippman, Grungzüge der parthischen Geschichte, Darmstadt 1980. S. 47

[6] Res. Gest. div. Aug. 30

[7] Res Gest. div. Aug.27

[8] Brian, Campbell, War and diplomacy: Rom and Parthia. In: J. Rich/ G. Shipley, War and society in the roman World, London 1993, S. 225

[9] Strab. VI,4,2

[10] Josef Wolsky , L'empire Arsacide (Acta iranica, Serie III. 32), Löwen 1993, S. 122

[11] Josef Wolsky , Les rapports romano-parthes et la question de l' Arménie, Ktema 8 (1983) S. 275

[12] Tac. Ann. VI, 32

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638293044
ISBN (Buch)
9783638760409
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27188
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Institut für Alte Geschichte
Note
1
Schlagworte
Reich Partherreich Koexistenz Chr) Proseminar Imperium Romanum Zeit Kaisers Hadrian

Autor

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