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Die invasive Argentinische Ameise Linepithema humile in Südeuropa

Verbreitung, Einfluss auf Ökosysteme und Bekämpfungsmöglichkeiten

Facharbeit (Schule) 2014 21 Seiten

Biologie - Ökologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II.Hauptteil
1. Verhaltensmerkmale der Superkolonie
1.1 Intraspezifisches Verhalten
1.2 Verhalten gegenüber einheimischen südeuropäischen Ameisen.
1.3 Temperatur
2. Verbreitung in Südeuropa
2.1 Herkunft und geschichtlicherVerlauf
2.2 Prognosen zur weiteren Ausbreitung
3. Einfluss auf Ökosysteme
3.1 Auswirkungen aufdie heimische Flora
3.1.1 Verbreitung von Samen - Myrmekochorie
3.1.2 Bestäubung durch Insekten
3.1.3 Symbiose mit Schildläusen
3.2 Folgen für die heimische Fauna durch Beuteaufnahme
4. Bekämpfungsmöglichkeiten
4.1 Einsatzvon Pheromonen
4.2 Wiederherstellung der genetischen Variabilität

III. Schlussteil

IV. Anhang

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die Argentinische Ameise Linepithema humile (früher Iridomyrmex humilis) ist ein weltweit verbreitetes[1] Neozoon und bildet auf vielen Kontinenten für Flora und Fauna gefährliche Superkolonien, bei denen die Nester der Kolonie mitein­ander kooperieren[2]. Von der Invasive Species Specialist Group (ISSG) wird die adventive Argentinische Ameise daher in die Liste der 100 gefährlichsten Inva­soren weltweit aufgeführt[3]. Ursprünglich stammt die Ameise aus dem südlichen Südamerika[4]. Die Facharbeit handelt von der Superkolonie der Argentinischen Ameise, die sich in Südeuropa über eine Strecke von ca. 6000 Kilometern aus­breitet; von der atlantischen Westküste der Iberischen Halbinsel ausgehend, entwickelt sich die Kolonie bis Norditalien[5]. Aufgrund dieser Strecke kennzeich­net die südeuropäische invasive Argentinische Ameise der Begriff „Das 'größte' Raubtier der Welt“[6]. Dabei ist nicht die Größe einer einzelnen Ameise gemeint, sondern die Vielzahl innerhalb der gesamten Kolonie.

In dieser Facharbeit werden die wichtigsten Verhaltensmerkmale der invasiven europäischen Argentinischen Ameise vorgestellt. Insbesondere liegt der Schwerpunkt auf den Einflüssen der Argentinischen Ameise in Südeuropa auf ausgewählte Ökosysteme und die europaweite Verbreitung des Neozoons mit anschließenden Prognosen zur zukünftigen Entwicklung der Superkolonie. Des Weiteren werden jeweils eine biologische und eine chemische Bekämpfungs­möglichkeit erklärt und hinsichtlich ihre Effektivität bewertet. Ausgewählte wis­senschaftliche Literatur veranschaulicht und begründet die genannten Themen.

II. Hauptteil

1. Verhaltensmerkmale der Superkolonie

1.1 Intraspezifisches Verhalten

Die Kooperation der südeuropäischen Argentinischen Ameise mit ihren Artge­nossen ist für den Erfolg der Kolonie von entscheidender Bedeutung. Die Zu­sammenarbeit folgt aus der Tatsache, dass sich mehrere Königinnen innerhalb eines Nestes befinden[7]. Man spricht dabei auch von Polygynie[8]. Das führt nach weiterer Vermehrung dazu, dass sich die Kolonie in kleinere, unabhängige Tochtervölker aufteilt. Die neu entstandenen Nester bleiben mit dem ursprüngli­chen Nest in engem Kontakt und teilen sich Ressourcen und sogar Arbeiterin­nen.[9] Im Laufe der Jahre bilden sich aus dem Ursprungsnest viele weitere Nes­ter der Argentinischen Ameise.

Nach demselben Prinzip entwickelt sich eine weitere südeuropäische Superko­lonie der Argentinischen Ameise in der Nähe von Katalonien, Ostspanien[10]. Das Verhalten der Superkolonien wurde von Wissenschaftlern untersucht[11]. Die Be­gegnungen von Ameisen der Hauptkolonie und der katalonischen Kolonie füh­ren zum Kampf. Im Gegensatz dazu verhalten sich die Ameisen gegenüberVer­wandten ihrer Kolonie friedlich, egal ob die Individuen aus dem eigenen Nest oder einem entfernteren Nest stammen. Angesichts dieser Ergebnisse besteht in den Grenzgebieten, in denen die Kolonien aufeinandertreffen, ein entschei­dender Konkurrenzkampf um Lebensräume, den die Hauptkolonie aufgrund ih­rer höheren Aggressivität im Kampf meistens für sich entscheidet[12]. Daher schafft es diese Superkolonie im Gegensatz zu der katalonischen Superkolonie, sich in dem mediterranen Raum sehr weit auszubreiten.

1.2 Verhalten gegenüber einheimischen südeuropäischen Ameisen

Auf dem europäischen Kontinent leben insgesamt schätzungsweise 200 ver­schiedene Ameisenarten[13]. Die Existenz vieler in Südeuropa heimischer Arten ist von der Invasion der Argentinischen Ameise stark gefährdet. Die südeuropäi- -5- sche Superkolonie hat ein höheres Aggressionslevel in Konfrontation mit einhei­mischen Ameisen, als die einheimischen. Das lässt darauf schließen, dass die Superkolonie erfolgreicher und konkurrenzstärker ist, als die meisten einheimi­schen Ameisen[14]. Im Doñana Nationalpark in Südspanien ist das Fortschreiten der Invasion mit dem Verlust der heimischen Ameisenvielfalt zu beobachten[15]. Die Tabelle 1 zeigt das Auftreten der Argentinischen Ameise und heimischer Ameisenarten in drei Zonen: In Zone 1 kommt nur die Argentinische Ameise vor, in Zone 2 befinden sich sowohl Argentinische Ameisen als auch heimische Ameisenarten und in Zone 3 nur heimische Ameisen.

Tabelle 1: Anzahl derlndividuen, ermittelt durch Köder(gekürzt)[16].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Daten zeigen, dass die Superkolonie der Argentinischen Ameise fast alle heimischen Ameisen aus ihren Gebieten verdrängt. Die Gründe dafür sind ne­ben dem hohen Aggressionslevel auch die Aufnahme von Beute (Kapitel 3.2.1) und dem damit verbundenen Ressourcenmangel für einheimische Ameisenar­ten. Im folgenden wird die Beuteaufnahme der Ameisenarten im Vergleich in den einzelnen Zonen dargestellt. Das Ergebnis dient als Indikator für den Erfolg jeder einzelnen Spezies, denn nur wenn ausreichend Nahrung in das Nest ge­langt, kann die Kolonie überleben.

Tabelle 2: Aufnahme von Beute in den Zonen 1 bis 3 (gekürzt)[17].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Untersuchung zeigt zum einen den gesamten Verlust der Artenvielfalt und zum anderen die geringere Beuteaufnahme der einheimischen Ameisenarten in Konfrontation mit der Argentinischen Ameise. Beide Faktoren hängen unmittel­bar zusammen.

1.3 Temperatur

Bestimmend für den Aufenthaltsort der Argentinischen Ameise ist die Tempera­tur. Am aktivsten ist die Argentinische Ameise von 14°C bis 29°C[18]. Die C. Flori­cola dagegen, bevorzugt Temperaturen bis zu 37°C[19]. Daher ist sie im Busch­land konkurrenzfähiger als andere einheimische Arten und die invasive Argenti­nische Ameise, die daher vorzugsweise unter Korkeichen oder in Kiefernwäl­dern lebt[20].

2. Verbreitung in Südeuropa

2.1 Herkunft und geschichtlicher Verlauf

Ursprünglich stammt die Argentinische Ameise aus dem südlichen Teil von Süd­amerika. Entdeckt wurde sie in Argentinien im Jahr 1866, in Uruguay im Jahr 1885, in Paraguay im Jahr 1896 und in Brasilien im Jahr 1928. Neben den ge­nannten Entdeckungen gibt es noch weitere, die jedoch nicht offiziell bestätigt sind und daher nicht aufgeführt werden.[21]

Durch die Globalisierung und den zunehmenden Handel hat sich die Argentini­sche Ameise weltweit verbreitet[22] und neue Lebensräume erschlossen. Die ers­te Kolonie bildete sich bereits vor 1859 auf Madeira. Das portugiesische Fest- land erreichte sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Aus diesen Gebieten stammen vermutlich alle Argentinischen Ameisen, die im Mittelmeerraum leben. Das heißt, dass der Ursprung der heutigen Superkolonie in Portugal und Madei­ra liegt. Anschließend wurden Italien 1902, Frankreich um 1906, Monaco vor 1922 und Spanien im Jahr 1916 von der Argentinischen Ameise besiedelt. Auch die Mittelmeerinseln sind seit dem 20. Jahrhundert Lebensraum der Linepithe- ma humile. Bereits vor dem Jahr 1968 siedelten sich die Ameisen auf Korsika an und aufSardinien vor 1975.[23]

Neben den genannten Gebieten sind auch in anderen europäischen Ländern Argentinische Ameisen entdeckt worden. Dazu gehört ein außergewöhnlicher Standpunkt nahe Sandnes, Norwegen (58.85°N; 5.73Ό), wo die Ameisen in von Menschen besiedelten Wohnungen auftreten. Vermutlich wurden sie durch die Bewohner aus dem Urlaub in Südeuropa eingeschleppt.[24]

2.2 Prognosen zur weiteren Ausbreitung

Eine erfolgreiche Superkolonie der Argentinischen Ameise in Neuseeland steht aus bisher ungeklärter Ursache vor dem Zusammenbruch. Mögliche Gründe könnten zum einen die sehr geringe genetische Variabilität dieser Kolonie sein, wodurch sich Krankheitserreger besser verbreiten, oder eine andauernde Res­sourcenknappheit. Durch den Rückgang der Superkolonie haben viele der zu­vor verdrängten, heimischen Ameisenarten ihren Lebensraum wieder erschlos­sen.[25]

In Südeuropa hat man bislang keinen Rückgang oder eine Stagnation bezüglich der Verbreitung der Superkolonie festgestellt. Die Motive, die in Neuseeland zum Zusammenbruch der Superkolonie geführt haben, sind jedoch vergleichbar mit den Eigenschaften, die die südeuropäische Kolonie aufweist, nämlich eine sehr geringe genetische Variabilität. Fraglich ist, ob dadurch ein Zusammen­bruch der Kolonie zu erwarten ist.

Verlass auf einen Zusammenbruch der Kolonie und einen damit verbundenen Schutz vor einem erneuten Auftreten der Invasion ist jedoch angesichts des zu­nehmenden Internethandels mit Ameisen, zur Haltung in Privathaushalten, nicht gegeben. Vor allem in Europa, aber auch Übersee, ist der Internethandel weit verbreitet. Die Argentinische Ameise, aber auch viele andere Ameisenarten könnten jederzeit in Südeuropa und anderswo invasiv werden, da nicht immer eine ausbruchssichere Haltung gewährleistet ist[26].

3. Einfluss auf Ökosysteme

3.1 Auswirkungen auf die heimische Flora

3.1.1 Verbreitung von Samen - Myrmekochorie

Ameisen spielen für die Flora eine wichtige Rolle, da sie die Samen, bezie­hungsweise die pflanzlichen Verbreitungseinheiten, in ihre Nester bringen und dadurch in der Umgebung verteilen. Die Samen werden dabei nicht gefressen, da Ameisen keine Enzyme zum Abbau von Zellulose besitzen, jedoch finden sie für diese unter anderem Verwendung im Nestbau oder in der Pilzzucht. Einige Pflanzen produzieren aufden Samen, unabhängig von der Funktionalität, spezi­elle Elaiosomen, die den Ameisen als Nahrung dienen.[27]

Durch die Invasion der Argentinischen Ameise und den Rückgang der heimi­schen Ameisenvielfalt verändert sich der ursprüngliche Samentransport und das Vorkommen myrmekochorer, also auf Samentransport durch Ameisen speziali­sierter, Pflanzenarten. Der Transport der Samen des Stechpalmen-Kreuzdorn Rhamnus alaternus in Nester von unterschiedlichen Ameisenarten ist in Tab. 3 dargestellt.

Tabelle 3: Samentransport in Nesterin befallenen und nicht befallenen Gebieten. Daten von 1999 (gekürzt)[28].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Insgesamt wurden bei dem Experiment jeweils 210 Samen angeboten. In den nicht befallenen Gebieten werden 82,9% der angebotenen Samen in Nester transportiert.

[...]


[1] Siehe Anhang [a].

[2] Siehe Anhang [b].

[3] Vgl. Lowe et al. 2000, S. 5 f.

[4] Vgl.Rabitschetal.2013,S.78.

[5] Siehe Anhang [c].

[6] Geier, 2013.

[7] Vgl.Rabitschetal.2013,S.78.

[8] Vgl. Kirchner: Die Ameisen, S. 13f.

[9] Vgl.Kirchner:Die Ameisen, S.15f.

[10] Siehe Anhang [a].

[11] Vgl. Giraud et al. 2002, S. 6076.

[12] Vgl. Abril und Gómez 2010, S. 105.

[13] Vgl. Wikipedia: Ameisen.

[14] Vgl. Abril und Gómez 2010, S. 102.

[15] Vgl. Carpintero et al. 2007, S. 1100-1104.

[16] Carpintero et al.2007,S.1103.

[17] Carpintero et al.2007,S.1106.

[18] 18Siehe Anhang [d].

[19] 19Siehe Anhang [d].

[20] 20Vgl. Angulo et al. 2007, S. 6.

[21] 21Vgl. Wetterereta. 2009, S. 187-189.

[22] 22Siehe Anhang [a].

[23] Vgl. Weiterer et al. 2009, S. 189-190.

[24] Vgl. Gómez et al. 2005, S. 65-66.

[25] Vgl.Coolingetal.2011, S.3.

[26] Vgl.Buschinger 2004,S.79-82.

[27] Vgl. Kirchner: Die Ameisen, S. 43; S. 109-111.

[28] Gómez etal.2003,S. 535.

Details

Seiten
21
Jahr
2014
ISBN (Buch)
9783656641865
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271892
Note
13 Punkte
Schlagworte
Argentinische Ameise Linepithema humile invasive Arten Südeuropa Superkolonie

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