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Identifizierung, Beseitigung und vorbeugende Vermeidung von logistischen Engpässen

Seminararbeit 2012 21 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhalt

1 Der Engpass ist der Engpass ist der Engpass

2 Einordnung der Logistik als Querschnittsfunktion im Unternehmen
2.1 Entwicklung und Definition der Logistik im betriebswirtschaftlichen Kontext
2.2 Teilfunktionen der Logistik
2.3 Beschaffungslogistik
2.4 Produktionslogistik
2.5 Distributionslogistik
2.6 Entsorgungslogistik

3 Engpässe im Kontext der Logistik
3.1 Definition und Systematisierung von Engpässen in der Logistik
3.2 Identifizierung von Engpassbereiche in der Logistik
3.2.1 Engpässe der Beschaffungslogistik
3.2.2 Engpässe der Produktionslogistik
3.2.3 Engpässe der Distributionslogistik

4 Ausgewählte Konzepte zur Beseitigung und vorbeugenden Vermeidung von Engpässen
4.1 Der richtige Lieferant macht den Unterschied
4.2 Engpassorientierte Produktion
4.3 Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

5 Engpass erkannt Gefahr gebannt

Quellenverzeichnis

1 Der Engpass ist der Engpass ist der Engpass

Seit dem Abflauen der Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 jagt eine Meldung die andere. Deutsche Automobilproduzenten sind nicht in der Lage, ihre reduzierten Kapazitäten nach den absatzschwachen Monaten wieder heraufzufahren, um die steigende Nachfrage nach Neuwagen zu befriedigen. Dies hat zur Folge, dass die Kunden bis zu 12 Monate auf ihr bestelltes Fahrzeug warten müssen. Trotz der Bemühungen der deutschen Automobilindustrie gelingt es nicht, die prall gefüllten Auftragsbücher abzuarbeiten [MORT11]. Herkömmliche Logistikkonzepte der Branche, z. B. in der Distribution, sind an ihre Grenzen gestoßen [KUTH11, S. 1]. Auch aus dem Bereich der IT-Industrie erreichen uns weniger erfreuliche Nachrichten. Der Kampf um die sogenannten „Seltenen Erden“ ist voll entbrannt und es droht ein Handelskrieg mit China. Bei diesen Rohstoffen handelt es sich um Metalle, die zur Herstellung von modernen Elektrogeräten wie Smartphones oder Tablet-Computern aber auch für Batterien oder Windkraftanlagen benötigt werden [KAIS12]. Zwar schätzt das US-amerikanische Geological Surves die weltweiten Reserven auf etwa 99 Millionen Tonnen, doch werden etwa 97 % der weltweit benötigten Menge in der Volksrepublik China gefördert. Seit die Regierung Chinas die Preise für diese Rohstoffe drastisch erhöht hat, müssen sich Industriestaaten wie Deutschland oder die USA Alternativen überlegen [HOLD11]. Allein diese zwei Beispiele zeigen, dass Engpässe in allen Bereichen der Logistik auftreten können. Aber auch andere Ereignisse, die nicht durch den Menschen beeinflusst werden können, wie z. B. der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjöll im April 2010, der den europäischen Flugverkehr und somit auch den Luftgüterverkehr für einige Tage lahm legte, unterstreichen diese Erkenntnis [ANWA10]. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, Engpässe früh zu erkennen um wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen. Denn immer kürzer werdende Produktlebenszyklen, steigender Wettbewerbsdruck und unsere auf Expansion ausgerichtete Konsumgesellschaft lassen die Bedeutung einer funktionierenden und engpassfreien Logistik immer weiter ansteigen [GUDE07a, S. 237; ENGE06, S. 5].

Vor diesem Hintergrund entstand die vorliegende Seminararbeit mit dem Ziel, Engpässe in der Logistik zu identifizieren und wirkungsvolle Konzepte zu deren Beseitigung und frühzeitiger Erkennung aufzuzeigen.

In insgesamt fünf Kapiteln wird das bereits angesprochene Thema behandelt. Im Anschluss an dieses erste Kapitel, welches die Problemstellung und den Aufbau dieser Arbeit deutlich macht, folgt in den Teilen zwei bis fünf die Behandlung der Fragestellung. In Kapitel zwei werden die theoretischen Grundlagen, die im Zusammenhang mit der Logistik und deren Aufteilung in verschiedene Bereiche stehen erklärt. Des Weiteren erläutert Kapitel drei den Begriff Engpass und zeigt auf, wie er in den einzelnen Logistikbereichen in Erscheinung treten kann. In Kapitel vier werden ausgewählte Konzepte vorgestellt, die Engpässe in der Logistik beseitigen oder gar vorbeugend vermeiden können. Kapitel fünf fasst die vorliegende Arbeit zusammen und bietet einen Ausblick.

2 Einordnung der Logistik als Querschnittsfunktion im Unternehmen

Um Engpässe in der Logistik identifizieren zu können, ist es wichtig zu verstehen, was Logistik genau ist, wie sie sich entwickelt hat und wie sie sich in den Unternehmenskontext einordnet. Im folgenden Kapitel wird zunächst der Begriff Logistik definiert. Ferner werden die Bereiche im Unternehmen vorgestellt, die von der Logistik Unterstützung erfahren, bzw. auf sie angewiesen sind.

2.1 Entwicklung und Definition der Logistik im betriebswirtschaftlichen Kontext

Die Ursprünge der Logistik im betriebswirtschaftlichen Kontext liegen in den 1950er Jahren in den USA. In Deutschland fand die Logistik in diesem Zusammenhang das erste Mal 20 Jahre später Beachtung und wurde von der Automobilindustrie vorangetrieben und geprägt. Heutzutage versteht sich die Logistik als Querschnittsfunktion im Unternehmen, die mit bereichsübergreifenden Steuerungs- und Koordinationsaufgaben betraut ist, um Material,- Waren- und Informationsflüsse im Unternehmen zu lenken [ARNO08, S. 1051f.].

So lautet eine der heute wohl bekanntesten Logistik-Definition, die unter der Abkürzung „5R“ bekannt ist: „Logistik bedeutet […], die richtige Menge, die richtigen Objekte, den richtigen Ort, den richtigen Zeitpunkt, die richtige Qualität und die richten Kosten zu finden“ [BECK07, S. 17].

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) definiert nach DIN 69 906 Logistik wie folgt: „Unter Logistik versteht man die Gesamtheit der Aktivitäten zum Herstellen, Sichern und Verbessern der Verfügbarkeit aller Personen und Mittel, die Voraussetzung, begleitende Unterstützung oder Sicherung der Abläufe innerhalb eines Systems sind“ [RUPP93, S. 7]. Da diese von DIN gefasste Definition, mit Fokus auf die Verfügbarkeit von Ressourcen, die wohl treffendste Auffassung von Logistik für die vorliegende Arbeit wiederspiegelt, liegt sie im weiteren Verlauf der Arbeit zu Grunde.

2.2 Teilfunktionen der Logistik

Um nun die Logistik in Bereiche unterteilen zu können, eignet sich das Wertkettenmodell von Porter. Er unterteilt die Vielzahl an Aktivitäten, die in einem Unternehmen durchgeführt werden in primäre und unterstützende Aktivitäten. Hierbei subsumiert er unter den Haupt- bzw. Primäraktivitäten – die im weiteren Verlauf der Arbeit von Interesse sind – die Beschaffung, die Produktion, die Distribution, den Kundenservice und seit geraumer Zeit auch die Entsorgung. Aus diesen wertschöpfenden Aktivitäten lassen sich nun die verschiedenen Wirkungsbereiche der Logistik ableiten [FRED07, S. 4f.; PORT99, S. 66]. Diese sind unter anderem in Abbildung 1 dargestellt und werden nachfolgende beschrieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Teilfunktionen der Logistik [Eigene Darstellung in Anlehnung an KLAU04, S. 23].

Wie in Abbildung 1 zu erkennen, ist ein klassisches produzierendes Unternehmen über den Beschaffungsmarkt auf der einen Seite und den Absatzmarkt auf der anderen Seite mit seiner Umwelt verbunden. Hierbei werden mittels der Transportlogistik Materialien und Waren über den Beschaffungsmarkt dem Unternehmen zugeführt oder fertige Produkte über den Absatzmarkt zum Kunden gebracht. Dadurch kann eine subjektive Unterscheidung zwischen Beschaffungs- und Distributionslogistik vorgenommen werden. Aus Sicht des Empfängers handelt es sich um die Beschaffungslogistik wo hingegen der Absender von der Distributionslogistik spricht. Neben diesen außerbetrieblichen Transporten ist die Transportlogistik aber auch noch für innerbetriebliche Überwindung von Distanzen zuständig. Materialien werden hier vom Wareneingang über die Fertigung bis hin zum Versand bewegt [SCHU08, S. 148; ARNO08, S. 12]. Trotz des Zieles der Logistik, einen effektiven Warenfluss zu gewährleisten, gibt es Gründe die für eine Unterbrechung des Güterstromes sprechen.

Im Rahmen der Lagerlogistik, deren Zuständigkeit die Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslogistik umfasst, existiert ein ständiger Zielkonflikt zwischen kurzen Durchlaufzeiten (DLZ), niedrigen Lagerkosten und hoher Lieferbereitschaft [BECK07, S. 135; RUPP93, S. 14].

Doch bewegen sich nicht nur Waren und Güter durch das Unternehmen und über die Unternehmensgrenzen hinweg. Um die Fragen zu beantworten, wann, wie und in welchen Mengen Güter beschafft, produziert oder vertrieben werden sollen, ist eine effiziente Informationslogistik notwendig, so dass alle Unternehmensbereiche zeitnah mit relevanten Informationen versorgt werden können [SCHÖ11, S. 48; RUPP93, S. 160].

Nachdem nun der grobe Rahmen beschrieben wurde, der den Kernbereich der Logistik umspannt, wird im Folgenden näher auf die Bereiche der Beschaffungs-, Produktions-, Distributions- und Entsorgungslogistik eingegangen, die im weiteren Verlauf hinsichtlich der dieser Arbeit zugrunde liegenden Fragestellung untersucht werden.

2.3 Beschaffungslogistik

Wie Abbildung 1 erkennen lässt, ist die Beschaffungslogistik das Bindeglied zwischen den Lieferanten (Beschaffungsmarkt) und der Produktion im Unternehmen. Ziel der Beschaffungslogistik ist die zeit- und mengengerechte physische Bereitstellung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, sowie Fertigteilen und Handelswaren. So stehen im Fokus der Beschaffungslogistik die bedarfsgerechte Verfügbarkeit der Güter, ein hoher Lieferservice der Lieferanten, möglichst geringe Bestände sowie niedrige Beschaffungskosten. Um diese Ziele erreichen zu können, obliegen der Beschaffungslogistik folgende Aufgaben [BECK07, S. 67]:

- Bestimmung der Bedarfsmenge
- Make or Buy (MoB)
- Auswahl der Beschaffungsstrategie
- Auswahl der Lieferanten und der Beschaffungsform
- Bestimmung der Beschaffungsmenge und des Beschaffungstermins
- Überwachung des Wareneingangs.

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656639602
ISBN (Buch)
9783656639626
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271961
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Lehrstuhl für BWL und Wirtschaftsinformatik
Note
1,3
Schlagworte
Logistik Engpass; Bottleneck

Autor

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Titel: Identifizierung, Beseitigung und vorbeugende Vermeidung von logistischen Engpässen