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Erziehung, Bildung und Sozialisation

Hausarbeit 2013 15 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fallbeispiel

3. Sozialisationsprozess am Beispiel des „Sozialökologischen Ansatzes“
3.1. Die Theorie des „Sozialökologischen Ansatzes“
3.2. Situationsanalyse
3.3. Soialisationsreflexion

4. Die Fünf Säulen der Erziehung
4.1. Die Liebe
4.2. Achtung und Respekt
4.3. Kooperation
4.4. Struktur, Verbindlichkeit, Grenzsetzung
4.5. Allseitige Förderung

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit zum Thema „Erziehung, Bildung uns Sozialisation“ habe ich mich mit der Situation von Tim Müller auseinandergesetzt. Hierbei möchte ich erwähnen, dass Tim keine rein fiktive Person ist, sondern, dass dieses Beispiel auf eigenen Erfahrungen beruht und nur kleine Änderungen vorgenommen worden sind. Um mich besser mit dem Thema auseinandersetzten zu können habe ich mich für dieses Beispiel entschieden, da ich anhand meiner eigenen Erfahrungen mit Tim, besser an der Umsetzung dieser Arbeit umgehen konnte.

Um den Sozialisationsprozess von Tim besser analysieren und reflektieren zu können habe ich mich für nur eine Theorie, den Sozialökologischen Ansatz nach Urie Bronfenbrenner, entschieden. Im Rahmen dieser begrenzten Arbeit erschien mir dies als sinnvoll, auch um die Komplexität „Sozialsisationstheoretischer Überlegungen“ einzugrenzen und in meiner Arbeit einen gewissen Leitfaden zu bilden. Zudem spielt auch die Sozialisation im Kindesalter innerhalb der Familie eine Bedeutende Rolle.

Im dritten Teil dieser Arbeit habe ich mich anhand meines Beispiels Tim Müller mit den „Fünf Säulen der Erziehung- Wege zu einem Entwicklungsfördernden Miteinander zwischen Erwachsenen und Kindern“ nach Sigrid Tschöpe- Scheffler auseinandergesetzt. Dabei hoffe ich die Theorie mit der Praxis gut verknüpft zu haben und auch die Sozialisation nachvollziehbar erläutert zu haben.

2. Fallbeispiel Tim

Tim Müller (8) lebt mit seinen Eltern Simone (35) und Klaus Müller (37) sowie seinen Großeltern Heinz (68) und Sigrid Arnold (61) in einem Zweifamilienhaus in Adorf in der Nähe von Chemnitz. Der Vater von Tim ist meist nur am Wochenende zu Hause, da er als Gerüstbauer fast ausschließlich nur auf Montage ist. Simone arbeitet seit der Geburt von Tim nicht mehr. Klaus ist somit für die finanzielle Absicherung der Familie Verantwortlich. Beide Großeltern, die Eltern von Simone sind bereits beide Rentner. Tim ist der Mittelpunkt der Familie, alle Aufmerksamkeit, Liebe und Zuwendung gilt seit seiner Geburt nur ihm. Tim war bereits als Kleinkind sehr munter und aufgeweckt. Jedoch nahm das schnell überhand, da Simone sehr Überfürsorglich mit ihm Umging und Tim somit immer wieder versuchte seine Grenzen auszutesten. Seine Mutter ließ seinen immer wieder auftretenden ungehorsam wieder und wieder durchgehen, fand gegenüber anderen immer wieder ausreden um sein Verhalten zu rechtfertigen. Tim hatte keine Möglichkeit alleine zu spielen oder herumzutoben, da seine Mutter immer wieder hinter ihm herlief und ihn ermahnte er solle langsamer laufen, aufpassen das er sich nicht schmutzig macht, hinfällt oder ähnliches. So erfuhr Tim nie wirkliche Konsequenzen von seiner Mutter. Auch seine Großeltern ließen ihm jedes fehlverhalten ohne jegliche Nachwirkungen, da es ja ihr einziges Enkelkind ist. Nur dem Vater von Tim ist das Verhalten seines Sohnes bewusst und wodurch es erzeugt und gefördert wird. So versucht er in der kurzen Zeit, die er am Wochenende zu Hause ist seinen Sohn „richtig“ zu erziehen. Er setzt ihm Grenzen, droht mit Konsequenzen für sein Verhalten. Anfangs verbesserten sich so seine Verhaltensweisen. Doch die Mühe die sich Klaus machte, war nicht lange von Erfolg gekrönt, da Tim sehr schnell mitbekommt das er bei seiner Mutter später wieder alles machen darf. Das hat zur Folge, dass auch Klaus Forderungen gegenüber seinem Sohn keinen Nachdruck mehr verleihen kann und er auch in seiner Gegenwart immer aufbrausender und störrischer wird wenn er seinen Willen durchsetzten will. Simone bleibt nach wie vor Überfürsorglich und somit vom Vater aufgebaute Verhaltensweisen wieder kaputt gemacht. Sie will ihrem Sohn alles Recht machen und ist dabei sehr inkonsequent in der Erziehung.

3. Der Sozialisationsprozess am Beispiel des „Sozialökologischen Ansatzes“

3.1 Die Theorie des Sozialökologischen Ansatzes

Der russische Psychologe Urie Bronfenbrenner ist einer der wichtigsten Vertreter Sozialökologischer Modelle (vgl. Thiele 2013 S. 46). Er geht mit seinem Entwicklungstheorie, dem Sozialökologischen Ansatz, davon aus, dass der Mensch sein Leben lang durch die verschiedensten Umwelteinflüsse geprägt wird (vgl. Thiele 2013 S. 46). Dabei unterteilt Bronfenbrenner das Ökosystem, in dem der Mensch lebt in verschiedene Ebenen, welche die Entwicklung in unterschiedlicher Art und Weiße sowie Intensität beeinflussen. Die erste Ebene ist die Mikroebene, bei der es um aktuelle und unmittelbare Beziehung der entwickelten Person zu anderen Menschen oder zur Umwelt geht. In der Regel ist das die Familie, Freunde oder auch Erzieher im Kindergarten. Durch die Interaktion mit diesen Personen nimmt der Mensch direkten Einfluss auf seine Entwicklungsbedingungen, wobei dies auch oftmals unbewusst geschieht (vgl. Thiele 2013 S. 47). Das Mesosystem hingegen beschreibt die Wechselbeziehung zwischen den Mikrosystemen, also den Lebensbereichen. Das kann zum Beispiel das Eltern- Erzieherverhältnis im Kindergarten des Kindes sein (vgl. Thiele 2013 S. 47). Das Exosystem stellt wiederum die Lebensbereiche einer Person dar, an denen es selbst nicht teilnimmt. Baer durch die Ereignisse die innerhalb dieser Lebensbereiche können sie in ihrer Entwicklung maßgeblich beeinflusst werden (vgl. Thiele 2013 S.47). Beispielhaft zu nennen wäre in diesem Zusammenhang der Arbeitsplatz des Vaters oder Mutter sowie Mitarbeiterbesprechungen der ErzieherInnen im Kindergarten. Eine Zusammenfassung aller genannten Ebenen schafft das Makrosystem, welches darüber hinaus die Beziehungen und auch Rahmenbedingungen einer Gesellschaft widerspiegelt. Weltanschauung, Normen, Werte und Traditionen einer Gruppe von Menschen sind darin enthalten (vgl. Thiele 2013 S. 48). Das letzte nennende System ist das Chronosystem, welches auch den Abschluss bildet. Das Chronosystem beinhaltet wichtige Biografische Ereignisse eines Menschen. Solche markanten Übergänge in einer Biografie kann der Schuleintritt sein, oder auch ein Berufswechsel sowie einen Krankheits- oder Todesfall einer nahestehenden Person (vgl. Thiele 2013 S. 48).

Das Konzept von Bronfenbrenner ermöglicht es den gesamten Lebenslauf einer Person zu betrachten und ermöglicht es somit die Entwicklung eines Individuums im Wechselspiel zwischen unterschiedlichen an Interaktionen beteiligten Menschen und Umweltfaktoren zu betrachten.

3.2 Die Situationsanalyse

Bei Tim spielt vor allem die Beziehung zu seiner Mutter Simone eine wichtige Rolle im Bereich des Mikrosystems. Aber auch der Vater sowie die Großeltern spielen dabei eine wichtige Rolle. Ausschlaggebend in dieser Ebene ist jedoch die Beziehung zur Mutter, welche in der Erziehung ihres Sohnes größtenteils auf sich allein gestellt ist. Zudem ist Simone selbst als Einzelkind aufgewachsen und genoss somit auch die volle Aufmerksamkeit ihrer Familie nur für sich. Das gleiche ist jetzt auch bei Tim der Fall. Er steht unter ständiger Beobachtung seiner Mutter und darf nur wenig allein machen. Schon als tim begann zu krabbeln folgte ihm Simone auf Schritt und Tritt um ich vor möglichen Gefahren zu beschützten und ihm schöne Dinge zu zeigen. Dabei lässt sie Tim keine Möglichkeit selbst diese schönen Erfahrungen zu entdecken und auch Konsequenzen für sein eigenverantwortliches Handel zu erfahren. Hinzu kommt das Simone ihrem Sohn alles erlaubt oder Fehlverhalten durchgehen lässt. Konsequenzen werden von ihr zwar angekündigt aber nicht umgesetzt. Wenn sein Vater Klaus am Wochenende zu Hause ist versucht er Tim seiner Ansicht nach „Richtig“ zu erziehen. Bei ihm darf sein Sohn frei im Garten spielen und wird nicht immer von ihm unterbrochen um ihn vor eventuellen „gefahren“ zu warnen. Er setzt ihm Grenzen und klare Regeln welche er einhalten muss. Tut er das nicht setzt Klaus seine Konsequenzen auch durch. Als Tim kleiner war, hat sich sein Verhalten vorerst für ein paar Tage gebessert. Doch als Tim dann allmählich merkte, dass wenn sein Vater wieder auf Montage ist er bei seiner Mutter wieder alles machen darf wurde sein Verhalten gegenüber seinem Vater schlagartig anders. Hierbei wird auch die Wechselbeziehung des Exosystemes hervorgehoben. Tim steht zwar nicht in direkter Verbindung mit dem Arbeitsplatz seines Vaters, so wird er dennoch stark von ihm beeinflusst, da Klaus durch seinen Job nur am Wochenende zu Hause ist und nicht aktiv an der Erziehung seines Sohnes teilhaben kann.

Daher haben auch seine Erziehungsmaßnahmen am Wochenende keinen effektiven nutzten für die Entwicklung seines Sohnes. Auch aus dem Grund, dass seine Frau sein Erziehungskonzept augenscheinlich nicht teilt. So führte dann auch Tims Verhalten im Kindergarten zu Problemen. Die Wechselbeziehung zwischen diesen Mikroebenen Kindergarten und Familie machen das Mesosytem aus. Außerdem ist bereits der Eintritt in den Kindergarten ein Teil des Chronosystems, das dies die Entwicklung von Tim erheblich beeinflusst.

In der Mesoebene kommt es durch Tims auffälliges Verhalten oft zu Spannungen zwischen seinen Eltern und den zuständigen Gruppenerziehern. Da Tim zu Hause keine wirklichen Grenzen gesetzt bekommt fällt es ihm in seiner Kindergartengruppe schnell schwer sich den vorhanden Regeln und Grenzen unterzuordnen. Außerdem steht er hier nicht mehr im Mittelpunkt und versucht durch sein Verhalten wieder auf sich aufmerksam zu machen. Dieses Veralten äußert sich zum Leidwesen der ErzieherInnen und auch der anderen Kinder durch permanentes stören während der Essenszeiten oder auch während Gruppenarbeiten wie Basteln. Auch während der Spielzeit fällt Tim durch sein nun schon aufbrausendes Verhalten auf wenn er von den anderen Kindern nicht das bekommt was er möchte. Er beginnt dann herumzuschreien und die anderen Kinder zu hauen oder zu treten. Das macht er so lange bis er von seinen Spielkameraden bekommt was er möchte. Auch die ErzieherInnen sind zunehmend mit der Situation überfordert, da Tim auf die Konsequenzen die sie ihm androhen nicht im Geringsten regiert und trotzdem weiter die anderen Kinder ärgert. Setzten die ErzieherInnen dann ihre Konsequenzen durch, reagiert Tim mit Wutausbrüchen darauf und beginnt wild um sich zuschlagen, sodass er kaum gebändigt werden kann.

Ein weiterer Teil der Chronoebene wurde nun bereits mit dem Schuleintritt von Tim erlebt. Tim besucht nun eine Förderschule, da er aufgrund seines störenden Verhaltens eine Individuellere Betreuung benötigt. Auch seine Lernschwierigkeiten spielen dabei eine enorme Rolle. Tim fällt es sehr schwer sich lange Zeit zu konzentrieren, da er vorher auch zu Hause immer alle schwierigeren Aufgaben von seiner Mutter erledigt bekommen hat. Somit hatte er auch keine Gelegenheit sich länger mit einer Sache zu beschäftigen und sich darauf zu konzentrieren. Dieses Defizit macht sich nun leider in der Schule bemerkbar.

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Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656635628
ISBN (Buch)
9783656635611
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272003
Institution / Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz
Note
2,3
Schlagworte
erziehung bildung sozialisation

Autor

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Titel: Erziehung, Bildung und Sozialisation