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Ein ganzheitliches Wohlstandsmodell als Antwort auf die wirtschaftliche, soziale und ökologische Krise?

Essay 2013 11 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1). Einleitung

2) Wohlstand

3) Postwachstumsökonomie

4) Wohlstand ohne Wachstum

5) Kritik an der Wachstumskritik:

Bibliographie

1) Einleitung

,,How in the hell could a man enjoy being awakened at 8:30 a.m. by an alarm clock, leap out ofbed, dress,force-feed, shit,piss, brush teeth and hair, andfight traffic to get to aplace where essentiallyyou made lots of moneyfor somebody else and were asked to be grateful for the opportunity to do so? ” (Charles Bukowski)

Deutschland ist eins der wohlhabendsten Länder der Welt. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds belegt Deutschland mit einem BIP von 41.513$ Platz 21 im weltweiten Ranking1. Doch bedeutet Wohlstand automatisch auch ein besseres Leben? Der World Happiness Report 2013, welcher von den Vereinten Nationen in Auftrag gegeben wurde, scheint diese These zu widerlegen. So landet Deutschland nur auf Platz 26. Abgeschlagen hinter wesentlich ärmeren Staaten wie Panama (BIP: 9.919$2 ) oder Venezuela (12.956$3 ). Als wichtigsten Faktor für das wahrgenommene Glück bezeichneten die Autoren die „geistige Gesundheit“4. Macht es deshalb nicht vielleicht mehr Sinn wahren Wohlstand durch andere Faktoren als das BIP zu messen? Diese Frage soll im Verlauf der Abhandlung geklärt werden. Aufbauend darauf sollen im folgenden die alternativen Wohlstands- und Wachstumsmodelle von Niko Paech und Till van Treeck erläutert und auf ihre Realisierbarkeit hin geprüft werden. Dazu werde ich mich vor allem auf das Buch „Befreiung vom Überfluss“ und auf den Artikel „Wohlstand ohne Wachstum braucht gleichmäßige Einkommensverteilung“ stützen.

2) Wohlstand

Die Entwicklung der Wirtschaft ist vielfältig und nur schwer überschaubar. Deshalb berechnet das Statistische Bundesamt die wirtschaftliche Entwicklung Deutschland mit dem System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auf Grundlage des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen. Die Berechnung der wirtschaftlichen Leistung setzt sich hierbei aus verschiedenen Größen zusammen. Besonders maßgeblich sind hierfür das Bruttoinlandsprodukt (BIP = C+I+G+(X-M)5 ) und das Bruttonationaleinkommen (BNE = L+G+D6 ). Von herausragender Stellung ist jedoch das Bruttoinlandsprodukt, da es sich aufgrund seiner einfacheren Bezugsgrundlage als Größe der Wirtschaftsleistung durchgesetzt hat. So wurde das reale Bruttoinlandsprodukt vom Gesetzgeber, im Rahmen des „Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft“7, zum Indikator, für ein „stetiges und angemessenes

Wirtschaftswachstum“8, bestimmt. Was genau ein stetiges und angemessenes Wachstum im Detail jedoch zu bedeuten hat, ist schwer zu definieren. So veranschlagte die Bundesregierung für das Jahr 2013, besonders aufgrund der angespannten Weltwirtschaftslage, ein Wachstum von lediglich 0,4% des BIP9.

Dieses gesetzlich vorgeschriebene Wachstumsziel wurde in jüngster Zeit vielfach kontrovers diskutiert. Denn stetiges Wachstum erfordert eine Politik zur Dämpfung der konjunkturellen Auf- und Abwärtsbewegungen. Grundsätzlich stellt sich aber vor allem die Frage, in welchem Ausmaß Wachstum überhaupt angemessen sein kann. Nicht zuletzt die Ökologie-Bewegung hat ins öffentliche Bewusstsein gerückt, dass das Wachstum angesichts der Knappheit des Ressourcen an seine Grenzen stoßen muss und dass unsere Erde als Lebensraum bereits gefährdet ist. So kann ein Ausmaß an Wachstum, welches die Grundlagen künftiger Generationen zerstört, nicht angemessen sein. Daher entwickelten beispielsweise Sebastian Dullien und Till van Treeck „ein neues magisches

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abb.1)

Viereck“, welches eine „sozial-ökologische Wirtschaftspolitik“10 als Ziel hat. Des weiteren fordern sie die Umwandlung des Jahreswirtschaftsbericht zu einem „Jahreswohlstandsbericht“11.

Ähnliches fordert auch die Enquete Kommission des deutschen Bundestages. Sie hatte 2010 den Auftrag, eine Alternative Messung zum BIP für Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität zu finden. Der Vorschlag des Kommission sieht eine Ergänzung des BIP um neun weiteren Indikatoren (siehe hierzu Abb.1) vor.

Diese zehn Leitindikatoren, die wiederum drei Dimensionen zugeteilt sind (Materieller Wohlstand, Soziale Teilhabe und Ökologie), werden durch neun Warnlampen ergänzt. Dass die Indikatoren von Bundesbürgern als wichtig angesehen werden, belegt eine von TNS Infratest durchgeführt Befragung von wahlberechtigten Bürgern. Auffällig ist hierbei, dass besonders die Punkte „Demokratie erhalten“ und „Genug Arbeit“ von fast allen Teilnehmern als besonders wichtig eingestuft wurden (Siehe Abb.2). Die Enquete-Kommission fordert in ihrem Fazit, ähnlich wie Dulland und van Treeck, dass die Bundesregierung einen „Jahreswohlstandsbericht“ vorlegen sollte, welcher zu den drei Dimensionen Stellung bezieht12.

Relevanz von Lebensbereichen[1]

Bef ragù ngse rge bnisse (O = gar nicht wichtig; 1 О = sehr wichtig)

Demokratie erhalten Genug Arbeit Bildungschancen erhöhen Staatsverschuldung Treibhausgase reduzieren Stickstoffüberschuss abbauen Artenvielfalt erhalten Einkommensverteilung Pro-Kopf-Einkommen Lebenserwartung erhöhen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Antworten auf die Frage: „Wie wichtig ist Ihnen, dass die deutsche Politik sich um folgende Themen kümmert?“ Quellen: TNS /nfratest Telefonsurvey (Januar 2013), 1 012 Befragte; Berechnungen des DIW Berlin.

(Abb. 2)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einen ebenfalls interessanten Input zum Thema Wohlstand liefert die Glücksforschung. Sie konnte herausfinden, dass es keine direkte Korrelation zwischen persönlichen Glück und Bruttoinlandsprodukt besteht (siehe Abb.3). Hieraus lässt sich schlussfolgern, dass gefühlter Wohlstand mehr sein muss als ein Kennzahl für wirtschaftliche Entwicklung.

3) Postwachstumsökonomie

Wie oben festgestellt macht wirtschaftliches Wachstum nicht glücklicher und belastet zugleich die Umwelt. Trotzdem wird ein dauerhaftes Wachstum angestrebt. Niko Paech spricht in seinem Buch „Befreiung vom Überfluss“ sogar von einem „strukturellen Wachstumszwang13 “. Hierfür stützt er sich auf die Investitionsanalyse von Hans Christoph Binswanger, die aufzeigt, dass durch ein „Überschusserfordernis14 “ ein stetiges Wachstum erzeugt werden muss. Dieser Wachstumsdruck wird durch den Zins des Fremdkapitals „induziert15 “. Als Ausweg aus dieser Wachstumsspirale entwirft er seine Vorstellung einer Postwachstumsökonomie. Das Fundament dieser besteht aus einer „Theorie der Subsistenz und Suffizienz16 “. Die Eckpunkte dieser Theorie sehen wie folgt aus: Eine Ökonomie der Nähe, welche dem Prinzip „so regional wie möglich, so global wie nötig17 “, soll zu einer „partiellen Deglobalisierung18 “ führen.

[...]


1 Siehe hierzu: International Monetary Fund: World Economic Outloook Database Stand April 2013 http://www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2013/01/weodata/download.aspx (letzter Zugriff am 12.9.2013)

2 S.o.

3 S.o.

4 Für den Bericht siehe: http://unsdsn.org/files/2013/09/WorldHappinessReport2013 online.pdf (letzter Zugriff 12.9.2013)

5 Bruttoinlandsprodukt = Konsumgüter + Investitionsgüter + öffentliche Güter + (Exportgüter - Importgüter)

6 Bruttonationaleinkommen = Löhne + Gewinne + Abschreibungen

7 Besser bekannt als „Stabilitätsgesetz“

8 Siehe: Artikel 109 Abs. 2 GG

9 Siehe hierzu: Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung 2013 http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Infodienst/2013/01/2013-Q1-17-iahreswirtschaftsbericht- 2013/jahreswirtschaftsbericht-2013.html:jsessionid=01D25AE6464108F7796D874CB87D5D83.s3t2? nn=437032#group! (letzter Zugriff 12.9.2013)

10 Siehe: Sebastian Dulland, Till van Treeck: Ein neues „magisches Viereck“. Ziele einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik und Überlegungen für ein neues „Stabilitäts- und Wohlstandsgesetz“, Denkwerk Demokratie, 2012, S. 25 online einsehbar unter: http://www.denkwerk-demokratie.de/wp- content/uploads/2012/11/DD_Werkbericht_2.pdf (letzter Zugriff: 12.9.2013)

11 Ebd. S.23

12 Vgl.: Marco Giesselmann, Richard Helmer, Nico Siegel, Gert Wagner: Alternative Wohlstandsmessung: Neun Indikatoren können das Bruttoinlandsprodukt ergänzen und relativieren. In: DIW Wochenbericht: Wohlstand ist mehr als Geld - aber wie lässt er sich messen?, DIW Berlin, 2013, S.3-12, online einsehbar unter: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw 01.c.416403,de/13-9.pdf (letzter Zugriff 12.9.2013)

13 Siehe: Niko Paech: Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, Oekom Verlag, München, 2013, 5. Auflage, S.103

14 Ebd. S.104

15 Ebd. S.107

16 Ebd. S.114

17 Ebd. S.118

18 s.o.

Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656633549
ISBN (Buch)
9783656633518
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Erscheinungsdatum
2014 (April)
Note
1,7
Schlagworte
wohlstandsmodell antwort krise

Autor

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