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Welche Chancen und Risiken bietet die Subjektivierung von Arbeit?

Darstellung, Analyse und Bewertung der Subjektivierung und Entgrenzung von Arbeit

Hausarbeit 2014 16 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1).. Einleitung

2) Arbeit
2.1) Definition des Arbeitsbegriffes
2.2) Der Wandel der Arbeit: Vom Fordismus zum Postfordismus

3) Entgrenzung und Subjektivierung
3.1) Der Arbeitskraftunternehmer
3.2) Das Geschlecht des Arbeitskraftunternehmers

4) Bewertung
4.1) Chancen und Risiken
4.2) Eigene Bewertung der Chancen und Risiken

5) Fazit

Bibliographie

Literatur:

Internetquellen:

1) Einleitung

„Meine Arbeit ist mein Treibstoff, meine Krankheit, sie wird mich immer verfolgen.“ (Jean Thomas Ungerer)

Das Verhältnis des Menschen zur Arbeit ist paradox. Einerseits wird sie gebraucht um Wohlstand zu erzielen oder um diesen zu erhalten. Und andererseits wird sie als Mühe und Last empfunden. Ein oft angestrebtes Ziel ist dabei die Findung einer sogenannte Work-Life Balance, also des ideal ausbalancierten Verhältnis von Arbeit zum Leben. Doch was passiert wenn die Grenzen zwischen Arbeit und Leben erodieren? Gibt es Vorteile durch das Wegfallen der Grenzen. Oder Nachteile? Oder womöglich sogar Vor- und Nachteile? Die vorliegende Arbeit hat als Ziel genau dies zu untersuchen.

In der aktuellen Industrie- und Arbeitssoziologie nimmt das Thema Subjektivierung von Arbeit eine immer größere Bedeutung ein. Als ein Pionier der Subjektivitätsforschung lässt sich definitiv Günther Voß ausmachen. Sein Modell des Arbeitskraftunternehmers wird bis heute noch rezipiert und verwendet. Auch ich werde auf die These des Arbeitskraftunternehmers eingehen.

Zunächst werde ichjedoch die Untersuchung damit beginnen, dass ich eine Definierung des Begriffs Arbeit vornehmen werde. Dabei werde ich auf die Schwierigkeit einer allgemeingültigen Definition eingehen und domänenübergreifend verschiedene Arbeitsbegriffe untersuchen. Anschließend werde ich den Wandel der Arbeit, ausgehend von Fordismus hin zum Postfordismus, erörtern und somit den historischen Kontext für die Subjektivierung und Entgrenzung aufzeigen.

Im dritten Abschnitt werde ich zunächst vorstellen was Subjektivierung und Entgrenzung en général bedeutet, um dann anhand der These des Arbeitskraftunternehmers die Subjektivierung gezielt zu untersuchen. Dabei solljedoch die Kategorie Geschlecht nicht außen vor gelassen werden, weshalb ich auch auf die Geschlechterfrage im besonderen auch eingehen werde.

Darauf aufbauend werde ich zunächst die Forschungsstandpunkte zu den Risiken und Chancen der Subjektivierung/Entgrenzung von Arbeit darlegen, diese dann selbst bewerten und abschließend im Fazit eine konkrete Stellungnahme formulieren. Außerdem werde ich versuchen exemplarische Lösungsansätze für mögliche Risiken der Subjektivierung zu entwerfen.

Zu Gunsten der besseren Lesbarkeit verzichte ich auf eine Schreibweise, die die Geschlechtlichkeit von Sprache deutlicher zum Ausdruck bringt, da dies zur Folge hätte dass ich konsequenterweise auch von 'Arbeitskraftuntemehmerlnnen' sprechen müsse, was meiner Ansicht nach einer flüssigen Lesbarkeit entgegensteht. Trotz dieser Entscheidung bezieht mein Text selbstverständlich alle Geschlechter mit ein.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

2) Arbeit

2.1) Definition des Arbeitsbegriffes

Für die Untersuchung der Subjektivierung von Arbeit ist es zwingend notwendig sich zuerst mit dem Begriff der Arbeit an für sich zu beschäftigen.

Die Schwierigkeit des soziologischen Arbeitsbegriffes ist seine ungenau Definition. Anders als beispielsweise in der Ökonomie (Arbeit als Produktionsfaktor neben Kapital und Boden) oder in der Physik (Arbeit als energetisches Produkt aus Kraft und Weg) ist eine Definitionsfindung in der Soziologie schon deshalb schwierig, weil der Arbeitsbegriff hier geprägt ist durch historisch spezifische sich wandelnde soziale Formen und Schwerpunktsetzungen. So würde die ökonomische Definition zu kurz greifen, da sie nur Erwerbsarbeit berücksichtigt und andersartige Formen von Arbeit (Hausarbeit[1], ehrenamtliche Tätigkeit[2], Familienarbeit[3] ) außen vor lässt.

Einen soziologisch brauchbareren Arbeitsbegriff bietet hingegen die Philosophische Anthropologie. Für sie bedeutet Arbeit „durch systematisches Tun etwas zu schaffen“ (Schwietring 2011, S. 91). Hierzu vergleichbar ist der allgemein Arbeitsbegriff von Günther Voß. Er definiert Arbeit als „eine zweckgerichtete bewusste Tätigkeit von Menschen [...], die sie unter Einsatz von physischer Kraft und psycho-physischen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausüben“ (Voß 2010, S. 26). Laut seiner Definition wird Arbeit dabei zwar immer individuell verrichtet, doch „ist sie zumindest indirekt immer in arbeitsteilige und sich historisch verändernde soziale Zusammenhänge (Kooperationen, Institutionen, Betriebe usw.) eingebunden und geprägt.“ (Ebd., S. 26). Die Definition von Voß bietet somit einen Arbeitsbegriff der sich nicht nur auf die ökonomische Tätigkeit von Arbeit konzentriert sondern auch die Vielfältigkeit der Erscheinung von Arbeit berücksichtigt. Deshalb bezieht sich im folgendem der Begriff Arbeit immer auf die Definition von Voß.

2.2) DerWandel der Arbeit: Vom Fordismus zum Postfordismus

Als Fordismus bezeichnet man die dominierende Form der industriellen Produktion die sich nach dem ersten Weltkrieg etablierte und ihren Höhepunkt in den Sechzigerjahren hatte (vgl. Naumann 2000, S. 120f.). Theoretisch geprägt wurde dieser durch Frederick W. Taylor, welcher die totale unternehmerische Kontrolle über den Arbeitsprozess als oberste Prämisse aushob. So beabsichtigte er eine „systematisierende Beobachtung, Messung sowie eine auf Optimierung des Leistngsergebnisses bezogene Normierung und Standardisierung von Arbeitskraft, Arbeitsorganisation und Technik“ (Beckenbach 1991, S.17) und „rigide, zeitökonomische Kontrollen“ (ebd.). Als erster setzte Henry Ford[4] die Lehrer Taylors konsequent und erfolgreich durch Fließbandproduktion um. Der Erfolg des Konzeptes beruhte dabei auf der Funktionsfähigkeit seiner vier Basisprinzipien:

„Es [das Produktionskonzept] verfolgt die Reduktion und die Rationalisierung operativer Zeit durch die Aufspaltung von Arbeitsaufgaben und deren Technisierung; es umfasst eine strikte hierarchische Organisation von Konstruktion, Entwicklung, Produktion und Vertrieb; es realisiert den Primat der Produktionsökonomie über die Makroökonomie, wobei unterstellt wurde, dass niedrigpreisige Waren immer einen Käufer finden, und es nutzte den Dualismus von Großindustrie und Kleinbetrieben, indem große Firmen stabile Massenbedürfnisse befriedigten, während kleinbetriebliche Produktionen die variable Nachfrage befriedigte.“ (Dörre 2001, S.694f.)

In den Siebzigerjahren geriet das Konzept aufgrund von erodierten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen unter Druck. Zum einem erreichte die industrielle Produktion die Grenze ihres Mengenwachstums (vgl. Elster 2007, S.23), zum anderem führte der globalisierungsbedingte Wettbewerbsdruck zu einem Konkurrenzkampf auf internationalem Niveau, dem allein durch ein immer weiter sinkendes Preisniveau nicht entgegengetreten werden konnte (vgl. ebd., S.24). Stattdessen wurde versucht durch eine Erweiterung der Märkte und Beschleunigung der Produktzyklen dieser Entwicklung Rechnung zu tragen (vgl. Gorz 2000. S.41).

Ein weiteres markterschließendes Mittel war die Flexibilisierung in Bezug auf individuelle Kundenwünsche was Design und Ausführung betraf. Insgesamt wurde „Das Wachstum der Produktion [...] von der quantitativen auf die qualitative Dimension verlagert“ (Elster 2007, S. 24) und „Neuheit, Einmaligkeit und Image des Produktes - sein symbolischer Wert - wurde zentrales Ziel der Produktion“ (ebd.). Dies erforderte jedoch einen klaren „Bruch mit der fordistischen Produktionsweise“ (Gorz 2000. S.41).

Vielmehr wurden neuartige Organisations- und Produktionskonzepte benötigt. Massenfertigung wurde „in Länder mit geringerem Lohnniveau ausgelagert“ (Elster 2007, S. 24) oder „mittels Automation substituiert[5] “ (ebd.) Die klassischen Industriestaaten konzentrierten sich von nun an auf die Herstellung qualitativ hochwertiger und auf Kundenwünsche angepasster Produkte (vgl. Naumann 2000, S. 127). Dadurch wuchs die Nachfrage nach qualifizierten und engagierten Mitarbeitern, die sich für das Unternehmen einsetzen. Ribolits fasst diese Entwicklung folgendermaßen zusammen:

„Bedingt durch die rasante Dynamik des konkurrenzverursachten Wandels in der Produktion und die zunehmende Notwendigkeit eines immer rascheren und flexibleren Reagierens auf neu auftauchende Probleme kommtjedoch den Arbeitnehmern und ihrer Bereitschaft, selbständig im Sinne einer Produktivitätserhöhung aktiv zu werden, die Schlüsselstellung bei der Ausschöpfung der sich aus den technologischen und logistischen Neuerungen ergebenden Möglichkeiten zu.“ (Ribolits 1995, S. 140f.)

Die Trennung zwischen Produktionsplanung und der Produktion selbst wurde in weiten Teilen aufgehoben (vgl. Elster 2007, S. 25) . Somit war ein neues Produktionskonzept erschaffen, welches als Postfordismus bezeichnet wird.

3) Entgrenzung und Subjektivierung

Wie oben aufgezeigt wurde unter fordistischen Bedingungen Arbeit als objektivierte Arbeit verstanden. Ein tayloristisches Gefüge aus Arbeitsteilung und Kontrolle im Betrieb sorgte für eine Transformation von Arbeitskraft in Arbeitsteilung. Somit war die Arbeit zwar fremdbestimmt, aber zugleich auch „institutionell eingebettet um soziale Risiken abzusichern“ (Lohr/Nickel 2009, S. 7). Als Funktionsvoraussetzung für die objektivierte Arbeit schien dabei die „Trennung von Arbeit und Leben und die geschlechtsspezifische Zuweisung von Produktions- und Reproduktionsarbeit“ zu sein“ (ebd.). Im Konkreten bedeutete dies überwiegend ein Zusammenspiel aus männlichem Ernährer und weiblicher Hausfrau.

Durch den Wandel zum Postfordismus fand nun ein „grundlegender Paradigmenwechsel“ (ebd.) in der Forschung statt. Durch die Begriffe 'Entgrenzung' und 'Subjektivierung' wird versucht die Veränderung von Arbeit und Lebensführung analytisch erfassbar zu machen. Jedoch handelt es sich bei den Begriffen nicht um einheitlich gefasste Begriffe. Je nach Forschungsperspektive werden sie „durchaus unterschiedlich gefüllt“ (Janczyk 2009, S. 150). Insgesamt lässt sich aber sagen, dass „Entgrenzung und Subjektivierung tendenziell auf unterschiedliche Ebenen der identifizierten Wandlungsprozesse der Arbeitswelt abheben“ (ebd.).

Entgrenzung zielt dabei vorrangig auf die strukturelle Ebene ab. Dabei soll zum Ausdruck gebracht werden, dass „im Hinblick auf die Organisation und Verfassung von Arbeit verschiedene Aufweichungs- und sogar Auflösungstendenzen von Strukturen, Grenzen, Rigiditäten zu beobachten sind“ (ebd.). Ähnlich formulieren es auch Gottschall und Voß. Jedoch gehen sie von „historischen“ Vorbedingungen aus. So schreiben sie: „Entrgenzung allgemein wäre [...] als Prozess zu definieren, in dem unter bestimmten historischen Bedingungen entstandene gesellschaftliche Strukturen der regulierenden Begrenzung von sozialen Vorgängen ganz oder partiell erodieren oder sogar bewusst ausgedünnt, wenn nicht gar aufgelöst und dabei mehr oder weniger dauerhaft dynamisiert werden“ (Gottschall/Voß 2005, S. 18)

Subjektivierung nimmt hingegen stärker die Subjekteben in den Fokus. Ausgedrückt werden soll, dass es durch den Wandel von Arbeit zu einer „systematischen Intensivierung der Nutzung subjektiver Potenziale in der Erwerbstätigkeit“ (Pongratz/Voß 2003, S.216) kommt. Im folgenden soll nun besonders die Subjektivierung in Form des 'Arbeitskraftunternehmers' genauer untersucht werden.

3.1) Der Arbeitskraftunternehmer

Das von Günther Voß konstruierte Bild des Arbeitskraftunternehmers beruht bewusst auf theoretisch idealisiert formulierten Merkmalen. Er benutzt diesen Idealtypus als analytisches Instrument zur Untersuchung der Wirklichkeit. Deshalb bezieht er empirisch relevante Fakten wie Geschlecht[6], Beruf, Lebensalter und Ähnliches in seine Überlegung nicht mit ein (vgl.: Voß/Weiß 2009, S. 69). Stattdessen benennt er als die drei grundlegend theoretischen Merkmale des Idealtypus Arbeitskraftunternehmer die 'Selbst-Kontrolle', die 'Selbst-Ökonomisierung' und die 'Selbst-Rationalisierung'.

Mit Selbst-Kontrolle meint er den von Personen organisierten Einsatz der eigenen Fähigkeiten was eine selbständige Planung, Steuerung und Überwachung von eigener Arbeit zur Folge hat. Für Unternehmen bedeutet das einen geringeren betrieblichen Aufwandhinsichtlich der Arbeitssteuerung (vgl.: ebd).

[...]


[1] Hier definiert als praktische Tätigkeit im Haushalt

[2] Hier definiert als gemeinnützige Arbeit ohne monetäre Erwerbsabsicht

[3] Hier definiert als Tätigkeit zur Bewältigung von Erziehung und Pflege Familienangehöriger

[4] Wodurch die spätere Bezeichnung Fordismus entstand

[5] Erwähnt sei hier beispielhaft die Computerized Numerical Control Technik

[6] Auf das ich im nächsten Abschnitt der Untersuchung noch eingehen werde.

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656633532
ISBN (Buch)
9783656633525
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272129
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,0
Schlagworte
welche chancen risiken subjektivierung arbeit darstellung analyse bewertung entgrenzung

Autor

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