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Risiken auf dem liberalisierten Strommarkt

Eine Analyse existierender Risiken und den sich daraus ableitenden Instrumenten des Risikomanagements

Seminararbeit 2011 15 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Strommarkt
2.1 Marktliberalisierung
2.2 Strombörse
2.3 Marktmacht an der Strombörse

3. Risiken
3.1 Risiken für Erzeuger
3.1.1 Mengenrisiko
3.1.2 Kundenrisiko
3.1.3 Technisches Risiko
3.2 Risiken für Abnehmer

4. Risikomanagement
4.1 Derivate
4.1.1 Forwards
4.1.2 Futures
4.2 Andere Instrumente
4.2.1 Cross Hedging
4.2.2 Optionen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Vorzeiten gebrauchte der Mensch dieselben Energiequellen gleichsam der Tiere - Strahlen der Sonne und Muskelkraft. Erst vor ungefähr 500'000 Jahren lernte der Mensch den Umgang mit Feuer. Seitdem kam der Mensch nicht mehr ohne zusätzliche Energie aus. Vorwiegend verwendete er unversiegbare oder sich ständig erneuerbare Quellen wie Sonne, Holz, Wind und Wasser. Erst nach der Erfindung der Dampfmaschine vor etwa 200 Jahren fing der Mensch an, die immensen Brennstoffvorräte auszuschöpfen; vorerst Kohle, später dann Erdöl und Erdgas. Die ersten Wasserkraftwerke wurden gegen Ende des letzten Jahrhunderts gebaut und erst vor wenigen Jahrzehnten machte sich der Mensch die Kernspaltung zur Stromerzeu- gung zu Nutze.1

Seither ist Energie einer der wesentlichen Produktionsfaktoren in der Wirtschaft. Angesichts technischer Fortschritte verändert sich der Prozess der Energieförderung fortlaufend. Auch der Bedarf an Energie ist einem stetigem Wandel unterworfen. Mit Beginn der industriellen Revolution wurde Energie jeglicher Art vorwiegend im Sekundärsektor verbraucht. Gegen- wärtig ist Energie nicht nur für den industriellen Bereich von Bedeutung, sondern auch für alle privaten Nutzer. Durch unsere Lebensweise sind wir mehr denn je von Energie abhängig. Folglich zeichnet sich der Strommarkt durch eine sehr preisunelastische Nachfrage aus.2

Das Ziel dieser Arbeit ist es, einzelne Risiken hinsichtlich des Stromhandels zu identifizieren und Methoden des Risikomanagements aus Finanz- und Warenmärkten auf den Strommarkt zu übertragen und darzustellen.

Hinsichtlich weitreichender Veränderungen im Zuge der Strommarktliberalisierung und der sich daraus ergebende Einfluss auf das Strompreisrisiko wird die Strommarktöffnung in Kapi- tel 2 kurz erläutert. Da die Einrichtung einer Strombörse in Bezug auf den kurzfristigen Han- del von Strommengen und Handel zu spekulativen Zwecken unerlässlich war, wird diese Thematik auch ein knapper Bestandteil dieses Kapitels sein. Risiken einer Marktmacht auf dem liberalisierten Strommarkt werden auch Gegenstand von Kapitel 2 sein, da insbesondere in Zeiten von knappen Kapazitätsreserven, die Marktmacht eine signifikante Rolle für die Strompreisbildung einnehmen kann.

Einzelne Risiken für Erzeuger als auch für Abnehmer werden in Kapitel 3 aufgeführt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Preisvolatilität als großes Risiko am Strommarkt. Die sich da- raus ableitenden Instrumente des Risikomanagements sind Gegenstand von Kapitel 4. Im Ka- pitel 5 wird ein Ausblick hinsichtlich der Preisschwankungen in Folge der Energiewende 2020 gegeben.

2. Strommarkt

Strom stellt ein besonderes Gut dar. Die Eigenheit von Strom besteht in einer kaum vorhan- denen Lagerfähigkeit in ökonomisch bedeutender Menge. Elektroenergie ist homogen, leis- tungsgebunden und nicht substituierbar.3 Diese Beschaffenheit hat bewirkt, dass Strom ge- raume Zeit über monopolistische Strukturen erzeugt und an den Endverbraucher veräußert wurde. In den vergangenen Jahrzehnten ist weltweit ein Übergang zu wettbewerblichen Struk- turen verstärkt worden.

2.1 Marktliberalisierung

Am 19. Dezember 1996 trat die Strom-Richtlinie 96/92 EG in der Europäischen Union in Kraft, welche die sukzessive Liberalisierung des Strommarktes anordnete. In deren Folge wurden die staatlich geregelten, lokalen Strommonopole 1998 in Deutschland abgeschafft. Der Aufbau eines homogenen Strommarktes und die Einführung von Wettbewerb als Grund- lage für eine effiziente Energieversorgung waren Ziele der Liberalisierung. Die Verbraucher können seither ihren Stromanbieter frei wählen. Ferner wurde der Markteintritt erleichtert. Innerhalb der Europäischen Union hat sich eine Anzahl regionaler Strommärkte gebildet. Der mitteleuropäische Markt verkörpert einen dieser regionalen Märkte. Er setzt sich aus den Ländern Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz zusammen. Aufgrund der Tat- sache, dass in diesem Teilmarkt keine beachtlichen Übertragungsengpässe vorhanden sind, kann sich ein einheitlicher Strompreis bilden.4

2.2 Strombörse

Die einst langfristigen Verträge weichen zunehmend Kontrakten mit kurzer Dauer. Infolge- dessen sind Strom- und Stromterminbörsen ein wesentlicher Aspekt der veränderten Wettbe- werbssituation auf dem Strommarkt geworden. Insbesondere ist die Errichtung einer Strom- börse erforderlich, wenn Strommengen kurzfristig oder zu spekulativen Zwecken gehandelt werden. Innerhalb eines Strommarktes bildet die Strombörse den Großhandelsmarkt ab. Er- zeuger und Händler, die den Strom im Rahmen von Versorgungsverträgen an den Verbrau- cher vertreiben, agieren an den Strombörsen. Der Energiehandel an einer Strombörse erfolgt auf drei verschiedenen Märkten: Spotmarkt, Terminmarkt und Regelenergiemarkt. Dabei dif- ferenzieren sich die Märkte durch ihre jeweilig zeitliche Reichweite. Eine Strombörse ver- wirklicht unterschiedliche Ziele. Einerseits verkörpert sie für alle Marktteilnehmer eine Markttransparenz und nimmt daher eine wichtige Informationsfunktion ein. Andererseits be- grenzt die Börse die Mengenrisiken der Akteure. Demzufolge steht es einem Erzeuger frei, überschüssige oder fehlende Mengen an der Strombörse zu handeln. Jedoch nimmt der Händ- ler dabei ein Preisrisiko in Kauf, welches in Kapitel 3 näher erläutert wird.5

2.3 Marktmacht an der Strombörse

Die Fähigkeit, einen Preis ertragreich auf ein Preisniveau anzuheben, das über dem des per- fekten Wettbewerbs liegt, bezeichnet man als ,Marktmacht‘. Man geht beim perfekten Wett- bewerb davon aus, dass kein Anbieter die Fähigkeit hat, Preise zu beeinflussen. Demgegenüber können Anbieter auf einer Strombörse durch ökonomische und physische Ka- pazitätszurückhaltung Einfluss auf Preise ausüben. Angesichts ökonomischer Kapazitätszu- rückhaltung verlangen die Anbieter Preise, die oberhalb der Grenzkosten liegen. Dies hat zur Folge, dass von dem entsprechenden Kraftwerk vermutlich kein Gebrauch gemacht wird, ob- gleich die Grenzkosten unterhalb des Marktpreises liegen. Ungeachtet dessen, dass ein Kraft- werk hinsichtlich des Marktpreises profitablen Strom bereitstellen könnte, wird es bei einer physische Kapazitätszurückhaltung nicht in den Markt hinein geboten. Infolge der Zurückhal- tungsstrategien erhöht sich der Preis für die Kraftwerke, welche im Markt bestehen bleiben und Strom produzieren. Marktmacht kann vorwiegend durch andere Mitbewerber diszipliniert werden.

[...]


1 Vgl. Strub 2005, S. 50

2 Vgl. Kiesewetter 2004, S. 181ff.

3 Vgl. Forstbach 2009, S. 3

4 Vgl. Ockenfels 2007, S. 3ff.

5 Vgl. Lattemann 2002, S. 1

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656644378
ISBN (Buch)
9783656695370
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272346
Institution / Hochschule
Hochschule Reutlingen
Note
1,7
Schlagworte
risiken strommarkt eine analyse instrumenten risikomanagements

Autor

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Titel: Risiken auf dem liberalisierten Strommarkt