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Das Krankheitsbild des Lenz in Büchners gleichnamiger Erzählung. Medizinische Symptome der Schizophrenie

Hausarbeit 2014 15 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Die Schizophrenie in der heutigen Medizin
2.2 Das Krankheitsbild der Figur Lenz
2.3 Der Verlauf der Erkrankung hinsichtlich der äußeren Einflüsse
2.4 Büchners Abweichungen von der Vorlage

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als Schriftsteller und Mediziner gelang es Georg Büchner in seiner Erzählung „Lenz“ beide beruflichen Passionen zu einem literarischen Kunstwerk zu vereinen. Diesbezüglich ist es interessant, die Darstellung des Krankheitsbildes der Figur Lenz näher zu betrachten.

Büchner verfasste die Erzählung zwischen den Jahren 1835 und 1836. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es sich hier nicht um ein vollendetes Werk handelt, sondern vielmehr um ein Fragment.[1] Als Grundlage benutzte Büchner unter anderem den von Stoeber bearbeiteten Rechenschaftsbericht des Pfarrers Oberlin, der den Aufenthalt Lenzens dokumentierte.[2] Seine Erzählung „wurde zur Fallstudie eines künstlerischen, psychischen und damit auch sozialen Grenzgängers“[3].

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll untersucht werden, inwiefern die geistige Disposition der Figur Lenz dem heutigen Krankheitsbild der Schizophrenie entspricht. Dazu sollen auch Büchners fiktionale Ergänzungen näher betrachtet und der Verlauf der Erkrankung berücksichtigt werden.

Zu Beginn meiner Ausarbeitung soll als erstes das Krankheitsbild der Schizophrenie und dessen Symptome aus der heutigen medizinischen Sicht dargestellt werden. Dies bietet die Grundlage, um danach die Krankheitserscheinungen der Figur Lenz näher betrachten zu können und zu untersuchen, inwiefern diese dem medizinischen Bild entsprechen. Darauf aufbauend sollen auch die äußeren Einflüsse auf Lenzens Geisteszustand in der Analyse berücksichtigt werden. Büchners Abweichungen von der Vorlage bieten ebenfalls Anhaltspunkte zur Untersuchung und sollen näher beleuchtet werden. Da im Rahmen dieser Hausarbeit nur begrenzt auf Büchners Darstellungsmethoden und Erzählstrategien eingegangen werden kann, wird dies nur am Rande behandelt. Abschließend soll eine Auswertung folgen und in einem Fazit zusammengefasst werden.

2. Hauptteil

2.1 Die Schizophrenie in der heutigen Medizin

Um später das Krankheitsbild der Figur Lenz untersuchen zu können, soll nun als erstes ein Bild der Krankheit Schizophrenie aus der medizinischen Sicht skizziert werden. Begrenzt wird sich auf die wichtigsten Symptome der Erkrankung und ihren Verlauf. Ebenso wird kurz auf die Ursachen für eine Erkrankung eingegangen.

Die Symptome schizophrener Patienten sind vielseitig und komplex. Als Grundsymptome lassen sich Wahrnehmungsstörungen, Kognitionsstörungen und Affektstörungen beobachten.[4]

Die Wahrnehmungsstörungen machen sich in Form von Halluzinationen und diversen Wahnsymptomen bemerkbar. Patienten, die unter akustischen Wahnvorstellungen leiden, hören Stimmen, die den Patienten oft direkt ansprechen.[5] Dies kann dazu führen, dass sie ihr Umfeld völlig vergessen und nicht beachteten.[6] Ebenso glauben die Patienten häufig, dass ihre Gedanken von fremden Personen kontrolliert und sie dadurch zu einem unmündigen Menschen ohne freien Willen gemacht werden.[7] Das Phänomen der Gedankeneingebung beschreibt einen Patienten, der überzeugt ist, dass fremde Gedanken, z.B. durch Telepathie, in seinen Kopf übertragen werden.[8] Der Glaube, eine auserwählte Person mit besonderen Fähigkeiten zu sein, ist oft mit religiösen Inhalten verbunden[9] und zählt ebenfalls zu den typischen Symptomen der Schizophrenie. Das Phänomen des Gedankenentzuges beschreibt das Verschwinden von Gedanken aus dem Kopf des Patienten, der glaubt, dass jemand sie aus seinem Kopf genommen habe.[10] Er hat das Gefühl, sein Verstand sei völlig leer und er sei unfähig über etwas nachzudenken.[11] Verfolgungswahn, Angstzustände und der Glaube, andere Personen wollen ihm Schaden zufügen sind auch ein häufig vorkommendes Symptom der Erkrankung.[12]

Die Affektstörungen machen sich häufig in Form von reduzierter Intensität der Gefühle bemerkbar, was zur Folge hat, dass die Patienten ihre Gefühle als „flach und abgestumpft“[13] empfinden. Sowohl „Gefühle der Freude als auch des Ärgers“[14] können diese Apathie hervorrufen. Die Affekte scheinen oft unangemessen zu sein und für den Patienten unkontrollierbar, da der Erkrankte besonders empfindlich auf äußere Einflüsse reagiert.[15] Oft sind auch die affektiven Reaktionen ambivalent und rufen gleichzeitig positive und negative Gefühle hervor.[16] Folge der Affektstörungen können sowohl Depressionen und suizidale Gedanken, als auch Euphorie und Überaktivität sein.[17]

Erwähnenswert im Zusammenhang mit schizophrenen Patienten sind auch die auftretenden Sprach- und Denkstörungen. Der Patient hat Schwierigkeiten sich auf einen Gesprächsgegenstand zu konzentrieren, sodass seine Äußerungen unzusammenhängend wirken.[18] Ebenso folgt er beim Denken seiner „eigenen Logik“[19] und kann sich in einem Gespräch nicht auf den Kommunikationspartner einstellen. Auftretende Sprachanomalien, wie das Erfinden von Neologismen und das Verwenden von unnatürlich gestelzter Sprache, sind gleichfalls auftretende Symptome bei Schizophrenie.[20]

Die Störungen im Bewegungsverhalten machen sich zum einen in psychomotorischen Störungen bemerkbar. Anzeichen sind motorische Unruhe, mimische und gestische Manierismen und gestörte Bewegungsmuster.[21] Zum anderen treten autoaggressive Fehlhandlungen auf, die sich in Selbstverletzung und Selbstverstümmlung äußern.[22] Als weiteren Punkt sei auch die Somatisierungsstörung zu nennen, die sich häufig in Form von Schlafstörungen zeigt und die Neurasthenie, die das Erschöpfungssyndrom beschreibt.[23]

[...]


[1] Büchner, Georg: Werke und Briefe. Münchener Ausgabe, hg. von Karl Pörnbacher, Gerhard Schaub u.a.. 14. Auflage. München: dtv 2013, S. 520.

[2] Ebd.

[3] Hauschild, Jan-Christoph: Georg Büchner mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt von Jan-Christoph Hauschild, hg. von Wolfgang Müller. Hamburg: Rowohlt 1992, S.87.

[4] Hetzel, Susanne: Untersuchung der Emotionsverarbeitung bei Patienten mit Schizophrenie mit Hilfe des emotionalen Flanker-Paradigmas. Aachen: 2011, S.7. [ zugleich: Dissertation, RWTH Aachen].

[5] Müller, Ursula: Schizophrenie. Interaktionsprozesse und emotionales Klima in der Familie. In: Europäische Hochschulschriften. Reihe 6. Psychologie. Bd.308. Frankfurt am Main: Peter Lang 1990, S.8.

[ zugleich: Dissertation, Ludwig- Maximilians-Universität München].

[6] Ebd., S.10.

[7] Ebd., S.8.

[8] Ebd., S.9.

[9] Ebd.

[10] Ebd., S.10.

[11] Ebd.

[12] Ebd., S.9.

[13] Müller, Ursula: Schizophrenie. Interaktionsprozesse und emotionales Klima in der Familie. In: Europäische Hochschulschriften. Reihe 6. Psychologie. Bd.308. Frankfurt am Main: Peter Lang 1990, S.11.

[ zugleich: Dissertation, Ludwig- Maximilians-Universität München].

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Ebd., S.13.

[18] Ebd., S.10.

[19] Ebd.

[20] Ebd.

[21] Röhricht, Frank: Die theoretische, klinische und konzeptionelle Bedeutung des Körpererlebens für die Schizophrenie - eine Einführung. In: Körpererleben in der Schizophrenie. Hg. von Frank Röhricht und Stefan Priebe. Göttingen: Hogrefe 1998, S.13.

[22] Ebd.

[23] Bräunig, Peter: Coenästhetische Schizophrenien – Prävalenz und Symptomatik. In: Körpererleben in der Schizophrenie. Hg. von Frank Röhricht und Stefan Priebe. Göttingen: Hogrefe 1998, S.55.

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656639091
ISBN (Buch)
9783656639084
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272370
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft der RWTH Aachen
Note
1,3
Schlagworte
Lenz Büchner Georg Büchner Schizophrenie Krankheit Störung Oberlin Rechenschaftsbericht Geisteskrankheit

Autor

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