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Medienkompetenz und ihre Bedeutung im schulischen Bereich. Definition, Problematisierung und Umsetzung

Eine Analyse unter deutschdidaktischer Perspektive

Seminararbeit 2011 24 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff Medienkompetenz und Medienerziehung im Deutschunterricht
2.1 Begriffsklärung
2.1.1 Medien und Medienwelten
2.1.2 Medienkompetenz
2.2 Medienerziehung im Deutschunterricht
2.2.1 Curricula für die Medienarbeit im Fach Deutsch
2.2.2 Realisierung von Medienerziehung
2.3 Der Erwerb von Medienkompetenzen durch Mediennutzung
2.3.1 Medienkompetenzen der Schüler
2.3.2 Herausforderungen an die Lehrkräfte

3 Schlussteil

Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Medien sind in unserer Gesellschaft fest verankert. Begriffe wie Multimedia, Blog oder Chat sind Bezeichnungen, die einen spezifischen Umgang mit ausgewählten Medien meinen. Medienkonsumenten jeden Alters (auch des höheren Alters) zeigen eine zunehmende Bereitschaft, sich für technische Neuerungen des medialen Marktes zu öffnen und durch den Erwerb sogenannter skills mit diesen umzugehen. Gerade im Bereich der schulischen und universitären Ausbildung sollen Fertigkeiten für die Arbeit mit dem PC und dem Internet, aber auch mit entsprechender Software wie Datenverarbeitungsprogrammen (Word, Power Point) je nach Schulform kompakt und anwendungsorientiert vermittelt werden, um auf die spätere Berufswelt vorzubereiten.

Medien beziehen sich allerdings nicht nur auf den Computer oder eine SMS. Vielmehr werden nach heutigem Forschungsstand drei Auffassungen eines Mediums vertreten: Medien können als Geräte Daten speichern und übertragen. Daneben können sie auch Medienangebote darstellen, also Texte (zum Beispiel eine SMS), die mit Geräten erzeugt wurden. Und Medien können drittens Institutionen wie Tageszeitungen oder Verlage bilden, die Medienangebote produzieren. Eine Vermischung dieser drei Formen ist nicht immer auszuschließen.[1]

Damit der Konsument mit Medien umgehen kann, sind Medienkompetenzen notwendig. Die vorliegende Arbeit soll sich mit der Definition und dem Erwerb von Medienkompetenzen beschäftigen. Dabei soll unter deutschdidaktischer Perspektive eine Hervorhebung der Bedeutung des Deutschunterrichts erfolgen, da dieser maßgeblich an der Vermittlung von Medienkompetenzen beteiligt ist. Schließlich ist es die Aufgabe der Schule, die Schüler in ihren Lebenswelten abzuholen, diese Lebenswelten in den Unterricht zu integrieren und mit der Beschäftigung bilddominierter Angebote das sprachliche und kommunikative Vermögen der Lernenden zu schärfen. Somit hat das Fach Deutsch hier eine grundlegende Bedeutung.[2]

Angesichts der zunehmenden Bedeutung einer intensiven Medienerziehung haben sich die Kultusminister der Länder sowohl in der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) als auch in der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) auf Beschlüsse geeinigt, die dazu beitragen sollen, den Kindern und Jugendlichen die für ein Leben in einem „Informationszeitalter“ unerlässliche Medienkompetenz zu vermitteln. Diese Beschlüsse müssen in den Ländern umgesetzt werden.[3]

Unter Einbeziehung bereits veröffentlichter Curricula[4] werden Aspekte der Medienerziehung und des spezifischen Erwerbs von Medienkompetenzen durch Schüler und der damit verbundenen Herausforderungen an die Lehrkräfte in den folgenden Kapiteln dieser Arbeit dargestellt.

2 Der Begriff Medienkompetenz und Medienerziehung im Deutschunterricht

2.1 Begriffsklärung

Gerade durch die „Demokratisierung von Zugangsmöglichkeiten zu großen Wissens- und Informationsbeständen“[5] ist es zur Aufgabe geworden, sich innerhalb der Informationsflut zurechtzufinden und Kompetenzen zu entwickeln, die bei der Orientierung unterstützend dienen. Der alleinige Zugriff auf Informationsbestände der neuen Medien impliziert noch keinen individuellen Lernprozess, es bedarf deshalb (besonders in der Schule!) der Vermittlung von Medienkompetenzen zur Verbesserung der sozialen Organisation von Lernprozessen.[6]

2.1.1. Medien und Medienwelten

Die Welt der Medien (oder die Medienwelten) sind einem stetigen Wandel unterworfen.[7] Dabei haben die neuen Medien unseren Alltag durchzogen.[8] E-Mail-Verkehr mit Behörden, Fernsehunterhaltung per Internet und aufwändig gestaltete Homepages von Unternehmen gehören zur Realität der Gegenwart. Auch Kinder und Jugendliche partizipieren innerhalb dieser von Medien durchdrungenen Welt. Die alljährlich durchgeführte KIM-Studie[9] des „Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest“ (mpfs) ergab, dass sich das Internetverhalten der Schüler im Vergleich zu 2008 deutlich geändert hat: Alle Befragten zwischen sechs und dreizehn Jahren verbringen ungefähr 24 Minuten pro Tag im Internet. 57 Prozent nutzen das Internet und 43 Prozent der Befragten regelmäßig Communities. Die durchschnittliche Nutzungsdauer des Fernsehens liegt nach Angaben der Eltern bei 98 Minuten. Das Fernsehen wird von ungefähr drei Viertel der Sechs- bis 13-jährigen benutzt.[10]

Medien sind verschieden und können unterschiedlich aufgefasst werden. In der Forschung werden sie als Geräte (zum Beispiel eine CD), Medienangebote (zum Beispiel eine E-Mail) und Institutionen (wie Tageszeitungen) klassifiziert.[11] Für das Individuum, das in der Informationsgesellschaft an den sich rasant entwickelnden technischen Entwicklungen und sich stets aktualisierenden Wissensbeständen aller Disziplinen partizipieren möchte, ist es entscheidend, Grundkompetenzen und Methoden zu erlernen, die ihm beim Umgang mit dieser Angebotsvielfalt effizient unterstützen.

2.1.2. Medienkompetenz

Ursprünglich dem Lateinischen entstammend ist Kompetenz über die USA ins Deutsche gelangt und bezeichnet die Fähigkeit der Subjekte, sich im Wettstreit mit anderen durchzusetzen. Medienkompetenz wiederum ist die Fähigkeit und / oder Fertigkeit, die den Medien innewohnenden Möglichkeiten zu beherrschen und im eigenen Handeln zur Manifestation zu bringen. Damit ist Medienkompetenz zum einen an den Gegenstandsbereich Medien und zum anderen an das mediale Handeln der Subjekte im sozialen Raum gebunden.[12]

Medienkompetenz fußt nach Schorb auf drei Säulen: Medienwissen, Medienbewertung und Medienhandeln.[13]

Dieter Baacke stellte vier Dimensionen von Medienkompetenz vor[14]: Medien-Kritik (analytisch, reflexiv, ethisch), Medien-Kunde (informativ, instrumentell-qualifikatorisch), Medien-Nutzung (rezeptiv, interaktiv) und Medien-Gestaltung (innovativ, kreativ).[15] Damit Medienkompetenz nicht nur subjektiv-individualistisch verengt wird, empfiehlt Baacke den Begriff unter den „Diskurs der Informationsgesellschaft“ zu stellen, damit eine überindividuelle und gesellschaftliche Ebene erreicht wird[16], denn schließlich gelte es, dass breite Kreise der Weltbevölkerung einen Zugang zu den Medien erhalten.[17]

Damit auch Kinder und Jugendliche in der Informationsgesellschaft sinnvoll teilhaben können[18], ist der Erwerb von Medienkompetenzen notwendig. Während man zunächst unter dem Begriff „die Fertigkeit im Umgang mit Medien“[19] verstehen kann, wird nach näherer Beschäftigung mit dem Begriff deutlich, dass Medienkompetenzen immer mit sprachlichen Grundtätigkeiten unter veränderten medialen Gegebenheiten sowie Selbst- und Fremdverständigung zu tun hat.[20] Medien prägen unser Handeln und haben im Deutschunterricht Einfluss auf unsere Sprache und Lesart. Verschiedene Curricula formulieren explizit Medienkompetenzen, die durch den (Deutsch)Unterricht erworben werden sollen.

[...]


[1] Vgl. Maiwald, Klaus: Erwerb einer Medienkompetenz, in: Ortwin Beisbart / Dieter Marenbach (Hrsg.): Bausteine der Deutschdidaktik. Ein Studienbuch, Donauwörth 2003, S. 124.

[2] Vgl. Maiwald, Klaus: Wahrnehmung, Sprache Beobachtung. Eine Deutschdidaktik bilddominierter Medienangebote, München 2005, S. 330.

[3] Medienpädagogik / Medienerziehung in der Schule. Beschlüsse der KMK und der BLK. Sammelwerk Medienzeit. Hrsg. v. Bayerischen Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst, München 1995, S. 7.

[4] Hierbei werden Beschlüsse der KMK und der BLK sowie Auszüge aus dem bayerischen gymnasialen Lehrplan vorgestellt.

[5] Mattusch, Uwe: Die Bedeutung der neuen Medien für den Lehr- und Lernprozess, in: Hans Dieter Erlinger (Hrsg.): Neue Medien. Edutainment. Medienkompetenz, München 1997, S. 119.

[6] Vgl. ebd., S. 121.

[7] Vgl. Baacke, D.: Projekte als Formen der Medienarbeit, in: Handbuch Medien. Medienkompetenz, Bonn 1999, S. 88.

[8] Vgl. Tulodziecki, G.: Medienerziehung in Schule und Unterricht, Bad Heilbrunn 1992, S. 67.

[9] Im Anhang findet sich eine Pressemitteilung des mpfs zur KIM-Studie (2010).

[10] Vgl. http://www.mpfs.de/index.php?id=192 (Stand 08.09.2011)

[11] Vgl. Maiwald, K.: Erwerb einer Medienkompetenz, S. 124.

[12] Schorb, Bernd: Zur Bedeutung und Realisierung von Medienkompetenz, in: Ders. (Hrsg.): Mit eLearning zu Medienkompetenz, München 2007, S. 16.

[13] Schorb, B.: Zur Bedeutung und Realisierung von Medienkompetenz, S. 24 f.

[14] Die vier Dimension werden im Folgenden anhand eines Beispiels beziehungsweise im Anhang näher charakterisiert.

[15] Baacke, Dieter: Medienkompetenz. Begrifflichkeit und sozialer Wandel, in: Antje von Rein (Hrsg.): Medienkompetenz als Schlüsselbegriff, Bad Heilbrunn 1996, S. 120.

[16] Vgl. ebd., S. 120.

[17] Vgl. Maiwald, K.: Erwerb einer Medienkompetenz, S. 125.

[18] Vgl. ebd., S. 125.

[19] Schorb, B.: Zur Bedeutung und Realisierung von Medienkompetenz, S. 15.

[20] Vgl. Maiwald, K.: Erwerb einer Medienkompetenz, S. 127.

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656645511
ISBN (Buch)
9783656645528
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272389
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Lehrstuhl für Didaktik der Deutschen Sprache und Literatur
Note
1,3
Schlagworte
medienkompetenz bedeutung bereich definition problematisierung umsetzung eine analyse perspektive

Autor

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Titel: Medienkompetenz und ihre Bedeutung im schulischen Bereich. Definition, Problematisierung und Umsetzung