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Der Einfluss eines Migrationshintergrunds auf das Risiko der Pflegebedürftigkeit

Bachelorarbeit 2014 60 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Theoretische Herleitung
2. 1 Lebenslagenansatz
2.1.1 Lebenslage bei Weisser
2.1.2 Multidimensionalität
2.1.3 Mehrebenenansatz
2.1.4 Lebenslage als Explanandum und Explanans
2.1.5 Pflegebedürftigkeit und Migrationshintergrund im Lebenslagenansatz
2.2 Salutogenese
2.2.1 Salutogenese im Unterschied zur Pathogenese
2.2.2 Heterostase und die Fluss-Metapher
2.2.3 Das HEDE-Kontinuum
2.2.4 Stressorenund Generalisierte Widerstandsressourcen
2.2.5 Das Kohärenzgefühl
2.2.5.1 Die drei Komponenten des Kohärenzgefühls
2.2.5.2 Bildung des Kohärenzgefühls durch Lebenserfahrungen
2.2.6 Das Kohärenzgefühl und die Bewertung von Reizen
2.2.7 Pflegebedürftigkeit und Migrationshintergrund im Modell der Salutogenese
2.3 Zwischenfazit und Zusammenfassung

3 Forschungsstand
3.1 Lebenssituation von Älteren mit Migrationshintergrund
3.1.1 Materielle Situation
3.1.2 (Frühere) Erwerbstätigkeit
3.1.3 Lebenszufriedenheit
3.1.4 Wohnen und Leben
3.1.5 Kultur und soziale Kontakte
3.1.6 Private und informelle Unterstützungsressourcen
3.2 Gesundheitssituation von Migranten
3.2.1 Physische Gesundheit
3.2.2 Psychische Gesundheit
3.3 Auswertung aktueller Forschungsergebnisse
3.3.1 Datenlage
3.3.2 'Tatsächlich Pflegebedürftige' versus 'Anerkannt Pflegebedürftige'
3.3.3 Zahl Pflegebedürftiger mit Migrationshintergrund steigt
3.3.4 Höhere Pflegebedürftigkeit als Folge höherer Gesundheitsrisiken und -belastungen
3.3.5 Pflegebedürftige Migranten nehmen seltener professionelle Hilfen in Anspruch
3.4 Zwischenfazit

4 Schlussfolgerungen und Handlungsansätze für die Soziale Arbeit
4.1 Soziale Arbeit und klassische Krankheitsprävention
4.1.1 Prävention
4.1.2 Rehabilitation
4.2 Soziale Arbeit und Gesundheitsförderung
4.2.1 Bildung als Voraussetzung für die Beseitigung sozialer Ungleichheiten
4.2.2 Interkulturelle Öffnung der Regeldienste
4.2.3 Vernetzung und Kooperation mit Migrantenorganisationen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einführung

„Armut macht krank“ und „Krankheit macht arm“ - Der Einfluss von sozialer Ungleichheit auf die Gesundheit ist immer wieder belegt und nachgewiesen worden. Durch verschie­denste Studien und Institute wurde bestätigt, dass Angehörige einer niedrigen sozialen Gruppe kränker sind und früher sterben als Personen mit höherem sozialen Status.

Der Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit wird als gesundheit­liche Ungleichheit bezeichnet. In der Ursachenforschung haben sich zwei Gruppen von In­dikatoren der sozialen Ungleichheit etabliert. Klassisch wurde die Bevölkerung nach Ein­kommen, Bildung und Beruf - bezeichnet als vertikale Ungleichheit - unterschieden. Als Konsequenz auf die Diskussionen, dass diese Unterteilung der Gesellschaft in Klassen und ein „Oben“ und „Unten“ an Bedeutung verliere und die Unterscheidung zudem nicht mehr klar wäre, entwickelten Mielck und Helmert (2012, S.494f) die Indikatoren der horizonta­len Ungleichheit. Diese ermöglichen eine Beschreibung der sozialen Ungleichheit mit einer Vielzahl von weiteren Merkmalen, wie Alter, Geschlecht, Nationalität oder Familien­stand.

Um die von Benachteiligung besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen möglichst genau beschreiben zu können, ist aus Sicht von Mielck und Helmert (ebd.) die Kombination der vertikalen und horizontalen Ungleichheiten notwendig. Und nur eine möglichst differen­zierte Darstellung unter Berücksichtigung aller Indikatoren erlaubt dann die Planung von zielgruppenspezifischen Angeboten. Auch zum Aufbau von individuellen Versorgungs­strukturen und zur Entwicklung konkreter Interventionsmaßnahmen zur Verringerung der sozialen Unterschiede und deren Einfluss auf die Gesundheit müssen detaillierte Informa­tionen über die Besonderheiten der Zielgruppe vorliegen. Gerade für die Soziale Arbeit1 ist die Betrachtung aller Indikatoren über Beruf, Bildung und Einkommen hinausgehend wichtig, um passgenaue Konzepte und Handlungsansätze für die jeweiligen Adressaten2 entwickeln zu können.

Davon ausgehend, dass Gesundheit und Migration in einem besonderen Verhältnis zuein­ander stehen und Migranten überdurchschnittlich oft von sozialer Ungleichheit betroffen sind, ergibt sich für die Soziale Arbeit ein breites Handlungsfeld. Personen mit Migrations­hintergrund rücken dabei als Zielgruppe sozialpädagogischer Interventionsmaßnahmen[1] [2] immer mehr in den Vordergrund, wenn es um den Abbau sozialer Ungleichheiten im Be­zug auf die Gesundheit geht. Ziel muss sein, allen Bevölkerungsgruppen einen hindernis­freien Zugang zum Versorgungssystem zu gewährleisten. Und nach Geiger und Razum (2012, S.623) gehört es zur Professionalität aller im Gesundheitssystem Tätigen, den spezi­fischen Bedarf von Migrantengruppen zu kennen und entsprechende Versorgungslücken zu füllen. Ebenso müssen Zugangsbarrieren in Form von Sprachbarrieren, Informationsdefizi­ten etc. abgebaut werden. Die Gesundheitsdienste sind bisher wenig bis gar nicht auf die besonderen Anforderungen und Gesundheitsprobleme von Migranten eingestellt. Gleich­zeitig aber steigt der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund und vor allem die Gruppe der Älteren wird bei gegebener demografischer Entwicklung immer weiter wach­sen. Es werden „verstärkt auch ältere Migranten von Erkrankungen und Pflegebedürftig­keit betroffen sein [..] [weshalb] Sozial-, Gesundheits- und Altenhilfeplanung [..] ältere Migranten als Nutzer der Sozialsysteme zunehmend berücksichtigen“ (Schimany et al., 2012, S.208; Erg. d. Verf.) sollten.

Die Gruppe der Migranten bildet dabei keine homogene sondern eine heterogene Gruppe, die sich auf zwei Ebenen weiter differenzieren lässt: Dem Herkunftsland und dem Migra­tionsstatus, der wiederum drei Gruppen unterscheidet: Ausländer, Eingebürgerte und Aus­siedler[3]. Und obwohl sich die Bedarfe und Erwartungen hinsichtlich der gesundheitlichen Versorgung abhängig von Herkunftsland und Status weiter unterscheiden, kann diese Dif­ferenzierung im Rahmen dieser Arbeit nicht gemacht werden. Aber auch hinsichtlich Bil­dung, Einkommen oder kulturellem Wertesystem gibt es in der Gruppe der Migranten große Unterschiede, die eventuell sogar größer sind als teilweise im Vergleich zu einhei­mischen Deutschen. Trotzdem kann in den folgenden Kapiteln lediglich nach Personen mit Migrationshintergrund und Personen ohne Migrationshintergrund unterschieden werden.

„Zu den Menschen mit Migrationshintergrund[4] zählen alle nach 1949 auf das heuti ge Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutsch land geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zu mindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Eltern teil“ (Statistisches Bundesamt, 2012, S.6).

Diese Definition, die fur die vorliegende Arbeit übernommen wird, geht auf die Annahme zurück, dass Eingebürgerte und (Spät-)Aussiedler häufig mit ähnlichen migrationsbeding­ten Problemen konfrontiert sind wie Ausländer. Eine Unterscheidung rein nach Staatsange­hörigkeit, die dann im Grunde nur Aussagen über Ausländer zulässt, würde demnach der Problematik nicht gerecht.

In der vorliegenden Arbeit wird der Frage nachgegangen, inwieweit ein Migrationshinter­grund einen Einfluss auf das Risiko der Pflegebedürftigkeit hat. Es geht demnach um die Frage, ob möglicherweise spezielle gesundheitliche Bedingungen auch besondere Risiken für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund mit sich bringen.

Das Risiko der Pflegebedürftigkeit steigt zwar mit höherem Alter, muss aber nicht zwin­gend mit diesem einhergehen. Dennoch ist die steigende Beeinträchtigung „der Gesundheit und eine entsprechende Zunahme an Hilfebedürftigkeit bis hin zur Pflegebedürftigkeit“ (Engels, 2008b, S.64) als eine relativ normale Begleiterscheinung des Alters anzusehen. So zeigen die Daten der Pflegestatistik 2011, dass von den rund 2,5 Millionen Pflegebedürf­tigen[5] zum Ende 2011 nur rund 13 % unter 60 Jahre alt waren. Da entsprechend nur etwa 0,6 % der Bevölkerung unter 60 Jahren pflegebedürftig ist, soll der Fokus in der vorliegen­den Arbeit auf der älteren Bevölkerung ab etwa 60 bis 65 Jahren liegen (vgl. Statistisches Bundesamt, 2013, S.9, eigene Berechnungen). Dieses Alterskriterium ist zumeist geprägt vom Ausstieg aus dem Erwerbsleben und dem Eintritt ins Rentenalter (vgl. Engels, 2008b, S.55). Zu den allgemeinen Problemlagen des Älterwerdens kommen bei Menschen mit Mi­grationshintergrund auch noch migrationsspezifische Aspekte hinzu, auf die im weiteren Verlauf noch genauer eingegangen wird.

Pflege wird im Rahmen dieser Arbeit nicht als Profession, sondern als Handlungsfeld ver­standen, in welchem das Mitwirken verschiedener Professionen (u.a. Pflegefachkräfte, So­zialpädagogen oder Mediziner) erforderlich ist. Dem Verständnis von Pflege als Feld liegt die Annahme zu Grunde, dass „ein systematisches, auf individuellem Bedarf und persön­lichen Versorgungspräferenzen basierendes Handeln“ (Schmidt, 2008, S.123) das Zusam­menwirken mehrerer Disziplinen erfordert. Pflegebedürftigkeit ist somit in einem weiteren Sinne zu verstehen und erfordert nicht nur die Grund- und Behandlungspflege, sondern ebenso Betreuung und Beratung. Ebenso müssen notwendige Hilfen zur hauswirtschaft­lichen und persönlichen Lebensführung sowie zur Gestaltung des Alltags nach individuel­len Vorstellungen, bereitgestellt werden (vgl. ebd., S. 123f).

Schätzungen zufolge haben derzeit etwa 8 % aller Pflegebedürftigen einen Migrationshin­tergrund und sind im Durchschnitt rund zehn Jahre jünger als Pflegebedürftige ohne Mi - grationshintergrund (vgl. Schmidt und Schneekloth, 2011, S.60). Doch es zeichnet sich be­reits jetzt die Zunahme der Gruppe von älteren Migranten ab, denn die erste Generation der ehemaligen Arbeitsmigranten erreicht vermehrt das Renteneintrittsalter. Und, obwohl sie ursprünglich nur vorübergehend nach Deutschland kamen, bleiben Migranten zunehmend nach dem Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit in Deutschland.

Die Relevanz der Frage nach dem Zusammenhang von Pflegebedürftigkeit und Migra­tionshintergrund ergibt sich auch daraus, dass Migranten häufig bereits früher altern bzw. Alterungsprozesse und Erkrankungen bereits fünfbis zehn Jahre früher eintreten als bei der deutschen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (vgl. Schimany et al., 2012, S.209). Daher stellt sich die Frage, inwieweit ältere Migranten speziellen gesundheitlichen Bedin­gungen ausgesetzt sind oder im Verlauf ihres Lebens ausgesetzt waren, die zu erhöhten Ri - siken, wie dem der Pflegebedürftigkeit, führen.

Die vorliegende Arbeit nähert sich der Antwort auf diese Frage zunächst durch die theore­tische Herleitung. Anhand des Lebenslagenansatzes nach Gerhard Weisser wird unter­sucht, ob ein Migrationshintergrund als Einflussfaktor auf das Risiko der Pflegebedürftig­keit aus soziologischer Sicht hergeleitet werden kann (Kapitel 2.1). Nachdem bereits be­tont wurde, dass Pflege im Rahmen dieser Arbeit als interdisziplinäres Feld verstanden wird, scheint die Betrachtung des möglichen Zusammenhangs aus (gesundheits-) medizi­nischer Sicht ebenso sinnvoll. Im zweiten Teil des ersten Kapitels wird deshalb mit Hilfe des Gesundheitskonzepts der Salutogenese von Aaron Antonovsky ebenfalls geprüft, ob sich der Einfluss des Migrationshintergrunds auf das Risiko der Pflegebedürftigkeit nach­weisen lässt.

Beiden Konzepten gemeinsam ist der Gedanke der Multidimensionalität, der es ermöglicht, das Zusammenwirken verschiedener Dimensionen auf soziale Strukturen und Probleme zu erfassen und damit eine umfassende Beschreibung von sozialer Ungleichheit zulässt. Der Lebenslagenansatz ist dabei allgemein auf die Erfassung von Zusammenhängen sozialer Probleme ausgerichtet und bezieht vor allem die sozialstaatlichen Interventionen zur Über­windung von schwierigen Lebenssituationen mit ein. Das Modell der Salutogenese ist demgegenüber speziell für die Thematik gesundheitlicher Unterschiede und deren Be­kämpfung entwickelt und orientiert sich noch weitaus mehr am Individuum und seinen Möglichkeiten.

In der vorliegenden Arbeit werden beide Ansätze betrachtet und verwendet, um im ersten Kapitel der Frage nachzugehen, ob sich für ältere Menschen mit Migrationshintergrund eine besondere Lebenssituation nachweisen lässt. Hierfür werden mit Hilfe aktueller For­schungsarbeiten und Studien ausgewählte Dimensionen untersucht (Kapitel 3.1 und 3.2). Abschließend werden zentrale Forschungsergebnisse zur Problematik zusammenfassend dargestellt (Kapitel 3.3). Es kann dann in einem Zwischenfazit eine Antwort auf die Frage nach dem Zusammenhang von Pflegebedürftigkeit und Migrationshintergrund gegeben werden (Kapitel 3.4).

Im letzten Kapitel wird nochmals auf die Beziehung zwischen sozialer und gesundheit­licher Ungleichheit eingegangen und es werden allgemeine Handlungsansätze für die So­ziale Arbeit aufgezeigt, darauf einzuwirken. Im Sinne der Krankheitsprävention (Kapitel 4.1) zum einen und der Gesundheitsförderung (Kapitel 4.2) zum anderen ergeben sich für die professionell Handelnden verschiedene Ansatzpunkte, um einer Benachteiligung und Schlechterstellung von Migranten bereits vor Überschreitung des Alterskriteriums entge­genzuwirken. Angesprochene Maßnahmen und Interventionsmöglichkeiten im letzten Ka­pitel sind daher nicht mehr an das zuvor verwendete Alterskriterium gebunden, sondern altersübergreifend.

Das Fazit der Autorin schließt die Arbeit ab.

2 Theoretische Herleitung

In diesem ersten Kapitel wird zunächst theoriegeleitet erarbeitet, ob ein Migrationshinter­grund als möglicher Einflussfaktor auf das Risiko der Pflegebedürftigkeit identifiziert wer­den kann.

Zur Identifikation wurde das soziologische Modell der Lebenslage nach G. Weisser und das medizinische Gesundheitsmodell Salutogenese nach A. Antonovsky gewählt. Es findet eine bewusste Abkehr von traditionellen, biomedizinischen Modellen statt, da Pflege, wie einführend erläutert, als interdisziplinäres Handlungsfeld und nicht als Reaktion auf Krankheit betrachtet werden soll. Nur durch die Verlagerung des Schwerpunkts auf Aspek­te der Gesundheit und ihrer Förderung ergeben sich Möglichkeiten zur Mitwirkung der So­zialen Arbeit. Es sollten zudem Theorien gewählt werden, die entgegen den klassischen biomedizinischen Modellen sowohl einen Blick auf die betroffene Person als auch auf die sie umgebenen Rahmenbedingungen, zulassen (vgl. Franke, 2012, S. 133).

Der Veränderung der Blickrichtung und dem Begreifen von Gesundheit als Ausgangszu­stand liegt auch die Annahme zu Grunde, dass die Soziale Arbeit Ansatzpunkte und Ein­flussmöglichkeiten auf den Erhalt und die Förderung von Gesundheit hat, wenn Gesund­heitsförderung um psychosoziale, entwicklungs- und bildungsbezogene Aspekte erweitert wird (vgl. Homfeldt und Sting, 2006, S.79). Gesundheit ist eng mit sozialen Problemen verbunden, die sozialpolitische und sozialpädagogische Interventionen erfordern und damit das Mitwirken der Sozialen Arbeit traditionell nötig machen (vgl. ebd., S.9).

Auch in der Pflege wird bereits eben dieser Perspektivenwechsel angestrebt: Weg von der Orientierung an Krankheiten, „indem sich die Pflege nicht mehr ausschließlich an kranken Menschen orientiert, sondern Menschen mit einbezieht, deren Gesundheit wiederherzustel­len zu erhalten oder zu fördern ist“ (Leufgen, 2012, S. 15).

Zurückzuführen sind diese Entwicklungen auf die bereits 1946 in der Konstitution der Weltgesundheitsorganisation (1946, S.1) veröffentlichte Definition von Gesundheit:

„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“.

Gesundheit sollte damit aus der engen Sicht mit dem Blick auf Krankheit gelöst und auch historisch, kulturell, gesellschaftlich und sozial eingebettet betrachtet werden. Im Bezug auf Gesundheitsförderung und Prävention ergeben sich viele Ansatzpunkte für die Soziale Arbeit[6]. Sie wird zunehmend bedeutsamer als Profession, die als kompetenteste gilt, um lebensweltorientierte Prozesse der Menschen zu unterstützen und ihnen mit Bezug auf Lebenslagen und Lebenswelten im Alltag zu helfen (vgl. Homfeldt, 2010, S.494f). Sie rückt immer mehr in den Vordergrund, wenn es darum geht, eine „klientenorientierte und gemeindenahe Betreuung und Versorgung behinderter, kranker, alter, in psychischer und somatischer Not befindlicher Menschen, die Beratung, Pflege, Hilfe [und] Betreuung brau­chen“ (ebd., S.500; Erg. d. Verf.) zu realisieren.

Die Nutzung des soziologischen Modells der Lebenslage einerseits und andererseits des medizinischen Modells der Salutogenese ist daher sinnvoll und bietet die Möglichkeit, die Frage, ob ein Migrationshintergrund als Einflussfaktor identifizierbar ist, umfassend und aus mehreren Perspektiven zu untersuchen.

Es werden nun zunächst jeweils die Grundgedanken beider Konzepte vorgestellt und im Anschluss die Frage nach dem Einfluss aus derjeweiligen Perspektive beantwortet. In der zusammenfassenden Darstellung im letzten Teil dieses Kapitels wird auf mögliche Über­schneidungen und Parallelen der soziologischen und medizinischen Denkweise eingegan­gen.

2.1 Lebenslagenansatz

Das Lebenslagenkonzept ist ein multidimensionaler Mehrebenenansatz, der in den 1930er Jahren von dem Gesellschaftswissenschaftler und Politiker Otto Neurath entworfen und in der Nachkriegszeit, in den 1950er bis 1970er Jahren vor allem durch den Sozialwissen­schaftler Gerhard Weisser erweitert wurde. Sein Verständnis von Lebenslage war und ist in den Sozialwissenschaften bis heute prägend und wurde in der Sozialen Arbeit zu einem der wichtigsten handlungsleitenden Konzepte. Er erweiterte den Ansatz um die eingreifende Sozialpolitik, die er als „Maßnahmen, Ordnungen und soziale Gebilde, die bestimmten Mengen von Menschen in absolut und relativ besonders ungünstiger Lebenslage oder mit besonders ungünstiger Lebenserwartung gewidmet“ (Weisser, 1972, S.770) werden, defi­nierte. Im Unterschied zum ursprünglichen Gedanken von Neurath konzentrierte sich Weisser mit seiner Theorie auf die sozial schwächeren Bevölkerungsgruppen. Er verlagerte den Schwerpunkt auf das Individuum und seine Handlungsmöglichkeiten zur Realisierung der eigenen Lebenschancen.

2.1.1 Lebenslage bei Weisser

G. Weisser versteht unter Lebenslage den „Spielraum, den die äußeren Umstände dem Menschen für die Erfüllung der Grundanliegen bieten, die ihn bei der Gestaltung seines Lebens leiten“ (Weisser, 1972, S.770) und der ihm nachhaltig für die Befriedigung der In­teressen zur Verfügung steht (vgl. Voges, 2011, S.23).

Im Mittelpunkt des Lebenslagenansatzes steht demnach neben den einer Person zur Verfü­gung stehenden materiellen und immateriellen Ressourcen auch der mögliche Handlungs­spielraum, der sich daraus für die Person ergibt. Beeinflusst wird der Spielraum zudem durch die individuellen Fähigkeiten und die von der Gesellschaft gegebenen Möglichkeiten (vgl. ebd., S.21ff). Im Unterschied zu anderen Ansätzen oder Konzepten geht es also nicht nur um die Frage nach der Existenz, sondern immer auch um die individuelle Verwendbar­keit und Nutzung von vorhandenen Ressourcen.

Weisser formulierte Kataloge zu Eigenschaften, die bei der Typisierung von Lebenslagen beachtet werden sollten und heute als Dimensionen bezeichnet werden. Neben der konkre­ten Ausstattung mit Gütern, beinhaltet seine Definition nach Mardorf „auch subjektive Ele­mente wie Wohlbefinden und Selbstbewusstsein oder Zufriedenheit sowie die Bedingun­gen des Alltagshandelns aufgrund familialer oder infrastruktureller Handlungsspielräume, beispielsweiseAufstiegsmöglichkeiten“ (Mardorf, 2006, S.94).

2.1.2 Multidimensionalität

Die Typisierung einer Lebenslage soll nie nur durch eine Eigenschaft geschehen. Bereits Neurath wies in seinen Überlegungen auf die Multidimensionalität der Lebenslagen hin und verdeutlichte, dass bei diesem Konzeptje nach gesellschaftlich-historischer Situation verschiedene Dimensionen, darunter ökonomische und nicht-ökonomische, zur Beschrei­bung berücksichtigt werden müssen (vgl. Voges et al., 2003, S.39). Die Mehrdimensionali- tät ist damit Hauptbestandteil des Lebenslagenansatzes und richtet sich „gegen einlinige, monokausale Erklärungen“ (Engels, 2008a, S.643). Er soll dazu genutzt werden, die Wech­selwirkung und das Zusammenspiel verschiedener Dimensionen, wie z. B. Erwerbstätig­keit, Bildung, Familie oder Wohnen zu beschreiben.[7]

2.1.3 Mehrebenenansatz

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Lebenslagenansatzes ist sowohl bei Neurath als auch bei Weisser der Gedanke des Mehrebenenansatzes. Gemeint ist hiermit, dass zur Er­klärung von Lebenslagen auch die unterschiedlichen, strukturellen Ebenen der Gesell­schaft, in die das Individuum eingebunden ist, herangezogen werden müssen. Es geht also bei der Analyse der Lebenslage ebenfalls darum, „ein differenzierteres Verständnis von den sozialstrukturellen Bedingungen zu gewinnen, unter denen individuelle Akteure leben“ (Voges et al., 2003, S.44) und die ihre spezifische Lebenslage beeinflussen. Eingeschlos­sen sind damit sowohl die individuum-übergreifende Ausstattung und zur Verfügung ste­hende Technologie der Gesellschaft als auch die individuelle soziale Positionen und die institutionelle Struktur der Gesellschaft (vgl. ebd., S.45).

2.1.4 Lebenslage als Explanandum und Explanans

In Studien kann eine Lebenslage als Sachverhalt untersucht werden, den es zu erklären gilt (Explanandum) oder der erklärend ist (Explanans). Es handelt sich um einen Sachverhalt, der alle Elemente und Bedingungen menschlicher Existenz umfasst, die durch politische Maßnahmen beeinflussbar sind. Die Vermeidung und Bekämpfung einer Unterversorgung in einer spezifischen Lebenslage wird somit zu einer zentralen Aufgabe des Sozialstaats, bzw. der Sozialpolitik (vgl. Voges, 2011, S.24; Weisser, 1972, S.770).

Als erklärender Sachverhalt ist sie „Ursache für [die] unterschiedliche Wahrnehmung von Chancen der Ausgestaltung des individuellen Handlungsspielraums“ (Voges, 2011, S.24; Erg. d. Verf.). Eine durch Unterversorgung gekennzeichnete Lebenslage ist dann Aus­gangspunkt und Bedingung für eine differierende Unterstützung durch soziale Netzwerke. Ist die Lebenslage beispielsweise durch Armut gekennzeichnet, können Betroffene daran angepasste Bewältigungsstrategien entwickeln, die dann wiederum z. B. schlechte Er­werbs- oder Bildungschancen bedingen.

Wird die Lebenslage hingegen als zu erklärender Sachverhalt gedacht, ist sie das Ergebnis, bzw. die „Folge ungleicher Verteilung von Gütern, Fähigkeiten und Chancen“ (ebd.). Unterschiede in der Sozialstruktur und daraus resultierende Risiken können dann zu einer Lebenslage führen, die durch Unterversorgung (oder Wohlstand) geprägt ist. Armut wäre in diesem Fall das Resultat aus vorangegangen Bedingungen und müsste als Konsequenz und nicht als Ursache betrachtet werden.

2.1.5 Pflegebedürftigkeit und Migrationshintergrund im Lebenslagenansatz

Doch inwieweit lässt sich mit Hilfe des Lebenslagenansatzes ein Zusammenhang zwischen Pflegebedürftigkeit und Migrationshintergrund herleiten? Um dieser Frage nachzugehen, wird die Lebenslage als Explanandum, d.h. zu erklärender Sachverhalt, betrachtet. Zur bes­seren Darstellung wird das von Voges entwickelte Schaubild (Abbildung 1) zur Lebensla­ge als zu erklärenden Sachverhalt verwendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Lebenslage als zu erklärender Sachverhalt (Explanandum) (Quelle: Voges, 2011, S.25)

Pflegebedürftigkeit muss als ein soziales Risiko, das längst kein Einzelschicksal mehr ist, sondern genauso wie Arbeitslosigkeit alle Gesellschaftsmitglieder treffen kann, in die Ab­bildung hineingedacht werden. Ist eine Person vom Risiko der Pflegebedürftigkeit betrof­fen, kann das zu einer von Unterversorgung geprägten Lebenslage führen. Diese wäre dann gekennzeichnet von der Hilfsbedürftigkeit der Person im Bezug auf die Erledigung alltäg­licher Aufgaben oder auch Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie (die Lebenslage) ist dann der Endzustand und Folge des Zusammenwirkens verschiedener Einflussfaktoren. Art und Umfang des Risiko werden ausgehend von Voges Schaubild zum einen von der So­zialstruktur bzw. der Sozialen Lagerung, in der sich die Person befindet, und zum anderen von der Unterstützung durch den Sozialstaat und die sozialen Netzwerke bestimmt. Hinzu kommen die individuellen Ressourcen und entwickelten Bewältigungsstrategien. Es ist das Zusammenwirken der Faktoren auf den genannten drei Ebenen, die dann das Zustande­kommen eines sozialen Risikos begünstigen und je nach Ausprägung entsteht daraus eine Lebenslage in prekärem Wohlstand oder deutlicher Unterversorgung.

Das (Nicht-)Vorhandensein eines Migrationshintergrundes ist als ein mögliches Merkmal der Sozialstruktur einzuordnen. Weitere Merkmale könnten das Einkommen, die Religion, der Wohnort oder die Bildung sein. Diese individuelle soziale Struktur ist nach dem Mo­dell von Voges Ausgangspunkt für sozialstaatliche Interventionen und Unterstützungen. Zudem ergeben sich in Abhängigkeit zur Sozialstruktur individuelle Unterstützungsres­sourcen durch familiäre und soziale Netzwerke. Der Zusammenhalt von Familien mit Mi­grationshintergrund ist z. B. weitaus höher als der von Familien ohne. Und auch für die Entwicklung von individuellen Ressourcen ist die Sozialstruktur entscheidend. Denn kultu­relle Einflüsse sind maßgeblich für die Ausprägung von Strategien zur Bewältigung von Problemen und Schwierigkeiten.

Das Risiko der Pflegebedürftigkeit von Personen mit Migrationshintergrund steht also demnach durchaus auch im Zusammenhang mit der Existenz des Migrationshintergrundes. Auf allen erarbeiteten Ebenen ergeben sich Faktoren, die dann anders als bei Personen ohne Migrationshintergrund auf das Risiko einwirken. Und so kann sich dann eine Lebens­lage mit hohem oder niedrigem Pflegebedarf, in der Abbildung als Lebenslage prekären Wohlstands oder Unterversorgung dargestellt, entwickeln.

Aus soziologischer Sicht ist also die These zu unterstützen, dass das Merkmal Migrations­hintergrund einen Einfluss auf das Risiko der Pflegebedürftigkeit haben kann.

2.2 Salutogenese

Nachdem im vorherigen Kapitel mit Hilfe des Lebenslagenansatzes ein Migrationshinter­grund als möglicher Einflussfaktor auf das Risiko der Pflegebedürftigkeit bestätigt werden konnte, wird nun geprüft, ob auch das Gesundheitsmodell der Salutogenese einen ver­gleichbaren Schluss zulässt. Auch hierfür wird zunächst das Modell als solches erklärend dargestellt, bevor die Beantwortung der Ausgangsthese stattfindet.

Das Konzept der Salutogenese geht auf den 1923 geborenen, amerikanisch-israelischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky zurück. Er führte den Begriff der Salutogenese als Gegenbegriff zu Pathogenese ein. Die Wurzeln beider Begriffe sind im griechischen und lateinischen Sprachschatz zu finden wonach 'genese' Entwicklung oder Entstehung, 'pathos' Krankheit und 'salus' Gesundheit bedeutet. Pathogenese bezieht sich auf die Entstehung von Krankheit, wohingegen als Salutogenese die Entstehung und Entwicklung von Ge­sundheit bezeichnet wird.

Etwa ab den 1970er Jahren wandten sich Forscher den salutogenetischen Gesundheitsmo­dellen zu und es begann ein Umdenken. Während die Konzentration zuvor immer auf den Ursachen der Krankheit lag, konzentrierten sich Antonovsky und seine Anhänger auf die Frage, wie es manchen Menschen gelingen kann, unter bestimmten Bedingungen gesund zu bleiben, unter denen andere erkranken (vgl. Franke, 2006, S.157; Lorenz, 2004, S. 13).

2.2.1 Salutogenese im Unterschied zur Pathogenese

In der Pathogenese wird Krankheit als ein abgrenzbares, isoliertes, einfach eintreffendes Ereignis oder auch als ein Ausfall im System betrachtet. Krankheit wird in der pathogeneti­schen Denkweise als reine Abwesenheit von Gesundheit definiert und die Konzentration in der Forschung liegt bei der Erkrankung selbst und der Identifikation des Erregers. In die­sem Sinne müssen krank machende Faktoren einfach entfernt und Schmerz beseitigt wer­den, damit ein Mensch wieder als gesund gilt.

In den salutogenetisch ausgerichteten Gesundheitsmodellen hingegen wird davon ausge­gangen, dass Krankheit ein Prozess ist, der zum Leben und zur Geschichte des Menschen gehört. Krankheit ist demnach nur eine von mehreren ,,Verarbeitungsmöglichkeit[en] im Umgang mit den Herausforderungen des Lebens“ (Lorenz, 2004, S.31; Erg. d. Verf.). Die Salutogenese würdigt und bedenkt das Gesunde im Menschen, indem sich die Forschung auf Faktoren und Prozesse konzentriert, die die Gesundheit erhalten und fördern.

Aus Sicht salutogenetisch ausgerichteter Forscher reicht es nicht aus, den Krankheitser­reger zu identifizieren und zu beseitigen. Ihnen zufolge muss versucht werden den Prozess des Krankwerdens zu verstehen, indem man sich ein umfangreiches und breites Wissen über den Menschen, seine innere und äußere Situation, seine Stärken und Möglichkeiten und damit auch seine gesunden Anteile verschafft (vgl. Franke, 2006, S.157ff; Lorenz, 2004, S.14ff).

Nach Lorenz (2004, S.24ff) sehen die Vertreter der traditionellen, krankheitsorientierten Sicht ihre Aufgabe darin, Gesundheit wiederherzustellen, indem sie gegen Krankheit und Tod kämpfen, wohingegen Vertreter der salutogenetischen Denkweise ihre Aufgabe darin sehen, alle Möglichkeiten zu nutzen, die den Mensch gesund halten und ihn damit vor Krankheiten schützen könnten. Ziel dabei ist es, den Menschen und seine Geschichte zu er­gründen und dadurch verstehen zu können, welche Bedingungen zum Eintritt eines Ereig­nisses, wie z. B. Krankheit oder Pflegebedürftigkeit, geführt haben. Erst dadurch kann ein Verständnis dafür entwickelt werden, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit die gesunden Anteile des Menschen gefördert werden können.

2.2.2 Heterostase und die Fluss-Metapher

Der Hauptunterschied zwischen der pathogenetischen und der salutogenetischen Orientie­rung ist nach Antonovsky die Annahme der Heterostase und das Verständnis, dass Krank­heiten ganz normale Erscheinungen des Lebens sind und zu dessen Normalität gehören. Antonovsky rät, sich von einer dichotomen Klassifizierung der Menschen nach gesund und krank abzuwenden und sie „statt dessen auf einem multidimensionalen Gesundheits- Krankheits-Kontinuumzu lokalisieren“ (Antonovsky, 1997, S.29).

Als Heterostase bezeichnet Antonovsky das bestehende Ungleichgewicht zwischen Ge­sundheit und Krankheit, in dem sich ein Mensch sein Leben lang bewegt. Im Gegensatz zur pathogenetischen Sicht geht er eben nicht davon aus, dass sich der Mensch in einem dauerhaften Zustand der Homöostase, also einem ständigen körperlichen und psychi schen Gleichgewicht befindet. Nach Antonovsky kommt es nicht nur durch eine Kombination ungünstiger Ereignisse zu Krankheiten, sondern der Mensch befindet sich dauerhaft in einem Zustand aus krank und gesund. Es gibt demnach kein 'nur krank' oder 'nur gesund' (vgl. Franke, 2006, S. 158f).

Als Sinnbild für den Begriff der Heterostase entwickelte Antonovsky das Bild eines Flus­ses. Den Gedanken, „daß Heterostase, Ungleichgewicht und Leid inhärente Bestandteile menschlicher Existenz sind, ebenso wie der Tod“ (Antonovsky, 1993, S.6), drückte er in der Metapher aus, dass „wir uns alle im gefährlichen Fluß des Lebens befinden und nie­mals sicher am Ufer stehen“ (ebd., S.7). Er geht davon aus, dass sich der Mensch ein Leben lang in diesem Fluss und zu keiner Zeit am sicheren Ufer befindet. Der Fluss fließt dabei nicht immer ruhig und nur geradeaus, sondern hat Biegungen, fließt mal schneller, mal langsamer und birgt Stromschnellen, Turbulenzen und gefährliche Strudel. Der Mensch, der in ihm schwimmt, ist stets darum bemüht, den Kopf über Wasser zu halten und den Fluss einigermaßen unbeschadet zu durchqueren. Im Sinne dieser Metapher ist nur derjenige gesund, der sich im Fluss angemessen zu verhalten weiß.

Bildlich gesprochen lautet die Frage in der Salutogenese, wie es manchen Menschen gelin­gen kann, unter den im Fluss gegebenen Bedingungen zu guten Schwimmern zu werden (vgl. Lorenz, 2004, S.14f). Und wie es kommt, „dass einige ohne größere Anstrengungen und Blessuren durch den Fluss kommen, andere hingegen immer wieder um ihr Überleben kämpfen“ (Franke, 2006, S.159) müssen.

[...]


[1] Mit Soziale Arbeit ist in dieser Arbeit sowohl die Profession (das Praxissystem mit den darin beruflich Täti­gen) als auch die Disziplin (das Feld derWissenschaft) gemeint. Ausführlicher dazu z.B. Thole, 2012, S.19ff.

[2] Der besseren Lesbarkeit halber wurde im folgenden Text nur die männliche Form verwendet, die weibliche gilt entsprechend.

[3] Insbesondere bei der Auswertung und Betrachtung von Daten, Studien und Forschungsarbeiten ist es wich­tig, darauf zu achten, auf welche Personengruppe der Migranten sich die Ergebnisse beziehen. So werden häufig Menschen mit Migrationshintergrund bei dem Wechsel der ausländischen zur deutschen Staatsange­hörigkeit nicht mehr als Migranten, sondern als Deutsche erfasst, obwohl sie bei genauerer Differenzierung weiterhin der Migrantengruppe zugeordnet bleiben müssten. Langzeiterhebungen oder Studien über Prozesse werden dadurch verzerrt und unzuverlässig (vgl. DIW, 2009, S.7).

[4] In der vorliegenden Arbeit werden Person und Mensch mit Migrationshintergrund synonym verwendet. Wird an einigen Stellen von Migrant gesprochen, bezieht sich das ebenfalls auf alle Personen mit Migrationshinter­grund.

[5] ln den Statistiken erfasst sind nur die anerkannt Pflegebedürftigen, die Leistungen der gesetzlichen oder pri­vaten Pflegeversicherung erhalten. Eine unbekannte Zahl Pflegebedürftiger die keine Leistungen erhalten, bleibt außen vor. Mehr Informationen zu dieser Problematik finden sich in Kapitel 3.3.2.

[6] Mehr dazu in Kapitel 4 dieser Arbeit.

[7] Es wird immer wieder Kritik am Konzept der Multidimensionalität geübt, da es keine klare Ableitung von denkbaren Dimensionen gibt, sondern sich diese einfach im Verlauf der Anwendung des Ansatzes ergeben haben. Nach Voges (2002, S.264) werden heute für die meisten Studien als wesentliche Dimensionen der Le­benslage Einkommen und Vermögen, Bildung, Erwerbstätigkeit, Wohnen und Gesundheit ausgewählt. In Werken anderer Autoren werden aber z.B. auch Freizeitgestaltung, Haushaltsstruktur oder Partizipation als zu untersuchende Dimensionen vorgeschlagen (vgl. Engels, 2006, S.9).

Details

Seiten
60
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656655107
ISBN (Buch)
9783656655091
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272504
Institution / Hochschule
Hochschule München
Note
1,0
Schlagworte
Migration Pflegebedürftigkeit Soziale Arbeit Pflege Altenarbeit mit Migranten

Autor

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Titel: Der Einfluss eines Migrationshintergrunds auf das Risiko der Pflegebedürftigkeit