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Rezension des Fachartikels "Contexts of Anxiety: The Moral Panic over ‘Senseless Violence’ in the Netherlands"

Kritische Würdigung des "Moral Panic Konzepts" sowie Erörterung der Auswirkungen solcher Konzepte auf menschliches Zusammenleben

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufbau und Inhalte der Veröffentlichung

3. Diskussion des Fachaufsatzes

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Rezension liegt ein Text von Schinkel (2008) mit dem Titel ´Context of Anxiety: The Moral Panic over ´Senseless Violence´ in the Netherlands´ zugrunde. Der Artikel wurde in der Zeitschrift Current Sociology, 56, im Jahre 2008 veröffentlicht und hat einen Umfang von ingesamt 22 Seiten.

Die Arbeit ist in exklusive der Einleitung in zwei große Kapitel aufgeteilt. In Kapitel zwei werden der Aufbau und die Inhalte der Veröffentlichung von Schinkel (2008) verkürzt dargestellt. Es werden in diesem Teil alle relevanten Aspekte des Fachaufsatzes wiedergegeben, damit der Leser einen kurzen thematischen Einstieg in die Thematik bekommt.

Die Arbeit abschließend folgt eine Diskussion der von Schinkel (2008) vorgestellten Konzepte. Es in diesem Teil der Erörterung werden die Begriffe der ´sinnlosen Gewalt´ und der ´moralischen Panik´ kritisch diskutiert. Die Kritik an den von Schinkel (2008) gewählten Begrifflichkeiten kann einerseits anhand der Veröffentlichungen von anderen Autoren zu der Thematik begründet werden, andererseits wird die Kritik an den Begriffen durch logisches Nachdenken über die Begriffe und ihren Bedeutungshorizont vollzogen. Ebenso wird in Kapitel drei versucht die von Schinkel (2008) herausgestellten wechselwirkenden Interaktionen zwischen Medien, öffentlicher Meinung, Wissenschaft/ Institutionen und Politik zur Genese von ´moralischen Paniken´ in einem Schaubild darzustellen. Diese Interaktionen, da sie von Schinkel (2008) aus Beobachtungen des alltäglichen Lebens ergeben haben werden abschließend auch auf ihre praktische Bedeutung hin überprüft.

Am Ende der Diskussion und die Thematik der Arbeit abschließend steht eine kurze Zusammenfassung der diskutierten Punkte.

2. Aufbau und Inhalte der Veröffentlichung

Der Fachaufsatz lässt sich in fünf Hauptkapitel unterteilen, welche nachstehend chronologisch vorgestellt werden. Die Kapitel zwei und drei gliedern sich jeweils in einen Unterpunkt:

1. Zusammenfassung (Abstract)
2. Einleitung: Sinnlose Gewalt und moralische Panik (Introduction: Senseless Violence and Moral Panics)
2.1 Die Entstehung von Panic (The Production of Panic)
3. Wirkungen von öffentlicher Angst und die Rolle von der Institutionalisierung von Ängsten (Outlets of Public Anxiety and the Institutionalisation of Anxiety)
3.1 Gewalt und Medien: Entwicklung der Moralischen Panik (Violence and the Media: Developing the Moral Panic)
4. Politik im Kontext von sinnloser Gewalt (The Political Context of ´Senseless Violence´
5. Fazit: Nach der Angst (Conclusion: After the Anxiety)

Die kurze Zusammenfassung des Artikels gibt einen guten und prägnanten Überblick zu der in dem Fachaufsatz behandelten Thematik. Es wird an dieser Stelle eine kurze Definition von ‚sinnloser Gewalt‘ (senseless violence) und ‚moralischer Panik‘ (moral panic) geben und Schinkel (2008) versucht bereits in der Zusammenfassung die Genese und Zusammenhänge von ‚sinnloser Gewalt‘ und ‚moralischer Panik‘ zu erörtern. Ebenso thematisiert werden: Die Rolle der Politik im Umgang mit ´sinnloser Gewalt´ und ´moralischer Panik´ und das Problem der ‚Institutionalisierung‘ von Ängsten. Der Zeitraum in welchem ‚sinnlose Gewalt‘ und ‚moralische Panik‘ in den Niederlanden präsent war auf den sich der Artikel bezieht wird wird von Schinkel (2008) zwischen 1997 und 2003 angegeben.

Im zweiten Kapitel gibt Schinkel (2008) eine Definition darüber ab, was er unter dem Begriff ‚sinnlose Gewalt‘ versteht. Nach Schinkel (2008) ist die ‚sinnlose Gewalt‘ eine Gewalt ohne ein bestimmtes Motiv. Gewaltakte wie z. B. Raubüberfälle oder Gewalttaten mit finanziellen Hintergründen (vgl. ebd., S. 735) haben ein bestimmtes Motiv und fallen nicht unter die Bezeichnung ‚sinnlose Gewalt‘. Die Täter, welche sich mit ‚sinnloser Gewalt‘ hervorgetan haben zeigen mit ihr, den ‚expressionistischen Charakter des Könnens‘. Nach Schinkel (2008) wird die ‚sinnlose Gewalt‘ ausgeübt, um die eigene Stärke darzustellen.

Nach der kurzen Definition von ‚sinnloser Gewalt‘ wird vom Autor versucht darzustellen, ob die Debatte um ‚sinnlose Gewalt‘ in den niederländischen Medien dazu beiträgt, die Gewalt generell ansteigen zu lassen. Schinkel (2008) benennt dazu zwei Indikatoren an welchen er diese Diskussion auszumachen glaubt: Erstens ist die Diskussion um ‚sinnlose Gewalt‘ immer mit der Argumentation verknüpft, dass Gewalt generell ansteigt und zweitens wurde nach Schaffung der Kategorie ‚sinnlose Gewalt‘, der Diskurs über den Anstieg von Gewalt zweiseitig begründet: Die Gewalt steigt einmal quantitativ, aber auch qualitativ an. Ob die Schlussfolgerung kausal ist, dass die Gewalt ansteigt wird in der niederländischen Soziologie diskutiert (vgl. Wittebrood 2001), wobei eine Einigung der Parteien nicht abzusehen ist.

Die Debatte um ‚sinnlose Gewalt‘ wird von Schinkel (2008) als ein Teil des Theoriekonstrukts ‚moralische Panik‘ (vllt. besser ‚gesellschaftliche Panik‘), welches von Cohen (1972) zuerst beschrieben wurde. Dieses Konstrukt beinhaltet den Kerngedanken, dass die Gewalt allgemein einen ansteigenden Trend hat und entstand aus den Forschungen zur Risikogesellschaft (vgl. Beck 1986). Nach Schinkel (2008) können vier Indikatoren für ‚moralische Panik‘ identifiziert werden:

- Hohe Betroffenheit und Angstauslösung durch eine ´andere´ Art des Verhaltens,
- ein beobachtbarer Anstieg von Findseligkeit gegenüber den Personen, die als Bedrohung beschrieben werden,
- eine Disproportionalität in der Beurteilung der Bedrohung und in der Beschreibung ob diese ein Problem darstellt und
- ein plötzliches Auftreten und eine kurze Lebenszeit des Phänomens (vgl. Schinkel 2008, S. 737; vgl. Marsh und Melville 2011).

Einen Grund für das gesellschaftliche Interesse an ‚sinnloser Gewalt‘ und der daraus resultierenden ´moralischen Panik´ wird von Schinkel (2008) versucht mit der Kommunikationstheorie von Luhmann (2004) zu erklären. Durch Kommunikation mitgeteilte Ängste werden, auch wenn diese irrational sind, als reale wirkende Bedrohungen empfunden. Die Konsequenz daraus ist, dass eine erhöhte Kriminalitäts-, Gewalt-, und Devianzwahrnehmung im gesellschaftlichen Raum stattfindet und dieser tägliche Umgang mit den Themen lässt die Bevölkerung für Delikte, die in diese Schemata passen, noch feinfühliger werden. Als Folge daraus wird die Prävention gegen bestimmte Delikte ausgeweitet und das Thema wird so noch tiefer in der gesellschaftlichen Kommunikation verortet.

Im Unterpunkt des zweiten Kapitels wird von Schinkel (2008) die Entstehung von Panik in der Bevölkerung diskutiert. Dazu folgt eine Beschreibung von drei in den Niederlanden exemplarischen Mordfälle (einer 1983 und zwei 1997). Auffällig ist dabei nach Schinkel (2008), dass erst der dritte Mord eine neue Diskussion um die ‚sinnlose Gewalt‘ in den niederländischen Medien entflammen ließ und die vorher geschehenen Morde, früher mit bestimmten Motiven (Rassenhass) versehen wurden, nachträglich mit dem Label ‚sinnlose Gewalt‘ versehen wurden. Es entstand dadurch eine durchaus paradoxe Situation, denn theoretisch können jetzt alle alten Morde mit dem neuen Attribut versehen werden und dadurch kann das Argument gestützt werden, dass es einen qualitativen Anstieg von Gewalt gibt.

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Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656647317
ISBN (Buch)
9783656647287
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272518
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund – Institut für Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Pädagogik der frühen Kindheit (ISEP)
Note
1,0
Schlagworte
Sinnlose Gewalt Moralische Panik Senseless Violence Moral Panic Aggression Medien

Autor

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