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Beweiskräftige Vernehmungen. Glaubhaftigkeit im Rahmen einer Vernehmung

Hausarbeit 2013 15 Seiten

Jura - Strafprozessrecht, Kriminologie, Strafvollzug

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Definitionen
2.1 Vernehmung
2.2 Glaubwürdigkeit - Glaubhaftigkeit

3 Wahrnehmung und Wiedergabe
3.1 Wahrnehmung
3.2 Wiedergabe
3.3 Wahrheit, Irrtum, Lüge

4 Aussageeigenarten und Glaubhaftigkeitsmerkmale
4.1 Aussageeigenarten
4.2 Glaubhaftigkeitsmerkmale
4.2.1 Detailreichtum
4.2.2 Ergänzbarkeit der Zeugenaussage
4.2.3 Ungeordnete Erzählweise

5 Fazit

I Abkürzungsverzeichnis

II Literaturverzeichnis

III Erklärung

1 Vorwort

Polizeibeamte begegnen im beruflichen Alltag Personen, die aus den verschiedensten gesellschaftlichen Strukturen kommen, wie bspw. Rockern, kriminellen Ausländern, aber auch dem ganz „normalen“ Familienvater oder dem Rentner, der nebenan wohnt. Diese aufgezählten Personengruppen sind evtl. Zeugen, Tatverdächtige oder Beschuldigte in einem Strafverfahren und können Angaben zu einem bestimmten Sachverhalt machen. So war es auch bei dem Fall Jakob von Metzler im Jahr 2002, als der Bankierssohn entführt und ermordet wurde. Die Vernehmung des Beschuldigten Magnus Gäfgen war ein Katz und Maus Spiel, da Gäfgen immer wieder Aussagen machte, welche sich im Nachhinein als Lügen darstellten. Jede dieser Aussagen musste jedoch erneut auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden, weil das Menschenleben des elfjährigen Jungen in Gefahr war. Ein unerlässliches Mittel zur Aufklärung und Verfolgung einer Tat ist - wie auch der oben aufgeführte Fall zeigt - die Vernehmung. Mit ihr soll die Wahrheit ans Licht gebracht werden. Doch um die Aussage einer Person richtig beurteilen zu können, bedarf es dem Polizeibeamten an ein fundiertes Fachwissen. Ein Teil dieses Fachwissens stellt der Autor mit der folgenden Hausarbeit „Beweiskräftige Vernehmungen – Glaubhaftigkeit im Rahmen einer Vernehmung“ so transparent wie möglich dar, um die Handlungssicherheit von Polizeibeamten bei Vernehmungen zu erhöhen. Auch tritt der Polizeibeamte in seiner Funktion als Zeuge vor Gericht auf. Um dort fachkundig und professionell zu erscheinen, müssen die Grundzüge und das Verfahren zur Glaubhaftigkeitseinschätzung erklärt werden können. Um den Einstieg in die Thematik zu liefern, wird die Vernehmung zu Beginn definiert. Im weiteren Verlauf findet die Abgrenzung der Glaubwürdigkeit von der Glaubhaftigkeit statt, um herauszukristallisieren, worauf sich Letzteres bezieht. Der Vernehmende muss sich immer die Frage stellen: Basiert die Aussage auf ein erlebtes Ereignis? Dazu erörtert der Autor im Kapitel 3 die Wahrnehmung und die Wiedergabe. Die Hausarbeit wird von der Leitfrage begleitet: Kann anhand von Glaubhaftigkeitsmerkmalen sicher gesagt werden, dass eine Person die Wahrheit sagt, sich irrt oder lügt? Um diese Frage hinreichend beantworten zu können, werden die Glaubhaftigkeitsmerkmale in Kapitel 4 anschaulich dargestellt. Da die Anzahl an Merkmalen den Rahmen der Arbeit sprengen würde, beschränkt sich der Autor im Folgenden auf drei Merkmale. Der Umfang der Hausarbeit bezieht sich auf die Vernehmung von Zeugenaussagen. Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche im deutschsprachigen Raum. Ferner wurde das Internet als Quelle hinzugefügt.

2 Definitionen

2.1 Vernehmung

Allgemein gesehen handelt es sich bei der Vernehmung um die Befragung einer Person, mit dem Ziel, Informationen zu einem Sachverhalt zu erhalten. Diese Umschreibung allein reicht jedoch nicht aus. Um Missverständnisse zu vermeiden und eine klare Abgrenzung zu schaffen, hat der Bundesgerichtshof folgende Definition festgelegt: „Zum Begriff der Vernehmung im Sinne der Strafprozessordnung gehört, dass der Vernehmende der Auskunftsperson (also dem Beschuldigten, dem Zeugen oder dem Sachverständigen) in amtlicher Funktion gegenübertritt und in dieser Eigenschaft von ihr Auskunft (eine Aussage) verlangt.“[1] Aus der Definition ergeben sich drei Merkmale, die zwingend für eine Vernehmung vorliegen müssen. Erstes Merkmal ist der Status der amtlichen Funktion des Vernehmenden. Demnach muss dieser ein Amt im öffentlichen Dienst bekleiden, wie bspw. ein Polizeibeamter oder der Richter selbst.[2] Ein weiteres Merkmal ist die Erkennbarkeit seiner amtlichen Funktion. Diesbezüglich ist der zu vernehmenden Person vor der Vernehmung offenkundig die amtliche Eigenschaft darzulegen. Letztes Kriterium ist das Verlangen einer Aussage gegenüber der Auskunftsperson. Fragt der Amtsträger gezielt nach und es entstehen dadurch Aussagen, so handelt es sich um eine Vernehmung. Sie wird hingegen negiert, wenn die Auskunftsperson bspw. eine Spontanäußerung[3] macht. Da die Vernehmung „ein rechtlich geregeltes, unter Beachtung kriminalistischer Gesichtspunkte, psychologischer Anforderungen und taktischer Regeln geführtes Gespräch [ist], dessen Verlauf an gesetzliche Vorschriften gebunden ist“[4], muss strickt zwischen der polizeilichen, staatsanwaltschaftlichen und richterlichen Vernehmung unterschieden werden, da jede Vernehmungsart an andere gesetzliche Normen gebunden ist. Das Hauptziel einer jeden Vernehmung ist es, die Straftat oder den Sachverhalt aufzudecken. Mit ihr sollen Widersprüche und Zusammenhänge aufgeklärt werden. Daher müssen umfassende Informationen gesammelt und Aussagen so gesichert werden, dass sie im Strafverfahren verwertet werden können. Der Vorteil gegenüber dem Sachbeweis ist, dass anhand einer Aussage auch der Anlass und die Motivlage in den Vordergrund rücken. Relevant ist dies für den Richter bei der Strafzumessung. Der Nachteil ist, dass der Personalbeweis keine Objektivität liefert. So muss zunächst geprüft werden, ob die Aussage durch eine Lüge oder durch einen Irrtum verfälscht wurde. Nicht nur aus rechtlicher Sicht, sondern auch für die Einschätzung der Glaubhaftigkeit einer Aussage ist zu unterscheiden, ob es sich um eine Beschuldigten- oder Zeugenvernehmung handelt. Die Beschuldigtenvernehmung ist darauf ausgerichtet, dass die Geständnisbereitschaft der zu vernehmenden Person erhöht wird. Dementsprechend steht die Aussageperson im Mittelpunkt des Geschehens und gewissermaßen unter Druck. Die Zeugenvernehmung hingegen verfolgt das Ziel, umfassende Informationen zu einem Sachverhalt zu gewinnen. Dabei soll sich der Zeuge so gut wie möglich an den Sachverhalt erinnern und seine Wahrnehmungen schildern. Dadurch, dass das Strafverfahren aber nicht gegen ihn selbst gerichtet ist, ist der Zeuge im Gegensatz zum Beschuldigten nicht solch einem Druck ausgesetzt. Das Verhalten und Empfinden des Zeugen ist demnach ein ganz anderes und somit ist die Einschätzung der Glaubhaftigkeit auch eine ganz andere. Wie bereits Eingangs erläutert, bezieht sich der weitere Verlauf auf die Zeugenvernehmung.[5]

2.2 Glaubwürdigkeit - Glaubhaftigkeit

In einem Verfahren muss der Richter die Glaubwürdigkeit und die Glaubhaftigkeit eines Zeugen beurteilen. Dem Richter fehlt es dabei oftmals an einer psychologischen Ausbildung. Daher gilt für den Richter gem. §261 StPO die freie Beweiswürdigung. Somit kann er zur Beurteilung der Aussage einen Sachverständigen hinzuziehen. Doch wo liegt nun der Unterschied zwischen der Glaubwürdigkeit und der Glaubhaftigkeit? Die Glaubhaftigkeit bezieht sich auf die einzelne Aussage. „Der Zeuge selbst ist aber als Person glaubwürdig oder unglaubwürdig.“[6] Demnach erscheint jemand, der zuvor oftmals gelogen hat, als unglaubwürdig. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch nicht, dass die unglaubwürdige Person in einem Einzelfall nicht mehr die Wahrheit sagen kann. So kann auch die Aussage einer unglaubwürdigen Person für die Aufklärung einer Tat von Bedeutung sein. Beginnt der Sachverständige mit der Einschätzung einer Aussage (Glaubhaftigkeitsbeurteilung), muss dieser wissen, „daß schon vor dieser Phase die Sachverhaltswahrnehmungen verzerrt sein können.“[7]

3 Wahrnehmung und Wiedergabe

„Als Einflussfaktoren, die sich auf die Genauigkeit einer Aussage auswirken können, werden Einflüsse in der Wahrnehmungssituation […] und Einflüsse in der Reproduktionssituation unterschieden.“[8] Somit ist die Verzerrung eines Sachverhalts von der Wahrnehmung und der Wiedergabe abhängig. Eine große Rolle spielen dabei die biologischen und geistigen Voraussetzungen eines Menschen. Die Wahrheit liegt nur im Sachverhalt bei 100%. Im Durchschnitt werden 60% des Sachverhalts wahrgenommen, an 40% können die Menschen sich noch erinnern und „nur“ 30% werden im Ergebnis wiedergegeben.[9]

[...]


[1] BGH, Urteil v. 13.05.1996 – Gsst 1/96.

[2] keine Amtsträger sind insb. Angestellte einer Sicherheitsfirma oder Rechtsanwälte.

[3] Spontanäußerungen liegen vor, wenn die Auskunftsperson von sich aus Aussagen tätigt, ohne dass eine Belehrung oder Frage des Vernehmenden stattgefunden hat.

[4] Ackermann et al. 2007. S.522.

[5] Ackermann et al. 2007. S. 522-523.

[6] Jahn. 2001. S. 7.

[7] Jahn. 2001. S. 8.

[8] Sassen. 2008. S. 23-24.

[9] Habschick. 2012. S. 353.

Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656647768
ISBN (Buch)
9783656647751
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272584
Note
Schlagworte
beweiskräftige vernehmungen glaubhaftigkeit rahmen vernehmung

Autor

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Titel: Beweiskräftige Vernehmungen. Glaubhaftigkeit im Rahmen einer Vernehmung