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Diversifizierung und Spezialisierung des Handels in der Europäischen Währungsunion

Bachelorarbeit 2013 36 Seiten

VWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Handelsintensität

3 Intra-Industrie vs. Inter-Industrie Handel

4 Fazit

5 Anhang

1 Einleitung

Diese Arbeit untersucht im Rahmen der Endogenitätsdiskussion der Theorie Optimaler Währungsräume den Effekt der Einführung einer einheitlichen Währung in Europa auf den Handel und die Handelsstruktur der teilnehmenden Länder.

Seit die Pläne mit dem Euro eine einheitliche Währung für Europa zu schaffen sich kon- kretisiert haben, wurden verschiedene Studien und Untersuchungen zum Effekt der ge- meinsamen Währung auf den Handel mit unterschiedlichen Ergebnissen durchgeführt. Es haben sich zwei Standpunkte herausgebildet, die sich in der Literatur als “Krugman View“ und “European Commission View“ eingebürgert haben. Auf der einen Seite gingen die Eu- ropäische Kommission (European Commission (1990)) und Andere (Ricci (2006), Frankel and Rose (1998)) von steigender Handelsintensität und Synchronisierung der Handelss- trukturen aus. Demgegenüber proklamierten Krugman (1993) und Andere (Kenen (1969), Eichengreen (1992)), dass sich der Handel zwar erhöht, die Länder sich aber zunehmend spezialisieren werden.

Während es also bei Einführung des Euros gegenläufige Meinungen gab wie sich der Handel entwickeln würde, waren adäquate Erfahrungswerte Mangelware. Die Europäische Einheitswährung ist in diesen Dimensionen und mit so hochentwickelten Teilnehmerstaaten bis heute ein einzigartiges Experiment.

Das Problem an ex-ante Schätzungen zur Handelsentwicklung, wie sie zum Zeitpunkt der Entstehung eines Währungsraumes nur möglich sind, ist das so genannte Endoge- nitätsproblem, welches auf die Lucas Kritik (Lucas (1976)) zurückgeht. Politikmaßnahmen wie die Einführung einer gemeinsamen Währung ändern das Modell und werden Teil des Modells. Es gibt unterschiedliche Ansatzpunkte wie man mit diesem Problem umgehen kann. Man kann versuchen es zu berücksichtigen (Frankel and Rose (1998)), man argu- mentiert theoretisch (z. B. Kenen (1969)) oder untersucht im Nachhinein empirisch (z. B. Ricci (2006)).

Auch 14 Jahre nach Zusammenschluss ist noch nicht eindeutig geklärt welcher Standpunkt richtig ist. So ist gerade in einer Krise, welche die erste ernstzunehmende Bewährungsprobe für die Einheitswährung darstellt und die Rufe nach den alten Landeswährungen lauter werden, eine empirische Evaluation, wie sich das “Experiment“ auf den Handel ausgewirkt hat, wichtig.

Vorweg muss erwähnt werden, dass der Handel zwar ein wichtiges Kriterium im Rahmen der Optimalen Währungsraumtheorie ist, aber nicht das einzige. So gilt es selbstverständlich für eine komplette Analyse mehr als nur den Handel und die Handelsstruktur zu betrachten. Dies bleibt anderen Arbeiten überlassen.

Betrachtet man den Effekt des Handels dann ist die allgemeine Annahme und auch Vor- aussetzung für einen positiven Effekt einer gemeinsamen Währung, dass sich der Handel zwischen den Staaten erhöht und, dass die Staaten von diesem steigenden Handel profitie- ren. Zumindest der zweite Punkt erscheint relativ unstrittig. Mehr Handel führt zu mehr Produktvielfalt auf der einen, zu günstigeren Waren und mehr Wettbewerb auf der ande- ren Seite. So scheint es Konsens zu sein, dass steigender Handel positiv für die handelnden Staaten zu werten ist.

Im zweiten Kapital dieser Arbeit wird zunächst geprüft ob sich die Handelsintensität zwischen den Mitgliedsstaaten erhöht hat - wovon beide Verbundshypothesen ausgehen. Eine einheitliche Währung verringert Währungsrisiken, Transaktionskosten und erhöht die Transparenz und Vergleichbarkeit der Preise. Trotzdem ist nicht klar ob von der Einführung des Euro konkret ein Effekt auf den Handel ausging. Die Argumente sind relativ trivial wenn man betrachtet, dass die welche es hauptsächlich betrifftökonomisch sachverständig sind.

Das dritte Kapitel analysiert den Handel im Detail und somit den zweiten, strittigen Teil der beiden konkurrierenden Hypothesen. Die Grundstruktur der Arbeit von Blanes Cristo- bal (2006) dient hierbei als Inspiration. Die Europäische Kommission untermauerte ihre These mit steigenden Skalenerträgen und imperfekten Wettbewerb. So sollte es zu einer Zunahme des Handel durch mehr brancheninternen Handel kommen. Produktdifferen- zierung und geringere Handelshemmnisse sollten zu breiter diversifizierten Handels- und Produktionsstrukturen führen. Die Länder würden sich in ihren Produktions- und Han- delsstrukturen einander angleichen und auf Schocks zunehmend ähnlich reagieren. Dies würde die Kosten, welche mit der Einführung des Euros entstehen verringern.

Durch den Wegfall der individuellen Geldpolitik steht ein Instrument zum Ausgleich von Ungleichgewichten weniger zur Verfügung. Einzelnen Staaten ist es so nicht mehr möglich ihre Währung ab- oder aufzuwerten um wettbewerbsfähiger zu werden, durch Münzgewinn ihre Staatsausgaben zu finanzieren oder durch hohe Geldentwertung ihre Staatsschuld zu verringern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.1: Quelle: De Grauwe (1997, p.82f.), leicht abgeändert

Abbildung 1.1 zeigt den Konflikt der beiden unterschiedlichen Ansichten. Die “OCA- Kurve“ zeigt die Kombinationen von Divergenz und Handelsintensität, welche die Eu- ropäische Währungsunion (EMU) ex ante indifferent zwischen Währung einführen und nicht einführen macht. Links der Kurve sind die Kosten höher als die Erträge, rechts der Kurve ist vorteilhaft.

Die “EC-Kurve“ verläuft fallend, da mit zunehmender Handelsintensität die Divergenz sinkt und sich somit die Kosten, die mit einer gemeinsamen Währung einher gehen verrin- gern. Diese eher optimistische Sicht entspricht einer sich selbst erfüllenden Tatsache. Dies würde dann auch für eine grosszügige Aufnahme weiterer Staaten in die Währungsunion sprechen.

Die Kurven “K1“ und “K2“ entsprechen Krugmans’ Standpunkt. Beide steigen an. Mit steigender Handelsintensität steigt die Divergenz zwischen den Staaten. Krugman erläutert dies mit regionaler Spezialisierung und Konzentrierung von Industriezweigen. Durch Clus- terbildung erhöht sich nach seiner Aussage die Produktivität, die Innovativität und die Kosten sinken. Somit verringert sich seiner Meinung nach die Synchronität und nur mit höherem Zuwachs an Handelsintensität wäre der Währungsraum günstig. Eine Auswahl der Mitgliedsstaaten sollte in dem Fall sorgfältiger und nach strengeren Kriterien erfolgen.

Ein Fazit wird im vierten Kapitel gezogen. Der Anhang und das Literaturverzeichnis sind ab fünften Kapitel zu finden.

2 Handelsintensität

Die offensichtlichen Argumente, die für eine steigende Handelsintegration der Euro- Staaten untereinander sprechen, sind die bereits genannten: geringere Währungsrisiken, Transaktionskosten und höhere Transparenz. Dies, sowie die wachsende Integration der Europäischen Finanzmärkte, sollte Anreiz, speziell für die kleinen und mittleren Unternehmen, gewesen sein sich mehr am Europäischen Binnenmarkt zu betätigen. Besonders Firmen in kleinen Ländern, die naturgemäss einen höheren Exportanteil an der Produktion vorweisen, sollten ausserdem von der fixen Konversionsrate der Währungen und der so gewonnenen Planungssicherheit profitiert haben.

Weiterhin sagt die Standorttheorie voraus, dass durch die gewonnene Integration des Wirtschaftsraumes eine potentielle Standortwahl innerhalb der Euro-Zone an Attraktivität gewinnt. So sollten vermehrt ausländische Unternehmen investiert und eine Produktion im Euro- Gebiet aufgebaut haben, sowie die Produktionsauslagerung der einheimischen Unternehmen in die so genannten Billiglohnländer verringert worden sein.

Zurecht gilt es hier allerdings zu hinterfragen, ob tatsächlich der Euro die Ursache für etwaige strukturelle Änderungen war oder ob diese auf zunehmende Integration im Rahmen der EU zurückzuführen sind. Mit Sicherheit einen grossen Zugewinn an Planungssicherheit und Glaubwürdigkeit erhielten aber insbesondere die Süd-Länder durch eine preisstabilitätsorientierte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

Daten und Methodik, Diskussion

Um den Effekt der Europäischen Währungsvereinigung auf den Handel zwischen den Mit- gliedsländern zu untersuchen wird im Folgenden ein Gravitationsmodell des internatio- nalen Handels aufgestellt. Im Rahmen eines Gravitationsmodells kontrollierte Tinbergen (1962) in seinem schlichtesten Modell nur auf wirtschaftliche Grösse der beiden handelnden Staaten, sowie die Distanz und einen konstanten Faktor. Neuere Regressionen (z. B. Glick and Rose (2002)) beinhalten deutlich mehr Faktoren. Neben dem Bruttoinlandsprodukt und der Distanz wird auch auf Population, Sprache, gemeinsame Grenze, Freihandels- abkommen, geografische Besonderheiten, Kolonialvergangenheit, Ländergrössen, gemein- samer Währungsraum, u. v. a. kontrolliert. Es ist ein umfangreiches Unterfangen alle Einflussfaktoren auf den Handel zu erfassen, bzw. zu quantifizieren (speziell kulturelle und politische Aspekte) und somit alle Besonderheiten in bilateralen Beziehungen korrekt abzubilden, um den Einfluss der einheitlichen Währung zu isolieren.

In dieser Arbeit wird ausgenutzt, dass sich die meisten Besonderheiten nicht über die Zeit ändern. Der interessierende Faktor - die Mitgliedschaft in der Europäischen Währungsunion - ist dagegen jedoch nicht konstant über die Zeit, sondern hat sich für die EWU-111 1999, mit ihrer Gründung, sowie für die dazukommenden Staaten2 später geändert. So kann man eine ”Fixed-Effects”Regression durchführen und alle konstanten Effekte vernachlässigen.

Die abhängige Variable wurde aus bilaterale Handelsdaten (Import und Export) von 34 Staaten (alle OECD Staaten, Stand: März 2013)[OECD (2013a)] kreiert (siehe weiter un- ten). Die Handelsströme sind quartalsweise und reichen von 1960 bis zum Jahr 2012. Die Datenverfügbarkeit ist recht unterschiedlich. Speziell für die Staaten der ehemaligen So- wjetunion gibt es keine verlässlichen Daten vor 1992. So wurde die Regression für den vollen Datensatz3, für die Länder mit guter4 und für die Länder mit der besten5 Daten- verfügbarkeit durchgeführt. Die verwendeten bilateralen Handelsströme entsprechen einem Anteil zwischen mindestens 50 % bis 95% am gesamten Handel (2000) der untersuchten Staaten, wobei für die meisten Staaten ein Großteil des gesamten Handels erfasst ist ( siehe Tabelle 5.3).

Das empirisches Regressionsmodell sieht also wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

trade steht für die Summe der bilateralen Ex- und Importe von Land i und Land j im Zeitpunkt t. gdp sowie pop bezeichnen die Bruttoinlandsprodukte und die Bevölkerungsanzahl der Länder i bzw. j zum Zeitpunkt t. Oft wird statt der Population das Pro-Kopf- Bruttoinlandsprodukt verwendet, das Ergebnis ist dasselbe.

Mit EMU, EU und FTA wird für eine gemeinsame Mitgliedschaft in der Europäischen Währungsunion (EMU), der Europäischen Union (EU) und einem Freihandelsabkommen (FTA) - bilateral oder multilateral - kontrolliert. Der Wert dieser Dummyvariablen nimmt jeweils den Wert 1 an, wenn beide Länder zum Zeitpunkt t Mitglied sind, sonst Null. Es wird hier jeweils ein positiver Effekte auf den Handel erwartet.

” time ” beinhaltet eine Batterie von Zeit-Dummy-Variablen6 und kontrolliert für Beson- derheiten im jeweiligen Quartal, sowie saisonale Besonderheiten, ” trend ” kontrolliert für einen Zeittrend7, wie Handelszunahme aufgrund von zunehmender Globalisierung, sinkenden Transportkosten, etc.

τ ist die Konstante und gibt in einer Fixed Effects Regression den durchschnittlichen Wert des fixen Effekts an.

In Tabelle 2.1 wird das Modell ausserdem um einen Interaktionsterm zwischen EU, respektive EMU und der trend Variablen erweitert. Diese Interaktion kontrolliert für zusätzliche Trendeffekte ab dem Zusammenschluss. In Tabelle 5.2 wird um die Interaktionsterme EMU * Land i8 erweitert. Hier zeigt sich der Effekt der Europäischen Einheitswährung auf Land i einzeln im Vergleich zu den anderen Ländern. Zusätzlich wird eine Dummyvariable crisis für die Krisenjahre (1982, 1983, 2001, 2008-2011) miteinbezogen.

Auswertung

Abbildungen 5.1 und 5.2 zeigen die Entwicklung des Handels der EMU-11+Griechenland. Die Werte sind für das Jahr des Eintritts (EMU-11:1999, Griechenland:2001) in die Union auf 1 normiert. Es ist zu beachten, dass sich der Handel in allen Staaten seit Einführung der Währung und trotz Weltwirtschaftskrise deutlich ausgeweitet hat. Wir sprechen hier über Verdoppelungen und Verdreifachungen des Handelsvolumens in 12 Jahren. In den meisten Staaten stieg der gesamte Handel stärker an als der Handel innerhalb der Währungsunion. Ausnahmen bilden die Staaten Irland, Griechenland und Frankreich. Hier hat sich der Handel in die Mitgliedsstaaten stärker erhöht als in die restliche Welt. Es gilt nun die Frage zu klären wie sich der Handel ohne Einführung des Euros entwickelt hätte.

Die Ergebnisse von Regression 2.1 sind in Tabelle 2.1 ersichtlich. Die ersten 3 Spezifikationen beinhalten den vollen Datensatz, (4) und (5) nur die mit guter und in (6) und (7) nur die mit der besten Datenverfügbarkeit.

Die Hinzunahme von Zeit- und Trendvariablen verbessert die Schätzung und wurde daher ab (2) immer einbezogen. Erwartungsgemäß sind β 1 und β 4 durchgehend signifikant positiv. Die Kon- trollvariable Population ist uneinheitlich, mal positiv, mal negativ, nie signifikant. Dies liegt auch an der Fixed-Effects Methodik, da hier nicht die absolute Grösse der Volkswirtschaften, sondern nur die Abweichungen zum Durchschnitt betrachtet wird. Da sich die Population über die Zeit (schwach) ändert bleibt die Variable in der Schätzung. β 5 ist für die grösseren Datensätze noch konstant signifikant positiv, für (6) und (7) wird es insignifikant. Der Anteil an Länderpaaren die ein Freihandelsabkommen haben ist in allen Datensätzen zwischen 28% und 30 %, also nicht we- sentlich verschieden. Die gute Datenverfügbarkeit in der EU im Vergleich zu einigen anderen OECD Staaten führt dazu, dass im vollen Datensatz noch 17,5% der Länderpaare gemeinsam in der EU sind, während der Wert mit zunehmender Datenqualität auf 18,5% und 21,8% steigt. Es ergibt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.1: eigene Darstellung, Daten: OECD (2013a)

sich also eine zunehmende Kollinearität mit der Variablen FTA, was den Wegfall der Signifikanz erklären kann.

In Spezifikation (2) ist der uns interessierende Koeffizient (EMU) noch insignifikant (t Wert: 1,45 ), während die Anderen signifikant positive Werte hervorbringen.

Kontrolliert für die oben genannten Faktoren, sowie alle über die Zeit konstanten Faktoren er- halten wir also einen positiven Zusammenhang zwischen gemeinsamer Mitgliedschaft in der Eu- ropäischen Währungsunion und dem Handel zwischen den Staaten. Konkret lässt sich sagen, dass die Einführung des Euros den Handel innerhalb der Mitgliedsstaaten um 4.9%(insignifikant), bzw. 8.4% - 17.5% erhöht hat. Das erwarteten, oder erhofften, sowohl Krugman, als auch die Europäische Kommission und somit ist der erste Teil der beiden Verbundshypothesen erfüllt. Die Interaktionsterme EM U t / EU t zeigen eine tendenziell negative Entwicklung im Laufe des Be- stehens der Unionen. Teilweise signifikant sind die Werte ein uneinheitlicher Fingerzeig, dass es in den ersten Jahren eine Art ”Euro-Boom“undindenletztenJahreneinezunehmendeErnüchterung gab. Weiterhin sind die Koeffizienten möglicherweise von den letzten Jahren (Weltwirtschaftskrise ab[2007] ) verzerrt.

Die konkreten Effekte der Euro-Einführung auf den Handel der Staaten einzeln zeigt Tabelle[5].[2]. Im Vergleich zu den anderen Euro-Staaten ergeben sich signifikant negative Auswirkungen auf den Handel in Griechenland, Finnland und den Niederlanden, während der Handel in Deutschland, Spanien und Italien stärker profitiert hat.

Bis hier gibt der EMU Dummy mit dem Jahre 1999, bzw. 2001 den Zeitpunkt des Zusammenschlus- ses der Euro-Zone an. Allerdings war mit Unterzeichnung des Maastricht-Vertrages (1993) die Einführung des Euro spätestens zum 01.01.1999 beschlossen. Es galt zwar für die Staaten die Kon- vergenzkriterien zu erfüllen, schien aber schon 1993 ausgemachte Sache, dass praktisch alle Staaten auch den Euro einführen werden (siehe Vaubel (1993)). So haben sich die Erwartungen gebildet und die Strukturen bereits an die zukünftige Situation angepasst. Auch hier bleibt allerdings die Frage im Raum, ob der Effekt tatsächlich auf die beschlossene Einführung des Euros, auf z. B. die EU - Binnenmarktreform (1992) oder andere Integrationsprozesse zurückfällt.

Tabelle 5.1 zeigt die Ergebnisse dieser Spezifikation. Man sieht überzeugend durchgehend positive Werte für die neu kreierte EMU(93) Variable. Auch hier zeigen sich negative Zeiteffekte die eine starke Antizipation in den ersten Jahren vermuten lassen.

3 Intra-Industrie vs. Inter-Industrie Handel

Im folgenden Abschnitt geht es um den zweiten Teil der beiden getesteten Hypothesen. Hat die Euro Einführung zu einer Diversifizierung oder zu einer Spezialisierung des Handels geführt? Durch die Einführung einer einheitlichen Währung geben die Teilnehmer ein wirtschaftspolitisches Instrument, namentlich die individuelle Geld- und Währungspolitik, auf. Dieses Instrument wird von nun an zentral von der gemeinsamen Zentralbank für alle Staaten einheitlich genutzt und kann bei asymmetrischen Schocks nicht mehr adäquat eingesetzt werden. Die Europäische Kommissi- on(European Commission (1990)) schrieb hierzu in “One Money, One Market”:

”InthecontextofEMU,thequestionthereforeariseswhetherasymmetrieswill have a tendency to decrease or to increase relative to the present situation. The cost of losing the nominal exchange rate (...) will be diminished if asymmetries tend to disappear.”(European Commission ([1990], p.[140] )

Mit Asymmetrien sind Unterschiede in Handels- und Produktionsstrukturen der einzelnen Länder gemeint. Durch sinkende Asymmetrien verringern sich die Kosten. Steigende Symmetrie in Handelsund Produktionsstrukturen bedeutet mehr Intra-Industriellen Handel. Intra-Industrieller Handel bezeichnet den Handel zweier Länder mit gleichen oder gleichartigen Gütern, während das Gegenstück, Inter-Industrieller Handel, den Handel von unterschiedlichen Gütern beschreibt. Wenn jedes Land gleiche Industrien in ähnlichen Anteilen hat werden sie von Schocks in ähnlicher Weise getroffen und eine einheitliche Zentralbankpolitik kann für alle Länder optimiert werden. Die Europäische Kommission kommt in ihrer Analyse zu folgendem Ergebnis:

”TheresultsfromthissectionindicatethatasymmetricshocksintheCommunity, even though they exist, are likely to diminish with the disappearance of trade barriers through the completion of internal market.”(European Commission ([1990], p.[147] )

Sie gehen also davon aus, dass die Asymmetrien in diesen Strukturen verschwinden oder sich verringern.

In die andere Richtung argumentierte Krugman ([1993] ) in seinem Buch ”Geography and Trade”. Er belegte seine These von steigender Divergenz mit dem empirischen Fund, dass die Spezialisierung in den Europäischen Staaten (zu diesem Zeitpunkt ohne einheitliche Währung) weniger ausgeprägt ist als in den untersuchten Regionen in den Vereinigten Staaten. Er maß dies anhand der in den verschiedenen Branchen beschäftigten Arbeitern. Schlussfolgernd schreibt er:

”(...)iftheevidencepresentedinthelastfewtablesisright,Europeannationsare likely to become less similar, not more (...) and they will in this respect become less suitable as an optimum currency area as a result of increased integration.”(Krugman ([1993], p.[83] )

Seiner Meinung nach steigt primär Inter-Industrieller Handel. Der Intra-Industrie Handel sinkt in Folge der zunehmenden Integration.

[...]


1 Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien

2 Griechenland(2001), Slowenien(2007), Slowakei(2009) und Estland(2011); Malta und Zypern(2008) sind nicht berücksichtigt

3 alle 34 OECD Staaten

4 OECD-Staaten ausser Chile, Estland, Slowenien, Slowakei und Israel

5 EMU-11 ohne Belgien und Luxemburg, Australien, Kanada, Griechenland, Japan, Norwegen, Schweden, Schweiz, Türkei, Grossbritannien, USA

6 D1960Q1,D1960Q2,...,D2011Q4

7 trend=1,2,... ; trend 2 ; trend 3

8 Dummyvariable. 1 wenn Land = Land i, 0 sonst

Details

Seiten
36
Jahr
2013
ISBN (Buch)
9783656672951
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272656
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,0
Schlagworte
diversifizierung spezialisierung handels europäischen währungsunion

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