Lade Inhalt...

Behindertensport und Leistungssport. Ein Gegensatz?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 12 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Behinderte und Leistungssport

3. Behindertenleistungssport und die Präsentation in den Medien

4. Fazit

Quellen und verwendete Literatur

1. Einleitung

Wenn von Leistungssport die Rede ist, denkt man zunächst automatisch an hochbezahlte Spitzenfußballer, Handball- und Leichathletikstars, sowie an ausgeklügelte Trainingsmethoden, Medien und auch Unterhaltung.

Viele Autoren haben in umfangreichen Analysen versucht, den Begriff der Leistung und des Leistungssports zu definieren.

Mit dieser Hausarbeit möchte ich nun nicht einen weiteren Beitrag zu diesen Argumentationen liefern, sondern der Frage nachgehen, ob Leistungssport auch für solche Menschen gilt, die nicht in die standardisierten Schemen der modernen Medienindustrie passen, Menschen mit Behinderungen.

Ohne Zweifel werden von Sportlern mit Behinderungen große Leistungen vollbracht. Wo aber ist die Grenze zu ziehen zu den Punkten, die, wie oben angeführt, in der Allgemeinheit das Bild vom Leistungssport prägen. Ist es richtig, beim Behindertensport von einer Randsportart zu sprechen, wie vielleicht Judo oder Kanu? Auch in diesen Sportarten wird Leistung erbracht, Hochleistung, aber eben nur am Rande wahrgenommen. Im dritten Kapitel möchte ich die Frage diskutieren, ob und inwieweit die Medien Einfluss haben auf die Art und Weise, wie Behindertensport aufgefasst wird.

Dieser Ausarbeitung zugrunde liegen hauptsächlich Quellen aus den letzten fünf Jahren, ich hoffe damit aktuelle Erkenntnisse aus der Sportwissenschaft einbringen zu können.

2. Behinderte und Leistungssport

Ist Behindertensport auch Leistungssport? Die Antwort auf diese Frage kann nur ein klares „Ja“ sein. Rollstuhlfahrer nehmen heutzutage wie selbstverständlich an Marathon-Läufen gemeinsam mit Nichtbehinderten teil, Beinamputierte sprinten die 100 Meter bald unter 12 Sekunden und trainieren gemeinsam mit nicht beeinträchtigten Sportlern an Olympiastützpunkten nach modernen trainingswissenschaftlichen Erkenntnissen. Der Deutsche Behindertensportverband definiert den Leistungssport Behinderter 1997 wie folgt:

„Der Leistungssport im weiteren Sinne ist dabei jedes Sporttreiben, das einen Leistungsvollzug beinhaltet. Das entscheidende Kriterium für den Leistungssport im weiteren Sinne ist das an persönlichen und relativen Grenzen orientierte Anspruchsniveau der Leistungssport treibenden Menschen. Im engeren Sinne wird Leistungssport Behinderter dann zum Spitzen- bzw. Hochleistungssport, wenn ein Höchstmaß an persönlichem Einsatz notwendig ist, um den vorgegebenen absoluten Normen des Rekords möglich nahe zu kommen bzw. neue derartige Normen zu setzen.“[1]

Mit dieser Definition orientiert sich der DBS sehr eng an den Definitionen des Deutschen Sportbundes und der Sportwissenschaft. Die allgemeinen Definitionen von Leistungssport Behinderter und Nichtbehinderter gleichen sich also in den veröffentlichten Schriften.

Unterschiede finden sich jedoch in anderen Quellen: So sind die Grenzen zwischen Leistungssport und Breitensport im Behindertensport fließend.

„Wenn nämlich Leistung unter dem normativen Aspekt gesehen wird, eine Aufgabe bestmöglich und erfolgreich zu bewältigen, stellt die aktive sportliche Betätigung des Behinderten bereits in sich die Bewältigung einer solchen Aufgabe dar: nämlich die Beeinträchtigung körperlicher Funktionen seelisch und geistig zu verarbeiten.“[2]

Weiter heißt es:

Was allerdings im allgemeinen unter Leistungssport verstanden wird, ist auf den Behindertensport nicht so ohne weiteres übertragbar. Was im herkömmlichen Sinne als Freizeitsport gilt, kann für besonders schwere Behinderungen bereits Leistungssport sein. Die Leistung im Behindertensport muss also sehr viel differenzierter als im allgemeinen Sport gesehen und immer in Relation zum Schaden verstanden werden.“[3]

Wichtig und nicht zu vergessen ist beim Leistungssport Behinderter darüber hinaus der Gedanke der Rehabilitation in sowohl psychischer wie physischer Hinsicht. Heinz Haep, der Ehrenvorsitzende des DSB hat dies einmal so ausgedrückt: „Der Spitzensport der Behinderten ist die höchste Stufe der Rehabilitation.“[4] Dies kann sich ganz unterschiedlich äußern. Die Geistlichen, die seit den Olympischen Spielen von Atlanta 1996 die Olympiamannschaft und die paralympische Mannschaft betreuen, schreiben den behinderten Sportlern eine weitaus höhere „Sozialkompetenz“[5] zu. Die Mehrzahl dieser Athleten sind im Durchschnitt älter als ihre nicht-behinderten Kameraden und zudem berufstätig. Viele meistern ganz selbstverständlich die Belastung von Beruf, Familie und Leistungssport.

Seit der Olympiade von Seoul 1988 hat das Interesse der Öffentlichkeit am Leistungssport Behinderter zugenommen.

Einhergehend damit ist es auch zu einer sprunghaften Materialentwicklung im Bereich der Hilfsmittel gekommen. Ein Beispiel wären Carbon Prothesen und verbesserte, funktionalere Rollstühle.[6] Diese positiven Weiterentwicklungen aus dem Hochleistungssport können später auch vielen Behinderten, die keinen Sport betreiben, zu gute kommen. Eine Erscheinung, die ähnlich der Entwicklung im Leistungssport Nicht-Behinderter ist. Man denke nur an Schuhe oder neue, verbesserte Brems- und Sicherheitssysteme bei Fahrrädern und Autos.

[...]


[1] Quade, Karl. „Nachwuchsförderung – Wie kommen Behinderte zum Leistungssport?“ in Scheid, Volker u.a. [Hrsg.]. „Behindertensport – Wege zur Leistung“, Aachen 2000. S.24

[2] ebd. S.20

[3] ebd. S.26

[4] Quade, Karl. „Nachwuchsförderung – Wie kommen Behinderte zum Leistungssport?“ in Scheid, Volker u.a. [Hrsg.]. „Behindertensport – Wege zur Leistung“, Aachen 2000. S.25

[5] Quade, Karl. „Nachwuchsförderung – Wie kommen Behinderte zum Leistungssport?“ in Scheid, Volker u.a. [Hrsg.]. „Behindertensport – Wege zur Leistung“, Aachen 2000. S.25

[6] ebd. S.26

Details

Seiten
12
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638293662
ISBN (Buch)
9783638760416
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27276
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Sportwissenschaftliches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Behindertensport Leistungssport Gegensatz Sinn Unsinn Leistungssports Schule Gesellschaft

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Behindertensport und Leistungssport. Ein Gegensatz?