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Sexueller Missbrauch von Kindern

Fakten und Daten. Täter. Ursachen

Hausarbeit 2012 20 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sexueller Missbrauch von Kindern
2.1 Definition. Formen des sexuellen Kindesmissbrauchs
2.2 Fakten und Daten

3. Die Täter beim sexuellen Kindesmissbrauch
3.1 Strategien der Täter

4. Ursachen des sexuellen Kindesmissbrauchs
4.1 Der feministisch-gesellschaftliche Erklärungsansatz
4.2 Der familientheoretische Erklärungsansatz
4.3 Finkelhors Modell der vier Vorbedingungen

5. Täterprävention beim sexuellen Missbrauch von Kindern

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Über den sexuellen Missbrauch von Kindern wird heute in Medien viel berichtet. Das ist ein hochsensibles Thema. Für manche bleibt es immer noch ein Tabuthema. Die anderen meinen davon nicht betroffen zu sein und haben daher kein Bedürfnis, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Mich persönlich lässt der sexuelle Kindesmissbrauch nicht gleichgültig. Es ist unglaublich, welches Trauma dem Kind zugefügt wird. Oft können die Missbrauchsopfer jahrelang ihr Schweigen nicht brechen und die traumatischen Erlebnisse nicht verarbeiten. Immer wieder wenn ich die Berichte von Betroffenen lese, frage ich mich: Warum? Warum passiert so was? Was bewegt den Täter dazu? Gibt es Erklärungen? In der vorliegenden Arbeit setze ich mich mit diesen und angrenzenden Fragestellungen auseinander.

Es ist anzumerken, dass die Altersgrenze bei 14 Jahren liegt, wenn man von sexuellem Missbrauch von Kindern redet (vgl. Polizeiliche Kriminalstatistik 2011, S. 66).

Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut. In dem nächsten Kapitel wird der Begriff sexueller Missbrauch von Kindern definiert. Es wird der Frage nachgegangen: Was ist unter sexuellem Missbrauch von Kindern zu verstehen? Nach einer umfassenden Definition werden verschiedene Formen erläutert, in denen sexueller Missbrauch vorkommen kann. Im Anschluss daran werden Fakten und Daten dargestellt, um ein Bild über die Häufigkeit des sexuellen Missbrauchs in Deutschland sowie das Opfer-Täter-Verhältnis zu verschaffen.

Im dritten Kapitel wird es geklärt, wer die Täter sind. Es wird besonders Wert auf die Fragestellungen gelegt: Gibt es Tätertypen? Welches Alter sind sie und welchen Bezug haben sie zu dem Kind? Welche Strategien nutzen sie, um sexuelle Handlungen an Kindern zu begehen? Dabei wird erwähnt, dass auch Frauen sexuelle Gewalt gegenüber Kindern ausüben, jedoch deutlich seltener. Aus diesem Grund wird in der Arbeit zur Vereinfachung „Täter“ nur in der männlichen Form verwendet.

Das darauffolgende Kapitel widmet sich den Fragen: Woran liegt es, dass es zu sexuellem Missbrauch kommt? Wie kommen Täter zu sexuellem Missbrauchsverhalten? Was macht eine „normale“ Bezugsperson eines Kindes zum „Täter“, zum „Misshandler“. Es wird untersucht, was einen Menschen zu dieser Tat zwingt. Es ist mir ein Anliegen, ein Verständnis für die Ursachen des Missbrauchs zu bekommen. Dafür werden Erklärungsansätze vorgestellt.

Zum Schluss wird ein Projekt zur Täterprävention beim sexuellen Missbrauch an Kindern dargestellt, um zu zeigen, wie man den sexuellen Missbrauch von Kindern verhindern kann, indem man bei den Verursachern ansetzt.

2. Sexueller Missbrauch von Kindern

2.1 Definition. Formen des sexuellen Kindesmissbrauchs

Bis heute gibt es keine allgemeingültige Definition von sexuellem Missbrauch. Die Unklarheit über die Definition wird zum einen durch die unterschiedlichen historischen und kulturellen Einstellungen zu sexuellen Kontakten von Erwachsenen bzw. Jugendlichen mit Kindern erschwert, zum anderen ist es durch die unterschiedlichen Forschungs- und Erklärungsansätze bedingt (vgl. Koch & Kruck, 2000, S. 3).

Es werden unterschiedliche Definitionskriterien je nach Einstellung der AutorInnen zugrundegelegt, wie die Art der sexuellen Handlung; die Absicht des Täters; der Machtmissbrauch; Altersunterschied zwischen Opfer und Täter; Druck zur Geheimhaltung; Ausmaß und Dauer der sexuellen Handlung; die Folgen der sexuellen Handlung; kulturelle Hintergründe der Tat (vgl. Koch und Kruck, 2000, S. 3ff.).

Bange und Deegener definieren sexuellen Missbrauch von Kindern als „jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund körperlicher, psychischer, kognitiver oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Der Täter nutzt seine Macht- und Autoritätsposition aus, um seine eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen“ (Bange & Deegener, 1996, S. 18).

Es wird zwischen einem intrafamiliären und extrafamiliären Missbrauch unterschieden. Intrafamiliärer Missbrauch bezeichnet den sexuellen Missbrauch durch Familienangehörige und Verwandte. Extrafamiliärer Missbrauch umfasst sexuelle Übergriffe durch Erziehungspersonen außerhalb des Elternhauses, Bekannte und fremde Personen[1].

Es gibt unterschiedliche Formen, in denen sexueller Missbrauch vorkommen kann. Sie werden in verschiedenen Kategorien eingeteilt. H. Saller unterscheidet drei Bereiche der sexuellen Gewalt gegen Kinder:

1. „Formen sexuellen Missbrauchs, die unmissverständlich sind:
- genital-oraler Verkehr (Cunnilingus, Fellatio)
- Eindringen in den After des Kindes mit Finger(n), Penis oder Fremdkörper(n)
- Eindringen in die Scheide des Kindes Finger(n), Penis oder Fremdkörper(n)

2. Andere ausbeutende Formen sexueller Handlungen an einem Kind sind:
- Berührung oder Manipulierung der Genitalien des Kindes
- Veranlassung des Kindes, die Genitalien des Erwachsenen zu berühren oder zu manipulieren
- Masturbation bei Anwesenheit des Kindes
- Veranlassung des Kindes, im Beisein des Erwachsenen zu masturbieren
- Reiben des Penis am Körper des Kindes
- Zeigen von pornografischen Abbildungen

3. Grenzwertige Verhaltensweisen, die in der Retrospektive oft zu Beginn sexueller Ausbeutung festgestellt werden, sind:
- Der Erwachsene zeigt sich nackt vor dem Kind
- Der Erwachsene zeigt dem Kind seine Genitalien
- Der Erwachsene möchte den Körper des Kindes „begutachten“
- Beobachtung des Kindes beim Ausziehen, Baden, Waschen, auf der Toilette, eventuell „Hilfsangebote“ dazu
- Küssen des Kindes auf intime Weise („Zungenküsse“)
- Altersunangemessene Aufklärung des Kindes über Sexualität, die nicht dem kindlichen Interesse entspricht, sondern dem exhibitionistischen und/oder voyeuristischen Bedürfnis des Erwachsenen dient“ (Koch & Kruck, 2000, S. 8f.).

2.2 Fakten und Daten

In Deutschland werden jährlich tausende Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern angezeigt.

Für das Jahr 2011 verzeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 12.444 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern. Es ist ein Anstieg um 4,9 % gegenüber dem Vorjahr, in dem 11.867 Fälle gezählt wurden. Es ist zu beachten, dass ein Fall mehrere Opfer betreffen kann, z.B. bei der Verbreitung von Missbrauchsabbildungen, Exhibitionismus. Dazu noch bildet die PKS in diesem Deliktsbereich nur diejenigen Fälle ab, die der Polizei bekannt werden, das sogenannte Hellfeld. Es sollte mit einem extrem hohen Dunkelfeld gerechnet werden, da nur die wenigsten Fälle tatsächlich zur Anzeige gelangen[2].

Man kann sich über die Zahlen spekulieren. Ich halte es aber für sinnvoll die Ergebnisse einer Dunkelfeldstudie zu bringen.

Bis vor einigen Jahren gab es in Deutschland nur eine einzige Repräsentativbefragung zum Thema sexueller Missbrauch in der Kindheit aus dem Jahr 1992, die von dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) mit ca. 3300 Befragten durchgeführt worden ist. Knapp zwei Jahrzehnte später hat das KFN eine zweite, inhaltlich erweiterte Untersuchung begonnen, die Ende 2013 komplett abgeschlossen sein wird. Stichprobe umfasst insgesamt N = 11.428 Personen (48,1% männlich; 51,9% weiblich) der Altersgruppe 16 bis 40, wobei das Durchschnittsalter bei 27 Jahren liegt. Der erste Forschungsbericht konzentriert sich auf 683 Personen, die vor ihrem 16. Lebensjahr mindestens eine sexuelle Missbrauchserfahrung gemacht haben. Bei der Altersgrenze unter 14 Jahren gaben 5% der Frauen und 1% der Männer an, sexuellen Missbrauch mit Körperkontakt erlebt zu haben. Von exhibitionistischen Handlungen männlicher Täter berichteten 4,5% der weiblichen und 1,3% der männlichen Befragten[3].

[...]


[1] vgl.URL: http://www.bmbf.de/pubRD/zwischenbericht_band_eins_kindesmissbrauch.pdf, S. 10 (Stand:04.09.2012)

[2] vgl.URL: http://www.bka.de/nn_205960/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/pks__node.html?__nnn=true (Stand:05.09.2012)

[3] vgl.URL: http://www.bmbf.de/pubRD/Erster_Forschungsbericht_sexueller_Missbrauch_2011(1).pdf (Stand:05.09.2012)

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656650997
ISBN (Buch)
9783656650966
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272824
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Erziehungswissenschaft und Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
sexueller missbrauch kindern fakten daten täter ursachen

Autor

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