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Schülerpartizipation am Bewertungsprozess im Schulsport

Bewertungsbögen als Möglichkeit der Schülerpartizipation am Bewertungsprozess im Schulsport einer 7. Klasse am Beispiel Jumpstyle

Examensarbeit 2013 31 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Arten der Leistungsbewertung
2.2 Schülerpartizipation am Bewertungsprozess
2.3 Kriteriengeleitete Fremdbewertung - der Bewertungsbogen
2.4 Jumpstyle - Ein Trend, der die Jugend bewegt

3 Angaben zur Lerngruppe

4 Planung
4.1 Konsequenzen für die praktische Umsetzung
4.1.1 Konzeption der Bewertungsbögen
4.1.2 Planung der Bewertungsphase

5 Durchführung und Reflexion
5.1 Analyse der Bewertungsphase
5.2 Auswertung der Bewertungsbögen

6 Auswertung der Fragebögen

7 Fazit und Ausblick

8 Anhang
8.1 Kurzübersicht der Unterrichtseinheit
8.2 Beobachtungsbogen
8.3 Aufbau der Bühne
8.4 Bewertungsbogen (blanko)
8.5 Lehrerbewertungen
8.6 Schülerbewertungen (Auswahl für Team Sky Jump)
8.7 Befragungsbögen vorher (Auswahl)
8.8 Befragungsbögen nachher (Auswahl)
8.9 Befragungsergebnisse (vorher)
8.10 Befragungsergebnisse (nachher)

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Unterrichtsfach Sport sehen sich die Lehrkräfte mit einem permanenten Dilemma konfrontiert. So müssen sie nicht nur ihrem Auftrag zur Motivierung der Schülerinnen und Schüler1 zu lebenslangem und außerschulischem Sporttreiben gerecht werden, sondern gleichermaßen deren Leistung bewerten. Basis dieser Leistungsbewertung sind in der Regel fremdbestimmte Kriterien, die für die Lernenden oftmals unverständlich und wenig nachvollziehbar oder gar unbekannt sind.2 Die Befragung (s. 8.9) der Lerngruppe (s. 3), die ich eigenverantwortlich unterrichte, bestätigte diesen Eindruck und offenbart gleichermaßen den Wunsch der Schüler, aktiver in den Bewertungsprozess eingebunden zu werden.

Vor dem Hintergrund der genannten Problematik besteht das geplante Vorhaben der schriftlichen Arbeit3 darin, die Schüler am Bewertungsprozess zu beteiligen (s. 2.3 u. 4.1) und dabei zu untersuchen, ob sie in der Lage sind, sich gegenseitig kriterienorientiert realistisch einzuschätzen (s. 5). Ferner soll die Methode auf Funktionalität und Praktikabilität hin überprüft werden. Ziel des Vorhabens kann bzw. darf es jedoch nicht sein, letztendlich 15 auch die Benotung an die Schüler abzugeben (s. 2.2).

Die Untersuchung der oben genannten Fragestellungen bietet für mich die Möglichkeit, meine Beurteilungskompetenz nach transparenten Maßstäben (Kompetenzbereich 3.1.3) zu entwickeln und die Fähigkeit der Schüler zur Fremdbeurteilung (Kompetenzbereich 3.1.5) zu fördern. Die Arbeit ist daher dem Kompetenzbereich 3 zuzuordnen.4

Die Trendsportart Jumpstyle eignet sich für das geplante Vorhaben, da die Lernenden in Kleingruppen eigene Choreographien entwickeln können, die in abschließenden Präsentationen von den jeweils zuschauenden Schülern kriteriengeleitet bewertet werden sollen. Im Sinne des erweiterten Bildungsauftrags steht hier weniger die Einzelleistung, als vielmehr der soziale Aspekt einer gemeinsam erarbeiteten und präsentierten Gruppenleistung im Vordergrund.

Nach der Erläuterung theoretischer Grundlagen zur Schülerpartizipation am Bewertungsprozess, zur Arbeit mit Bewertungsbögen und zur Sportart Jumpstyle (s. 2) folgen die Angaben zur Lerngruppe (s. 3). Im Anschluss daran werden Konsequenzen für die Praxis abgeleitet und die daraus resultierende Konzeption der Bewertungsbögen und der 30 Bewertungsphase dargestellt (s. 4). In einem weiteren Schritt werden Durchführung und Ergebnisse reflektiert (s. 5) und die Fragebögen (vorher/nachher) analysiert (s. 6). Die Arbeit schließt mit einem Fazit und Ausblick (s. 7), in dem die Funktionalität und Praktikabilität der Methode beurteilt und die Konsequenzen für weitere Vorhaben zusammengefasst werden.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Arten der Leistungsbewertung

Grundlage einer jeden Bewertung bildet das Wahrnehmen und Beobachten einer Leistung, die sich - mehr oder weniger - an bestimmten Kriterien orientieren sollte. Die Beobachtung 5 kann vom Agierenden selbst, aber auch von Außenstehenden vorgenommen werden. Im ersten Fall basiert eine letztendliche Selbstbewertung auf der Selbstbeobachtung, wobei vornehmlich intrinsische Rückmeldemechanismen zum Tragen kommen und somit die kompetente Selbsteinschätzung - stets im Vergleich mit sich selbst oder Anderen - gefördert und geformt werden kann.5

Fremdbewertungen hingegen stützen sich auf die Beobachtungen von Außenstehenden und bieten damit die Möglichkeit, nicht nur sich selbst, sondern auch die Leistung anderer Akteure realistisch und kompetent einschätzen und bewerten zu lernen. Hier bewerten sich Einzelpersonen oder aber Kleingruppen gegenseitig und geben differenziert Rückmeldungen.6

Vor diesem Hintergrund können Selbst- und Fremdbewertungen durch Schüler lernförderliche Partizipationsmöglichkeiten am Bewertungsprozess im Schulsport darstellen.7

2.2 Schülerpartizipation am Bewertungsprozess

Nach GERIKE kann davon ausgegangen werden, dass „mit den Schülern über Lernziele und über erforderliche Kriterien für die Bewertung offen und verständlich diskutiert werden kann 20 oder sollte (...)“8. Folglich muss es möglich sein, die Schüler am Bewertungsprozess von Leistungen zu beteiligen. Denn über diesen „so wichtigen Weg der Interaktion zwischen Lehrern und Schülern, für die die Schüler lernen müssen, (...) sich selbst und ihre Mitschüler realistisch einzuschätzen“9, können die Schüler ihre Beobachtungs- und Bewertungskompetenz schulen, wie es das Niedersächsische Kerncurriculum10 fordert. 25 Auch MIETHLING plädiert dafür, gerade im Sportunterricht Schüler-Schüler-Bewertungen mehr Raum zu geben, da sich „Schüler im Unterricht wechselseitig sehr wohl aufmerksam und keineswegs nur unkritisch wahrnehmen.“11 Daher bilde die Beteiligung der Schüler an entsprechenden Prozessen einen entscheidenden Bestandteil des sozialen Lernens im Sportunterricht und sei folglich als solcher zu nutzen.12

Auch WINTER befürwortet die Einbeziehung der Schüler in den Bewertungsprozess, wobei es lernpsychologisch besonders sinnvoll sei, „nicht mit der Selbstbewertung, sondern mit wechselseitigen Bewertungen unter Schülern zu beginnen, wenn man deren Selbstständigkeit erreichen möchte“.13 Kritischer betrachtet VOLKAMER die Beteiligung der Schüler an der Leistungsbewertung. So müsse die Schülerpartizipation klar auf die Teilhabe am Bewertungsprozess beschränkt bleiben, da das „Zensieren einen Sonderfall von Bewerten darstellt, bei dem das Definitionsmonopol der Bewertungskriterien nicht bei den Schülerinnen und Schülern liegt“14, sondern gesetzlich der Lehrkraft obliege. Der Lehrer spiele dem Schüler lediglich 10 Gleichberechtigung im Bewertungsprozess vor, was mehr einer vorgetäuschten, als einer erlebten Demokratie gleichkomme.15 Darüber hinaus bleibe vielfach verkannt, dass die Anwendungsmöglichkeiten solcher Verfahren „vom Alter der Schüler, der Schulform, dem Verhältnis zwischen Schülern und Lehrer, von der allgemeinen Atmosphäre im Sportunterricht und in der Klasse“16 abhängen.

Letzteres merkt auch BOHL an, bezeichnet diesen Kritikpunkt allerdings als generell im Vorfeld abzuwägenden Aspekt, der eine Schülerbeteiligung nicht erschweren oder gar verhindern, sondern durch die Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten grundsätzlich ermöglichen sollte. Darüber hinaus dürfe nicht vergessen werden, dass die Schülerpartizipation am Bewertungsprozess - wie jede andere Fertigkeit auch - Übung und 20 Wiederholung erfordere und daher auch die Möglichkeit des Misslingens bestünde.17

2.3 Kriteriengeleitete Fremdbewertung - der Bewertungsbogen

Da die Schüler lernen sollen, „sich selbst und andere realistisch einzuschätzen [und] das Anforderungsprofil einer Bewegungssituation zu bewerten“18, sollte eine solche Mitbewertung Einbeziehung der Schüler im Schulsport auf expliziten Kriterien basieren, um sinnvoll und 25 nachvollziehbar zu sein. BOHL schlägt daher vor, die Schüler bereits in der Vorbereitungsphase bei der Aufstellung der Kriterien zu beteiligen. Die Formulierung eigener Ziele und Bewertungskriterien allein durch die Schüler sei jedoch erst in einem fortgeschrittenen Beteiligungs- und Bewertungsstadium bzw. in höheren Klassenstufen adäquat umsetzbar.19

Für die Mitbewertung einer Präsentation im Schulsport empfiehlt BOHL die Fixierung dieser Kriterien auf einem Beobachtungs- bzw. Bewertungsbogen, der von den Schülern während der Durchführung arbeitsteilig bearbeitet werden kann.20 Dabei geht es nach WINTER nicht darum, Urteile wie gut, schlecht oder gefällt mir abzugeben, sondern vielmehr „die Arbeit anderer Schüler inhaltlich differenziert wahrzunehmen [und] sie bezüglich bestimmter Kriterien einzuschätzen [...]“21.

Die Verwendung von Beobachtungs- bzw. Bewertungsbögen dient einer systematischen Dokumentation von Schülerpräsentationen. Als Instrument für die Beteiligung am Bewertungsprozess jüngerer Schüler (6.-9. Jg.) sollte bei der Erstellung entsprechender Bögen besonderes Augenmerk auf die adäquate Kriterienanzahl und die Gestaltung der Ausprägungsgrade (Anzahl der Abstufungen von sehr gut bis zu verbessern) gelegt werden 10 (s. 4.1.1 u. 8.4). So sollte jeder Schüler möglichst nur ein Kriterium beobachten und anhand verständlicher und eindeutiger Indikatoren den Ausprägungsgrad der gezeigten Leistung bewerten müssen. Diese Bewertung sollte nicht im üblichen Notensystem vorgenommen werden. Es empfiehlt sich hier die Arbeit mit Smileys oder den Wertungszeichen + 0 -, um den Schülern die Scheu und dem Verfahren den Charakter einer Benotung zu nehmen.22 15 Wie bereits erwähnt, bietet sich für die Erprobung dieses Verfahrens der moderne Tanzstil Jumpstyle an, der sich bei Jugendlichen - wie auch auf dem Schulhof zu beobachten ist - zunehmender Beliebtheit erfreut.

2.4 Jumpstyle- Ein Trend, der die Jugend bewegt

Ursprünglich bezeichnet Jumpstyle einen Musikstil, der Anfang der 1990er Jahre in Chicago 20 aufkam. Melodisch und klanglich schlicht gehalten ging er aus dem amerikanischen Hard House (Newstyle) hervor und wurde durch das DJ-Duo Dance Works populär. Ab 2005 entwickelte sich zur Musik auch ein Tanzstil, der bis heute besonderen Zuspruch unter jungen Menschen findet.23

Der Tanzstil Jumpstyle hat seinen Ursprung in Belgien und den Niederlanden und wurde 25 durch die Verbreitung über Internetplattformen bekannt. Die ersten Videos wurden 2006 von Patrick „Jumpen“ Mantizz24 veröffentlicht, der bis heute als bekanntester und bester Jumper in der Szene gilt. Die von ihm maßgeblich geprägte Trendsportart basiert auf Sprüngen, kraftvollen und raumgreifenden Kicks mit Beinen und Füßen und wird zu elektronischer Musik mit ca. 140-150 bpm (beats per minute) getanzt.25

Jumpstyle wird entweder zu zweit als Duo-Jump oder in Kleingruppen als Group-Jump getanzt, weshalb das Augenmerk auf einer ausgefeilten Choreographie liegt, die durch bestimmte Gestaltungskriterien geprägt wird (Aufstellungsformen, Synchronität, Raumwege, Moves und Tricks).26 Mittlerweile haben sich in der Szene sogenannte Battles 27 etabliert, bei denen einzelne Teams (Jumpforces) an möglichst ausgefallenen Orten kostümiert gegeneinander antreten. 5 Der hierdurch entstehende Underground-Charakter scheint auf junge Menschen eine hohe Anziehungskraft auszuüben. Durch die Vielzahl an Videoportalen im Internet steigt die Zahl veröffentlichter Choreographien und neuer Tricks kontinuierlich und sorgt damit für eine rasante Weiterentwicklung des Tanzstils.28

Aktuell haben auch Tanzschulen29 Jumpstyle als Trendsportart für sich entdeckt, um junge 10 Menschen frühzeitig und auf moderne Weise an das Tanzen heranzuführen.

3 Angaben zur Lerngruppe

Die Lerngruppe der Klasse 7b, die ich seit Schuljahresbeginn eigenverantwortlich unterrichte, setzt sich aus 21 Mädchen und 8 Jungen zusammen. Die Schüler verhalten sich untereinander überwiegend freundlich, hilfsbereit und kooperativ. Lediglich vier der Jungen fallen gelegentlich in kognitiven Phasen und bei Sportarten, die ihnen wenig zusagen, durch mangelnde Konzentration und verbale Unterrichtsstörungen auf, wodurch Gruppenarbeitsphasen behindert werden können. Meist kann ich entsprechenden Störungen jedoch entgegenwirken.

Die Thematik Tanz stellt für fast alle Schüler einen völlig neuen Unterrichtsgegenstand dar. 20 Vielen ist Jumpstyle aber aus Internet und Fernsehen bekannt, weshalb alle Schüler dieser Unterrichtseinheit motiviert begegneten. Nur eine Schülerin verfügt bereits über ausgeprägte Vorerfahrungen im Jumpstyle und wird daher von mir als Expertin bzw. Lernhelferin eingesetzt. In Absprache mit ihr gehört sie damit keiner der Gruppen an, sodass insgesamt Schüler auf sechs Gruppen verteilt sind und gemeinsam mit dem Grundschritt (Basic Step) beginnen können.

Mit dem geplanten Verfahren der Einschätzung und Bewertung von Gruppenleistungen hat die Lerngruppe bisher kaum Vorerfahrungen sammeln können. Daher soll das Vorhaben in der vorletzten Doppelstunde und unmittelbar vor der Präsentationsphase bereits unter Wettkampfbedingungen einmal durchgespielt und erlebt werden (s. 4.2).

Auch die Präsentation von Gruppenleistungen vor der gesamten Klasse stellt für die Schüler eine ungewohnte Situation dar, weshalb zurückhaltende Schüler verängstigt reagieren könnten. Aufgrund des kooperativen Arbeitsklimas innerhalb der Lerngruppe erwarte ich allerdings, dass gerade schüchterne Schüler durch den Rückhalt der Gruppe und die Aufmerksamkeitsstreuung der Beobachter deutlich weniger Hemmungen haben werden, als bei Einzelauftritten.

Zu weiteren Schwierigkeiten bei der gegenseitigen Bewertung könnte es aufgrund von sympathie- bzw. antipathiebedingten Fehlbewertungen kommen. Darüber hinaus könnten 5 schwächere Schüler von leistungsstärkeren der eigenen Gruppe in der Benotung profitieren und andere Schüler sich dadurch ungerecht behandelt fühlen. Weiterhin könnten anfängliche Schwierigkeiten im Umgang oder mangelnde Arbeitsbereitschaft mit den Bewertungsbögen auftreten.

Aufgrund des guten Klassenklimas erwarte ich jedoch, dass die potenziellen Schwierigkeiten 10 das Vorhaben nicht gefährden werden.

4 Planung

4.1 Konsequenzen für die praktische Umsetzung

Aus den theoretischen Ausführungen (s. 2) und den Angaben zur Lerngruppe (s. 3) lassen sich verschiedene Konsequenzen für das geplante Vorhaben der Schülerbeteiligung am gegenseitigen Bewertungsprozess ableiten, die bei der Planung zu berücksichtigen sind. So gilt es, sowohl das Material (s. 4.1.1) als auch die Bewertungsphase (s. 4.1.2) erkenntnis- und lerngruppenadäquat zu gestalten.

4.1.1 Konzeption der Bewertungsbögen

Den spezifischen Gegebenheiten (s. 2.2 u. 3) angemessen, ist der Bewertungsbogen übersichtlich in Tabellenform und mit knappen Anweisungen und Indikatoren gestaltet (s. 8.4). Die zu bewertenden Kriterien (Anfangs- und Endpose, Formationen, Schritte/Moves, Synchronität, Taktgefühl) wurden gemeinsam am praktischen Beispiel (Video der deutschen Meisterschaft) in der ersten Doppelstunde erarbeitet und detailliert erläutert. So wurden die Schüler bereits in der Vorbereitungsphase an der Erarbeitung der Bewertungsgrundlage 25 beteiligt und eine klare Transparenz bezüglich der Präsentationsanforderungen geschaffen (s. 2.2).

Dem Alter und der kognitiven Leistungsfähigkeit der Schüler angemessen ist die Kriterienanzahl auf fünf wesentliche Aspekte begrenzt, die in der Findungsphase auch von den Schülern selbst als entscheidend erachtet worden sind. Dabei ist jedoch darauf geachtet 30 worden, dass der Hauptteil der Kriterien recht klar (zählbar) zu beobachten ist. So ist gewährleistet, dass sich jeder Schüler einer Gruppe bei der Beobachtung auf ein Kriterium konzentrieren kann und die Aufgabe für die Lerngruppe leistbar ist (s. 2.2 u. 3). Da zwei der sechs Gruppen nur aus vier Mitgliedern bestehen, muss in diesen Teams je ein Schüler zwei Kriterien bearbeiten. Hier bieten sich die Aspekte Anfangs- & Endpose und Formationen an, da sich diese zeitlich unabhängig voneinander beobachten lassen.

Die Einschätzung der beobachteten Kriterien ist jeweils an bestimmte Indikatoren gebunden, die ebenfalls zu Beginn der Unterrichtseinheit30 geklärt, jedoch von mir vorgegeben worden 5 sind, um Klarheit und angemessene Abstufungen zu gewährleisten. Sie bestehen aus knappen vorvormulierten Aussagen, die den Ausprägungsgrad der Kriterien einschätzbar und damit leichter bewertbar machen (s. 2.2 u. 2.3). Die letztendliche Bewertung der einzelnen Kriterien wird in einer selbsterklärenden Skalierung durch Ankreuzen vorgenommen (s. 8.4). Dabei wird bewusst auf die Verwendung einer Notenskala verzichtet, 10 um rechtlich einwandfrei zu agieren und dem Verfahren aus Schülersicht einen weniger ernsten Charakter zu verleihen (s. 2.2). Außerdem wird die Bewertungsmöglichkeit der Kriterien auf drei Ausprägungsgrade in Form von Smileys (☺ ) reduziert, da eine komplexere Skalierung die im Umgang mit Bewertungsbögen noch ungeübten Schüler überfordern würde (s. 2.3 u. 3).

Um anschließend aus den bewerteten Einzelkriterien eine Gesamtbewertung der beobachteten Choreographie zu erhalten, wertet jede Gruppe das Kriterienraster aus und überträgt ihr Ergebnis in die darunter abgebildete fünfstufige Bewertungsskala (‚in besonderem Maße’ - ‚nicht’) (s. 8.4). Die Gesamtbewertung einer Gruppenleistung richtet sich dabei nach der zuvor vergebenen Anzahl von Smileys, wobei die jeweilige 20 Entsprechung der fünf Möglichkeiten von mir vorgegeben worden ist (s. 4.1.1). Sämtliche Bewertungstätigkeiten der Schüler sind durch einfaches Ankreuzen leistbar. Dies ermöglicht eine schnelle und unkomplizierte Bearbeitung der Bögen während bzw. kurz nach der Präsentation, sodass sich die bewertenden Gruppen vollkommen auf das Beobachten konzentrieren können.

Um aber den effektiven Umgang mit den Bewertungsbögen während der abschließenden Präsentationen zu gewährleisten, müssen die aus den theoretischen Ausführungen (s. 2) abgeleiteten Konsequenzen und die Gegebenheiten der Lerngruppe (s. 3) auch bei der Planung der Bewertungsphase (s. 4.1.2) Berücksichtigung finden.

4.1.2 Planung der Bewertungsphase

Die abschließende Phase der Unterrichtseinheit rückt die Präsentationen und deren Bewertung durch die Schüler unter Prüfungsbedingungen in den Mittelpunkt. Dabei ist die Beteiligung der Schüler am Bewertungsprozess als Gruppenaktivität geplant und trägt somit der Forderung Rechnung, auf der einen Seite die Schüler bei den Beobachtungsaufgaben kognitiv nicht zu überfordern, auf der anderen Seite aber ausreichend Kriterien für eine 35 aussagekräftige Bewertung zur Verfügung zu stellen (s. 2.2 u. 2.3). Jeder Schüler kann sich auf ein Kriterium konzentrieren (s. 4.1.1) und erhält darüber hinaus die Möglichkeit, sich im Gruppengespräch sowohl mit den eigenen als auch mit den Beobachtungen und Einschätzungen der Gruppenmitglieder aktiv auseinanderzusetzen.

Zu Beginn der Stunde haben die Schüler kurz Zeit ihre Choreographien nochmals zu 5 wiederholen, bevor gemeinsam die Bühne für die Präsentationen aufgebaut wird (s. 8.3). Anschließend wird die Präsentationsreihenfolge ausgelost und der Bewertungsbogen detailliert besprochen. Dabei werden erneut die zu Beginn der Unterrichtseinheit vereinbarten Indikatoren zur Beurteilung des Ausprägungsgrades der Kriterien verdeutlicht (s. 4.1.1).

Aufgrund der mangelnden Erfahrung mit der gegenseitigen Bewertung (s. 3) wird der eigentlichen Bewertungsphase ein Probedurchgang vorangestellt, in dem die Schüler die Möglichkeit erhalten, das Verfahren im wertungsfreien Raum unter Realbedingungen zu erproben (s. 2.2). Unter Betonung der Wertungsfreiheit können so Erfahrungen beim Präsentieren und Bewerten gesammelt, Ängste und Hemmungen abgebaut, eine erste 15 Vergleichsgrundlage geschaffen und mögliche Schwierigkeiten im Umgang mit den Bewertungsbögen besprochen und geklärt werden.

Die folgende Bewertungsphase findet unter identischen Bedingungen statt. Dafür erhält jede Gruppe fünf personalisierte Bewertungsbögen. Bei jeder Präsentation beobachten und bewerten sie arbeitsteilig die Kriterien und dokumentieren dies auf dem jeweiligen Bogen. Ist 20 jedes Team einmal aufgetreten, folgt eine mündliche Rückmeldung gemäß der Präsentationsreihenfolge durch die zuschauenden Gruppen. Dabei nennen und begründen die jeweiligen Gruppenmitglieder ihre Bewertung der Einzelkriterien und verkünden dann eine Gesamtbewertung (s. 4.1.1). So erhält jede Gruppe ein detailliertes und nachvollziehbares Feedback zu ihrem Auftritt und hat darüber hinaus die Möglichkeit 25 Rückfragen zu stellen. Hier muss jedoch auf einen zeitlich überschaubaren und zielgerichteten Austausch geachtet werden, da die Schüler noch wenig Erfahrung mit der prägnanten Formulierung von Rückmeldungen haben (s. 3).

Die Lehrerbewertung kann erst anschließend in Heimarbeit geleistet werden, da es nicht möglich sein wird, alle Kriterien in der Kürze der Zeit zu beobachten und objektiv zu 30 bewerten. Folglich werden alle Auftritte auf Video aufgenommen (s. CD). Auch ein detaillierter Vergleich der Lehrer- und Schülerbewertungen wird aus Zeitgründen erst im Anschluss an die Stunde stattfinden können. Daher werden die Bewertungsbögen eingesammelt und ausgewertet, um Übereinstimmungen und Differenzen herauszuarbeiten. An dieser Stelle wird sich zeigen, ob und inwiefern Lehrer- und Schülerbewertungen 35 voneinander abweichen. Aus den Ergebnissen können letztendlich Rückschlüsse auf die realistische und kriterienorientierte Bewertungsfähigkeit der Schüler gezogen und mögliche Konsequenzen für vergleichbare Vorhaben abgeleitet werden.

[...]


1 Im Sinne eines besseren Leseflusses wird im Folgenden ausschließlich das generalisierende Maskulinum ‚Schüler‘ bzw. ‚Lehrer‘ verwendet.

2 Vgl. BOHL, T. (2001), S. 32f.

3 Aufgrund des begrenzten Umfangs kann diese Arbeit lediglich exemplarischen Charakter haben und erhebt daher nicht den Anspruch auf ein repräsentatives Ergebnis.

4 Vgl. Anlage zu § 2 Absatz 1 Satz 1 und § 9 Absatz 1 APVO-Lehr 2010.

5 Vgl. GRUPPE, O. & KRÜGER, M. (2007), S. 238.

6 Vgl. ebd., S. 239f.

7 Vgl. BOHL, T. (2001), S. 32f.

8 GERIKE, G. (1996), S. 109.

9 ebd., S. 110.

10 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.), S. 13.

11 MIETHLING, W.-D. (1997), S. 26.

12 Vgl. ebd., S. 26.

13 WINTER, F. (2011), S. 248.

14 MIETHLING, W.-D. (1997), S. 21.

15 Vgl. VOLKAMER (1997), S. 18.

16 VOLKAMER (1997), S. 17.

17 Vgl. BOHL, T. (2001), S. 49.

18 Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.), S. 13.

19 Vgl. BOHL, T. (2001), S. 49.

20 Vgl. BOHL, T. (2001), S. 49.

21 WINTER, F. (2011), S. 249.

22 Vgl. www.tu-dresden.de/paedagogik/Leistungsbewertung_mit_Bewertungsbogen (17.03.2013).

23 Vgl. DREILING, N. & DREILING, S. (2008), S. 88f.

24 Weitere Informationen zur Person unter www.patrickjumpstyle.com.

25 Vgl. PIOTROWSKI, D. (2011), S. 18.

26 Vgl. KATZER, D. (2009), S. 16f.

27 „Jumping is not a crime“ ist der aktuell bekannteste Wettbewerb in der Szene.

28 Vgl. www.jumpstyle-lernen.de/geschichte (23.03.2013).

29 Vgl. www.susannebothe.de/html/jumpstyle (23.03.2013).

30 Kurzübersicht der Unterrichtseinheit s. 8.1.

Details

Seiten
31
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656728313
ISBN (Buch)
9783656728269
Dateigröße
2.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272913
Note
1,5
Schlagworte
Pädagogik Schule Schulsport Schülerpartizipation Partizipation Teilhabe Schüler Bewertung Benotung Jumpstyle Jump Style Bewertungsprozess Bewertungsbogen Bewertungsbögen Referendariat empirisch Gymnasium Examensarbeit Beurteilung Lehrer Unterricht Kompetenz Trendsport

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Titel: Schülerpartizipation am Bewertungsprozess im Schulsport