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Kommunikation und Ausdruck aus ethnologischer Perspektive: Mediale Nutzung im Alltag

Essay 2013 9 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Dieses Essay behandelt die Aufgabenstellung „Beobachten Sie für eine Stunde in Ihrem näheren Umfeld die mediale Nutzung“ und stellt die Ergebnisse schriftlich dar.

Entscheidend für die Auswahl der beobachteten Situation waren zwei Faktoren. Zum einen eine geringe Personenanzahl und zum anderen ein privater, mir bekannter Raum. Der gewählte Ort sollte eine für mich gewohnte Umgebung sein, damit für die kurze Beobachtungsdauer von einem Abend genug Zeit für eine ausführliche Beobachtung blieb. Ein weiterer Vorteil in der Wahl eines bekannten Ortes war die kurze Eingewöhnungsphase der Probanden und ein ungezwungenes, freies Verhalten. Am Beobachtungsort, einer 40 Quadratmeterwohnung, waren neben mir noch zwei weitere Personen anwesend, so dass die mediale Nutzung von zwei männlichen und einer weiblichen Person beobachtet wurde, die sich am Freitagabend, den 28. Januar 2013, um 21.30 Uhr getroffen haben. Die Personenanzahl wurde bewusst gering gehalten, da dadurch eine detaillierte Beobachtung stattfinden konnte. Die beobachteten Personen waren Freunde, die sich seit mehreren Jahren gut kennen. Sie wussten nichts von meiner Aufgabe und waren deswegen bis zum Schluss ungehemmt in der Benutzung der medialen Gegenstände im Raum. Folgende Medien waren aktiv sowie passiv an diesem Abend im Gebrauch: Fernseher, Handy, Laptop, iPad sowie Brandeins-Magazine.

Der Grund für das Zusammentreffen war eine Verabredung zu einem ungezwungenen Fernsehabend mit Snacks und dem Austausch von Neuigkeiten unter Freunden. Der ausgewählte Film hieß ‚Pelham 123’, der im Rahmen des Sommerkinos im ZDF ausgestrahlt wurde. In dem amerikanischen Thriller spielen unter anderem Denzel Washington und John Travolta mit. Es handelt sich um ein Entführungsepos, bei dem die U-Bahn mit der Nummer 123 nach Pelham, New York City, den zentralen Schauplatz darstellt.

Die erste beobachtete Person ist Stefan, ein 29 jährigen Mann, der bereits fest im Arbeitsleben steht. Obwohl er ein Smartphone mit Touchscreen besitzt ist er kein Technik-Fanatiker, sondern ein normaler Nutzer, der die verfügbare Technologie einsetzt, aber nicht stets auf dem neusten Stand ist. Das Smartphone von Stefan ist somit auch ein älteres Modell. Die Smartphones ersetzten im Laufe der technischen Entwicklungen der letzten Jahre die bekannten Handys mit Tastatur. Ihr intuitives Bedienkonzept besitzt eine größere Funktionalität und einen hochauflösenden Bildschirm.

Im Gegensatz zu Stefan besitzt Julian, der zweite Proband, ein aktuelles iPhone. Als technikaffiner User beschäftigt er sich eingehend mit den verschiedenen Möglichkeiten, die ein Smartphone bietet und ist stets auf dem neusten Technologiestand. Julian ist 26 Jahre alt und studiert an der Hochschule Koblenz BWL. Als dritten Probanden beziehe ich mich selbst in die Beobachtung mit ein. Ich nutze ein Blackberry Handy der neueren Generation, das sich als Mischung aus Smartphone und Handy beschreiben lässt, da es sowohl eine Qwertz-Tastatur besitzt als auch einen berührungsempfindlichen Bildschirm.

Zwischen 21.30 Uhr und 21.40 Uhr trafen wir uns alle in der Wohnung von Julian, da dieser alleine in einer Einraumwohnung von etwa 40 Quadratmetern wohnt und nicht in einer WG, wo der Lautstärkepegel manchmal höher sein darf und die Beobachtung durch äußere Einflüsse hätte gestört werden können. Deshalb fiel die Entscheidung auf diesen Treffpunkt. Auch wenn mir der Beobachtungsort vorher schon bekannt war, möchte ich diesen in kurzen Sätzen beschreiben. Die Wohnung besteht aus einem kleinem quadratischem Flur, von dem rechts eine Tür zur Küche und eine Weitere zur Toilette führt. Wir wurden gebeten, durch die linke Tür einzutreten. Diese Tür führte mich in einen kombinierten Wohn-, Arbeits- und Schlafbereich. Alle Räumlichkeiten sind mit einem Dielenboden ausgestattet, der ab uns zu knarrt, wenn man hinüberläuft. Beim Eintreten fiel der Blick zu erst nach rechts zum anthrazitfarbenen Bett. Gegenüber vom Bett steht ein weißer Kleiderschrank, dessen Türen jeweils eine Milchglas ähnliche Glasscheibe eingearbeitet hatten. Dadurch war es möglich, ein paar dunkle Kleidungsstücke zuerkennen. Ein paar Schritte weiter befand sich die Stoffcouch. Sie ist in einem grau melierten Ton gehalten. Direkt gegenüber befand sich ein Glasschreibtisch und ein weißes Regal mit Ordnern sowie Fachbüchern aus dem BWL Studium. Der Fernseher war passend zum Sofa diagonal ausgerichtet.

Ich traf als erstes in der Wohnung ein und konnte mir somit einen ersten unangetasteten Eindruck von der medialen Ausstattung machen. Zuerst fiel mir neben dem laufenden Fernseher, der bereits auf ZDF eingestellt war, ein in einer Steckdose steckendes, typisch weißes Apple Ladekabel auf, an dem ein iPad lud. Dieses war durchgehend präsent und sichtbar, während ich meine Beobachtung durchführte. Es spielte zwar nur eine untergeordnete Rolle, dass es in der beobachteten Zeit nicht aktiv genutzt wurde, aber zumindest passiv anwesend war. Der laufende Fernseher nahm im Gegensatz dazu seine unabdingbare Rolle als Hauptmedium bei einem Filmabend ein. Neben dem Fernseher lagen noch vereinzelte Ausgaben des Brandeins Magazins herum, die wie das iPad an diesem Abend nicht zum Gebrauch kamen. Während ich mir ein Bild vom Raum machte bereitete Julian in der Küche einige Snacks zu. Einige Zeit später traf mit Stefan auch der letzte Proband ein.

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656651802
ISBN (Buch)
9783656651833
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273217
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2,0
Schlagworte
teilnehmende Beobachtung mediale Nutzung Ethnologie Kommunikation Ausdruck

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Titel: Kommunikation und Ausdruck aus ethnologischer Perspektive: Mediale Nutzung im Alltag