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Das Selbstverständnis Kaiser Justinians I. und der Nika-Aufstand in Konstantinopel

Kirche und Reich im Zeitalter Justinians

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 18 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entscheidende Historiker zur Zeit Justinians 1
und Corpus Iuris Civilils
2.1. Prokop
2.1.1. Herkunft und Leben
2.1.2. Werke
2.1.3. Sprache und Stil
2.2. Nachfolger Prokops
2.3. Corpus Iuris Civilils

3. Selbstverständnis Justinians
3.1. Herkunft und Werdegang des Kaisers
3.2. Deo auctore

4. Der Nika-Aufstand und seine Entstehung
4.1. Die Zirkusparteien und Kaiserwahl
vor Justinian
4.2. Justinians Kaiserkrönung
4.3. Der Nika-Aufstand
4.4. Der Offene Aufstand in Konstantinopel

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit sollen Einblicke in das Selbstverständnis Kaiser Justinians gegeben werden. Besondere Konzentration liegt auf dem Nika-Aufstand (532). Dessen Folgen konfrontierten den Kaiser mit seiner Vergangenheit und spiegeln sein Selbstverständnis wider.

Zunächst wird sich diese Arbeit mit einigen entscheidenden Historikern zur Zeit Justinians und deren Darstellungsweisen beschäftigen. Besondere Beachtung soll Prokopius, in der Folge Prokop genannt, bekommen. Hierbei sollen Prokops Herkunft und die Grundlagen seiner Geschichtsschreibung aufgezeigt werden. Außerdem wird der von Justinian initiierte Corpus Iuris Civilis skizziert.

Daraufhin werden Justinians Werdegang und Aufstieg zum Kaiser beschrieben. Auf seinen Onkel und Vorgänger Justin wird in dieser Arbeit nur sehr am Rande eingegangen. Das Selbstverständnis Justinians hingegen wird besonderes beleuchtet, da es sich stark auf seine Amtsführung auswirkt und sich auch im Nika- Aufstand bemerkbar macht.

Des Weiteren soll ein kleiner Überblick über die Zirkusparteien gegeben werden, um die treibenden Kräfte des Nika-Aufstands zu betrachten. Abschließend wird der Nika-Aufstand beschrieben und einige seiner Folgen für das weitere Handeln des Kaisers aufgezeigt.

2 Entscheidende Historiker zur Zeit Justinians und Corpus Iuris Civilils

In diesem Teil der Arbeit sollen entscheidende Geschichtsschreiber aus der Zeit Justinians beleuchtet werden. Ziel soll ein Überblick über die verschiedenen Darstellungsweisen und die Art der Geschichtsschreibung im 6. Jahrhundert sein. Im Mittelpunkt steht hierbei Prokop, aufgrund von Ausführlichkeit seines Werkes, insbesondere den später zu behandelnden Nika-Aufstand betreffend.

2.1 Prokop

Zunächst soll sich dieser Abschnitt mit der Herkunft und dem Leben Prokops beschäftigen. Daraufhin wird ein Überblick über seine Werke hinsichtlich ihres Stils und Inhalts gegeben.

2.1.1 Herkunft und Leben

Prokop wurde um 500 in Caesera geboren und stammte aus einer privilegierten Familie. Seine Herkunft erlaubte ihm eine juristische Ausbildung, wobei er auch in Sprache und Philosophie gelehrt wurde[2]. 527 wurde er von Kaiser Justin zum Rechtsbeistand des oströmischen Feldherrn Belisar berufen, den er auf „allen seinen Feldzügen in Asien, Afrika und Europa“[3] begleitete. Somit war er über die militärischen Vorgänge informiert und bekam tiefe Einblicke in die Führungselite Konstantinopels. Es gilt als wahrscheinlich, dass er auch die Anweisungen Kaiser Justinians an Belisar, übermittelt über die Feldpost, kannte[4]. Bis 540 blieb Prokop im Stab Belisars und sammelte somit quasi an vorderster Front Informationen für sein Geschichtswerk. Das gesammelte Material und seine Bildung ermöglichten es ihm, zum Hauptvertreter der Geschichtsschreibung zur Zeit Justinians zu werden.[1]

2.1.2 Werke

Um 550 stellte Prokop sein Hauptwerk über die Kriege Kaiser Justinians, der in griechischer Sprache verfassten, achtteiligen Kriegsgeschichte (Bella) fertig. Die ersten beiden Bände behandeln den persischen Kriegsschauplatz, während die Bände drei und vier die Vandalenkriege in Nordafrika abhandeln. Während Prokop in den Bänden fünf bis sieben von den Kriegen gegen die Ostgoten in Italien berichtet, stellt Band acht eine Zusammenfassung der weiteren Kriege dar. Protagonist der Kriegsgeschichte ist Heermeister Belisar, dem Prokop immer wieder Lob zukommen lässt.[5]

Abgesehen von der Kriegsgeschichte verfasste Prokop eine Anekdota (Geheim-geschichte) und De Aedificiis. Letzteres ist ein sechsbändiges Werk über die Bautätigkeit Justinians und geographisch angeordnet.

2.1.3 Sprache und Stil

In der Anordnung seiner Werke orientierte sich Prokop an Appian, ordnete sowohl seine Kriegsgeschichte als auch Über die Bauten nach geographischen Aspekten an, so dass einzelne geschlossene Abschnitte entstanden. Literarisch richtete er sich nach Herodot, den schon Cicero zum pater historiae, also zum „Vater der Geschichts-schreibung“[6], erhob. Erhalten von Herodot sind die Historien, in denen er die Kriege der Griechen gegen die Perser, unter anderem unter Xerxes im fünften Jahrhundert v. Chr. auf hohem sprachlichen Niveau veranschaulicht.[7] Eben diesen literarischen Wert haben auch die Werke Prokops, die deshalb nicht als reine Kriegschronik zu sehen sind, sondern als Geschichte der Zeit Justinians.

Prokop übt in seinen Werken keine Kritik am Kaisertum im Allgemeinen, an Personen und an der Politik Justinians hingegen schon. In seiner Geheimgeschichte, wagt Prokop es, sowohl Justinian als auch Theodora mit „mißgünstigem Blick und einseitig bitterem Urteil“[8] zu betrachten. Ebenfalls kritisiert werden Kriegsentscheidungen des Kaisers, die den Feldherrn Belisar in Verlegenheit brachten. In der Kriegsgeschichte formuliert Prokop noch mit diplomatischer Vorsicht. Diese lässt er in der Geheimgeschichte fallen und bringt seine subjektiven Empfindungen über Fehlentscheidungen und Charakterschwächen des Kaisers zum Ausdruck.[9]

Insgesamt ist die Geheimgeschichte ein an den Lebensläufen des Kaiserpaares orientiertes Pamphlet gegen Justinian und Theodora, in dem Prokop die innere Geschichte des Reiches mit persönlichen, politischen Ansichten ausarbeitet[10]. Aufgrund der starken Polemik gegen Justinian und Theodora, die Prokop nicht als Menschen, sondern „mörderische Dämonen“ beschreibt, ist zu vermuten, dass die Geheimgeschichte nicht zu Lebzeiten Prokops veröffentlicht wurde. Den Kaiser nennt er gar ein furchtbares Wesen und schreibt ihm „an unnatural mixture of folly and wickedness“[11] - also „eine ungewöhnliche Mischung von Dummheit und Bosheit“ [Übs. KB] - zu. Besonders im Kontrast zur Geheimgeschichte steht die Baugeschichte. Prokop schildert hierin die Bauten Justinians, die zahlreichen Marienkirchen hebt er vor übrigen Kirchenbauten außerordentlich hervor.[12] Außerdem beschreibt er unter Justinian angeordnete und erstellte Grenzbefestigungen und Wasserversorgungen. Bestehend aus sechs Büchern kommt die Baugeschichte einer Lobrede auf den Kaiser gleich.[13] Dort bezeichnet Prokop den Kaiser als „Mehrer des Reiches“[14]. Dieser Kontrast bestärkt die Vermutung, dass die Geheimgeschichte lediglich für oppositionelle Zirkel geschrieben, nicht aber zur Veröffentlichung bestimmt war.

2.2 Nachfolger Prokops

An Prokop schließt der 532 in Myrina[15] geborene Agathias an, ohne jedoch dessen Genauigkeit und sprachliches Niveau zu erreichen[16]. Er studierte in Alexandria Rechtswissenschaften und ist Verfasser eines erotischen Werks mit Titel Daphniaka Kyklos. Sein Geschichtswerk über die Regierungszeit Justinians behandelt die Jahre 552 bis 559[17].

Agathias´ Geschichtswerk über Justinian führt Menander Protector ab 558 in altgriechischer Sprache fort. Menander gehörte, das zeigt auch sein Beiname der kaiserlichen Garde an. Er studierte wie Prokop und Agathias Rechtswissenschaften und genoss eine klassische Ausbildung[18]. Zur Überlieferung des Friedensvertrags zwischen Justinian und dem persischen König Chosrau im Jahr 561[19] benutzte er Archive als Quellen. Auch seine literarische Form ist weniger schön als die Prokops, inhaltlich aber ist Menanders Arbeit sehr genau. Sein Werk endet mit dem Jahr 582.

Johannes Malalas ist der Verfasser einer christlichen Weltchronik[20], die bis 18 Bücher umfasst und zu großen Teilen erhalten ist. Der Text der Haupthandschrift bricht zwei Jahre vor Ende der Regierungszeit Justinians, also im Jahr 563, ab.

Der Beiname Malalas geht auf die syrische Wurzel mll zurück, was so viel bedeutet wie das Lateinische eloquens [21] . Letzteres stellte in der Antike eine auch für Theologen gebräuchliche Bezeichnung dar und wird für rhetorisch ausgebildete Menschen verwendet. Auch Johannes Malalas genoss eine juristische Ausbildung.

[...]


[1] Vgl. Abschnitt: Dahn, Felix: Prokopius von Cäsarea. Berlin 1865, S. 12ff.

[2] Vgl.: Ducellier, Alain: Byzanz. Das Reich und die Stadt. Sonderausgabe, Köln 2000 S. 492

[3] Dahn, Felix: Prokopius von Cäsarea. Berlin 1865, S. 12

[4] Dahn, Felix: Prokopius von Cäsarea. Berlin 1865, S. 12.

[5] Vgl. Abschnitt: Dahn, Felix: Prokopius von Cäsarea. Berlin 1865, S. 12ff.

[6] Vgl.: Meier, Mischa: Die Deiokes-Episode im Werk Herodots - Überlegungen zu den Entstehungsbedingungen griechischer Geschichtsschreibung. In: Meier, Mischa / Patzek, Barbara / Walter, Uwe / Wiesehöfer, Josef: Deiokes, König der Meder. Eine Herodot-Episode in ihren Kontexten. München 2004, S. 37

[7] Vgl.: ebd. S. 42ff.

[8] Schubar, Wilhelm: Justinian und Theodora. München 1943, S. 36

[9] Vgl.: Rubin, Berthold: Das Zeitalter Iustinians. In: Carmelo Capizzi (Hg.). Berlin 1995, Bd. 2, S. 240 f.

[10] Vgl.: Ducellier, Alain: Byzanz. Das Reich und die Stadt. Sonderausgabe ,Köln 2000 S. 494f.

[11] Prokopius: Geheimgeschichte. The Secret History of Procopius. Übers. aus dem Griech. ins Englische von Richard Atwater. S.91, New York 1927

[12] Vgl.: Meier, Mischa: Justinian. Herrschaft, Reich und Religion. München 2004, S. 54

[13] Vgl.: Ducellier, Alain: Byzanz. Das Reich und die Stadt. Sonderausgabe ,Köln 2000 S. 494f.

[14] PROKOPIUS: Aedificia 1,1,8.

[15] Vgl.: Schühlein, Franz Xaver: Art. Agathias. In: LThK I (³1993-2001), Sp.185

[16] Vgl.: Ducellier, Alain: Byzanz. Das Reich und die Stadt. Sonderausgabe ,Köln 2000 S. 494f.

[17] Vgl.: ebd. S. 494f.

[18] Vgl.: Pertusi, Agostino: Art. Menander. In: LThK VII (³1993-2001), Sp.266

[19] Vgl.: Krumbacher, Karl: Geschichte der Byzantinischen Litteratur. Von Justinian Bis Zum Ende des oströmischen Reiches (527-1453).New York 1958, 2. Auflage,Bd. I, S. 239ff.

[20] Vgl.: Ionannis Malalae: Chrongraphiae (Corpus Fontium Historiae Byzantinae Vol.35) Übers. Von Johannes Thurn (Hg.), Berlin 2000, S. 1f.

[21] Vgl. Abschnitt: ebd., S. 1ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656658627
ISBN (Buch)
9783656658610
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273606
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Seminar für Alte Kirchengeschichte
Note
1,3
Schlagworte
Justinian Nika Aufstand Zirkusparteien Kaiserkrönung Prokop Malalas Corpus Iuris Civilis Deo auctore Konstantinopel 532

Autor

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Titel: Das Selbstverständnis Kaiser Justinians I. und der Nika-Aufstand in Konstantinopel