Lade Inhalt...

Georg Simmels Begriff der individuellen Freiheit unter den Bedingungen des Wandels von der Tausch- zur Geldwirtschaft

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition zentraler Begriffe

3. Entwicklung der Geldwirtschaft am Beispiel der Landwirtschaft

4. Individuelle Freiheit in Abhängigkeit von wirtschaftlichen Ordnungen
4.1 Tauschwirtschaft und Freiheit
4.2 Geldwirtschaft und Freiheit

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dass die Freiheit des Individuums wesentlich von den Bedingungen der ihn umgebenden Gesellschaft abhängt und damit von den Möglichkeiten, die diese ihm hinsichtlich seiner Entfaltung gewährt, ist ein allgemein vertrauter Gedanke. Ebenso verbreitet ist die Vorstellung, dass sich hinsichtlich der individuellen Freiheit die Bedingungen in der westlichen Welt über die vergangenen Jahrhunderte insgesamt verbessert haben.

Dass unsere gewachsene Unabhängigkeit auch soziale Nachteile und Beschränkungen hinsichtlich unserer persönlichen Wahlfreiheit in Sachen Lebensstil und individueller Lebensgestaltung mit sich bringt, zeigt sich unter anderem in der zunehmenden Suche nach alternativen Formen von Arbeits- und Lebenszusammenhängen. Genannt seien hier zum Beispiel das wachsende Interesse an Wohnprojekten in Selbstverwaltung oder Tauschbörsen im Internet und in den Kleinanzeigen der Zeitungen als Form geldfreien Handels, wobei auch Dienst- und Handwerksleistungen angeboten werden. Auch die neue Möglichkeit zum Anteilserwerb an den Produkten einzelner Biobauernhöfe, um den regionalen Handel zu unterstützen gehört dazu.

Georg Simmel, Mitbegründer der modernen Soziologie, stellt in seiner 1900 erschienenen „Philosophie des Geldes“ die Frage nach den Zusammenhängen von Geldwirtschaft und der Entstehung neuer Freiheiten.

In der vorliegenden Hausarbeit werde ich, seiner Argumentation folgend, wesentliche Merkmale der unterschiedlichen Gestaltung individueller Freiheit in Zeiten des Vorherrschens der Tauschwirtschaft und denen der Geldwirtschaft herausarbeiten. Neben dem Aspekt zunehmender individueller Freiheit in der Neuzeit sollen dabei auch die problematischen Folgen und sich ergebende gesellschaftliche Einschränkungen aus der Entstehung des Geldverkehrs dargestellt werden.

Dazu werde ich zunächst im Überblick die Veränderungen im Tausch von Waren und Arbeitsleistungen vor Beginn der Neuzeit hinsichtlich ihrer Bedeutung für die individuelle Freiheit darstellen. Der Vergleich der unterschiedlichen Ausprägung persönlicher Freiheiten in ihrem Zusammenhang mit Formen von Tausch- und Geldwirtschaft soll dem Verständnis unterschiedlicher Gestaltungsmöglichkeiten im Leben des Einzelnen dienen. Zum Ende werde ich in einer abschließenden Bewertung die Vor- und Nachteile des durch die Geldwirtschaft nahe gelegten Verständnisses von individueller Freiheit herausarbeiten.

2. Definition zentraler Begriffe

Im folgenden definiere ich die in dieser Arbeit verwendeten Begriffe Freiheit, Individualismus und Tauschwirtschaft.

Nach Simmel definiert sich Freiheit wie auch Unfreiheit als etwas, was sich unter Menschen ereignet.[1] Die äußerste Form der Unfreiheit erleidet der Mensch, der als Eigentum ganz, mit seinem Körper und in allen seinen Lebensfunktionen einem anderen Menschen gehört - so in Gesellschaftsformen, die auf Sklaverei oder Leibeigenschaft beruhten -. Dabei bringt die äußere Unfreiheit auch eine innere Unfreiheit hervor, die Seele ist dadurch beschränkt, dass die Interessen und die seelische Entwicklung durch die äußere Abhängigkeit eingeschränkt erscheinen.[2] Die geistige Freiheit kann von den wirtschaftlichen Bedingungen nie ganz unabhängig sein, denn dazu ist deren Bedeutung für die Lebensbedingungen des Einzelnen zu groß.[3]

Freiheit definiert sich nach Simmel auch als die Freiheit zum Wechsel der Beziehungen, die ein Mensch eingeht. Somit ist ein Arbeiter, der die Möglichkeit hat, ein Arbeitsverhältnis zu beenden und sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen, in einem höheren Maße frei, als ein Lehnsbauer, der an seinen Grund und darüber hinaus noch an einen Großgrundbesitzer gebunden war.

Nur derjenige Mensch ist als frei zu beschreiben, dessen gesamte Energien sich ausschließlich zu seinen eigenen Zwecken und Normen entwickeln und ausleben.[4]

Den Begriff Individualismus betreffend beschreibt Simmel, dass „ […] jedes Element einer Gruppe nicht nur Gesellschaftsteil, sondern auch außerdem noch etwas ist.“[5]

Dabei ist „die Art seines Vergesellschaftet-Seins [...] bestimmt oder mitbestimmt durch die Art seines Nicht-Vergesellschaftet-Seins.“[6], weshalb Simmel zwei Formen von Individualismus unterscheidet: Den quantitativen einerseits und den qualitativen andererseits.

Der Unterschied besteht darin, dass der quantitative Individualismus „sein Ideal in der Gleichheit und Gleichberechtigung der gesellschaftlichen Elemente sieht“, während für den qualitativen Individualismus die Unterschiede zwischen den Individuen „den ganzen Sinn der Menschheit ausmachen“[7].

Ich beschreibe also zwei Formen individueller Freiheit, unter einem quantitativen Aspekt als Chancengleichheit aller im gesellschaftlichen Prozess und unter qualitativem Aspekt als Freiheit zur individuellen Eigenart des Einzelnen.

Laut Simmel beruht die Gesamtheit der Beziehungen von Menschen untereinander auf unterschiedlichsten Tauschvorgängen.[8] Als Tauschwirtschaft - der Begriff findet sich so bei Simmel nicht - bezeichne ich in dieser Hausarbeit die Formen des Warenverkehrs vor der allgemeinen Einführung des Geldes als universelles Zahlungsmittel. Das beinhaltet insbesondere den Erwerb einer Ware oder Leistung durch Austausch gegen eine andere Ware oder Leistung.

3. Entwicklung der Geldwirtschaft am Beispiel der Landwirtschaft

Simmels Werk zur Philosophie des Geldes erscheint zur Zeit des industriellen Wachstums und der damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderung.[9] Er beschäftigt sich darin mit der Frage, welchen Einfluss das Geld auf die Gestaltung sozialer Beziehungen innerhalb einer Gesellschaft nimmt, und betrachtet dabei wesentlich auch die Entwicklung der individuellen Freiheit unter den Bedingungen der Geldwirtschaft. Dabei beleuchtet er zuerst die Bedingungen individueller Freiheit unter den Bedingungen der zuvor geltenden wirtschaftlichen Ordnungen.

Zu Zeiten der Sklaverei konnte ein Mensch mit allen Aspekten seines individuellen Lebens, allen seinen Fähigkeiten und Leistungen Eigentum eines anderen Menschen sein und war daher nach Simmel im größten denkbaren Sinne unfrei.[10] Auch ein leibeigener Bauer war seinem Herrn in vielerlei Hinsicht ausgeliefert und abhängig von dessen Wohlwollen.

[...]


[1] Vgl. Simmel. 2009, S. 459

[2] Vgl. Simmel. 2009. ebd. S. 480

[3] Vgl. Simmel. 2009. ebd. S. 483

[4] Vgl. Simmel. 2009. ebd. S. 481

[5] Mürner, Beat. Die individuelle Freiheit – Gesellschaftliche Determinanten der Individualisierung. URL: http://socio.ch/sim/on_simmel/t_muerner.htm, Z.122

[6] Mürner, Beat. ebd. Z. 123

[7] Mürner, Beat. ebd. Z. 130

[8] Vgl. Simmel. 2009. ebd. S. 63

[9] Vgl. Bichler, Gisela. Geld und personale Autonomie als Themen der Philosophie. 2011. Bonn. URL: http://hss.ulb.uni-bonn.de/2011/2506/2506.pdf

[10] Vgl. Simmel. 2009. ebd. S. 430

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656669227
ISBN (Buch)
9783656669197
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273864
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Schlagworte
Geld und Freiheit Georg Simmel Tauschwirtschaft Geldwirtschaft Philosophie des Geldes individuelle Freiheit Wandel der Tausch- zur Geldwirstchaft

Autor

Zurück

Titel: Georg Simmels Begriff der individuellen Freiheit unter den Bedingungen des Wandels von der Tausch- zur Geldwirtschaft