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Sprache der Nähe und der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit des Französischen

Hausarbeit 2010 14 Seiten

Französisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Verschiedene Modelle von Mündlichkeit und Schriftlichkeit
2.1 Medium und Konzeption nach Ludwig Söll
2.2 Das Nähe- Distanz Modell nach Koch/ Österreicher
2.2.1 Die Kommunikationssituation
2.2.3 Versprachlichungsstrategien

3 Korpus Analysen
3.1 Nähesprachliche Merkmale im Comic La vie secrète des jeunes von Riad Sattouf
3.1.1 Textuell- pragmatischer Bereich
3.1.1.1 Gliederungssignale
3.1.1.2 Turn-taking -Signale
3.1.1.3 Kontaktsignale (Sprecher- und Hörersignale)
3.1.1.4 Überbrückungsphänomene (hesitation phenomena)
3.1.1.5 Korrektursignale
3.1.1.6 Interjektionen
3.1.1.7 Abtönungsphänomene
3.1.2 Syntaktischer Bereich
3.1.2.1 Kongruenz- Schwächen
3.1.2.2 Anakoluthe; Kontamination, Engführungen, Ellipsen
3.1.2.3 Parataxe und Hypotaxe
3.1.2.4 Interrogation
3.1.2.5 Negation
3.1.3 Semantischer Bereich
3.1.3.1 Passe- partout- Wörter
3.1.3.2 Präsentative
3.1.4 Lautlicher Bereich
3.2 Distanzsprachliche Merkmale in der politischen Rede Les changements climatiques dans le monde von Jacques Chirac
3.2.1 Textuell- pragmatischer Bereich
3.2.2 Syntaktischer Bereich
3.2.3 Semantischer Bereich

4 Resümée

5 Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Die rasante technische Entwicklung in den letzten Jahrzehnten hat dafür gesorgt, dass sich die Möglichkeiten menschlicher Kommunikation breit ausdifferenziert haben. Mobiltelefone, Chaträume und Blogs sind aus dem Leben eines normalen Durchschnittsmenschen nicht mehr wegzudenken. Damit gehen eigene Sprachstile einher, die sich aus dem jeweiligen Kontext gebildet haben: SMS-Sprache und Chatsprache gelten als Paradebeispiele. Doch welche Kriterien zeichnen hierbei den Unterschied zur Hochsprache aus und wie lässt sich eine wissenschaftliche Einordnung vornehmen? Im Folgenden soll zunächst ein Überblick über die theoretischen Grundlagen von Schriftlichkeit und Mündlichkeit gegeben werden, bevor im zweiten Teil der Arbeit anhand zweier Textbeispiele die konkreten Merkmale der französischen Nähe- und Distanzsprache aufgezeigt werden.

2 Verschiedene Modelle von Mündlichkeit und Schriftlichkeit

Sprachliche Äußerungen lassen sich entweder gesprochen (mündlich) oder geschrieben (schriftlich) realisieren. Damit wird deutlich, dass sich diese zum einen in Form von Lauten (phonisch) oder in Form von Schriftzeichen (graphisch) manifestieren können. Diese zweigliederige Unterscheidung erlaubt es jedoch keinesfalls, alle Äußerungen in einer Sprache einem dieser beiden Felder zuzuordnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Kontinuum von Schriftlichkeit und Mündlichkeit nach Koch/Österreicher

Durchaus finden sich graphisch realisierte Äußerungen, beispielsweise Comics, stichwortartige Notizzettel oder Ansichtskarten, die kaum mit der Vorstellung von Schriftlichkeit zu vereinbaren sind. Auf der anderen Seite existieren phonisch realisierte Äußerungen, beispielsweise ein Festvortrag, eine Grabrede oder eine Schlossführung, deren Duktus eher dem der Schriftlichkeit entspricht, da sich anhand eines schriftlichen Dokumentes orientiert wird (vgl. Koch/ Österreicher, S.5). Eine nur einachsige Einteilung mit den zwei Polen Mündlichkeit und Schriftlichkeit bzw. gesprochene und geschriebene Äußerung (siehe Abbildung 1) reicht also nicht aus, um das komplette Spektrum sprachlich realisierter Äußerungen abzudecken.

2.1 Medium und Konzeption nach Ludwig Söll

Aus diesem Grund hat Ludwig Söll 1974 eine weitere Einteilung der beiden Pole Schriftlichkeit (graphisch) und Mündlichkeit (phonisch) vorgenommen. Mit den beiden Begriffen Medium und Konzeption fügt er zwei neue Ebenen zu der schon bestehenden der Mündlichkeit und Schriftlichkeit hinzu. Somit ergibt sich dann das Medium der Realisierung (phonisch/ graphisch)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Medium und Konzeption nach Söll

sowie die Konzeption (phonisch/ graphisch).

Die in Abb.2 durchgezogene Linie auf Ebene des Mediums, zwischen graphischem und phonischem Code signalisiert die hier bestehende Dichotomie: Die Äußerung ist also entweder geschrieben oder gesprochen. Auf der Ebene der Konzeption hingegen findet sich nur eine gestrichelte Linie, die das oben erläuterte Kontinuum widerspiegelt. Eine Grußkarte an einen Freund beispielsweise ist konzeptionell mündlich, d.h. der Verfasser drückt sich so aus, wie er sprechen würde, medial gesehen ist die Grußkarte aber schriftlich, da sie graphisch realisiert ist. Eine Sprechermeldung im Fernsehen hingegen ist konzeptionell schriftlich, da der Sprecher sich an einem vorliegenden Plan orientiert, medial gesehen handelt es sich aber um eine phonische Äußerung (vgl. Koch/ Österreicher, S.5 f.).

Insgesamt können so also vier Möglichkeiten sprachlicher Äußerungen unterschieden werden.

2.2 Das Nähe- Distanz Modell nach Koch/ Österreicher

2.2.1 Die Kommunikationssituation

Bevor nun auf die erweiterte Version der Söllschen Begriffseinteilung eingegangen wird, ist es wichtig, die essentiellen Instanzen und Faktoren der sprachlichen Kommunikation vor Augen zu haben. Zwei Interaktionspartner, die miteinander in Kontakt treten, sind dazu vonnöten. Im Wechselspiel nehmen sie die Gesprächsrolle des Produzenten bzw. des Rezipienten ein. Daraus entsteht eine Nachricht, ein Diskurs oder auch ein Text, der sich auf Gegenstände und Sachverhalte der außersprachlichen Wirklichkeit bezieht. Rezipient und Produzent sind dabei herausgefordert, sich im Spannungsfeld der Linearität sprachlicher Zeichen zu bewegen, aber gleichzeitig den Vorgaben der Einzelsprache sowie jenen der komplexen, vieldimensionalen außersprachlichen Wirklichkeit gerecht zu werden. Eingebunden ist die Kommunikationssituation in personale, räumliche und zeitliche Zeigfelder (Deixis) und bestimmte Kontexte (vgl. Koch/ Österreicher, S.8).

2.2.2 Kommunikationsbedingungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3 Nähe- Distanz Kontinuum nach Koch/Österreicher (1985)

Koch/ Österreicher erweitern das oben vorgestellte Modell Ludwig Sölls (1974) um zwei weitere Komponenten: die Kommunikationsbedingungen sowie die sogenannten Versprachlichungsstrategien.

Unter erst genannten verstehen sie Parameter, die auf der Ebene des konzeptionellen gesprochen/ geschrieben Kontinuums eine bedeutende Rolle spielen. Wie aus Abb.3 hervorgeht, zählen dazu der Grad der Öffentlichkeit, die stark von der Zahl der Rezipienten sowie dem Vorhandensein eines Publikums abhängt. Der Grad der Vertrautheit der Partner, der auf der vorherigen gemeinsamen Kommunikationserfahrung, dem gemeinsamen Wissen basiert, ist ein weiterer Faktor. Der Grad der Emotionalität, d.h. die Affektivität der Partner oder die Expressivität, die auf einen Gegenstand gerichtet ist, sind hier von Bedeutung. Situations- und Handlungseinbindung und der Referenzbezug sind weitere Faktoren. Ganz entscheidend für die Einordnung auf dem Kontinuum ist die physische Nähe der Kommunikationspartner: Physische Distanz und räumliche Nähe können hier differenziert werden. Darüber hinaus sind noch die jeweiligen Grade der Kooperation, der Dialogizität, der Spontaneität und jener der Themenfixierung zu beachten. Wichtig zu erwähnen wäre hierbei, dass bei allen genannten Faktoren graduelle Abstufungen möglich sind. Einzige Ausnahme, bei der eine Dichotomie vorliegt, ist der Aspekt der physischen Distanz, da eine Person sich entweder in unmittelbarer Nähe der anderen befindet (face to face -Kommunikation) oder räumlich entfernt ist.

Abb. 3 zeigt nochmals die beiden Pole der Nähe und Distanz auf dem konzeptionell gesprochen/geschrieben Kontinuum: die Vielzahl von Kommunikationsformen, vom familiären Gespräch, über das Zeitungsinterview zum Gesetzestext, lassen sich alle innerhalb der festgelegten Pole einordnen (vgl. Koch/ Österreicher, S.8 ff.).

2.2.3 Versprachlichungsstrategien

Zuvor erläuterte Kommunikationsbedingungen haben sich in erster Linie auf außersprachliche Aspekte des Kommunikationsaktes bezogen. Nun soll auf die konzeptionell wichtigen Aspekte, die sogenannten Versprachlichungsstrategien eingegangen werden. Ein großer Unterschied zwischen Nähe- und Distanzsprache „betrifft gerade das Ausmaß, in dem sprachliche Äußerungen auf eine `Stützung` durch unterschiedliche Kontexttypen angewiesen sind“ (Koch/ Österreicher, 1990, S.10). Zu differenzieren ist zwischen dem situativen Kontext, dem Wissenskontext, dem sprachlich- kommunikativen Kontext und anderen kommunikativen Kontexten, wie z.B. dem parasprachlichen Kontext. Ersterer bezieht sich auf die in der Kommunikationssituation wahrnehmbaren Personen, Gegenstände und Sachverhalte; der Wissenskontext steht in engem Zusammenhang mit der Kommunikationsbedingung „Vertrautheit der Partner“, da er zum einen den individuellen Wissenskontext, d.h. gemeinsame Erlebnisse und Wissen übereinander, und zum anderen den allgemeinen Wissenskontext, zu dem kulturelle Tatsachen und Werte zählen, berücksichtigt. Der sprachlich- kommunikative Kontext bezieht sich auf vorherige und folgende Äußerungen und Äußerungsteile; er wird auch als „Ko- Text“ bezeichnet. Intonatorische Phänomene sind dem parasprachlich-kommunikativen Kontext unterzuordnen, während Gestik und Mimik dem nichtsprachlich-kommunikativen Kontext angehören.

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Details

Seiten
14
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656667261
ISBN (Buch)
9783656667254
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273873
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Romanisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Schriftlichkeit Mündlichkeit Sprache der Nähe Sprache der Distanz Koch Österreicher Intonation Abtönungspartikel Medium Konzeption

Autor

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Titel: Sprache der Nähe und der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit des Französischen