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Bourideu, Passeron und Schulze. Theorien, die bis heute wirksam sind?

Vergleich der Studien mit Bezug auf PISA

Hausarbeit 2013 13 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen
2.1. Soziale Bildungsungleichheit
2.2. Kapital

3. Bourdieu und Passeron „Die Illusion der Chancengleichheit“
3.1. Inhaltliche Zusammenfassung
3.2. Soziologisch relevante zentrale Aussagen der Studie

4. Gerhard Schulze „Die Erlebnisgesellschaft“

5. Vergleich zwischen Bourdieu/Passeron und Schulze

6. Interpretation der PISA-Ergebnisse

7. Fazit

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Welche Rolle spielen soziale Strukturen als Erklärungsfaktor für Bildungsungleichheit? Sowohl in der öffentlichen Diskussion, als auch innerhalb wissenschaftlicher Debatten ist dieses Thema sehr zentral und wird wiederkehrend aufgegriffen. Trotz diverser Bemühungen seitens verschiedener Bildungs-einrichtungen und der Politik, die herrschende Chancenungleichheit in Deutschland zu vermindern, gibt es immer noch Gruppen innerhalb der Bevölkerung, die beispielsweise aufgrund ihre Rasse, Herkunft, Sozialisation im Bereich der Bildung benachteiligter sind als andere.

Das Thema der Chancengleichheit wurde oft in der Soziologie aufgegriffen. Gerhard Schulze und Pierre Bourdieu sind nur zwei Autoren, welche sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben. Jeder der beiden hat jedoch auf eine andere Art und Weise das Thema bearbeitet und auf eine individuelle Art das Thema erarbeitet.

Im ersten Teil dieser Arbeit werden wichtige Begriffe definiert, die für diese Arbeit grundlegend sind. Im zweiten Teil wird der Fokus auf das Werk „die Illusion der Chancengleichheit“ der französischen Soziologen Pierre Bourdieu und Jean-Claude Passeron gelegt. Hierbei wird zunächst eine kurze inhaltliche Zusammenfassung einen Überblick geben, um anschließend aus soziologischer Sicht relevante Aussagen der Studie aufzeigen zu können. Anschließen wird im Kapitel 4 das Werk „Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart“ von Gerhard Schulze genauer beschrieben. In Kapitel 5 werden dann Bourdieu/Passeron und Schulze verglichen, indem zum Einen näher auf Gemeinsamkeiten, zum Anderen näher auf Differenzen ihrer Werke eingegangen wird. Abschließend werden die Ergebnisse der PISA-Studie soziologisch betrachtet und ihre Ergebnisse in Beziehung zu der Theorie Bourdieus/Passerons und Schulzes gesetzt.

2. Begriffsdefinitionen

Die Bildungsungleichheit im Allgemeinen ist ein weitläufiges Thema. In dieser Arbeit rückt vor allem die soziologische Definition des Begriffs der sozialen Bildungsungleichheit in den Mittelpunkt. Aber auch die vier Kapitalarten, welche Bourdieu unterscheidet, sind in diesem Zusammenhang grundlegend und werden daher zunächst näher beschrieben.

2.1. Soziale Bildungsungleichheit

„Bildungsungleichheit meint die ‚Unterschiede im Bildungsverhalten und in den erzielten Bildungsabschlüssen (beziehungsweise Bildungsgängen) von Kindern, die in unterschiedlichen sozialen Bedingungen und familiären Kontexten aufwachsen’ (Müller und Haun (1994): 3)“ (Schlicht (2011): 35). Diese Aussage legt nahe, dass der individuelle Bildungserfolg eines Menschen von der individuellen sozialen Herkunft abhängt. Hierbei wird in der Fachliteratur zwischen primären und sekundären Disparitäten unterschieden. Primäre Disparitäten des Bildungserfolges sind die Annahmen, dass „Kinder niedriger sozialer Schichten weniger Erfolg [haben], weil das Kind weniger Leistungspotenzial aufbringt“ (Schlicht (2011): 36). Es werden sowohl genetische Aspekte und Perspektiven der elterlichen Sozialisation, sowie die Interaktion beider Gesichtspunkte, als mögliche Ursache angeführt. Sekundäre Disparitäten im Bildungserfolg hingegen werden als nichterkanntes, nichtgefördertes oder falsch eingesetztes Leistungspotenzial eines Kindes definiert. Hierbei werden die „Entscheidung der Eltern, aber auch (…) die Investition von Lehrern und Schulen“ (Schlicht (2011): 36) als Grund angeführt (vgl. Schlicht (2011): 35f).

Pierre Bourdieu greift diesen Begriff auf und erklärt ihn genauer durch Verwendung der Begriffe „ökonomisches Kapital“, „kulturelles Kapital“ und „soziales Kapital“. Diese werden nun genauer definiert.

2.2. Kapital

Pierre Bourdieu unterscheidet drei Arten des Kapitals: das ökonomische Kapital [1], das kulturelle Kapital [2] und das soziale Kapital [3]. Diesen drei Kapitalarten übergeordnet ist das symbolische Kapital. Es steht für die gesellschaftliche Anerkennung, dem Ansehen und Prestige, beispielsweise von Bildungstiteln oder eines Netzwerkes.

[1] Das ökonomische Kapital definiert den Besitz. Es bedingt die beiden anderen Kapitalarten und besitzt die Möglichkeit, sowohl in Geld umgewandelt als auch durch das Eigentum institutionalisiert zu werden.

[2] Das kulturelle Kapital kann in drei Zustandsformen unterteilt werden: in verinnerlichtem, inkorporiertem Zustand, in objektivistischem Zustand und in institutionalisiertem Zustand vorliegen.

Der inkorporierte oder verinnerlichte Zustand des kulturellen Kapitals ist mit dem Begriff der „Bildung“ zu vergleichen und setzt einen zeitaufwendigen Verinnerlichungsprozess voraus. Der objektivierte Zustand tritt z.B in Form von Büchern, Gemälden oder Maschinen auf. Es kann juristisch leicht auf andere übertragen werden, setzt für die tatsächliche Aneignung jedoch inkorporiertes Kapital voraus. Der institutionalisierte Zustand wird durch schulische und akademische Bildungstitel legitimiert und somit auch institutionalisiert. Der Titel verdeutlicht einen Teil des in der Familie erworbenen kulturellen Kapitals des Individuums (vgl. Bourdieu (1983): 187ff).

[3] das soziale Kapital lässt sich durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder eines Netzwerks definieren. Hierzu gehören beispielsweise die Mitgliedschaft in einem Verein oder gar die eigene Familie. Diese Art von Kapital entsteht nach Bourdieu durch Tauschbeziehungen, deren Ressourcen auf materiellen und/oder symbolischen Transaktionen basieren (vgl. Bourdieu (1983): 191f).

Im weiteren Verlauf der Arbeit werden Begriffe wie „unterprivilegiert“, „(nicht) begünstigt“ und „niedrige oder hohe soziale Schichten“ genannt, welche einer weiteren Definition bedürfen. Als „unterprivilegiert“ oder „nicht begünstigt“ können mit Hilfe von Bourdieu Menschen genannt werden, welche einen Mangel an mindestens einer der drei vorgestellten Kapitalarten aufweisen. Ob ein Mensch der „niedrigen oder hohen sozialen (Herkunfts-)schicht“ angehört, wird also sowohl durch die soziale Schicht der Eltern, als auch durch die damit verbundenen erworbenen Kompetenzen der Person festgelegt.

3. Bourdieu und Passeron „Die Illusion der Chancengleichheit“

Die Veröffentlichung des Werkes von Bourdieu und Passeron fand bereits 1971 statt. Die andauernde Popularität und der Stellenwert der Autoren innerhalb der Soziologie jedoch deuten darauf hin, dass auch heute noch Interesse sowohl an der Arbeitsweise der Autoren, als auch an den Erkenntnissen der Studie besteht. Daraus könnte man schließen, dass die Ergebnisse heute noch von Relevanz sind.

3.1. Inhaltliche Zusammenfassung

Das Werk von Pierre Bourdieu und Jean-Claude Passeron ist im Gesamten eine empirische Bildungsforschung. Die Autoren haben versucht, Realität und Theorie zu verbinden. Der erste Teil des Werkes befasst sich vor allem mit den unterschiedlichen Erfolgen von Studenten, differenziert durch ihre soziale Herkunft. Hierbei soll beantwortet werden, ob die soziale Herkunft aktiv und grundlegend Einfluss auf den Bildungserfolg eines Studenten hat. Sie stellen sich also die Frage: haben Studierende aus höheren sozialen Schichten bessere Chancen auf einen guten und erfolgreichen Hochschulabschluss als Studenten aus geringeren sozialen Herkunftsschichten? Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Studenten aus privilegierten Schichten in einem Hochschulstudium begünstigter sind als Studenten aus niedrigeren Schichten. Durch eine größere Anzahl an ökonomischem und kulturellem Kapital wird Studenten aus höheren sozialen Schichten ein Studium erleichtert. Der zweite Teil befasst sich vorwiegend mit der These der Stabilität des Hochschulsystems.

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Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656664369
ISBN (Buch)
9783656664536
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274034
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Max-Weber-Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
bourideu passeron schulze theorien vergleich studien bezug pisa

Autor

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Titel: Bourideu, Passeron und Schulze. Theorien, die bis heute wirksam sind?