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Genus-Sexus-Beziehungen aus der linguistischen und fremdsprachendidaktischen Perspektive

Bachelorarbeit 2012 55 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsangabe

Ziel und Rahmen dieser Arbeit

1 Allgemeines

2 Historische Erklärungsmodelle für die Entstehung der Genera
2.1 Sexus-Unterschied als primäre Ursache der Genusdifferenzierung
2.2 Sexus als sekundärer Genusaspekt
2.3 Zusammenfassung

3 Funktionen des Genus in der deutschen Gegenwartsprache

4 Faktoren der Genuszuweisung im Deutschen
4.1 Morphologische Faktoren für die Genuszuweisung
4.2 Semantische Faktoren für die Genuszuweisung
4.3 Lautliche Faktoren für die Genuszuweisung
4.4 Genusschwankungen

5 Genus-Sexus-Beziehung aus feministischer Sprachperspektive
5.1 Das generische Maskulinum
5.2 Auseinandersetzung um den generischen Sprachgebrauch
5.3 Vorschläge für die sprachliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen
5.4 Sprachwandel unter dem Einfluss der feministischen Linguistik

6 Genus-Sexus-Beziehung aus fremdsprachendidaktischer Perspektive
6.1 Ursachen für die Lehr- und Lernschwierigkeit der Kategorie „Genus“
6.2 Didaktische Vorschläge für die Erleichterung des Genuserwerbs
6.2.1 Mnemotechniken
6.2.2 Didaktische Adaptation von Genuszuweisungsprinzipien
6.2.3 Arbeit am Text und grammatische Übungen
6.3 Zusammenfassung

Fazit

Literaturverzeichnis

Ziel und Rahmen dieser Arbeit

Die Genus-Sexus-Beziehungen in der Germanistik sind von derart zeitloser Aktualität, dass es nicht verwundert, immer wieder neue Ansätze zu finden, die dieses Relationsgefüge in unterschiedlicher Akzentuierung darstellen. Die Forschungsdiskussion reicht in synchroner Betrachtung von der Antike bis zur Gegenwart, in diachroner Betrachtung berührt sie fast alle humanitären Wissenschaften: Sprachwissenschaft, Literatur, Philosophie, Psychologie, Soziologie, Ethnologie, Politologie, Rechtswissenschaft usw.

Sehr oft weisen die Beiträge zur Genus-Sexus-Problematik einen provozierenden, widersprüchlichen, manchmal expressiven oder auch revolutionären Charakter auf, aber gerade deswegen sind sie einem Linguisten oder einer Linguistin nie gleichgültig und regen meist durch ihre Kontrastivität zum Mitdenken, oder auch zu eventueller Teilnahme an der Diskussionen an.

Aufgabe dieser Arbeit ist es, das Wesentliche des Forschungsstandes zu den Genus-Sexus- Beziehungen aus den linguistischen und fremdsprachendidaktischen Perspektiven herauszufinden und zu analysieren. Sehr wichtig ist es dabei, eine einseitige Darstellung der Problematik zu vermeiden und ein möglichst unabhängiges, objektives Forschungsbild zu schaffen. Aus diesem Grund werden in dieser Arbeit vor allem die kontroversen genustheoretischen Aufsätze bevorzugt.

Als erstes soll die Auseinandersetzung zwischen Grimm/Rothe und Brugmann/Michels beachtet werden (Kap. 2). Zum einen, weil sie in der Forschungsdiskussion als grundlegend gilt, und zum anderen, weil sie auf alle anderen Forschungsrichtungen einen unmittelbaren Einfluss hat. Unabhängig davon, ob nun die Funktionen der grammatischen Kategorie „Genus“ (Kap. 3) oder die Faktoren der Genuszuweisung in der deutschen Grammatik (Kap. 4), der generische Gebrauch des Maskulinums in der feministischen Linguistik (Kap. 5) oder auch der Problemgehalt des Genuserwerbs in den DaF-Didaktiken (Kap. 6) diskutiert werden, steht die von Grimm/Roethe und Brugmann/Michels angesprochene Problematik der Arbitrarität bzw. Motiviertheit der grammatischen Kategorie „Genus“ immer im Mittelpunkt. Auf bereits erwähnte Themenkreise soll im Forschungsüberblick entsprechend vertiefend eingegangen werden.

Das 3. Kapitel beschäftigt sich mit den Funktionen der grammatischen Kategorie „Genus“. Das Ziel dieses Kapitels ist es, zu zeigen, dass das Genus in der deutschen Sprache eine wichtige Bedeutung hat, die in keinem Falle nur auf die Sexusanzeige begrenzt werden darf. Im 4. Kapitel werden die semantischen, morphologischen und phonologischen Genus- zuweisungsprinzipien dargestellt und im 5. Kapitel wird die Auseinandersetzung um den generischen Sprachgebrauch erörtert.

Wenn sich die Genus-Sexus-Beziehungen in den ersten fünf Kapiteln insgesamt als forschungsleitend erweisen, so wird im letzten, im 6. Kapitel die grammatische Kategorie „Genus“ aus der fremdsprachendidaktischen Perspektive betrachtet, wo die Genus-Sexus- Beziehungen eigentlich eine sekundäre Rolle spielen. Von großem Interesse erscheinen hier vor allem die Frage nach den Ursachen des problematischen Genuserwerbs der Lernenden im DaF-Unterricht sowie die methodischen Möglichkeiten zur Lösung bzw. Erleichterung dieses Problems. Die scheinbare thematische Unverbindlichkeit von beiden Ansichten im Bezug auf die Genus-Sexus-Relation (linguist. u. fremdsprachebdidakt.) wird als solche nur auf den ersten Blick und bei oberflächlicher Betrachtung angenommen. In Wirklichkeit ist die DaF- Didaktik auf das Engste mit der Germanistik verbunden und basiert sich teilweise auf linguistischen Grundlagen.

Auf andere Themenbereiche musste in dieser Arbeit aufgrund der Umfangbegrenzung verzichtet werden. Dies gilt für die Fragen nach der sogenannten Frauen-/Männersprachen, für die Differenzen im regionalen Sprachgebrauch (Dialektologie) sowie auch für den Aspekt des geschlechtsspezifischen Sprachverhaltens bzw. Spracherwerbs.

1 Allgemeines

Beginnen möchte ich mit einigen allgemeinen Überlegungen zum Verhältnis von Genus und Sexus. Wie allgemein bekannt ist, handelt es sich beim Sexus, dem natürlichen Geschlecht um eine Kategorie, die sich auf einen außersprachlichen Aspekt bezieht. Dem Sexus nach unterscheidet man „männliche“ und „weibliche“ Wesen. Das Genus hingegen steht für eine grammatische Kategorie, die alle Substantive des Deutschen in drei Klassen - Maskulinum/Femininum/Neutrum - teilt. Im Unterschied zu den grammatischen Kategorien „Numerus“ und „Kasus“ ist das „Genus“ eine Wortkategorie. Das heißt, dass alle Substantive im Deutschen „unabhängig vom Satz ein bestimmtes grammatisches Geschlecht besitzen“.1 Die übrigen deklinierbaren Wortarten: Artikel, Adjektive und einige Pronomen kongruieren im Satz mit dem Bezugssubstantiv, indem sie Kasus-, Numerus- und Genusform dieses Substantivs annehmen. Das Genus der Substantive kommt vor allem an der Form der vom Substantiv abhängigen Wörter zum Ausdruck. Bei einigen abgeleiteten Substantiven ist das Genus auch an Suffixen erkennbar (-heit, -keit).

Wenn wir das Genus und den Sexus auf die Saussuresche Terminologie beziehen würden, so würde das Genus dem SIGNIFIANT, der Sexus dagegen dem SIGNIFIÉ entsprechen.2 Die Natur der Genus-Sexus-Beziehungen ist aber so, dass der Sexus nur eine von mehreren SIGNIFIÉ-Aspekten des Genus ist. Ein 1:1-Verhältnis von Form und Bedeutung gibt es hier nicht. Das ergibt sich schon daraus, dass die meisten Substantive kein natürliches Geschlecht haben, sondern ihnen mehr oder weniger zufällig ein Genus zugewiesen werden muss. Und sogar bei Personenbezeichnungen, bei denen einige linguistische Forscher eine eindeutige biologische Motivation vermuten, entspricht das Genus dem natürlichen Geschlecht nicht immer: das Weib, das Kind, die Memme usw.

Die Suche nach der möglichen Bedeutung der grammatischen Kategorie „Genus“ hat zu unzähligen Auseinandersetzungen zwischen Linguisten geführt. In der Sprachgeschichte z. B. ist die Frage nach der Genusentstehung in der deutschen Sprache in den Rang der sogenannten „Huhn-Ei“ -Frage geraten. Im nächsten Kapitel wird versucht, die Debatten um die Genusentstehung näher zu erläutern.

2 Historische Erklärungsmodelle für die Entstehung der Genera

Die Frage, unter welchen Bedingungen die grammatische Kategorie in der deutschen Sprache entstanden ist, wird in der historisch orientierten Sprachtheorie und Sprachwissenschaft immer wieder gestellt. Warum einige Substantive im Deutschen Maskulina, die anderen aber Feminina oder Neutra sind, können uns die Linguisten bis heute nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Muttersprachler der deutschen Sprache ordnen das Genus den Substantiven intuitiv zu. Ausländer probieren, sich einige Prinzipien der Genuszuweisung anzueignen, und Sprachwissenschaftler versuchen, ein Erklärungsmodell für die Entstehung der Genera zu entwerfen, können aber leider bis heute das Phänomen nicht eindeutig erklären. Hauptsächlich unterscheidet man in der Forschungsliteratur zwei gegensätzliche Erklärungsversuche.

2.1 Sexus-Unterschied als primäre Ursache der Genusdifferenzierung

Einerseits wurde behauptet, dass der Sexusunterschied die primäre Ursache der Genus- Differenzierung sei, also dass das Genus-System dank der schon vorhandenen Sexus- Unterscheidung entstand. Durch Personifizierung waren alle Nomen weiblich oder m ä nnlich, das Genus-System entstand erst später, auf das Sexus-System bezogen. Als Urvater dieser Theorie gilt Protagoras; er soll wohl als erster die Kategorien maskulin, feminin und unbelebt als „Kennzeichnungen für Substantive verwendet und Genus mit Sexus gleichgesetzt haben“.3 Dabei hat er sich nicht gescheut, das seinen philosophischen Vorstellungen nicht entsprechende Genus einfach zu korrigieren. So mussten z. B. die einst femininen Wörter „Helm“ und „Zorn“ seiner Ansicht nach ein passenderes maskulines Genus bekommen.4 Zu Beginn der 1770er-Jahre gewinnt die durch die in der Philosophie, Literatur und Sprachwissenschaft herrschenden romantischen Stimmungen ideologisch beeinflusste5 Genustheorie im deutschen Raum immer mehr an der Popularität. Die dogmatische Denkweise verliert zu Gunsten einer historisch-kritischen an Bedeutung. Es wird überall nach einem rationalen Kern gesucht. Der Mensch selbst, nicht der allmächtige Gott, und die Gesetze der Natur, nicht Wunder oder Magie, stehen jetzt im Zentrum von allen Wissenschaften. So sucht auch der Philosoph, Theologe und Schriftsteller J. G. Herder eine natürliche Erklärung für die Entstehung der Sprache. In seinem theoretischen Aufsatz „Über den Ursprung der Sprache“ versucht er, die These, dass die Sprache dem Menschen von Gott gegeben war, zu widerlegen, indem er „die ganze Bauart der Sprache“ in der „Entwicklungsweise“ des Geistes eines Menschen, in der „Geschichte seiner [menschlicher] Entdeckungen“ sah.6 Bei der Entstehung der Sprache hat der Mensch seine Gefühle und Erlebnisse auf die Gegenstände der Außenwelt übertragen und sie entsprechend seinen persönlichen Innenansichten charakterisiert:

„Indem der Mensch aber alles auf sich bezog: indem alles mit ihm zu sprechen schien, und würklich für oder gegen ihn handelte: indem er also mit oder dagegen Theil nahm, liebte oder haßte, und sich alles Menschlich vorstellte; alle diese Spuren der Menschlichkeit druckten sich auch in die ersten Namen! Auch sie sprachen Liebe oder Haß, Fluch oder Segen, Sanftes oder Widrigkeit und insonderheit wurden aus diesem Gefühl in so vielen Sprachen die Artikel! Da wurde Alles Menschlich, zu Weib und Mann personificirt; überall Götter, Göttinnen, handelnde, bösartige oder gute Wesen! Der brausende Sturm, und der süße Zephyr, die klare Wasserquelle und der mächtige Ocean - ihre ganze Mythologie liegt in den Fund-Gruben […] der alten Sprachen, und das älteste Wörterbuch war so ein tönendes Pantheon, ein Versammlungssaal beider Geschlechter, als den Sinnen des ersten Erfinders die Natur.“7

Die gleiche Auffassung vertritt auch der deutsche Sprachtheoretiker und Lexikograph J. Ch. Adelung. Er ist genauso wie Herder davon überzeugt, dass die Entstehung der Sprache keinen göttlichen Ursprung haben kann und alleinige Schöpfung der ´Menschenhände` ist:

„Was ist ungereimter, als leblosen Dingen ein Geschlecht zu geben, abstracte Begriffe als Personen eines gewissen Geschlechtes darzustellen? Da diese Vorstellungsart […] die Vielgötterey nicht allein veranlasset, sondern so viele Jahrhunderte mächtig unterstützet hat, sollte man da wohl noch glauben können, daß die menschliche Sprache ein Werk der Gottheit sey? Müßte nicht der Schöpfer das edelste Werk seiner Hände [den Menschen] vorsetzlich zu den gröbsten Irrthümern verleitet, und ihm die Vielgötterey, den größten Unsinn worauf der menschliche Verstand nur verfalten kann, gleichsam selbst in Herz und Mund geleget haben? Wer will es nun noch wagen, den ersten Ursprung der Sprache unmittelbar von Gott herzuleiten?“8

Es ist hervorzuheben, dass die grammatische Kategorie „Genus“ unter dem Einfluss der romantischen Sprachauffassung als Metapher verstanden wurde, die dazu noch bestimmte „poetisch-ästhetische“ Qualität aufweisen sollte. Diese Ansicht, so J. A. Bär, „die sich zuvor u. a. bei Schlegel, Bernhardi und Schelling findet, lässt jenen engen Bezug der Sprachtheorie und Sprachwissenschaft zur Poetik erkennen, der charakteristisch für die deutsche Romantik ist.“9 Eine entsprechende Erklärung der Genusentstehung im Deutschen findet man auch bei einem der Gründerväter der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft, bei Jacob Grimm: „…wenn dem wurm männliches, der fliege weibliches geschlecht beigelegt wird, so kann sich das nicht auf beobachtung des natürlichen gründen. Denn an diesen thieren tritt bei oberflächlicher anschauung kein geschlecht hervor, genauere aufmerksamkeit wird leicht beide entdecken, doch dem gewönlichen sprachgebrauch muß es gleichgültig scheinen, sie mit naturhistorischer schärfe zu bezeichnen. Ohne rücksicht darauf hat also die sprache dem wurm und der fliege ein bestimmtes geschlecht gegeben, wie sie es dem asch und der buche zugetheilt hat. Noch mehr, sie hat das nämliche nicht bloß bei allen lebenden, werdenden und wachsenden wesen gethan, sondern auch bei todten, unsinnlichen gegenständen; bei den abstractesten, übersinnlichsten begriffen. [...] Das grammatische Genus ist demnacheine in der phantasie der menschlichen sprache entsprungene ausdehnung des natürlichen auf alle und jede gegenstände. Durch diese wunderbare operation haben eine menge von ausdrücken, die sonst todte und abgezogene begriffe enthalten, gleichsam leben und empfindung empfangen, und indem sie von dem wahren geschlecht formen, bildungen, flexionen entlehnen, wird über sie ein die ganze sprache durchziehender reiz von bewegung und zugleich bindender verknüpfung der redeglieder unvermerkt ausgegoßen.“10

In seiner Deutschen Grammatik hat J. Grimm nicht nur die Entstehungshypothese des grammatischen Geschlechts ausgearbeitet, sondern auch die Rangfolge von Maskulinum, Femininum und Neutrum bestimmt. Seiner Meinung nach erscheint das Maskulinum als das „lebendigste, kräftigste und ursprünglichste“11 Genus, das Femininum hingegen als das „spätere, kleinere, weichere, stillere und das leidende“12. Die Beweise dafür sucht er in verschiedenen Bereichen der Sprache: Phonetik, Morphologie, Syntax, Semantik und Lexik. Aber aus den 13 Punkten seiner ausführlichen Argumentation sind nur 2 ernst zu nehmen.13 Erstens, dass aus Maskulina häufiger Feminina moviert werden (herr - herrin, könig - königin) als umgekehrt. Die Fälle, in denen umgekehrt aus Feminina Maskulina moviert werden (witwe - witwer, katze - kater), erscheinen für ihn „selten und schwierig“ und sind daher „besonderer aufmerksamkeit werth“14. Zweitens, dass die movierten Feminina „sich zu keiner weitern Ableitung hergeben“. So kann aus „dichter - dichterisch“ gebildet werden, aus „dichterin - *dichterinnisch“ aber nicht.

Wenn wir bei der Entstehung und Rangbestimmung von Maskulina und Feminina in der Grimmschen Theorie noch eine logische Erklärung finden können, so gibt es diese beim Neutrum nicht. Hat es dem Urmenschen bei der Bildung des Neutrums an Personifizierungskraft gefehlt? Oder, wenn der Mensch bei der Entstehung der Sprache alles auf sich bezogen hatte, sollte es auch menschliche Wesen geben, die sich mit keinem der beiden natürlichen Geschlechter identifizieren konnten, also einem neutralen Sexus entsprachen. Das wäre die Logik, die der J. Grimms Hypothese eigen ist. Und tatsächlich begründet J. Grimm die Entstehung des Neutrums auf ähnliche Weise:

„Es scheint bedenklich, ob man auch schon dem neutrum, [...] natürlichen anfang zuschreiben könne, mit andern worten, ob sein ursprung in dem begriff von foetus oder proles lebendiger geschöpfe gesucht und daraus eine übertragung auf andere wörter geleitet werden dürfe? Ich bin dazu geneigt, weil ich mir sonst die entstehung des grammatischen neutrums gar nicht zu erklären weiß…“15

Dass es sich bei solchen Wörtern wie das Kind, das Kalb oder das Lamm um „die unentwicklung des geschlechts“16 handelt, kann noch nachvollzogen werden. Wie sieht es dann mit Wörtern Weib oder M ä dchen (ahd. dat wiht neutr.) aus? Drücken diese Wörter „das erzeugte, gewirkte, stoffartige, generelle, unentwickelte oder collective“17 aus? Sicher nicht. Warum sie aber ein neutrales Genus haben, scheint selbst J. Grimm „schwer zu erklären“.18 Die Erklärung für dieses sprachliche Phänomen sucht er in dem eventuellen generischen Gebrauch dieser Wörter. „Sollten diese [weib, wiht] früher nicht auch zugleich auf maskulina bezüglich gewesen und nur allmälich auf femenina beschränkt worden sein?“19 - fragt sich J. Grimm. Ein Beweis dafür könnte laut J. Grimm in der Analogie der semantischen Entwicklung des Wortes daz huon liegen, unter welchem anfänglich nur pullus (Kücken) und erst später auch gallina (Weibchen) verstanden wird.20 Diese Annahme wird aber in dem DWB widerlegt, „weil weib niemals als allgemeinbegriff über alle geschlechter geht“.21

Seiner realistischen Theorie bleibt er treu auch in der Frage der Genuszuweisungskriterien. Die Regeln der Genuszuweisung laut Grimm „dürfen am wenigsten aus der form der substantive geschöpft werden. [...] Die einzige zuläßige oder fruchtbare weise, das grammatische geschlecht vorzutragen, scheint [ihm] diejenige, welche auf bedeutung der wörter rücksicht nimmt.“22 Er schlägt vor, „analogien aufzuspüren, denen die menschliche einbildungskraft nachgehangen hat, indem sie das natürliche geschlecht auf eine unabsehbare menge anderer substantiva übertrug.“23 Für die Fälle, bei denen seine semantischen Regeln (groß und stark - Maskulinum, klein und schwach - Femininum, unentwickelt - Neutrum) absagten, fand er sofort neue auf die Phantasie oder Volksmythen stützende Erklärungen. So weist er z. B. bei den femininen Bezeichnungen für die Bäume, die ja meistens hoch und stark sind, auf einen Zusammenhang mit „geisterhaften weiblichen wesen“24, die in den Volksmythen oft vorkamen. Den zweiten Grund sieht er in der Analogie der „beschränkteren lebensthätigkeit der unbeweglichen bäume“25 zum Lebensraum einer Frau. In der Genusfrage erweist sich J. Grimm also als „der typische Vertreter einer sexualistischen Auffassung“26, die einen engen Zusammenhang zwischen natürlichem „Sexus“ und grammatischem „Genus“ voraussetzt und dem Genus die Markierungsfunktion des Sexus zuschreibt.27 Die grammatische Kategorie „Genus“ hat demnach der semantischen Kategorie „Sexus“ ihre Existenz zu verdanken.

2.2 Sexus als sekundärer Genusaspekt

Eine ganz entgegensetzte Vorstellung über die Entstehung des Genussystems im Deutschen hat der Sprachhistoriker Karl Brugmann in seiner berühmten Abhandlung „Das Nominalgeschlecht in den indogermanischen Sprachen“ dargestellt28. Er lehnt die Grimmsche Theorie über die Entstehung des grammatischen Geschlechts infolge der Einbildungskraft des Menschen vollständig ab:

„Da müsste doch die Geistesverfassung unsrer vorgeschichtlichen Ureltern von der ihrer Nachkommen wesentlich verschieden gewesen sein; sie fände höchstens in einem gewissen pathologischen Zustande der geschichtlichen Menschenseele etwas Vergleichbares.“29

Brugmann behauptet, dass „Maskulinum und Femininum als grammatische Geschlechter für die Sprache des gewöhnlichen Lebens eine nichtsagende Form sind“ und keinen Einfluss auf die Vorstellungen über die Männlichkeit oder die Weiblichkeit haben. Die Beweise dafür sucht er erstens, in den Epicoena, die für die beiden biologischen Geschlechter der Lebewesen stehen und trotzdem nur ein grammatisches Genus aufweisen (der Hase, die Maus); zweitens, in dem ständigen Genuswechsel von Substantiven, der meistens nur durch formale Gründe bedingt ist („so wurden viele Substantiva auf -e, die im Mhd. männlich waren, im Nhd. weiblich“30 - der Wade > die Wade, wegen Analogie zur Erde, Ehre, Farbe). Auch die Verlebendigungen von leblosen Begriffen in den Volksmythen und der Dichtkunst, auf welche J. Grimm bei der Genuszuweisung so oft verweist, entstanden, so Brugmann, als Resultat der Auswirkung des grammatischen Geschlechts:

„Das grammatische Geschlecht war schon vorher da, die Einbildungskraft benutzte es nur. […] Das grammatische Geschlecht regt nicht die Vorstellung eines Lebewesens an, sondern gibt nur der Phantasie die bestimmte Richtung entweder auf das Männliche oder auf das Weibliche. Es wird dies bei der mythologischen Forschung oft, wie mir scheint, nicht genügend beachtet.“31

Einen weiteren Beweis dafür, dass das grammatische Geschlecht nicht aus dem Sexus abgeleitet wurde, sieht Brugmann auch indem, dass durch die genusmarkierenden Morpheme anfänglich ganz andere semantische Merkmale ausgedrückt wurden, als das biologische Geschlecht.32 So hatten z. B. die Morphemen -a- und -ie- (-i-), auf welche viele ide. Feminina auslauten, ursprünglich nichts mit der femininen Bedeutung zu tun.33 Das kann man sehr gut an den folgenden Beispielen sehen: lat. mensa (Tisch), aqua (Wasser), luna (Mond), litura (Schmutzfleck) usw. Daneben gab es aber auch Wörter auf -a-, die weibliche Personen bezeichneten, so z. B. das Wort *ma-ma, lat. mamma, britann. mam, ahd. muoma, lit. moma mama, bulg. poln. mama oder das Wort *gena (Weib), preuß. genna, altkirchenslaw. zena. Weiblichkeit wurde in diesen Wörtern jedoch nicht durch die Endung - a-, sondern durch die Wurzel ausgedrückt. Nun ist es, laut Brugmann, in den indogermanischen Sprachen nicht selten, dass „Suffixe […] von der Bedeutung des wurzelhaften Teiles des Wortes [etwas] in sich aufnehmen, daß von dem Sinn des wurzelhaften Wortteiles etwas, sozusagen, in sie überströmt.“ Werden solche Suffixe später produktiv, so übertragen sie die „erworbene Funktion“ auf die neu gebildeten Wörter.34 Ein Beispiel dafür ist die Bildung im Urindogermanischen neben *ek^uo-s (Pferd) *ek^ua- (Pferdeweibchen). Dazu soll man aber wissen, dass solche Bildungen nur in sehr begrenzter Menge vorkamen, und die Bedeutung von Substantiven auf -a-, die mit den Lebewesen nichts zu tun hatte, um kein weiteres Sem „weiblich“ erweitert wurde.35

Später weist Brugmann auch auf eine weitere mögliche Bedeutung des Suffixes -a- hin, nämlich „ein Zurücktreten der Individualität“, Ausdruck des Kollektivums oder der „Minderwertigkeit“.36 In Folge der Sprachentwicklung könnten diese Kollektiva auf -a- eine „Individualbedeutung“ bekommen haben, so wie es auch mit den Begriffen stuota (Pferdeherde) und wulpa (Wolfsrudel) passierte.37

Brugmanns Position besagt also, dass die Genusklassifikation eine formale Basis hat und sich „phylogenetisch auf die syntaktische Funktion der Kongruenz als Ursprungsquelle“38 bezieht. Genuszuweisung erscheint also als „eine überwiegend arbiträre Beziehung zwischen Sprache und Realität“39. Natürlich erkennt auch Brugmann einen gewissen Zusammenhang zwischen Genus und Sexus, für ihn aber ist das kein Beweis dafür, dass das Genus aus dem Sexus entstanden ist.40

G. Roethe, der die Genusauffassung Brugmanns als einen Angriff auf die Grimmsche Genuslehre empfindet, sieht es als eine Ehrensache, in seiner Begleitungsrede zu dem neuen Druck der „Deutsche Grammatik 3“ an, Grimm zu verteidigen:

„Eine freude ists, Jacob Grimm zu begleiten auf dem gange durch die welt der dinge und begriffe, zu dem sich seine lehre vom genus gestaltet. Nirgend vielleicht in der grammatik offenbart sich in so unmittelbarer klarheit jene kraft sinnlicher anschauung, jenes mitlebende und mitfühlende verständnis, das ihn blicke tun ließ in das wesen und werden unsrer sprache wie keinen zweiten; und nirgend war die aufgabe so seiner eigentümlichen begabung gemäß. Dem großen einheitlichen eindrucke dieser abschnitte wird sich auch heute niemand entziehen, trotz allen zweifeln im einzelnen, und sie treten, denke ich, grade in diesem augenblicke zur rechten zeit wieder vor dieöffentlichkeit.“41

Ebenso wie diese Ode dem „bedeutungsvollsten capitel des bandes“ von den warmen Wörtern erfüllt ist, ist auch die Kritik an Brugmann an beleidigen Ausdrücken reich:

„Einleuchtendes und auch nur wahrscheinliches hat diese hypothese, die an einen zwirnsfaden ein centergewicht hängt und nur mit willkürlich ausgedachten und uncontrolirbaren zufälligkeiten operirt, wahrhaftig nicht; wen sie nicht dadurch gewinnt, daß sie eine kraftprobe der allein seligmachenden analogie producirt, der wird schwerlich in die Versuchung geraten, Wilhelms von Humboldt tiefsinnige erkenntnis ihr aufzuopfern.“42

Auf diese offensichtliche Kritik von Roethe, die nicht nur auf die neue phonologisch- morphologische Hypothese der Genusentstehung zielte, sondern auch den Verfasser als Persönlichkeit einbezog, antwortet Brugmann im darauf folgenden Jahr mit einem neuen Beitrag „Zur Frage der Entstehung des grammatischen Geschlechts“.43 Leider wird in diesem Beitrag, genau so wie in dem darauf folgenden Aufsatz von Roethe44, nichts Neues zur Frage Genus-Sexus-Beziehungen gesagt. Damit kann man diese emotionalen und polemischen Debatten nur als persönliche Angriffe charakterisieren, die der weiteren genaueren Analyse nicht wert sind.

Eine frische Luft in diese kreisförmige Auseinandersetzung zwischen Brugmann und Roethe bringt V. Michels. Er unternimmt eine kritische Analyse der beiden Hypothesen. Roethe und Grimm wirft er vor, dass ihre Genuslehren einen poetischen, romantischen Charakter haben und deshalb nicht als wissenschaftlich gelten können.45 Die Vorstellung, dass sich der Sexus und das Genus als „Kern und Schale“ verhalten, findet laut Michels in der gegenwärtigen Sprache keine Begründung. Auch das Genus entstand nicht infolge der Sexualisierung, sondern umgekehrt, der Sexus wurde durch das Genus bestimmt.46 Die Behauptung von Grimm und Roethe, dass sich der Urmensch alle bezeichneten Dinge individuell vorstellte, versucht Michels Schritt um Schritt zu widerlegen. Im Resultat kommt er zu folgender Auffassung:

„Etwas wissenschaftlich begreifen heißt es als nothwendig ableiten. Wo war nun die Nothwendigkeit, nicht nur dies oder jenes, sondern jedes einzelne Ding 1. als Individuum, 2. als Person, 3. als Mann oder Weib nicht nur gelegentlich, sondern dauernd nicht nur vorzustellen, sondern dieser Vorstellung sprachlichen Ausdruck zu verleihen? Das Fehlen der Nothwendigkeit ist hier gleich dem Fehlen der Möglichkeit. Die Aufgabe der Suffixe ist zu differenzieren. Differenzieren aber lässt sich nur Gleiches.“47

Die Brugmannsche Hypothese lehnt er nur deswegen nicht ab, weil es leider keine bessere gibt. Brugmanns Erklärung der Feminina auf -a-, die ursprünglich Kollektiva bezeichnen könnten, scheint er zu akzeptieren. Die Erklärung der Feminina auf -i- - dagegen nicht, „denn die Wiederholung des Vorgangs hat wenig Wahrscheinlichkeit, da es ja ein deutliches Femininsuffix gab.“48

Von seiner Seite erstellt er keine weitere Hypothese oder Annahme, die Licht auf das Entstehungsproblem des grammatischen Geschlechts im Deutschen werfen könnte, sondern er gibt nur methodische Ratschläge, die bei der Beantwortung dieser Frage helfen könnten. Erstens muss die Forschung in der Beziehung auf das Genussystem „die Entwicklung einer Einzelsprache für sich betrachten, ohne Rücksicht auf andere“49 zu nehmen. Zweitens muss die Forschung immer „das Bekannte zum Ausgangspunkt [nehmen] und es auf das Unbekannte nicht kritiklos [übertragen]“50.

Ein weiteres Für dafür, dass das Genus nicht von dem Sexus abgeleitet wurde und anfänglich eine klassifizierende Funktion in der Sprache erfüllte, findet man beim Ethnopsychologen W. Wundt. Wundt geht davon aus, dass die Genuseinteilung im Indogermanischen auf dem Prinzip der Wertung beruhte und die Sprache „[…] ursprünglich erfüllt von Unterscheidungen der Gegenstände und Eigenschaften, bei denen das Verwandte oder ähnlich Erscheinende durch lautliche Angleichung verknüpft wird. Dabei geschieht diese Angleichung regelmäßig so, daß die Grundelemente des Wortes zunächst den individuellen Begriffsinhalt ausdrücken, während Beziehungselemente, die als Suffixe oder Präfixe zu ihnen hinzutreten, und die für eine bestimmte Begriffsklasse übereinstimmend sind, die Art oder Gattung bezeichnen, welcher der Begriff angehört. So weichen die uralten indogermanischen Verwandtschaftsnamen Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Tochter, Schwager in ihren die spezielle Bedeutung tragenden Lautbestandteilen sämtlich voneinander ab; aber durch die übereinstimmende Endung sind sie zu einer Gruppe verbunden. Mit dieser Endung muß sich daher in einer frühen Zeit die Vorstellung der Verwandtschaft verknüpft haben.“51

Auch die Untersuchungen anderer Sprachfamilien haben gezeigt, dass „die sogenannte Geschlechtsunterscheidung nur ein Glied in einer Reihe ähnlicher Unterscheidungen ist“.52 Die weiteren Unterscheidungen wären z. B.: 1. „ Unterscheidung höherer und niedrigerer Gegenst ä nde “. So werden z. B. in der Sprache der Irokesen männliche Personen und Gott als „hoch“ bezeichnet, alle anderen Lebewesen und Gegenstände werden hingegen als „niedrig“ bezeichnet, darunter auch Frauen und Kinder. Das natürliche Geschlecht spielt also hier keine Rolle. 2. „ Unterscheidung menschlicher Wesen von allen anderen Gegenst ä nden “, so z. B. in der Sprache der Fulbeneger. Hier sehen wir ebenfalls keinen Sexuseinfluss. 3. „ Unterscheidung belebter und unbelebter Wesen “, so z. B. bei einigen Indianerstämmen und in einigen nordkaukasischen Sprachen. 4. „ Unterscheidung von Mann und Weib und Übertragung dieser Unterscheidung auf alle anderen Gegenstandsbegriffe“, so z. B. in den semitischen und hamitischen Sprachen. 5. „ Unterscheidung dreier Genera, bei denen teils die Unterscheidung der Geschlechter, teils die von Person und Sache, teils aber auch andere Wertgrade ursprünglich eine Rolle gespielt zu haben scheinen“53. So ein Wertsystem ist wohl den indoeuropäischen Sprachen, aber auch der Sprache der Hottentotten eigen.54

[...]


1 Schmidt, W.: Grundfragen der deutschen Grammatik. Eine Einführung in die funktionale Sprachlehre. Volk und Wissen volkseigener Verlag: Berlin 1967, S. 93.

2 Linke, A./Nussbaumer, M./Portmann, P. R.: Studienbuch Linguistik. 5., erweiterte Auflage. Niemeyer: Tübingen 2004, S. 30-31.

3 Leiss, E.: Genus und Sexus. Kritische Anmerkungen zur Sexualisierung von Grammatik. In: Sprache - Genus/Sexus. Hrsg. von Heinz Sieburg. Frankfurt/Main u. a., Lang 1997, S. 339.

4 Vgl. ebd., S. 339.

5 Vgl. Leiss, E. (ebd.). Sie spricht davon, dass die Genustheorien von Grimm, Adelung und Humboldt dem Zeitgeist völlig entsprachen und durch diesen Zeitgeist auch bewirkt waren. „Im 18. und 19. Jahrhundert gehörte es zu den Lieblingsthemen, über das Wesen des Weiblichen zu spekulieren. Die Frauen waren plötzlich der Lieblingsgegenstand der Anthropologie, ebenso wie im übrigen die sogenannten Rassen und der sogenannte Nationalcharakter.“ (S. 338)

6 Herder, J. G.: Über den Ursprung der Sprache. Hrsg. von C. Träger. Berlin, Akademie-Verlag 1959, S. 42.

7 Ebd., S. 43-44.

8 Adelung, J. Chr.: Versuch einer Geschichte der Cultur des menschlichen Geschlechts. Mit einem Anhang vermehrt. Leipzig, bei Christian Gottlieb Hertel 1782, S. 16. (online-Version bei der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt: http://vd18-proto.bibliothek.uni-halle.de/de-ulbsa- vd18/content/pageview/9743988.)

9 Bär, J. A.: Genus und Sexus. Beobachtungen zur sprachlichen Kategorie „Geschlecht“. In: Adam, Eva und die Sprache. Beiträge zur Geschlechterforschung. Hrsg. von K. M. Eichhoff-Cyrus. Mannheim u. a., Thema Deutsch 5, 2004, S. 163.

10 Grimm, J.: Deutsche Grammatik 3. Hrsg. Von E. Feldbusch und L. E. Schmitt, besorgt durch G. Rothe und E. Schröder. Hildesheim u. a., Olms-Weidmann 1989, S. 342-343.

11 Ebd., S. 309.

12 Ebd., S. 357.

13 Vgl. ebd., S. 309-311. Seine Überlegung, dass Maskulinum der Femininum vorrangig ist, belegt er mit subjektiv-emotionellen, metaphorischen Vorstellungen und Eigenempfindungen: So z. B. sind für ihn die konsonantischen Endungen bei Maskulina „spröder“ und „männlich“, weil sie ihre Wortform „streng enthalten“ können. Die feminine a-Endung erscheint für ihn hingegen als „weich“ und „weiblich“ und ist deswegen nichts anderes als „eine milderung der spröderen männlichen“. Oder die kurzen Vokale im Auslaut bei Maskulina sind für Grimm ohne Zweifel „älter und edler“, als „die von ihnen abhängigen langen“ Vokale bei Feminina. usw.

14 Ebd., S. 338.

15 Grimm J.: Deutsche Grammatik 3. Olms-Weidmann 1989, S. 314.

16 Ebd., S. 312.

17 Ebd., S. 357.

18 Ebd., S. 320.

19 Ebd., S. 321.

20 Vgl. ebd., S. 321.

21 Vgl. J. A. Bär: Genus und Sexus. Thema Deutsch 5, 2004, S.165.

22 Grimm J., ebd., S. 356.

23 Ebd., S. 356.

24 Grimm, J.: Deutsche Grammatik 3. Olms-Weidmann 1989, S. 366.

25 Ebd., S. 366.

26 Sieburg, H.: Einführung. In: Sprache - Genus/Sexus. Hrsg. v. H. Sieburg. Frankfurt/M, Lang 1997, S. 13.

27 Vertreter der Personifikationsauffassung ist auch H. Paul. So in seinem Werk „Prinzipien der Sprachgeschichte“ (Moskau, Inostrannaja Literatura 1960, S. 315-321). Er ist davon überzeugt, dass die Basis für die Entstehung des grammatischen Geschlechts das biologische Geschlecht von Menschen und Tieren bildete. Außerdem geht er davon aus, dass das Genus ursprünglich in allen Fällen dem Sexus identisch war und nur später, im Resultat der Auswirkung von verschiedenen Faktoren, Wörter ihr Genus änderten. So z. B. ist das Wort „Fräulein“ in einigen Dialekten feminin (§ 182). Das Neutrum hat laut Paul nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun, und wurde bei der Entstehung des grammatischen Geschlechts und im Resultat der Entwicklung der Kongruenz herausgebildet (§ 184).

28 Brugmann, K.: Das Nominalgeschlecht in den indogermanischen Sprachen. (1889) In: Sprache -

Genus/Sexus. Dokumentation germanistischer Forschung 3. Hrsg. von H. Sieburg, Frankfurt/Main, Lang 1997.

29 Ebd., S. 33.

30 Brugmann, K., ebd., S. 34.

31 Ebd., S. 35.

32 Vgl. auch Bär, J. A.: Genus und Sexus. 2004, S. 167.

33 Brugmann, K.: Das Nominalgeschlecht in den indogermanischen Sprachen. (1889), S. 37.

34 Ebd., S. 38.

35 Vgl. ebd., 39.

36 Vgl. Brugmann, K. in: Bär, J. A.: Genus und Sexus, S. 167-168.

37 Bei diesen Beispielen handelt es sich um „Herdentiere, bei denen ein einzelnes dominantes Männchen einer untergeordneten Gesamtheit gegenübersteht.“ Dadurch, dass zu der „untergeordneten Gesamtheit“ auch alle Weibchen der Herde gehörten, „entstand die Möglichkeit, die Kollektivbezeichnung metonymisch auch in der Bedeutung >weibliches Individuum< zu nutzen.“ (vgl. Bär, J. A.: Genus und Sexus, S. 168.)

38 Bußmann, H.: Haben Sprachen ein Geschlecht? - Genus/gender in der Sprachwissenschaft. 2005, S. 494.

39 Ebd., S. 494.

40 Vgl. Brugmann, K.: Das Nominalgeschlecht in den indogermanischen Sprachen, S. 35.

41 Roethe, G.: Zum neuen Abdruck (1890). In: Jacob Grimm: Deutsche Grammatik 3. 1989, S. XXI.

42 Ebd., S. XXII.

43 Brugmann, K.: Zur Frage der Entstehung des grammatischen Geschlechts. (1891) In: Sprache - Genus/Sexus. Hrsg. von Sieburg, H. Frankfurt/Main, Lang 1997, S. 62-68.

44 Vgl. Roethe, G.: Noch einmal das indogermanische Genus (1891). In: Sprache - Genus/Sexus. Hrsg. von Sieburg, H. Frankfurt/Main, Lang 1997, S. 69-71.

45 Vgl. Michels, V.: Zur Beurteilung von Jacob Grimms Ansicht über das grammatische Geschlecht (1891). In: Sprache - Genus/Sexus. Hrsg. von Sieburg, H. Frankfurt/Main, Lang 1997, S.74.

46 Vgl. ebd., S. 74.

47 Ebd., S. 80.

48 Vgl. ebd., S. 83.

49 Vgl. Michels, V., ebd., S. 81.

50 Ebd., S. 84.

51 Wundt, W.: Völkerpsychologie. Eine Untersuchung der Entwicklungsgesetze von Sprache, Mythus und Sitte. Bd. 2, Teil 2. Neudruck der 3. Aufl., Leipzig, 1912. Aalen: Scientia 1975, S. 15.

52 Ebd., S. 20.

53 Ebd., S. 19-20.

54 Auch W. Schmidt in dem Abschnitt „Die Entwicklung der Genuseinteilung“ seiner Grammatik (vgl. Grundfragen der deutschen Grammatik. Volk und Wissen, Berlin 1967, S. 98-99.) neigt dazu, dass „die

Details

Seiten
55
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656763123
ISBN (Buch)
9783656763116
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274064
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Germanistik
Note
1,5
Schlagworte
Sexus Genus Genuszuweisung Entstehung der Genera generisches Maskulinum generischer Sprachgebrauch sprachliche Gleichbehandlung

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Titel: Genus-Sexus-Beziehungen aus der linguistischen und fremdsprachendidaktischen Perspektive