Lade Inhalt...

Die Lübecker Ratslinien und ihre Wappen

Hausarbeit 2011 9 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Lübecker Ratslinien
2.1 Die verschiedenen Lübecker Ratslinien
2.2 Zweck und Bedeutung der Ratslinien

3. Das mittelalterliche Wappenwesen
3.1 Entstehung des Wappenwesens
3.2 Entwicklung in Deutschland
3.3 Wappenrecht
3.4 Wappen als historische Quelle

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff „Wappen“ bezeichnet ein bleibendes und nach bestimmten Regeln festgestelltes Abzeichen einer Person, Familie oder Körperschaft.[1] Mittelalterliche Wappen wurden im Laufe der Jahrhunderte für unterschiedlichste Zwecke und mit verschiedenen Intentionen verwendet. Vor allem aber wiesen sie auf einen bestimmten Anspruch und den sozialen Rang des Trägers hin. Mit Hilfe der Heraldik, der Kunde vom Wappenwesen, lassen sich verschiedene Erkenntnisse aus den unterschiedlichen Wappen gewinnen. Auch die Ratslinien des Lübecker Rates, in denen seine Mitglieder aufgeführt wurden, wurden teilweise mit Wappen versehen. Die Lübecker Ratsherren besaßen also eigene Wappen, mit denen ursprünglich nur der Adel seinen Status und seine rechtlichen und territorialen Ansprüche zum Ausdruck brachte. In dieser Arbeit soll daher der Versuch unternommen werden, die Frage zu beantworten, ob auch die Wappen der Ratsherren eine soziale und rechtliche Bedeutung haben oder nur zu schmückenden Zwecken verwendet wurden.

Zunächst sollen in dieser Arbeit die Ratslinien selbst in aller Kürze vorgestellt werden. Die verschiedenen Ratslinien des Lübecker Rates und ihr Zweck sollen hierzu kurz dargestellt werden, um besser verstehen zu können, warum diese überhaupt angelegt wurden und welche Intention die Ratsherren hierbei hatten. Im zweiten Teil dieser Arbeit sollen dann die Wappen an sich behandelt werden. Die Entstehung und Entwicklung des mittelalterlichen Wappenwesens sollen hierbei beschrieben werden. Ein besonderes Augenmerk soll auf die Voraussetzungen gerichtet werden, die eine Person oder Körperschaft des Mittelalters erfüllen musste, um überhaupt ein Wappen führen zu dürfen. Im Anschluss soll dann kurz der Quellenwert von heraldischen Quellen erläutert werden, bevor ich dann versuche, eine Antwort auf die oben stehende Frage zu geben.

2. Die Lübecker Ratslinien

2.1 Die verschiedenen Lübecker Ratslinien

Die wohl älteste Lübecker Ratslinie, von der heute nur noch ein Fragment im Original erhalten ist, wurde vermutlich schon vor 1287 angelegt und kontinuierlich geführt. Die verschiedenen Ratsmitglieder sind hier chronologisch nach ihren jeweiligen Todesdaten aufgeführt, wobei die Einträge meist keine weiterführenden Informationen oder Hinweise enthalten. Es handelt sich somit um eine Totenliste, die die Namen der verstorbenen Ratsmitglieder aufführt. Eine zweite Ratslinie wurde 1416 nach Wiedereinsetzung des Alten Rates durch den Stadtschreiber Paul Oldenborch angelegt. Dieser übertrug die alte Ratslinie in das sogenannte Ratsdenkelbuch. Diese „Oldenborchsche Ratslinie“ ist heute lediglich in Abschriften vorhanden. Sie enthält, im Gegensatz zu der ältesten Ratslinie, auch niederdeutsche Formulierungen. Zudem lassen sich einige Fehler, etwa falsche Jahresdaten, finden, die als Flüchtigkeits- und Schreibfehler angesehen werden können, die bei der Übertragung der alten Ratslinie gemacht wurden. Ab 1318 wurde dann ein weiteres amtliches Verzeichnis, die sogenannten Ordines, geführt. In den Ordines werden die Ratsmitglieder jeweils einem Drittel des Ratszyklus zugeordnet, also den zwei aktiven Jahren im sitzenden Rat, dem darauffolgenden Ruhejahr oder der Wiederaufnahme in den sitzenden Rat. Hieraus ergibt sich eine Dreiteilung der Ordines. Zudem gibt es in einigen Fällen auch Hinweise auf ein etwaiges Bürgermeisteramt, das die Ratsmitglieder bekleideten. Allerdings finden sich auch hier keine genaueren Angaben über den Zeitpunkt der Ratswahl und sämtliche bekleidete Ämter.[2]

2.2 Zweck und Bedeutung der Ratslinien

Der Hauptzweck der ab dem 13. Jahrhundert geführten Ratslinien war die Memoria bzw. das Totengedenken. So ist aus Überlieferungen etwa bekannt, dass bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Memoria eine große Rolle für die Ratsmitglieder spielte. In Verträgen wurden etwa verschiedene Leistungen von Mönchen festgehalten, die sie am Todestag eines Ratsherren erbringen mussten.[3] Auffallend ist, dass die Lübecker Ratslinien nicht alle Ratsmitglieder aufführen. So wurden die Ratsherren von der Memoria ausgeschlossen, die aufgrund bestimmter Verfehlungen oder wegen Verlustes ihres Vermögens vor ihrem Tod aus dem Rat ausgeschlossen worden waren. Die vom Rat geführten Ratslinien waren Totenannalen des Lübecker Rats, die stets von den Stadtschreibern angefertigt wurden. Zudem lässt sich feststellen, dass der Stadtschreiber zugleich ein Priester war. Seine Aufgabe bestand also demnach nicht nur in der Schreibtätigkeit, sondern vor allem auch in den Gebeten für die verstorbenen Ratsherren am Ratsaltar.[4] Neben dem reinen Totengedenken drücken die Ratslinien auch die Repräsentation und Legitimation der Ratsherrschaft aus und sind ein Zeichen ihres gestärkten Selbstbewusstseins.[5]

Neben den Ratslinien, die vom Rat selbst geführt wurden, gibt es auch einige, die von Privatleuten angelegt wurden. Diese wurden bis zum Ende des 16. Jahrhunderts weitergeführt.[6] Diese privaten Ratslinien, von denen einige Familienwappen enthalten, die neben die verstorbenen Ratsmitglieder gesetzt wurden, soll hier jedoch nicht näher eingegangen werden. Im Folgenden soll jedoch das Wappenwesen selbst in Bezug auf den Zweck der Wappen dieser Ratslinien behandelt werden.

[...]


[1] Vgl. Brandt, S. 119

[2] Vgl. Lutterbeck, S. 19 ff.

[3] Vgl. Poeck, S. 301

[4] Vgl. ebd, S. 311 ff.

[5] Vgl. ebd., S. 328

[6] Vgl. Bruns, S. 31

Details

Seiten
9
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656665984
ISBN (Buch)
9783656665977
Dateigröße
352 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274160
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Historisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
lübecker ratslinien wappen

Autor

Zurück

Titel: Die Lübecker Ratslinien und ihre Wappen