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Hintergrundvariablen ausländerfeindlicher Einstellung

Regressionsanalyse

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 26 Seiten

Soziologie - Allgemeines und Grundlagen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Aspekte
2.1 Erklärungsansätze für Ausländerfeindlichkeit
2.2 Unterscheidung der politischen Dyade „Rechts“ und „Links“
2.3 Ausländerfeindlichkeit als theoretisches Modell

3. Datenanalyse
3.1 Darstellung der Analysevariablen
3.2 Erläuterungen der statistischen Methode und des statistischen Modells
3.3 Empirische Ergebnisse der Regressions- und Residuenanalyse

4. Fazit

Quellenverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Diese Forschungsarbeit befasst sich mit ausländerfeindlicher Einstellung sowie möglichen Hintergrundvariablen solcher Einstellungsmuster.

Ausländerfeindlichkeit ist ein Thema, das immer wieder aus verschiedenen Gründen diskutiert wird. Oftmals tragen politische oder gesellschaftliche Ereignisse zu einer Thematisierung dieses Gesichtspunktes bei. Beispielsweise werden (neue) Gesetzgebungen, die Migranten betreffen, unter dem Aspekt der Ausländerfeindlichkeit diskutiert. Solch vielleicht kurzzeitig auf- flammendenöffentlichen Thematisierungen von Ausländerfeindlichkeit sollten dennoch nicht davon wegtäuschen, dass es sich bei Ausländerfeindlichkeit um eine bei einzelnen Individuen über die Zeit hinweg stabile Einstellung handeln kann. Interessant ist es also zu untersuchen, inwiefern solche stabilen Einstellungsmuster auf bestimmte Merkmale zurückzuführen sind.

Das Ziel dieses Forschungsberichtes ist es daher zu überprüfen, ob es entscheidende Be- dingungen für ausländerfeindliche Haltungen gibt und ggf. sollen deren Effekte analysiert werden. Hierzu ist die Arbeit wie folgt aufgebaut: Zu Beginn wird der theoretische Rahmen abgesteckt, d. h. wichtige Variablen werden erläutert bzw. definiert und deren Zusammenhänge erörtert. Anschließend werden daraus die zu beantwortenden Hypothesen abgeleitet. Die auf- gestellten Hypothesen werden dann im empirisch-statistischen Teil getestet und die Ergebnisse interpretiert, um so im Endeffekt auch die Forschungsfrage nach möglichen Bedingungen für Ausländerfeindlichkeit zu beantworten.

2 Theoretische Aspekte

Im Folgenden sollen die theoretischen Hintergründe dieser empirischen Projektarbeit dargestellt werden. In diesem Kontext werden vor allem die Aspekte der Ausländerfeindlichkeit der (Schul-)Bildung und der politischen Orientierung im Sinne einer Links-/Rechts-Einstufung näher beleuchtet. Zudem finden die sozialstrukturellen Bausteine Lebensalter und Geschlecht Eingang in die theoretischen Erläuterungen.

2.1 Erklärungsansätze für Ausländerfeindlichkeit

Zunächst soll Ausländerfeindlichkeit als die im Endeffekt zu untersuchende Variable betrachtet werden. Wie noch zu erkennen sein wird, spielt bei dieser Betrachtung schon die schulische Bildung eine wesentliche Rolle. Zu Beginn soll Ausländerfeindlichkeit definiert werden als jede Weigerung, Ausländern dieselben Rechte einzuräumen, die Inländer innehaben, solange die Ausländer noch nicht die bisher geltende Inländeridentität angenommen haben. Die angesprochene Verweigerung derselben Rechte bezieht sich konkret auch auf die Verweigerung von Karrieren bzw. Lebenswegen von Ausländern, die in die vollen Inländerrechte münden, solange sie nicht Deutsche werden (vgl. Hoffmann/Even 1984: 179f.). Hiermit sollte ein erstes Verständnis für das Konstrukt der Ausländerfeindlichkeit entstehen, was durch die in der wissenschaftlichen Literatur diskutierte Erklärungsansätze begleitet werden kann. Einige der häufig diskutierten Ansätze werden nun veranschaulicht. Dabei sollte der Leser be- rücksichtigen, dass sich Ausländerfeindlichkeit sowohl auf Haltungen/Einstellungen oder aber auf aggressives Handeln beziehen kann. Im Rahmen dieser Arbeit soll Ausländerfeindlichkeit als Einsstellungsdimension betrachtet werden und dementsprechend sind auch die an- schließenden Erklärungsansätze vornehmlich in dieser Hinsicht zu verstehen (vgl. Tsiakalos 1983: 9).

Ein Ansatz zur Erklärung von Ausländerfeindlichkeit, für den es allerdings keine eindeutigen empirischen Befunde gibt, ist der der Xenophobie (Angst vor Fremden). Trotz fehlender wissenschaftlicher Erkenntnisse wird dieser Ansatz immer wieder in Literatur und Medien aufgeworfen. Hierbei wird behauptet, dass wir Menschen eine genetisch fixierte Grund- disposition inne habe, die eine Abneigung gegenüber Fremden bzw. Ausländern hervorrufe (vgl. Tsiakalos 1983: 46f.). Die Gefahr dieses Ansatzes sieht der Autor dieser Arbeit darin, dass geringer gebildete Leute weniger Zugang zur diesen Ansatz bestreitenden wissenschaftlichen Literatur und mehr bzw. undifferenzierteren Zugang zu Massenmedien haben, die diese Aussagen (mit-)verbreiten.

Ein weiterer Erklärungsansatz, der nur bedingt für sich allein genommen empirisch bestätigt werden kann, betrachtet dieses Thema unter psychosozialen Gesichtspunkten. Ohne auf diesen Ansatz detailliert einzugehen, stellt er die These auf, dass jeder Mensch auch psychosoziale Grundbedürfnisse hat, wie bspw. verstanden zu werden, soziale Kontakte, Anerkennung und Liebe. Werden solche Bedürfnisse nur mangelhaft befriedigt, entstehe ein sog. „Gefühlsstau“, der auf unterschiedlichste Weise kompensiert werden könne (z.B. Partner- oder Berufswahl).

Gerade bei gering gebildeten Personen würde der psychosoziale Mangel u.a. am sozial schwächeren wie Ausländern abreagiert werden, indem diesen die Schuld an ihrem Gefühlsstau gegeben wird. Gemäß des beschriebenen Ansatzes hat diese Erklärung von Ausländerfeindlichkeit den Charakter eines Sündenbockmechanismus (vgl. Maaz 1998: 24ff.).

Ein Erklärungsansatz, dem auch in dieser Arbeit eine etwas gewichtigere Rolle zukommt, ist der sozialstruktureller Bedingungen. Es wird hierin davon ausgegangen, dass bspw. Faktoren wie Geschlecht, Lebensalter und Bildungsniveau für eventuelle fremdenfeindliche Orien- tierungen von Relevanz sind. Zum Beispiel wird behauptet, es bestünde bei Personen mit geringerem Bildungsniveau höhere Ausländerfeindlichkeit, da diese sich zum Teil mit Aus- ländern in einem Konkurrenzkampf um Arbeitsplätze und/oder Wohnungen sehen könnten (vgl. Esser/Ganter 1999: 55). Folgt man solchen in der Literatur vorgebrachten Aussagen, so sehen sich Personen mit geringem Bildungsgrad in sozioökonomischer Hinsicht auf einer Stufe mit in Deutschland lebenden Ausländern.

Gerade in Bezug zu Bildung und Ausländerfeindlichkeit ist zu erwähnen, dass ein negativer Zusammenhang zwischen politischer Bildung und fremdenfeindlicher Haltung zu konstatieren ist. Je höher die politische Bildung ist, desto geringer sind ausländerfeindliche Einstellungen. Dieser Zusammenhang ist so zu verstehen, dass durch gehobene politische Bildung das politische Wissen, Interesse und die politische Kompetenz steigen, was als „kognitive politische Mobilisierung“ bezeichnet werden kann. Dieser ist auch gleichzeitig Indikator für kognitive Flexibilität und Komplexität. Auf diese Weise steigt wiederum differenziertes Denken und das von Stereotypen geprägte Denken wird vermindert, wodurch fremdenfeindliche Orientierungen gehemmt werden. Die pädagogische Forschung geht davon aus, dass auf Gymnasien politisch bildende Lerninhalte stärker fokussiert werden und somit bei diesen Personengruppen weniger Ausländerfeindlichkeit festzustellen sei (vgl. Kleinert 2004: 182; 216ff.).

Allerdings hat auch das Lebensalter einer Person Einfluss auf die zuvor genannte politische Kompetenz und das Interesse. Vor allen bei jungen Erwachsenen nimmt mit Beginn der Wahlberechtigung das politische Wissen durch die Auseinandersetzung mit politischen Themen zu. So hat auch das Alter Anteile an der kognitiven politischen Mobilisierung (vgl. Kleinert 2004: 173). Insofern hat das Alter ebenfalls einen (indirekten) Einfluss auf fremdenfeindliche Gesinnung, da es bzgl. der politischen Bildung - gerade bei jungen Erwachsenen - eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Auf der anderen Seite zeigen Studien, dass mit zunehmendem Alter ausländerfeindliche Haltungen zunehmen. Dies könnte evtl. mit nachlassender kognitiver Komplexität und Flexibilität im Alter zusammenhängen, wodurch undifferenziertes Denken auch Ausländer betreffend auftreten könnte. Aus diesem Grund sollte das Lebensalter als Kontrollvariable für (politischen) Bildung bzw. kognitive Flexibilität betrachtet werden.

2.2 Unterscheidung der politischen Dyade „Rechts“ und „Links“

Als Nächstes wird noch der Aspekt der politischen Orientierung im Sinne einer Rechts-/Links- Einstufung analysiert, bevor dieser im theoretischen Modell in Bezug zu Ausländer- feindlichkeit gesetzt wird. Die Dyade Rechts/Links hat zum einen einen deskriptiven, zum anderen einen wertenden Charakter (zumindest in der Politik). Hieraus wird ersichtlich, warum bei Umfragen immer vorab das Verständnis dieser Dyade geklärt werden sollte, um zu- verlässige Ergebnisse zu fördern (vgl. Bobbio 1994: 51). Zudem ist das Bewusstsein für das Unterscheidungskriterium für „Rechte“ oder „Linke“ Orientierung von Relevanz. Das entscheidende Merkmal scheint dabei das Gleichheitsideal zu sein. „Links“ orientierte Personen messen dem größere Bedeutung zu, was Menschen gleich macht, „Rechts“ orientierte Personen messen eher dem größere Bedeutung zu, was Menschen ungleich macht. Dies wirkt sich natürlich auch auf die Beurteilung anderer Menschen aus (vgl. Bobbio 1994: 78ff.).

Aus Sicht des Autors bleibt diskutabel, inwiefern man die Rechts-/Links-Einstufung einer Person als „unabhängige“ Variable sehen kann, d.h. als „erklärenden“ oder „ursächlichen“ Faktor für Ausländerfeindlichkeit. Dennoch sollte ein Zusammenhang unstrittig sein.

An diesem Punkt soll auch noch darauf hingewiesen werden, dass es durchaus Geschlechterunterschiede bzgl. der Definition von Rechtsextremismus geben kann, was später im Rahmen der Interpretation der Projektergebnisse interessant sein könnte. In der Theorie wird u.a. von verschiedenen rechtsextremen Politikverständnissen von Frauen und Männern ausgegangen: Frauen sind in dieser Hinsicht weniger gewaltorientiert und sehr auf ihr konkretes Lebensumfeld bezogen, Männer favorisieren dagegen in stärkeren Maße Gewalt und Expansionismus (vgl. Schubarth 2000: 200ff.). Dies zeigt zumindest, dass das Verständnis von „Rechts“ und „Links“ evtl. geschlechtsabhängig ist und daher bei der noch folgenden Datenanalyse und Ergebnisinterpretation berücksichtigt werden sollte.

2.3 Ausländerfeindlichkeit als theoretisches Modell

Nun folgt die Beschreibung des theoretischen Modells: Ausländerfeindlichkeit wird hierbei auf zwei Faktoren zurückgeführt, die einen Einfluss ausüben und Ausländerfeindlichkeit in gewisser Weise „erklären“ sollen. Auf der einen Seite steht der sozialstrukturelle Faktor der (schulischen) Bildung. Diese ist, wie bereits beschrieben, ein Indikator für Aus- länderfeindlichkeit. Zwar ist zu vermuten, dass solch ein Faktor nicht allein ausschlaggebend für ausländerfeindliche Orientierung ist, sondern ein Bestandteil in einem komplexeren Wirkungsgeflecht. Dennoch ist die politische (Schul-)Bildung ein wichtiger Indikator, wie dies zuvor hervorgehoben wurde. Das Lebensalter als weitere sozialstrukturelle Variable spielt in den Bildungsaspekt hinein und hat so ebenfalls Einfluss auf fremdenfeindliche Haltungen, da das Alter wie beschrieben die „kognitive politische Mobiliserung“ und damit die kognitiven Fähigkeiten antreibt. Im Rahmen dieser Untersuchung übernimmt das Alter die Funktion einer Kontrollvariable für Bildung (vergleiche statistisches Modell).

Auf der anderen Seite steht die Rechts-/Links-Einstufung in einem politischen Sinne. Vergegenwärtigt man sich die Überlegungen zur politischen Orientierung noch einmal, lässt dies die Vermutung zu, dass die Einstufung auf einer Rechts-/Links-Skala etwas über Wertvorstellungen, vor allem bzgl. Gleichheit aussagt und somit die Beurteilung von Ausländern und deren Ablehnung unterschiedlich ausfällt. Insofern besteht auch hier ein möglicher Zusammenhang zwischen politischer Gesinnung und Ausländerfeindlichkeit. Das Geschlecht hat, wie erwähnt, u. U. einen Einfluss auf das Verständnis sowie die Selbsteinstufung von „Rechts“ und „Links“ und demzufolge auch einen indirekten Einfluss auf Ausländerfeindlichkeit. Aus diesem Grund wird die Geschlechtsvariable in das statistische Modell aufzunehmen sein.

Das Zusammenspiel von Bildung und politischer Einstufung kann in dieser Arbeit aufgrund zeitlicher Rahmenbedingungen nicht näher untersucht werden.

Aus dem Gesagten lassen sich zwei Hypothesen schlussfolgern. Aufgrund hoher politischer Bildung bspw. auf Gymnasien steigt auch die kognitive Komplexität und Flexibilität. Damit einher geht auch eine differenziertere Betrachtung von bestimmten Themenkomplexen. Umgekehrt führt geringes Bildungsniveau eher zu verallgemeinernden Betrachtungsweisen und Stereotypen. Diese wirken sich dann womöglich auf die Ausländerfeindlichkeit aus, indem generell allen Ausländern Inländerrechte verweigert werden sollen. Die erste Hypothese lautet daher: Je geringer der Bildungsgrad einer Person, desto eher ist diese auch ausländerfeindlich.

Die Rechts-/Links-Einstufung einer Person sagt u. a. etwas über deren Gleichheitsideal aus. Stuft sich eine Person „Rechts“ ein, wird eher dem größere Bedeutung beigemessen, was Menschen ungleich macht. Daher kann man davon ausgehen, dass „Rechts“ orientierte Personen hauptsächlich Unterschiede von Inländern Ausländern betrachten und daher auch Ausländern nicht die gleichen Rechte und Lebenswege zubilligen möchten wie Inländern. Die zweite Hypothese lautet somit: Je mehr eine Person „Rechts“ eingestuft ist, desto eher ist sie auch ausländerfeindlich.

Die Variablen Lebensalter und Geschlecht werden bei der Datenanalyse zur Kontrolle und besseren Interpretation der Ergebnisse herangezogen und werden nicht in die Hypothesenformulierung aufgenommen.

3. Datenanalyse

Im nun Folgenden empirisch-statistischen Teil geht es vorwiegend darum, die zuvor aufgestellten Hypothesen im Rahmen einer statistischen Analyse zu überprüfen. Hierzu wird zunächst auf die Operationalisierung der theoretischen Konstrukte eingegangen, die im noch vorzustellenden statistischen Modell als Analysevariablen verwendet werden. Außerdem werden die Stichprobe sowie die zentralen deskriptiven Kennzahlen der Analysevariablen dargestellt. Nach den Ausführungen der Operationlisierungen, Variablenkennzahlen und dem statistischen Modell folgt die statistische Analyse mit einer Diskussion der empirischen Ergebnisse in Hinblick auf die formulierten Hypothesen.

3.1 Darstellung der Analysevariablen

Insgesamt nahmen an der zu Analysezwecken genutzten Allbus-Umfrage 2006 3421 Personen teil. Da in Allbus-Umfrage Ostdeutsche überrepräsentiert sind, wurden die Daten mittels der Variable v735 gewichtet. Diese stellen die Stichprobe der vorliegenden statistischen Untersuchung dar, auch wenn nicht jede analysierte Variable von jedem Teilnehmer beantwortet wurde.

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Details

Seiten
26
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656670544
ISBN (Buch)
9783656670162
Dateigröße
939 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274230
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
1,7
Schlagworte
hintergrundvariablen einstellung regressionsanalyse

Autor

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Titel: Hintergrundvariablen ausländerfeindlicher Einstellung