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Die Bedeutung des Höhlengleichnisses Platons für die Erkenntnistheorie und die Theologie

von Romina Hermes (Autor)

Essay 2014 5 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Das Höhlengleichnis

Eines der bekanntesten philosophischen Ergüsse Plantons ist das Höhlengleichnis. In jenem stellt sich der Philosoph ein fiktives Beispiel zur Erläuterung seiner Gedanken vor.

Demzufolge sitzen mehrere Menschen schon ihr Leben lang gefesselt in einer Höhle. Dabei sind ihre Gesichter zwangsweise der Höhlenwand vor ihnen zugewandt. Hinter ihnen befindet sich eine Mauer auf einer höheren Ebene. Sozusagen auf einem Felsvorsprung. Hinter eben jener Mauer laufen stets Menschen mit Gefäßen auf ihren Köpfen hin und her. Durch ein Feuer, welches diese Menschen von weiter oben beleuchtet, entstehen ihre Schatten auf der Felswand, derer die Menschen auf der untersten Ebene zugewandt sind. Dies führt dazu, dass die Unteren die Schatten für das Reale halten. Da es das Einzige ist, das sie je gesehen haben und als Wirklichkeit wahrnehmen konnten, kommen sie nicht einmal auf die Idee, an dem Sein der Schatten zu zweifeln. Nun geht Platon einen Schritt weiter und regt dazu an, sich vorzustellen, einer der unteren Menschen sei gezwungen, bzw. es sei ihm gelungen, aus seiner Position zu entkommen und müsse weiter hinauf bis vorerst hinter die Mauer gehen. Dort bemerkt er, dass es keine Schatten waren, die auf der Wand vor ihm abgebildet waren, sondern Menschen. Ginge er weiter, würde er auch das Feuer sehen und durch das grelle Licht würden seine Augen schmerzen. Noch weiter oben würde er an die frische Luft und in das helle Sonnenlicht treten. Zwänge man ihn gewaltsam dieses Licht zu erblicken, hätte er abermals Schmerzen und würde sich dagegen wehren. Nach einiger Zeit wäre er jedoch gewöhnt an das Licht, es würde nicht mehr weh tun und er wäre imstande die Sonne in ihrer Wirklichkeit, Beschaffenheit und Wahrheit wahrnehmen zu können. Wenn ein solcher wieder hinabstiege zum Grund der Höhle, würden seine Augen die Finsternis dort als eine solche erkennen und wären blind vor Dunkelheit.

Wenn er seinen Mitmenschen dann erzählen würde, was er gesehen und erfahren hatte, würde er verschmäht und für verrückt erklärt. Sie hielten den Wunsch nach oben zu gelangen, um so etwas „Dummes“ mitzubringen, für verwerflich.[1]

Bedeutung für die Erkenntnistheorie

Die klassische Erkenntnistheorie geht davon aus, dass eine begründete Meinung mit Wissen verbunden werden kann. Dabei lautet die zentrale Frage, welche Gründe hin- oder ausreichend und gut genug sind um eine Meinung zu stützen[2]. Platon dagegen verwirft jedoch diese Gleichsetzung der begründeten Meinung mit Wissen durch sein Höhlengleichnis. Er vertritt damit die Anschauung, dass es keine Gründe gibt, die eine subjektive Meinung als Wahrheit festlegen könnten. Die Menschen in der Höhle sehen die Schatten an der Wand und halten sie für das Wahre. Sie sind glücklich in ihrer Einöde, ihrem Alltagstrott und vermissen nichts. Wie sollten sie auch? Kann man nach etwas streben, was man nicht kennt? Kann man sich nach etwas sehnen, was außerhalb der eigenen Wirklichkeitsebene liegt? Da sie nur mit Gleichgesinnten sprechen, die dieselbe Wahrnehmung haben wie sie, nehmen sie das Gesehene als genügende Begründung für die Realität hin. Jedoch ist diese mehr als offensichtlich falsch. Damit widerlegt Platon zum anderen die Philosophie der frühen Zeit, welche besagt, dass Wahrnehmung Wissen sei, eindeutig[3]. Die Gruppe in dieser unteren Ebene nimmt nur das Sinnliche war, das sie durch ihre Augen erfassen können

[...]


[1] Platon. Der Staat. Leipzig, 1988.

[2] O. A.: Erkenntnistheorie. O. J. URL: http://www.philosophie.uni-muenchen.de/fakultaet/schwerpunkte/erkenntnistheorie/index.html (Stand: 20.05.14)

[3] Vgl. Platon, Theaitetos 187a–e

Details

Seiten
5
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656674153
ISBN (Buch)
9783656674122
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274426
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
Schlagworte
bedeutung höhlengleichnisses platons erkenntnistheorie theologie

Autor

  • Autor: undefined

    Romina Hermes (Autor)

    6 Titel veröffentlicht

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