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Möglichkeiten des Energiemanagements zur Betriebskostensenkung im Shopping-Center

Bachelorarbeit 2011 67 Seiten

Energiewissenschaften

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung und Zielsetzung.

2 Grundlagen und Definitionen
2.1 Definitionen
2.2 Strukturen im Shopping-Center
2.3 Relevante Richtlinien des Energiemanagements

3 Energiemanagement im Shopping-Center
3.1 Zielvorgabe.
3.2 Ist-Zustandsanalyse
3.2.1 Grobanalyse
3.2.2 Feinanalyse
3.2.3 Kostenanalyse
3.2.4 Umweltanalyse
3.2.5 Zusammenfassung
3.3 Konkrete Ziele und Verantwortlichkeiten
3.4 Erstellung eines Maßnahmenkatalogs
3.5 Bewertung und Priorisierung von Maßnahmen
3.5.1 Investitionsbewertung durch Wirtschaftlichkeitsrechnung
3.5.2 Nutzwertanalyse zur Maß nahmenpriorisierung
3.6 Umsetzung, Dokumentation und Weiterführung
3.7 Contracting als Alternative zum Energiemanagement

4 Rekonstruktion und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Formelzeichen und Abkürzungen

Formelzeichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung und Zielsetzung

Jeder kennt sie, geht regelmäßig dort einkaufen oder weiß zumindest wo eines in seiner näheren Umgebung zu finden ist. Die Rede ist von Shopping-Centern. Sie bieten dem Einzelhandel und dessen Kunden ganzjährig eine nahezu selbstverständlich gewordene Verfügbarkeit von konstanter Qualität.

Ein so komplexer Dauerbetrieb verursacht natürlich auch entsprechend hohe Betriebs- kosten verschiedenster Art. Wesentlicher Bestandteil der Betriebskosten sind die oft sehr hohen und nicht dem eigentlichen Bedarf entsprechenden Energiekosten, welche sich durch nicht optimal organisierte Energieversorgungsprozesse der Bereiche Lüftung, Heizung und Allgemeinstrom ergeben. Angesichts der angeführten Problemstellung soll diese Bachelorarbeit einen Beitrag zur Energieoptimierung im Shopping-Center leisten und eine Vorgehensweise zur Umsetzung von Energiemanagementmethoden aufzeigen, die Kostensenkungspotentiale realisieren können. Dazu werden die gängigen Vorgaben und Richtlinien des Energiemanagements im Hinblick auf den Shopping-Center-Betrieb untersucht, sinnvolle Methoden in einer Handlungsreihenfolge zusammengestellt und diese mit verständlichen Beispielen veranschaulicht. Die Arbeit soll für alle Arten von Shopping-Centern ein klar strukturiertes Konzept darstellen und beschränkt sich nicht auf einen speziellen Fall. Ebenso soll keine einfache Aufführung sämtlicher Aspekte erfolgen, sondern am Ende ein differenziertes Ergebnis stehen, das die wichtigsten Kri- terien aller relevanten Richtlinien kompakt darstellt.

Im folgenden Kapitel wird genauer auf das Grundlagengerüst dieser Arbeit eingegangen und neben nützlichen Definitionen sowohl das Shopping-Center als auch das Energiemanagement mit seinen Richtlinien beleuchtet. Kapitel 3 stellt den Hauptteil dar und enthält die Strukturierung und Analyse der einzelnen Methoden sowie Beispiele zu diesen. Es wird besonders darauf geachtet, die wichtigsten Themenbereiche detailliert zu untersuchen, Zusammenhänge der Gesichtspunkte aufzuzeigen und dabei didaktisch verständlich vorzugehen. Den Abschluss bildet eine Rekonstruktion mit übersichtlicher Zusammenfassung und möglichen Entwicklungstendenzen.

2 Grundlagen und Definitionen

Dieser Abschnitt dient dazu, notwendige Rahmenbedingungen und Informationen zu dem Thema dieser Arbeit zu erläutern und alle Grundlagen zum Verständnis der weiteren Vorgehensweise kompakt darzulegen.

2.1 Definitionen

Energiemanagement:

„ Energiemanagement ist die vorausschauende, organisierte und systematisierte Koor- dinierung von Beschaffung, Wandlung, Verteilung und Nutzung von Energie zur De- ckung der Anforderungen unter Berücksichtigungökologischer undökonomischer Ziel- setzungen. “ [1]

Für diese Arbeit muss erwähnt werden, dass ein Energiemanagement durch einzelne aufeinander aufbauende Maßnahmen realisiert wird.

Energieverbrauch:

Der Ausdruck Energieverbrauch hat sich umgangssprachlich entwickelt und ist allge- mein verständlich. Da Energie physikalisch gesehen jedoch nicht verbraucht, sondern nur zwischen verschiedenen Energieformen umgewandelt werden kann1, müsste genau genommen nicht vom Energieverbrauch, sondern von Energienutzung gesprochen wer- den. Im Laufe dieser Arbeit wird beiden Begriffen die gleiche Bedeutung zugesprochen.

Shopping-Center:

Das „International Council of Shopping-Centers” (ICSC) definiert ein Shopping-Center wie folgt:

„A group of retail and other commercial establishments that is planned, developed, owned and managed as a single property. ” [2].

Auch die deutsche BauNVO formuliert ein Einkaufszentrum ähnlich als:

„ [ … ] einen von vornherein einheitlich geplanten, finanzierten, gebauten und verwalte- ten Gebäudekomplex mit mehreren Einzelhandelsbetrieben verschiedener Art und Grö-ß e [ … ] “ [4].

Stark abweichende Definitionen sind nicht üblich, sodass die Vorstehenden auch für diese Betrachtungsweise gültig sind. Shopping-Center und Einkaufszentrum werden oft als Synonyme gebraucht. In den folgenden Ausführungen wird sich aber auf die gängigere Formulierung Shopping-Center beschränkt.

2.2 Strukturen im Shopping-Center

Ein Shopping-Center wird in der Regel vom rechtlichen Eigentümer organisiert. Zu dieser Tätigkeit gehören in erster Linie die Wahrnehmung aller Eigentums- und Besitzerrechte, wie Mieteinnahmen, Steuer-, Zins- und Tilgungszahlungen (vgl.[5] ). Des Weiteren müssen alle laufenden Aufgaben des Shopping-Center-Betriebs ausgeführt werden. In den meisten Fällen werden dazu eine oder mehrere Betreibergesellschaften beauftragt. Die häufigste Art ist die Beauftragung einer gebäudetechnischen Betreibergesellschaft und einer Center-Management-Gesellschaft. Während sich das CenterManagement um Image, PR, Events und die Mieterpflege kümmert, ist der technische Betreiber in der Regel für das Facility Management sowie Wartung, Instandhaltung und Pflege des technischen Betriebs (Haustechnik) verantwortlich.

Eine gute Übersicht über die Strukturen zeigt die Darstellung aller anfallenden Be- triebskosten. Da diese für jedes Shopping-Center individuell sind, kann der „Retail OS- CAR 2010“ mit Durchschnittswerten als Grundlage genommen werden. Dieser ist eine Studie, die auf der Basis 41 untersuchter Shopping-Center in Deutschland einen Über- blick über die Nebenkosten gibt und damit Richtwerte zu diesen bietet (vgl. [6] ):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Nebenkostenverteilung nach Retail OSCAR 2010

In der Übersicht ist erkennbar, dass die reinen Energiekosten (Strom- und Heizungskosten) 22% der gesamten Nebenkosten ausmachen und demnach den größten Kostenblock darstellen. Zudem sind nur die Energiekosten vom direkten Verbrauch abhängig und somit variabel. Alle anderen Kosten sind durch Verträge oder Vorgaben festgesetzt und größtenteils fix. Folglich bieten die Energiekosten den größten Spielraum zur Betriebskostenreduzierung im Shopping-Center.

2.3 Relevante Richtlinien des Energiemanagements

DIN EN 16001:

Die seit dem 06.06.2009 gültige DIN EN 16001 trägt den Titel „Energiemanagement- systeme - Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung“ und gilt europaweit. Diese Norm bezieht sich direkt auf das Energiemanagement und ist dadurch eine der wichtigs- ten Grundlagen dieser Arbeit. Ihr Ziel ist es, Organisationen aller Arten und Größen beim Aufbau von Systemen und Prozessen zur Verbesserung ihrer Energieeffizienz zu unterstützen (vgl.[7] ). Sie basiert auf dem PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act)2 und entspricht der Struktur der Umweltmanagementnorm ISO 14001. Durch diese Eigen- schaften ist ein Energiemanagement nach DIN EN 16001gut in Verbindung mit anderen Managementsystemen anzuwenden. Um den grundlegenden Ansatz eines entsprechen- den Energiemanagementsystems übersichtlich aufzuzeigen dient nachfolgende Abbil- dung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Modell eines Energiemanagementsystems nach DIN EN 16001

Die Norm ermöglicht es, ein komplettes Energiemanagement unter Berücksichtigung aller gesetzlichen Anforderungen einzuführen und nach Bedarf auch zu zertifizieren. Da sie für Organisationen jeglicher Art anwendbar sein soll, bleibt sie in ihrer Beschrei- bung an vielen Stellen sehr allgemein. Erst in der Anleitung zur Anwendung werden die Angaben konkreter und es werden Beispiele zu den einzelnen Anforderungen genannt.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hat zur DIN EN 16001 einen frei erhältlichen Leitfaden (Stand Juni 2010) herausgegeben, der die Vorschriften umfangreicher und mit mehr Praxisbezug darstellt.

GEFMA 124:

Die GEFMA 124 ist der Beitrag der „German Facility Management Association“ zu dem Thema Energiemanagement und besteht aus den folgenden vier Teilen:

124-1: Energiemanagement, Grundlagen und Leistungsbild 124-2: Methoden im Energiemanagement

124-3: Berufsbilder (Einsatzfelder) im Energiemanagement

124-4: Qualifizierung von Beratern für das Energiemanagement

Als zentrale Aufgabe dieser Richtlinie sieht die GEFMA die Kosten für die Energiebe- reitstellung in Gebäuden und Anlagen zu optimieren, ohne dabei Benutzerkomfort, An- lagenverfügbarkeit und Nutzungsdauer einzuschränken (vgl. [8] ). Der erste Teil erklärt grundlegende Begriffe zum Verständnis des Energiemanagements und beschreibt die Ansatzpunkte eines Energiemanagements in den verschiedenen Lebenszyklusphasen einer Immobilie sowie bereits grobe Vorgehensstrukturen. Diese werden dann im zwei- ten Teil der Richtlinie anhand wichtiger Methoden genauer vorgestellt, sodass eine Ana- lyse und anschließende Zusammenstellung sinnvoller Methoden für ein Shopping- Center möglich ist. Im Hinblick auf die Thematik und das Ziel dieser Arbeit ist die GEFMA 124-2 daher eines der wichtigsten Werkzeuge. Die Teile drei und vier werden in den Ausführungen nicht berücksichtigt, da Sie keinen direkten Nutzen zur Bearbei- tung aufweisen.

VDI 4602:

Die dritte große Grundlage dieser Arbeit liefert der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit der VDI-Richtlinie 4602 „Energiemanagement“. Diese Richtlinie ist darauf ausge- richtet, definitorische Lücken zu schließen, die bislang in der Organisation eines Ener- giemanagements zu Missverständnissen führten. Darüber hinaus liefert sie ebenfalls eine Beschreibung verschiedener Methoden zur Anwendung eines Energiemanage- ments, um die Bereitstellung, Verteilung und Anwendung von Energie unter ökologi- scher und ökonomischer Zielsetzung zu ermöglichen (vgl.[9] ). Der Grundgedanke der VDI 4602 zum Energiemanagement kann durch folgenden Wirkungskreis zusammen- fassend dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Energiemanagement Wirkungskreis nach VDI 4602

Die VDI 4602 ist inhaltlich als eigenständige Grundlage definiert, enthält jedoch kein Prüfverfahren wie die DIN EN 16001, sodass die Zertifizierung eines Energiemanage- mentsystems nicht ohne Weiteres stattfinden kann. Die Notwendigkeit zu dieser Zertifizierung liegt im Shopping-Center zurzeit auch noch nicht vor, wird in der Zukunft mit Blick auf den Umweltschutz jedoch immer relevanter und sollte daher nicht ignoriert werden. Blatt 2 der Richtlinie liefert Beispiele zur praktischen Anwendung.

Neben diesen Richtlinien gibt es noch zahlreiche weitere Vorgaben, die Teile oder gezielt einzelne Methoden des Energiemanagements betreffen. Welche davon für den weiteren Verlauf relevant sind, ist nachstehend aufgeführt:

- VDI 3922 - Energieberatung für Industrie und Gewerbe
- VDI 4461 - Energiekenngrößen Definitionen - Begriffe - Methodik
- VDI 2067 - Wirtschaftlichkeit gebäudetechnischer Anlagen
- VDI 3807 - Energieverbrauchskennwerte (Teile 1,2,3,4)
- DENA - Handbuch für betriebliches Energiemanagement

In Kombination decken alle vorgestellten Richtlinien viele Teile des Energiemanagements ab, sodass aussagekräftige Analysen durchgeführt werden können.

3 Energiemanagement im Shopping-Center

Das folgende Kapitel stellt eine Energiekonzeptvorlage dar und dient aufgrund ihrer aufeinander aufbauenden Struktur als sinnvolle Handlungsreihenfolge zur Einführung eines Energiemanagements. Die zu untersuchenden Energiemanagementmethoden verschiedener Richtlinien und Literaturquellen sind den einzelnen Handlungsabschnitten der Konzeptstruktur zugeteilt und werden unter diesen im Hinblick auf den ShoppingCenter-Betrieb erläutert und analysiert.

3.1 Zielvorgabe

Vor Beginn eines jeden Aufwands steht in der Regel ein Ziel - so ist es auch bei der Umsetzung von Energiemanagementmethoden. Wird sich an den in Kapitel 2.3 dieser Arbeit vorgestellten Richtlinien orientiert, ist bei allen eine grundlegende Formulierung des Ziels als Grundstein für den weiterführenden Ablauf eines Energiekonzepts zu fin- den.

In der GEFMA Richtlinie 124-2 wird unter dem Punkt Energiekonzepte eine „ Klärung des Zielsystems[ … ] “ [10] als erster Schritt eines Energiekonzepts angesetzt. Die DIN EN 16001 beschreibt gleich zu Beginn eine Energiepolitik, die durch das Top- Management für die Organisation festzulegen ist (vgl. [11] ) und auch die VDI- Richtlinie 4602 definiert das Energiemanagementsystem als Regelkreis, der von Ziel- vorgaben ausgeht (vgl. [12] ). Es ist also erkennbar, dass eine gewisse Zielausrichtung als unumstrittene Grundlage für das Energiemanagement festzulegen ist. Dennoch ist eindeutig, dass so eine Zielvorgabe anfangs nur grob definiert werden sollte und noch keine detaillierten Zieleinsparungen beinhalten kann, solange der Ist-Zustand für den Prozess der Energieversorgung noch nicht analysiert ist. Auf Grund dessen ist eine an- fängliche Zielformulierung besser nur als Vorgabe einer groben Zielrichtung zu be- stimmen. Eine detaillierte und mit realistischen Einsparungsgrößen gefüllte Zieldefini- tion kann erst nach genauer Betrachtung des Status quo vorgenommen werden, da dann ein wirklicher Überblick über aktuelle Verbräuche und Kosten vorliegt.

3.2 Ist-Zustandsanalyse

Die Ist-Zustandsanalyse dient als eine Bestandsaufnahme des gesamten Energieversor- gungsprozesses. Alle Informationen, die auf diese Weise gewonnen werden, ermögli- chen eine genaue Einschätzung der Größenordnung des umzusetzenden Energiemana- gements und schaffen die Voraussetzung für eine konkrete Planung. Grundsätzlich stellt die Ist-Zustandsanalyse Verbrauchs- und Kostenstrukturen sowie Umweltbelastungen der verwendeten Energieversorgung dar und bietet dadurch Ansatzpunkte, um Einspar- potentiale aufzudecken.

3.2.1 Grobanalyse

Die Deutsche Energie-Agentur „DENA“ empfiehlt mit Hilfe einer Grobanalyse zuerst

„ [ … ]Bereiche, Anlagen und Geräte, bei denen man den höchsten Energieverbrauch vermutet[ … ] “ [13] zu untersuchen und Energiedaten (Energiebedarfsprofil, Anschluss- und Leistungsdaten, jährlicher Energieverbrauch etc.) zu erfassen. Die dazu notwendi- gen Informationen liegen generell im Shopping-Center-Betrieb vor, sind jedoch nicht direkt im Bezug auf das Energiemanagement erfasst, sondern meistens aus verschiede- nen Unterlagen zu erschließen. So sind Anschluss- und Leistungsdaten ein erster guter Anhaltspunkt, da sie leicht den Typenschildern oder Revisionsunterlagen der Anlagen in Form von Nennleistungen entnommen werden können und bereits eine große Aussa- gekraft haben. Diesbezüglich sollte davon ausgegangen werden, dass bei Verbrauchern mit großer Nennleistung ein größeres Einsparpotential vorliegt als bei Geräten mit klei- neren Nennleistungen, da quantitativ mehr Energie im Prozess beteiligt ist und somit auch theoretisch mehr Energie eingespart werden kann. Des Weiteren sind Energiever- bräuche und die damit verbundenen Kosten für die festgelegten Abrechnungszeiträume aus den regelmäßigen Abrechnungen zu ersehen, auf denen im Normalfall auch der Nutzungsbereich bzw. die verarbeitende Anlage vermerkt ist (z.B.: GAS - HEIZUNG MUSTERSTR. oder GAS - ZÄHLER X.). Gäbe es beispielsweise nur einen Abrech- nungsbereich bzw. Gaszähler für das gesamte Shopping-Center, jedoch mehrere Ver- braucher, müsste das abgerechnete Gas proportional den Leistungen der einzelnen Ver- braucher zugeordnet werden, um eine realistische Aufteilung zu erreichen. Ein Energie- bedarfsprofil ergibt sich aus der Zusammenstellung von Energieverbräuchen der letzten zwei bis drei Jahre und zeigt die Entwicklung des Energiebedarfs bzw. Energiever- brauchs auf. Zu diesen Daten sollten bereits auch die Bezugsverträge der Energieträger untersucht werden, um von Beginn an Kostenstrukturen sowie Laufzeiten und Fristen im Blick zu haben.

Demnach kann mit der Verarbeitung vorliegender Zahlen ziemlich unproblematisch eine Übersicht über die potentiellen Hauptverbraucher im Shopping-Center erstellt werden, die eine Basis für nähere Analysen ermöglicht.

Die GEFMA Richtlinie 124-2 orientiert sich für eine anfängliche Makroanalyse an dem Ansatz, den aktuellen energetischen Stand eines Gebäudes anhand von Energiekennzahlen in einem Benchmarking schnell und effektiv zu beurteilen und mit anderen Gebäuden derselben Art zu vergleichen (vgl.[14] ). Das Konzept scheint auch für ein Shopping-Center vielversprechend, jedoch hört es in der GEFMA Richtlinie an dieser Stelle bereits wieder auf, denn auf die Wahl geeigneter Kennzahlen wird nicht eingegangen, sodass selbst sinnvolle Kenngrößen gebildet werden müssen.

Eine Energiekennzahl besteht immer aus einer Energiegröße (z.B. Energieverbrauch) und einer Bezugsgröße (z.B. Grundfläche). Bei Verbrauchsgrößen wird üblicherweise der Endenergieverbrauch eines Energieträgers verwendet (vgl.[15] ), zudem müssen außentemperaturabhängige Verbrauchswerte (z.B. Heizenergieverbrauch) von Zeit- und Witterungseinflüssen unter Berücksichtigung sogenannter Gradtagszahlen3 berei- nigt werden. Ohne diese Bereinigung wäre der entsprechende Verbrauchswert spezi- fisch für einen bestimmten Klimastandort und nicht aussagekräftig im Vergleich mit Werten anderer Standorte. Als Hilfsmittel eignet sich die VDI-Richtlinie 3807-1, wel- che Anleitungen zur Bildung nützlicher und bereinigter Kennwerte liefert. Für ein Shopping-Center ist die Auswahl einer adäquaten Bezugsgröße eher schwierig, da nicht wie im produzierenden Gewerbe Bezug auf Produktionsmengen oder ähnliche produk- tionsspezifische Größen genommen werden kann, die unmittelbar mit dem Energieein- satz zusammenhängen. Stattdessen muss sorgfältig überlegt werden, welche Größen von dem Energieeinsatz beeinflusst werden und somit sinnvolle Bezugsgrößen sind.

Im Folgenden sind mögliche Energiekennzahlen für ein Shopping-Center in Anlehnung an die VDI-Richtlinie 3807-1 zusammengestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Beispiele sollen Anregungen zu denkbaren Energiekennzahlen geben und zeigen, dass Energie- und Bezugsgrößen beliebig miteinander kombinierbar sind, wobei immer darauf geachtet werden sollte energieabhängige Bezugsgrößen zu wählen. Wird bei- spielsweise eine Energiekenngröße mit Bezug auf den Mieterumsatz gebildet, liegt ein scheinbar aussagekräftiger Wert pro € vor. Da der Mieterumsatz aber in keinster Weise vom Energiebezug abhängt, sondern von Besucherzahlen und Kundenverhalten beein- flusst wird, wäre eine solche Kennzahl bedeutungslos und für ein Benchmarking un- brauchbar. Des Weiteren muss darauf geachtet werden, bei der Kennzahlenbildung im- mer die Rahmenbedingungen der Erhebung zu notieren, sodass bei späteren Verglei- chen die Ergebnisse besser nachvollziehbar sind. Ein Datensatz einer Energiekennzahl sollte demnach folgende Informationen enthalten (vgl.[17] ):

- Benennung konkreter Energie- und Bezugsgröße
- Maßeinheit
- Gültigkeit (Branche, Anlage, Bezugsjahr, Geografischer Bezug)
- Quelle

Nachdem die relevanten Energiekennwerte zusammengestellt sind, geht es an die Anwendung dieser. Zum einen nutzen sie dem Vergleich des eigenen Shopping- Center-Betriebs, indem verschiedene Perioden miteinander verglichen und kritische Zeiträume bezüglich der Energiegröße dokumentiert werden können. Dies ermög- licht eine Ursachenforschung im Hinblick auf etwaige Unterschiede und kann ge- zielte Verbesserungen für die Zukunft aufzeigen. Auf der anderen Seite dienen Energiekennzahlen dem Vergleich mit anderen Standorten, die im optimalen Fall andere Shopping-Center ähnlicher Größenordnung sind. Allerdings ist es schwierig einen brauchbaren Benchmarkpool zu finden, der wirklich gute und vergleichbare Informationen enthält. Entsprechende Informationen werden z.B. von Marktfor- schungsunternehmen erhoben und meistens in Form von Studien veröffentlicht. Ei- ne für den Shopping-Center-Betrieb sehr relevante Studie ist der bereits in Kapitel 2.2 vorgestellte „Retail OSCAR“. Diese Nebenkostenanalyse wird seit dem Jahr 2002 in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht und bietet Richtwerte zum Ver- gleich. So lag der durchschnittliche Heizkostenanteil an den Gesamtkosten im Jahr 2008 beispielsweise bei 11% (vgl. [18] ). Die Studie betrachtet die Kostenarten der gesamten Nebenkosten als Kosten pro Quadratmeter, bietet jedoch keine Zahlen zu Energieverbräuchen und somit keine Zusammenstellung verschiedener Kennzahlen. Trotzdem sind die Richtwerte der Energiekosten ein erster Anhaltspunkt zur Ermitt- lung des Ist-Zustands. Vergleichsdaten im Hinblick auf den Energieverbrauch liefert die VDI-Richtlinie 3807-2. Sie beinhaltet Übersichten über durchschnittliche Heiz- energie- und Stromverbrauchskennwerte verschiedener Gebäudearten, unter ande- rem auch für Verkaufsstätten. Leider sind diese Daten bereits veraltet (1998), sodass sie keine genaue Aussagekraft haben, dennoch kann ein Vergleich mit diesen Richtwerten Hinweise auf den ungefähr vorliegenden energetischen Zustand geben. Zu dem spezifischen Elektroenergiebedarf von Beleuchtung, Lüftung und Kühlung bietet die VDI-Richtlinie 3807-4 hingegen aktuellere Kennwerte (2008) für viele verschiedene Flächennutzungsarten. Diese umfangreiche Übersicht ermöglicht auch für die sehr heterogene Flächennutzungsstruktur eines Shopping-Centers (Einzel- handelsfläche, Verkehrsflächen, Lagerflächen, etc.) die Möglichkeit den Bedarf zu ermitteln.

Tabelle 1: Spezifische Energiebedarfe Beleuchtung nach VDI 3807-4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Oftmals betreibt der Eigentümer eines Shopping-Centers weitere Immobilien gleicher oder ähnlicher Nutzungsart. Ein Vergleich dieser Immobilien untereinander kann eben- falls helfen den energetischen Status einzuordnen und ist durch den schonenden Um- gang der eigenen Ressourcen nach Möglichkeit zu empfehlen. Vergleiche sind auch branchenübergreifend durchaus gängig, jedoch sollte bei der Wahl des Vergleichspart- ners selektierend vorgegangen werden, da nicht alle Energiekennzahlen eines Shopping- Centers auf andere Branchen anwendbar sind und nur bei ähnlicher Nutzung ein Ge- samtvergleich sinnvoll ist. Grundsätzlich muss bei jedem Vergleich darauf geachtet werden, aussagekräftige Kennzahlen zu verwenden und Vergleichsergebnisse immer unter Betracht der festgelegten Rahmenbedingungen zu interpretieren, da diese bei jeder Kennzahl anders sind (vgl.[19] ). Nachdem die Ergebnisse vorliegen, können diese zusätzlich anhand einer grafischen Auswertung zusammentragen werden und dadurch der eigene Stand visuell und übersichtlich dargestellt werden.

Folglich lässt sich festhalten, dass die VDI-Richtlinie 3807, wenn auch teilweise veral- tet, gute Vergleichsgrundlagen bietet und diese in Verbindung mit weiteren Studien (z.B. Retail OSCAR) den Vergleich mit den eigenen Energiekennzahlen hinreichend ermöglichen. Das Ziel der Grobanalyse, den energetischen Ist-Zustand einzuordnen, kann demnach mit der Erhebung und dem Vergleich von Energiekennzahlen erreicht werden.

DIN EN 16001 sieht die „ Identifikation von Bereichen mit erheblichem Energiever- brauch[ … ] “ [20] sowie die Bestimmung von Energiefaktoren (vgl.[21] ) ebenso als

Planungsgrundlage, führt jedoch keine grundlegend anderen Vorgehensweisen auf. Auch die VDI-Richtlinie 4602 stellt die Ist-Analyse als einen der ersten Aspekte der Planungsphase vor und spricht von einer Grobanalyse, zum Überblick der Energiesitua- tion. Der Ansatzpunkt ist ebenfalls der Energiekennzahlenvergleich, jedoch setzt die Richtlinie bereits detaillierter an und schlägt zusätzlich die Bilanzierung der vorhande- nen Energieströme vor (vgl.[22] ). Da die grobe Einordnung des energetischen Ist- Zustands aber durch die beschriebenen Methoden (Datenaufnahme und Energiekenn- zahlenvergleich) schon ausreichend bestimmt werden kann, sollte von einer aufwendi- gen Gesamtbilanzierung schon in der Grobanalyse abgesehen werden.

3.2.2 Feinanalyse

Ist die aktuelle energetische Situation durch die Grobanalyse eingeordnet und sind die voraussichtlichen Energieeinsparpotentiale aufgezeigt, geht es an die detailliertere Be- trachtung dieser. Das Ziel ist „ [ … ]die Gewinnung differenzierter Daten, um die Ener- gieeinsparung genau zu analysieren und die Wirtschaftlichkeitsparameter[ … ]exakt zu bestimmen. “ [23] Dazu werden konkret die Energieverbrauchsstrukturen einzelner An- lagen, die durch die Grobanalyse als Einsparpotential ausgemacht wurden, analysiert. In einem weiteren Schritt werden anhand dieser Analyse Optimierungsmaßnahmen festge- setzt, bewertet und priorisiert. Vorab können für die weitere Untersuchung die in Frage kommenden Anlagen mit einer sogenannten ABC-Analyse zusammenfassend festgelegt werden (s. Abb. 4). Dazu werden die Verbrauchsinformationen aus der Grobanalyse benötigt. Zur Untersuchung sind die Anlagen der Kategorie A interessant, welche ca. 80% des Energiebedarfs eines Energieträgers verbrauchen und somit die höchsten Ein- sparungen erzielbar machen. Anlagen der Kategorie B sind je nach Umfang der Ener- gieoptimierung ebenfalls in Betracht zu ziehen, jedoch ist aufgrund des anteilig ziemlich geringen Verbrauchs differenziert vorzugehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: ABC-Analyse zur Energieverteilung

Im Hinblick auf das Energiemanagement im Shopping-Center kann eine ABC-Analyse je nach Größe und energetischer Anlagenstruktur durchaus ein sinnvolles Mittel sein. Ist die Energiestruktur jedoch leicht überschaubar und stehen ohnehin nur wenige Anlagen zur Auswahl, kann auf eine entsprechende Analyse verzichtet werden.

Wenn die zu untersuchenden Anlagen dann endgültig festgelegt sind, kann damit be- gonnen werden, diese auf detaillierter Ebene zu analysieren und die Einsparpotentiale genauer zu quantifizieren. Eine nach GEFMA Richtlinie 124-2 „ [ … ]unabdingbare Grundlage[ … ] “ [24] ist die Energiebilanzierung. Dabei werden alle einem Energiesys- tem zu- und abgeführten Energieströme rechnerisch erfasst und dargestellt (vgl.[25] ).

Energiebilanz

Grundlage einer jeden Energiebilanzierung ist die Definition eines Bilanzraums, der sowohl das ganze Gebäude umfassen als auch für bestimmte Zonen oder einzelne Anla- gen des Gebäudes festgesetzt werden kann. Dieser Bilanzraum wird als thermodynami-

[...]


1 Die Gesamtenergie in einem abgeschlossenen System bleibt konstant. (vgl. [3])

2 Für eine genauere Erläuterung zum PDCA-Zyklus siehe Anhang.

3 Gradtagszahlen geben für jeden Tag, dessen Mitteltemperatur unter 15°C liegt (Heiztage), die Differenz der Innentemperatur (20°C) zu dieser Mitteltemperatur an. Für den Verbrauchszeitraum aufsummiert, dienen sie als Basis für die Witterungsbereinigung außentemperaturabhängiger Verbrauchswerte. Gradtagszahlen können von der Wetterstation bezogen werden. Einheit ist der Gradtag (Kd) (vgl. [16]).

Details

Seiten
67
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656663645
ISBN (Buch)
9783656663638
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274568
Institution / Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen
Note
1,0
Schlagworte
möglichkeiten energiemanagements betriebskostensenkung shopping-center

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