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Inwiefern verbessern Studenten und Studentinnen ihre wissenschaftlichen Schreibfähigkeiten im Verlaufe des Studiums?

Seminararbeit 2013 26 Seiten

Deutsch - Grammatik, Stil, Arbeitstechnik

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Wissenschaftliche Texte

2 Intertextualität
2.1 Funktionsbereiche Intertexualität
2.2 Arten der Intertextualität
2.2.1 N[Quelle] & V & Zitat
2.2.2 N[Quelle] & P & Zitat
2.2.3 Konjunktiv
2.2.4 Implizite Integration

3 Modell zur Ontogenese wissenschaftlicher Textkompetenz
3.1 Modell von Steinhoff (2007)
3.2 Modell von Pohl (2007)
3.3 Die Modelle im Vergleich

4 Untersuchung
4.1 Untersuchungsgegenstand
4.2 Intertextualität in der Seminararbeit
4.3 Zusammenfassung Seminararbeit
4.4 Untersuchung Masterarbeit
4.5 Fazit Masterarbeit

5 Schlusswort

Literaturverzeichnis

Persönliche Erklärung

Einleitung

Im Verlaufe des Studiums müssen Studierende mehrere wissenschaftliche Arbeiten schreiben. Für zahlreiche Studierende ist eine Seminar- oder Hausarbeit der erste Kontakt mit dem Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit. Zum Abschluss des Studiums ist es dann die umfangreichere Masterarbeit, die zeigt, ob Studierende grundsätzliche Aspekte der wissenschaftlichen Sprache während des Studiums erlernen konnten. In diesem Prozess, von der ersten Arbeit bis zur Masterarbeit, werden Studierende mit zahlreichen Problemen bezüglich des Umgangs mit wissenschaftlicher Sprache konfrontiert. Eine Schwierigkeit dabei stellt der Umgang mit intertextuellen Bezügen dar. Das Miteinbeziehen von fremden Inhalten in die eigene Arbeit fordert beispielsweise das Befolgen bestimmter formaler Konventionen. So werden unteranderem Quellenangaben bei einem Zitat je nach Fachgebiet leicht unterschiedlich gekennzeichnet. Neben den formalen Schwierigkeiten gibt es die inhaltlichen Schwierigkeiten. Studierende müssen lernen, mit mehreren Quellen umzugehen und diese sinnvoll in die eigene Arbeit einzubringen. Dabei müssen sie darauf achten, dass aus ihrer Arbeit beispielsweise durch die häufige Aneinanderreihung von Zitaten eine Art „Collage-Arbeit“ entsteht.

Steinhoff (2007) und Pohl (2007) führten Studien durch, in denen sie Aspekte der Intertextualität (und andere Aspekte der wissenschaftlichen Sprache) untersuchten. Anhand der Schlussfolgerungen wurde jeweils versucht, ein Modell zur Ontogenese wissenschaftlichen Schreibens zu erstellen. Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, näher auf die Entwicklung der Textkompetenz wissenschaftlicher Texte einzugehen. Dabei fokussiert die Arbeit hauptsächlich den Umgang mit Intertextualität. Hierfür werden die erste Seminararbeit im Studium und die Masterarbeit des Verfassers dieser Arbeit anhand verschiedener Aspekte der Intertextualität untersucht.

In einem ersten Schritt wird allerdings zuerst näher auf die Textsorte „wissenschaftliche Texte“ eingegangen, bevor in Kapitel 2 die Intertextualität und ihre Funktionen im Mittelpunkt stehen. In Kapitel drei werden die beiden Modelle zur Ontogenese wissenschaftlichen Schreibens vorgestellt. Dabei wird versucht, näher auf die Entwicklung im Umgang mit Intertextualität einzugehen. In Kapitel 4 werden dann die beiden Arbeiten anhand verschiedener Aspekte der Intertextualitä untersucht.

1 Wissenschaftliche Texte

Die vorliegende Arbeit fokussiert die Intertextualität in wissenschaftlichen Texten. Hierfür soll in einem ersten Schritt näher darauf eingegangen werden, was unter dieser Textsorte zu verstehen ist. Steinhoff (2007) definiert die wissenschaftliche Textsorte, indem er auf die Aufgaben- und Funktionsbereiche eingeht. Bezüglich der Anforderungen unterscheidet er unter Gegenstandbindung, Eindeutigkeit, Ökonomie und Anonymität. Im Bereich der Funktionen wird zwischen Verfasserreferenz, Intertextualität, konzessives Argumentieren, Textkritik und Begriffsbildung unterschieden. Nachfolgend wird näher auf die Aufgabenbereiche eingegangen, bevor im nächsten Kapitel der Funktionsbereich der Intertextualität fokussiert wird. .

Die Gegenstandsbindung gilt als zentrales Element des wissenschaftlichen Schreibens. Darunter wird die sachliche, gegenstandszentrierte Fixierung eines Sachverhaltes verstanden. Es wird dabei ein sachlicher und einheitlicher Schreibstil gefordert, der Fakten, Zahlen und Ergebnisse gradlinig mitteilt (vgl. Steinhoff 2007: 11f.). Es wird versucht, subjektive und emotionale Elemente zu vermeiden. Unter dieser Anforderung kann auch verstanden werden, dass Inhalte und Ideen ausreichend belegt werden, um den Fokus auf den zentralen Sachverhalten noch zu verdeutlichen (vgl. Heimes 2011: 93).

Unter Eindeutigkeit wird verstanden, dass Gegenstände und Sachverhalte mit möglichst adäquaten Begriffen beschrieben werden. Es geht somit um eine eindeutige Zuordnung eines Gegenstandes durch Fachwörter und Begriffe, um eine möglichst hohe Präzision zu erreichen (vgl. Steinhoff 2007: 13). Damit fachliche Inhalte ohne Missverständnisse ausgetauscht werden können, darf es idealerweise für ein Fachwort nur eine Bezeichnung geben (ebd.). Somit haben wissenschaftliche Texte die Aufgabe, Gegenstände klar, genau und möglichst eindeutig zu beschreiben. Hierfür wird ebenfalls ein einheitlicher Sprachstil gefordert (vgl. Heimes 2011: 93). Dadurch, dass oft Bezug (beispielsweise durch wörtliche oder sinngemässe Zitate) zu anderen Autoren gemacht wird, kann es vorkommen, dass der eigene Sprachstil durch eine Art „Collage-Sprachstil“ ersetzt wird.

Als ökonomischer Text kann ein Text beschrieben werden, der „mit möglichst geringem Aufwand an Ausdrucksmitteln einen möglichst hohen Ertrag“ erzielt (Polenz 1981, zit. n.Steinhoff 2007: 15) Wissenschaftliche Texte fokussieren das Wesentliche (den Sachverhalt oder den Gegenstand), lassen Unnötiges weg und wiederholen sich nicht unnötig (vgl. Steinhoff 2007: 15). Dabei spielt die Auswahl der Quellen eine zentrale Rolle. Quantität, Qualität von Quellen und Argumenten sollten in einem günstigen Verhältnis zueinander stehen (vgl. Heimes 2007: 93). Ebenfalls gilt es für Autoren abzuschätzen, wie breit und tief sie ein Thema oder einenSachverhalt für die Leser darstellen (ebd.).

Ein weiteres Merkmal wissenschaftlicher Texte ist die Anonymität. „Direkte Verfasser- und Leserreferenzen findet man in Fachtexten vergleichsweise selten“ (Steinhoff 2007: 17). Durch die anonyme Schreibweise rückt die Sache oder der Gegenstand stärker in den Vordergrund. Die Anonymität hat zum Ziel, die Objektivität und die Allgemeingültigkeit eines Textes zu steigern (ebd.). Somit wird auch beim wissenschaftlichen Schreibstil auf persönliche oder subjektive Elemente verzichtet. Auf das Verwenden der ersten oder zweiten Personalform wird ebenfalls verzichtet. Im Normalfall wird die dritte Person singular/plural verwendet (ebd.).

Durch die Darstellung der verschiedenen Anforderungen an wissenschaftliche Texte konnte diese Textsorte definiert und beschrieben werden. Die Intertextualität (die Bezugnahme auf fremde Texte innerhalb einer wissenschaftlicher Arbeit) kann als wichtiges Hilfsmittel verstanden werden, um einzelne Aufgabenbereiche zu erfüllen. Beispielsweise kann im Bereich der Eindeutigkeit die Intertextualität dazu dienen, mittels eines Zitats einen für den Sachverhalt zentralen Begriff zu definieren. Ebenso können Bezüge als Argumente für eigene Ideen oder Annahmen verwendet werden. Im folgenden Kapitel wird detaillierter auf den Funktionsbereich der Intertextualität eingegangen.

2 Intertextualität

Der Bezug zu anderen Autoren oder Texten ist ein zentrales Merkmal wissenschaftlicher Texte. Der Bezug zu anderen Texten und Werken wird als Intertextualität bezeichnet. Wie bereits angetönt, erfüllt sie innerhalb eines Textes mehrere Aufgaben. Beinahe jeder Autor und jede Autorin einer wissenschaftlichen Arbeit widmet mindestens einen Teil oder ein Kapitel dem Forschungsstand des zu behandelnden Sachgebietes (Steinhoff 2007: 121). Hierzu macht der Verfasser Bezüge zu anderen Texten. In diesem Fall dient die Intertextualität dazu, dem Leser und der Leserin einen Überblick über das Thema und über den Forschungsstand zu geben oder aber auch, um die Relevanz und Wichtigkeit des Themas darzustellen.

Nachfolgend wird in einem ersten Schritt näher auf die verschiedenen Funktionsbereiche der Intertextualität eingegangen, bevor verschiedene Arten der Intertextualität vorgestellt werden.

2.1 Funktionsbereiche Intertexualität

Zitate und Verweise erfüllen verschiedene Funktionen. So können sie dazu verwendet werden, um einerseits den aktuellen Forschungsstand wiederzugeben und andererseits können sie benutzt werden, umdie eigene Arbeit im Forschungsfeld zu situieren (vgl. Steinhoff 2007: 123). Nach Jakobs (vgl. 1999: 110) haben Textbezüge allerdings noch weitere Funktionen. Sie unterscheidet zwischen den Bereichen: Aufbau von Textnetzen, Überblick schaffen, Herstellen von Diskussionssträngen, argumentative Funktion, Funktion der Beziehungsgestaltung.

Unter dem Aufbau von Textnetzen versteht sie, die „Forderung nach Wissenszuwachs (bei Autor und Leser) durch In-Beziehung-setzen von Forschungsergebnissen und Erklärungsansätzen“ (Jakobs 1999: 115). So soll sichergestellt werden, dass Texte aufeinander aufbauen.

Der Funktionsbereich „Überblick schaffen“ verlangt, dass Textbezüge dazu verwendet werden, um den aktuellen Forschungsstand eines Gebietes darzustellen.

Unter „Herstellen von Diskussionssträngen“ versteht Jakobs (vgl. 1999: 118), dass das Beziehen auf viel diskutierte Beispiele und/oder Themengebiete dem Autor die Möglichkeit gibt, an bereits beschriebenen Diskussionen teilzunehmen und daran anzuknüpfen.

Weiter beschreibt Jakob (vgl. 1999: 120), dass Textbezüge im Bereich der Argumentation eine zentrale Rolle spielen. Sie können beispielsweise dazu dienen, Sachverhalte zu unterstützen oder zu kritisieren.

Textbezüge haben zusätzlich auch eine beziehungsgestaltende Funktion. Es geht dabei um den psycho-sozialen Effekt der Intertextualität. Jakobs unterscheidet diesbezüglich zwischen folgenden Möglichkeiten der Beziehungsgestaltung (1999: 123): „sich darstellen, sein Image pflegen, sich (von jmdm.) distanzieren, sich (mit jmdm.) identifizieren oder Kontakt herstellen.“

Neben den Funktionsbereichen der Intertextualität muss an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass sie ebenfalls Anforderungen an den Verfasser stellt. Die Art und Weise wie Bezug zu fremden Texten gemacht wird, ist klar geregelt und verfolgt Normen und Konventionen. Diese unterscheiden sich allerdings leicht je nach Fach- und Themengebiet. So werden wörtliche oder sinngemässe Zitate beispielsweise im Bereich der Linguistik oder der Erziehungswissenschaften unterschiedlich gekennzeichnet, wie später in der vorliegenden Arbeit noch gezeigt wird. In einem nächsten Schritt soll nun genauer auf die verschiedenen Arten der Intertextualität eingegangen werden.

2.2 Arten der Intertextualität

Bezüglich der Intertextualität ist zwischen wörtlichem Zitieren, sinngemässem Zitieren und Verweisen zu unterscheiden (vgl. Steinhoff 2007: 279). Unerfahrene Schreiber stehen dabei oft vor der Herausforderung, dass der Text nicht lediglich aus einer Aneinanderreihung von Zitaten besteht. Andererseits müssen sie drauf achten, dass sie das Gelesene korrekt und sinngemäss wiedergeben.

Beim wörtlichen Zitieren wird der exakte Wortlaut eines anderen Werkes für die eigene Arbeit übernommen und als Zitat gekennzeichnet (vgl. Jakobs 1999: 95). Es werden somit neben dem Inhalt auch die Formulierungen übernommen. Für die Einbindung von Zitaten in einen Text müssen dem Fachgebiet entsprechende Konventionen eingehalten werden.

Zitate haben verschiedene Funktionen. Sie gewährleisten das korrekte und exakte Wiedergebeneiner ursprünglichen Aussage (vgl. Jakobs 1999: 97). Weiter entlasten sie den Verfasser, eine Aussage entsprechend um oder neu zu formulieren. In der Untersuchung von Steinhoff (vgl. 2007: 208) wurde herausgefunden, dass circa 5% des Gesamttextes einer studentischen Hausarbeit aus wörtlichen Zitaten bestehen.

Beim sinngemässen Zitieren wird der Originaltext um oder neu formuliert (vgl. Jakobs 1999: 94). Sinngemässe Zitate werden verwendet, wenn beispielsweise der Originaltext modifiziert (gekürzt, ausgedehnt) oder wenn er bezüglich des Sprachstils an die Leserschaft angepasst werden will (vgl. Steinhoff 2007: 281).

Verweise verfolgen nicht wie Zitate das Ziel, dass Aussagen explizit nachgeprüft werden könnnen. Verweise dienen mehr als Anweisung, an welchem Ort bestimmte Informationen gefunden werden können (vgl. Jakobs 1999: 102.). Sie sind eine Entlastung für den Schreiber oder für die Schreiberin, damit dieser oder diese nicht die gesamten Forschungsergebnisse und Texte, die für seinen Text relevant sind, detailliert darstellen muss (vgl. Steinhoff 2007: 282).

Wörtliche und sinngemässe Zitate können nach Steinhoff (2007) in Untergruppen aufgeteilt werden. Nachfolgend werden diese Untergruppen kurz vorgestellt.

2.2.1 N[Quelle] & V & Zitat

In diesem Fall wird das Zitat durch das vorherige Nennen des Autors (mit Quelle) und mit einem sprachkennzeichnenden Verb eingeleitet. Ein Beispiel für ein wörtliches Zitat dieser Art ist: Steinhoff (2007: 65) schreibt: „Die Rahmenausdrücke sind fett gedruckt, die Deskriptionen kursiv.“

Bei sinngemässen Zitaten wird häufig das Wort „dass“ als Zitateinleitung verwendet. Ein Beispiel hierfür wäre: Steinhoff (2007: 112) sagt, dass der Begriff der Intersubjektivität stark von Karl Popper geprägt wurde.

Bezüglich der Verwendung des Verbes fand Steinhoff heraus, dass Studenten und Experten die Verben „schreiben“ und „sehen“ am häufigsten verwenden..

2.2.2 N[Quelle] & P & Zitat

„P“ bedeutet in diesem Fall Präposition. „In aller Regel wird dabei eine der folgenden drei Präpositionen verwendet: ‚nach‘, ‚laut‘ (beide in Prästellung) oder ‚zufolge‘ (in Poststellung)“ (Steinhoff 2007: 303). In der Untersuchung von Steinhoff wurde ersichtlich, dass die Präposition „nach“ im Bereich Linguistik am häufigsten verwendet wurde (ebd.). Häufig wird die Präposition „nach“ auch mit den Nomen „Meinung“, „Ansicht“ oder „Auffassung“ gekoppelt.

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Details

Seiten
26
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656667032
ISBN (Buch)
9783656667025
Dateigröße
665 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274660
Institution / Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)
Note
1
Schlagworte
Wissenschaftliches Schreiben wissenschaft Linguistik

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