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Suizid im Alter. Ursachenforschung, Diagnostik und Möglichkeiten zur Vermeidung

Bachelorarbeit 2010 58 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Aktuelle Lage und Begriffsklärung

2. Risikofaktoren Suizid
2.1 Körperliche Faktoren
2.2 Psychische Faktoren
2.2.1 Depressionen
2.2.2 Demenz
2.3 Soziale Faktoren
2.3.1 Familiensituation
2.3.2 Zwischenmenschliche Situation
2.3.3 Ausscheiden aus dem Erwerbsleben
2.3.4 Soziale Isolation und Einsamkeit
2.4 Exemplarisches Beispiel einer Studie

3. Vorboten und Signale einer Suizidgefährdung

4. Diagnostik Suizid
4.1 Gespräch
4.2 Abschätzung Suizidalität

5. Prävention
5.1 Primäre Prävention
5.1.1 Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention
5.1.2 Nationales Suizidpräventionsprogramm für Deutschland
5.1.3 Individuelle Vorbeugung des alten Menschen
5.2 Sekundäre Prävention
5.2.1 Suizidprävention durch den Hausarzt
5.2.2 Krisenintervention
5.2.3 Einweisung in psychiatrische Klinik
5.2.4 Behandlung suizidaler Personen im Krankenhaus
5.2.5 Regeln im Umgang mit suizidalen alten Menschen
5.3 Tertiäre Prävention
5.3.1 Medikamentöse Behandlung
5.3.2 Psychotherapie
5.3.3 Sozialarbeit
5.3.4 Hilfen für Hinterbliebene

6. Interviewteil
6.1 Allgemeine Informationen
6.2 Auswertung
6.2.1 Themenschwerpunkt Beziehung Einrichtung zu Suizid
6.2.2 Themenschwerpunkt Ursachen Suizid
6.2.3 Themenschwerpunkt Vorboten und Signale
6.2.4 Themenschwerpunkt Prävention

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Einleitung

In Deutschland nehmen sich jährlich ca. 10.000 Menschen das Leben (Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention – Hilfe in Lebenskrisen e.V., 2007 A). Mit zunehmendem Alter steigen die Suizidziffern an, zum jetzigen Zeitpunkt wird schon fast jeder zweite Suizid von Frauen über 60 Jahren verübt (Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention – Hilfe in Lebenskrisen e.V., 2007 C). Bei älteren Menschen sind auch insgesamt immer mehr Suizid versuche zu verzeichnen, was einen besorgniserregenden Zustand darstellt. Diese Bachelorarbeit wurde geschrieben, um die Thematik Suizid im Alter näher zu beleuchten. Sie beschäftigt sich mit der Frage, welche Faktoren für das suizidale Verhalten vieler alter Menschen ursächlich sind, wie suizidale Tendenzen erkannt werden und was die Gesellschaft präventiv leistet, um Selbstmorde im Vorfeld zu verhindern. Die Autorin erfasst Einzelergebnisse und wissenschaftlich begründete Behauptungen aus der Literatur, um ein nachvollziehbares Bild der Situation entstehen zu lassen. Persönlich durchgeführte Interviews sollen diese Ergebnisse ergänzen. Suizid im Alter betrifft auch in hohem Maße die Profession der sozialen Arbeit und Sozialarbeiter können in ihrer Arbeit einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, suizidale Verhaltensweisen zu verhindern. Die Autorin stellt aus diesem Grund zusätzlich einen Bezug zur sozialen Arbeit her.

Im Vorfeld der Recherchearbeit zeigt sich bereits, dass es mehr Veröffentlichungen zum allgemeinen Thema „Suizid“ als weniger zum Thema „Suizid im Alter“ gibt.

Das erste Kapitel zeigt einen Überblick über die aktuelle Lage in Deutschland und gibt Erklärungen für Begriffe, die im Zusammenhang mit Alterssuizid stehen. Im zweiten Kapitel werden Risikofaktoren erläutert, die alte Menschen oft dazu bringen, ihrem Leben ein Ende zusetzen. Dies kann aus körperlichen, psychischen oder aber auch sozialen Gründen erfolgen, eine genauere Aufschlüsselung ergibt sich in den einzelnen Unterpunkten.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich damit, wie man suizidgefährdete Personen erkennen kann. Es klärt, was für Bemerkungen fallen können bzw. wie sich ältere Menschen verhalten, wenn sie die Absicht haben, sich umzubringen. Im vierten Teil dieser Bachelorarbeit geht es um Methoden, wie der Arzt eine Suizidabsicht abschätzen bzw. diagnostizieren kann. An dieser Stelle könnten viele Selbstmorde verhindert werden, eine fundierte Aufklärung ist deshalb wichtig.

Anschließend behandelt Kapitel fünf Präventionsmaßnahmen, die sich in Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention gliedern. Dabei wird eine Organisation bzw. ein Projekt vorgestellt, das öffentliche Aufklärung betreibt und allgemeine Maßnahmen beschrieben, durch die ein suizidaler Mensch Hilfe erfahren kann. Manchmal kommt die Hilfe auch zu spät, dann benötigen die Hinterbliebenen Unterstützung – diesem Punkt widmet sich ebenfalls Kapitel fünf.

Kapitel sechs beschäftigt sich abschließend mit der Situation in Alten- bzw. Pflegeheimen. Die Autorin dieser Bachelorarbeit führt Interviews mit Führungspersonen zweier Einrichtungen, die mit dem Thema Suizid im Alter konfrontiert sind und ergänzt die vorgenannten theoretischen Ausführungen mit persönlichen Einschätzungen der Interviewpartner.

1. Aktuelle Lage und Begriffsklärung

Suizidalität als Todesursache im Alter ist keine Seltenheit. Die sog. „Todesursachenstatistik“ des Statistischen Bundesamtes (2006, S. 960) gibt hierfür ein anschauliches Beispiel: Im gesamten Bundesgebiet verstarben im Berichtsjahr insgesamt 9765 Personen durch Suizid. Gegliedert in Geschlechter nahmen sich 7225 Männer und 2540 Frauen das Leben (also ca. jeder 53. Mann und ca. jede 171. Frau!). Der Suizid betraf fast dreimal so viele Männer wie Frauen und der Anteil der über 50 Jährigen Verstorbenen betrug dabei 60 Prozent. Ältere Menschen werden nach Faltermeier, Mayring, Saup und Strehmel (2002, S. 168 - 169) in verschiedene Gruppen unterteilt: Jüngere Senioren (bis zu 75 Jahre), Hochbetagte (75 – 85 Jahre), Höchstbetagte (ab 85 Jahre) und Langlebige (über 100 Jahre). Die aktuelle Literatur spricht in Ihren Veröffentlichungen häufig von „alten Menschen“ im Allgemeinen, ohne spezieller auf Altersgruppen einzugehen. Die Autorin hat aber, soweit Altersangaben gemacht wurden, diese in die Ausführungen mit eingebaut.

Die Broschüre der Arbeitsgruppe Alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland (2006, S. 3) trifft Aussagen, die für eine erhöhte Suizidalität von alten Menschen sprechen. Eine davon ist die, dass fast alle zwei Stunden ein Mensch über 60 Jahre stirbt, weil er sich selbst das Leben nimmt. Martin Teising (1996, S. 61 - 74) fügt in seinem Werk „Psychodynamisches Verständnis der Suizidalität älterer Menschen“ hinzu, dass sich Alleinstehende alte Menschen (hauptsächlich geschiedene oder verwitwete Personen) häufiger als andere das Leben nehmen. Zusätzlich stellt er fest, dass das Risiko suizidaler Handlungen im Alter mit der Zahl der Kinder sinkt. Gibt ein Mann einer unteren sozialen Schicht seinen Beruf auf, scheint dies eine suizidale Handlung zu begünstigen.

In der Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie findet sich eine Auflistung der Ausgangssituation zum Thema Suizid im Alter, welche die Fakten in Deutschland klar und prägnant darstellt:

- „Die Suizidrate nimmt mit dem Alter zu und zwar in beiden Geschlechtern
- Die Suizidrate ist bei alten Männern am höchsten
- Die Suizidrate hat auch bei älteren Frauen zugenommen
- Alte Menschen und psychisch Kranke, insbesondere depressiv
Kranke sind eine Hochrisikogruppe für Suizid
- Suizidalität und Depressionen im Alter als diagnostisches Problem“

(Wolfersdorf, Mauerer, Bär, Le Pair & Schüler, 2002, S. 145).

Dass bei alten Menschen eine Selbsttötung offensichtlich noch eher als bei jungen akzeptiert wird, liegt nach Ansicht der Arbeitsgruppe Alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland (2006, S. 3 - 4) daran, dass der alte Mensch sein Leben schon gelebt hat und dieses in der Gesellschaft eher als „verbraucht“ gesehen wird. Dies begründet auch die Tatsache, dass bis zum heutigen Zeitpunkt immer noch zu wenige Maßnahmen getroffen werden, um Suizid im Alter zu verhindern. Oft besteht auch das Problem, dass eine Suizidhandlung von Aussenstehenden erst gar nicht erkannt wird. Deshalb sind die Hilfsangebote für alte Menschen leider immer noch rar und wenn es sie gibt, werden sie nicht häufig in Anspruch genommen. Es ist wichtig, den Fokus mehr auf die Prävention zu setzen. Alten Menschen, die sich bereits umgebracht haben, kann keiner mehr helfen.

Es macht Sinn, an dieser Stelle zunächst zu klären, was Suizidalität eigentlich bedeutet:

„Suizidalität ist die Summe aller Denk- und Verhaltensweisen von Menschen oder Gruppen von Menschen, die in Gedanken, durch aktives Handelnlassen oder passives Unterlassen den eigenen Tod anstreben bzw. als mögliches Ergebnis einer Handlung in Kauf nehmen.“ (Wolfersdorf, 2000, S. 18).

Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention – Hilfe in Lebenskrisen e. V. (2009 a) unterscheidet auf ihrer Homepage sieben Typen der Suizidalität:

1. Ruhewünsche: Der Betroffene möchte eigentlich nicht versterben sondern hat nur das Bedürfnis nach Ruhe
2. Todeswünsche: Die Person verspürt den Wunsch nach Tod in der Gegenwart oder aber auch erst in der Zukunft, sie handelt selbst nicht aktiv und verspürt auch keinen Druck zu handeln
3. Suizidideen: Dies sind mögliche Handlungsweisen, über die unterschiedlich intensiv nachgedacht wird
4. Suizidabsichten: Die Betroffenen planen schon konkret oder erklären ihre Absicht zur Durchführung. Hier herrscht schon Handlungsdruck
5. Suizidversuch: Dies ist eine suizidale Handlung, die der Betroffene überlebt. Er hat oder hat immer noch den Vorsatz, Sterben zu wollen und den Glauben, dass das mit der angewandten Methode möglich ist
6. Suizid: Das ist die tatsächliche suizidale Handlung. Sie endet mit dem Tod desjenigen, der sie durchführt
7. Parasuizidale Handlung: Diese Handlung erscheint nur wie eine suizidale Handlung. Der Betroffene möchte eigentlich nicht sterben, akzeptiert aber, dass es zum Tod kommen könnte. Die Handlung hat häufig einen appellativen oder instrumentellen Charakter. Es soll etwas erreicht oder verändert werden.

Handeln Menschen suizidal, tun sie das auf verschiedene Art und Weise. Erlemeier (2002, S. 44) hat sich mit der Thematik der Suizid methode beschäftigt. Er verglich dabei zwei Altersklassen für Männer und Frauen. Die erste Altersklasse bewegte sich von 5-60 Jahren, die zweite Altersklasse betraf Personen im Alter von 60-70 Jahren und mehr. Grundlage für seine Ergebnisse war die Todesursachenstatistik von 1996 des Statistischen Bundesamtes. Erlemeier fand heraus, dass die Methoden Erhängen, Erdrosseln oder Ersticken mit 56,9 Prozent in der Altersklasse 60-70 Jahre und älter häufiger auftreten als in jüngeren Jahren (48,9 %).

Dies gilt insbesondere für ältere Männer (39,3 %). Über 60-jährige Frauen vergiften sich häufiger (7,3 %) oder stürzen sich aus der Höhe (4,9 %) als Männer im selben Alter. Der Tod durch Feuerwaffen oder Explosivstoffe (7,5 % Gesamtanteil der über 60-jährigen) wird hauptsächlich durch Männer praktiziert, hier ist es auch relativ egal, in welcher der beiden Altersklassen sie sich befinden. Frauen über 60 Jahre haben mit 0,3 Prozent mit diesen Methoden nur einen geringen Anteil der Selbsttötung. Grundsätzlich kommt Erlemeier zu der Erkenntnis, dass Männer in beiden Altersklassen eher „harte“ Methoden (Erhängen, Erdrosseln, Ersticken) anwenden. Frauen handeln erst ab 60 Jahren danach. Sog. „weiche“ Methoden wie Vergiftungen sind übrigens nicht nur Frauen zuzuordnen. Erlemeier stellt fest, dass jüngere Männer sich prozentual höher (11,3 %) dafür entscheiden als Frauen über 60 Jahren (7,3 %).

Problematisch bei den statistischen Daten zur Alterssuizidalität ist die Tatsache, dass sich diese der Wirklichkeit immer nur annähnern können (Teising, 1992, S. 25). Die Dunkelziffer gerade auf diesem Gebiet ist hoch. Ärzte können häufig im Nachhinein nicht erfassen, ob ein alter Mensch vielleicht mit Absicht seine lebensnotwendigen Medikamente nicht mehr genommen oder einfach nichts mehr gegessen hat. Hier ist oft ein schleichender Übergang von selbstschädigendem zu suizidalem Verhalten gegeben. Suizid gilt als Tabuthema, sogar die katholische Kirche bestattet erst seit 1983 Selbstmörder christlich. Tod durch natürlichen Alterungsprozess klingt im Allgemeinen besser als Tod durch Suizid. Dabei sind alle Selbstmordv ersuche erst gar nicht statistisch erfasst. Hier könnten Krankenhäuser, die die überlebenden Personen versorgen, wohl eher Aufschluss über Zahlen geben.

Es ist erwiesen, dass unsere Gesellschaft immer älter wird. Das Thema Suizid im Alter wird uns also auch in Zukunft beschäftigen. Aus diesem Grund ist es wichtig, etwas näher die Ursachen für suizidales Verhalten zu betrachten.

Mit welchen Problemen sind suizidale Personen behaftet?

2. Risikofaktoren Suizid im Alter

Ältere Menschen befinden sich häufig in problematischen Lebenssituationen. Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Abhängigkeit belasten die Psyche, Lösungen für die vielfältigen Probleme erscheinen unerreichbar fern. Auch einfühlsame Gesprächspartner und emotionale Nähe fehlen häufig. Die Bereitschaft, über Suizidgedanken zu sprechen, ist bei Älteren geringer. Deshalb ist der Selbstmord für einen betagten Menschen manchmal der einzige Ausweg aus einem Leben ohne Hoffnung. Bis dieser letzte Schritt getan ist, tragen folgende Faktoren dazu bei, dass das Leben für die Senioren an Freude verliert:

2.1 Körperliche Faktoren

Ob sich ein Mensch wohl fühlt, hängt oft vom körperlichen Befinden ab. Im Alter ist es nicht selten, dass der Mensch mit einer körperlichen Belastung leben muss, die dessen Lebensqualität einschränkt. Mit den Jahren nimmt auch die Multi morbidität zu: Studien beweisen, dass fast jeder zweite Patient über 65 Jahren an mindestens drei Krankheiten leidet, die chronisch sind (Theisen, 2007, S. 30 - 34) Das Problem ist aber in vielen Fällen nicht „nur“ die körperliche Erkrankung sondern die oftmals damit zusammenhängende psychische Belastung bzw. die Angst, ein „Pflegefall“ zu werden und anderen zur Last zu fallen. Körperliche Erkrankungen gelten somit eher als Einflussfaktor auf Alterssuizidalität und nicht als unabhängiger Risikofaktor (Erlemeier, 2002, S. 62). Die Arbeitsgruppe Alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland zählt die häufigsten Beschwerden in ihrer Broschüre auf:

- „Chronischer Schmerz
- Atemnot
- Bewegungseinschränkungen,
Lähmungen
- Verlust der Ausscheidungskontrolle
(Inkontinenz)
- Minderung oder Verlust der Sehschärfe
- Minderung oder Verlust des Gehörs
- Sturz oder Sturzangst“

(Arbeitsgruppe Alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland, 2006, S. 12).

Diese Angaben ergänzt eine retrospektive Studie im Raum Düsseldorf für die Jahre 1986 - 1996. Hier wurden zum Thema Altersselbstmord Gutachten und Obduktionsberichte von 152 Männern und 129 Frauen ausgewertet, die sich selbst umgebracht hatten. Die unersuchten Personen waren dabei 65 Lebensjahre und älter. Viele hatten mehrere Gesundheitsprobleme, aus diesem Grund ergaben sich anstatt der ursprünglichen 281 Aussagen insgesamt 395 Aussagen über die Gesundheitszustände.

Abbildung 1: Gesundheitszustand; Quelle: Lieske (2000, S. 19)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bezüglich des Gesundheitszustandes kam Lieske (2000) zu dem Ergebnis, dass dieser eine entscheidende Rolle für oder gegen den Alterssuizid spielen kann. Körperliche Erkrankungen wie Herz- und Gefäßleiden stehen an Platz Zwei der gesundheitlichen Probleme (18,2 %). Unter Herz- und Gefäßleiden fallen z.B. die koronare Herzerkrankung, -Herzinsuffizienz- bzw. –rhytmusstörungen, Zerebralsklerose und arterielle bzw. venöse Gefäßprobleme. 12,7 Prozent der Fälle litten zu Lebzeiten an bösartigen Erkrankungen – interessant ist hier jedoch, dass davon 11,9 Prozent zum Zeitpunkt des Selbstmordes eine gute gesundheitliche Verfassung hatten. 8,4 % Prozent der Personen klagten über Schmerzen. Auf dem sechsten Platz finden sich die „anderen Leiden“. 7,3 Prozent der Betroffenen litten an Magen-Darm-Problemen, Leberzirrhose, Diabetes Mellitus oder chronische Cholezystitis-/lithiasis. Danach kommen die neurologischen Erkrankungen mit 3,8 Prozent. Diese Personen hatten mit rezidivierenden Schwindelattacken, Vergesslichkeit, Morbus Parkinson, Apoplex und dem Zustand nach intracerebralen Blutungen zu kämpfen.

Viele dieser körperlichen Beschwerden beeinflussen die Mobilität des Betroffenen (Arbeitsgruppe Alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland, 2006, S. 11). Die Angst, von anderen abhängig zu sein, ist groß. Der alte Mensch kann seinen Alltag und menschliche Beziehungen nicht mehr selbständig gestalten und fühlt sich der Situation ausgeliefert. Dies führt häufig dazu, dass soziale Kontakte verloren gehen und die Person einsam und depressiv wird. Die Psyche ist angeschlagen und genau dies birgt eine Gefahr für suizidales Verhalten.

2.2 Psychische Faktoren

Lieske (2000) kam in seiner Studie zu dem Ergebnis, dass im Gesundheitsbereich die psychiatrischen Erkrankungen mit 19,5 Prozent aller Beteiligten primär als Belastung gesehen werden. Insbesondere Depressionen und Demenzen haben dabei einen hohen Stellenwert, der nachfolgend in den Punkten 2.2.1 und 2.2.2 konkret erläutert wird (Arbeitsgruppe Alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland, 2006, S. 11). Als weitere psychische Faktoren werden Angststörungen, Wahnerkrankungen und Süchte genannt. Das Thema Alkohol und Suizid findet besondere Beachtung. Es ist erwiesen, dass sich bei einem Drittel der älteren Menschen mit Alkoholsucht diese erst ab dem 50. Lebensjahr entwickelt hat (Walter, 2008, S. 525 – 531). Dies hat vor allem mit spezifischen altersabhängigen Begünstigungs- bzw. Auslösefaktoren zu tun. Ältere Alkoholabhängige haben im Vergleich zu jüngeren auch eine höhere Morbidität und vermehrt somatische Belastungen. Folgeproblem kann dann die Depression sein, welche in Kombination mit Alkoholabhängigkeit ein gravierendes Suizidrisiko mit sich bringt. Nach Erlemeier (2002, S. 69) ist der Zusammenhang zwischen alten Menschen und Alkoholsucht jedoch noch nicht abschließend geklärt.

2.2.1 Depressionen

Depressionen gehören zur Gruppe der affektiven Störungen. Bei einer affektiven Störung ist das emotionale Gleichgewicht gestört (Gerrig & Zimbardo, 2008, S. 565). Eine Depression lässt sich demnach wie folgt umschreiben: „Eine depressive Störung ist gekennzeichnet durch eine länger anhaltende (mindestens zwei Wochen) depressive Verstimmung oder Freudlosigkeit sowie eine Anzahl von Symptomen, die diese depressive Stimmung oder Freudlosigkeit begleiten.“ (Bronisch, 1995, S. 38)

Etwa jeder vierte Mensch über 65 Jahren erkrankt an einer Form der Depression. Ältere Menschen leiden dabei zu 14 Prozent an ernsthaften Depressionen und zu 33 Prozent an depressiven Symptomen bzw. leichteren Formen der Schwermut. Bei älteren Menschen, die in Heimen leben, zeigt sich ein prozentualer Anteil bis über 30 Prozent. Dabei erhöhen körperliche Erkrankungen das Risiko, eine Depression zu bekommen. Dann steigt der prozentuale Anteil schon über 40 Prozent (Hautzinger, 2006, S. 28 - 29).

Alte Menschen zeigen häufig verschiedene Symptome, wenn sie an einer Depression erkranken:

- „Gedrückte Stimmung, besonders morgens
- Freudlosigkeit, Gefühllosigkeit
- Verminderung von Antrieb und Interessen (Typisch ist, dass geliebte Dinge und Aktivitäten gleichgültig werden)
- Rückzug aus sozialen Beziehungen
- Verminderte Konzentrationsfähigkeit
- Ermüdbarkeit und schnelle Erschöpfung
- Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
- Gefühl der Wertlosigkeit und irrationale Schuldgefühle
- Negative Zukunftserwartungen
- Ungewohnte Ängstlichkeit
- Schlafstörungen
- Appetitlosigkeit
- Gewichtsabnahme
- Verdauungsstörungen
- Ängstliche Körperwahrnehmung
- Schmerzen ohne organische Ursache
- Suizidgedanken“

(Arbeitsgruppe Alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland, 2006, S. 11).

Im höheren Lebensalter treten oft Ereignisse auf, die eine Depression eher begünstigen als im jüngeren Lebensalter (die wichtigsten werden in Punkt 2.3 näher erläutert). Leider werden dabei 40 Prozent der Depressionen im Alter nicht vom Arzt diagnostiziert (Eichenberg & Portz, 2006, S. 174). Selbsttötung ist dann in vielen Fällen die einzige Möglichkeit, dem Gefühl der Wert- und Hoffnungslosigkeit zu entfliehen.

Personen, die an Demenz erkranken, sind ebenso eine Risikogruppe für suizidales Verhalten.

2.2.2 Demenz

Alte Menschen sind besonders bei Beginn einer demenziellen Erkrankung gefährdet, sich selbst umzubringen (Arbeitsgruppe Alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland, 2006, S. 11). Sie stellen fest, dass ihr Gedächtnis schlechter wird bzw. sie an Selbständigkeit verlieren und das verursacht ein bedrückendes Gefühl der Ohnmacht. In Deutschland leben derzeit ca. 1 Million Menschen mit einer Demenz (Niklewski, Nordmann & Riecke-Niklewski, 2006, S. 5). Im Jahr 2030 werden es Schätzungen zufolge zwischen 1,9 und 2,5 Millionen sein. Medizinisch gesehen ist eine Demenz eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns. Das Gedächtnis, das räumliche Orientierungsvermögen oder die Sprache funktionieren nicht mehr wie gewohnt. Der alte Mensch verliert seine Geistes- und Verstandesfähigkeit, seine Persönlichkeit und das Verhalten ändert sich. Am Ende steht der Verlust über die Kontrolle der Körperfunktionen. Häufig ist es schwierig, eine Demenz von einer Depression zu unterscheiden, denn auch bei einer Depression kann es zu Störungen von Merkfähigkeit, Gedächtnis, Konzentrationsvermögen und Aufmerksamkeit kommen. All diese Merkmale können aber genauso auf eine beginnende Demenz hinweisen. Eine einwandfreie Diagnostik ist hier sehr wichtig. Es ist nachzuvollziehen, dass sich aus einer Demenz leicht eine depressive Störung entwickeln kann, durch die ein alter Mensch – zumindest im Anfangsstadium der Krankheit - leicht in eine suizidale Krise gerät (Arbeitsgruppe Alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland, 2006, S. 11). Zu einem späteren Zeitpunkt nimmt die Gefahr wieder ab, suizidale Handlungen auszuführen – die betroffene Person ist sich dann ihres Krankheitszustandes häufig nicht mehr bewusst. Es gibt jedoch nach Junkers (1995, S. 171) auch Fälle, bei denen der Tod in einem späteren Stadium der Demenz eintritt. Dann aber nicht, weil sich der Mensch absichtlich umbringen will, sondern weil er sich aufgrund hirnorganischer Funktionseinbußen nicht mehr zurechtfindet. Ein todbringender Unfall (z.B. Putzmittel trinken anstatt Wasser) ist in einer solchen Situation schnell geschehen.

Im nächsten Punkt werden soziale Faktoren aufgezeigt, die das Risiko für einen Suizid im Alter begünstigen.

2.3 Soziale Faktoren

Soziale Faktoren beinhalten Netzwerke älterer Menschen, soziale Unterstützung und natürliche Veränderungen, die sich aus dem eigenen Lebenslauf ergeben. Oft entstehen Konflikte aus Kommunikationsschwierigkeiten, Verlusten oder verschiedenen Ängsten der Senioren. Diese Faktoren wirken sich zusammen mit den körperlichen und psychischen Problemen sehr häufig auf den Gesundheitszustand des alten Menschen aus. Die wichtigsten werden in dieser Bachelorarbeit nun genannt.

2.3.1 Familiensituation

Teising (1992, S. 44) befragte im Jahre 1988 38 Suizidenten im Alter von über 60 Jahren zu Lebensbereichen, die sie am meisten belasteten. Der Verlust emotional nahestehender Bezugspersonen (hauptsächlich der Verlust des Ehepartners) wurde damals als zweithäufigstes Problem genannt. Auch Lieske (2000) kam in seiner retrospektiven Studie im Raum Düsseldorf für die Jahre 1986 – 1996 zu dem Ergebnis, dass verwitwete ältere Menschen eine größere Wahrscheinlichkeit haben, einen Selbstmord zu vollziehen als ledige Personen. Männliche und weibliche Verwitwete stellten in der Gesamtbetrachtung der Selbstmorde mit 43,4 Prozent einen großen Anteil dar. Peters (2004, S. 200) stellt fest, dass viele ältere Menschen einen Psychotherapeuten aufsuchen, weil der Ehepartner gestorben ist. Beide Ehepartner haben ein Leben miteinander verbracht, in ihrem Rollengefüge gelebt und ein gemeinsames Ich entwickelt. Der Tod eines Partners bedeutet für den anderen eine komplette Lebensveränderung und eine schmerzende Verlusterfahrung. Viele alte Menschen haben dann das Gefühl, einen Teil von sich selbst verloren zu haben, was sie in tiefe Trauer stürzt. Es ist niemand mehr da, der ihnen Anerkennung, Freude oder Lob schenkt. Das Selbstwertgefühl beginnt zu sinken. Faltermaier, Mayring, Saup und Strehmel (2002, S. 198 - 200) beschreiben Gefühle wie Schock, Betäubtheit, Nichtwahrhabenwollen, Angst, Beklemmung, Aggression, Kontrollverlust, Gefühle der Verzweiflung, Schuld usw., mit denen der zurückbleibende Mensch zu kämpfen hat. Er fühlt sich dann oft den Anforderungen des Alltags nicht mehr gewachsen und flüchtet schlimmstenfalls in die Suizidalität.

Suizidforscher sind sich nach Erlemeier (2002, S. 72) in diesem Punkt einig: Geschiedene, getrennt Lebende, Verwitwete oder Ledige üben häufiger Selbstmord aus als andere. Dies ist insbesondere bei alten Männern zu beobachten.

Die Familiensituation ist aber nicht der einzige soziale Faktor, der einen Suizid auslösen kann, auch zwischenmenschliche Bindungsfaktoren spielen eine entscheidende Rolle.

2.3.2 Zwischenmenschliche Faktoren

Beziehungen zwischen Menschen lösen häufig Konflikte aus. Entscheidend für alte Menschen ist besonders die Beziehung zu den eigenen erwachsenen Kindern (Rahn & Mahnkopf, 2005, S. 706). Diese haben aber nach Peters (2004, S. 185) emotional den größeren Abstand zu den Eltern als umgekehrt. Das bedeutet, dass sie häufig auch nicht ein so intensives Kontaktbedürfnis wie diese haben. Die Eltern wünschen sich also eine konfliktfreie Beziehung mit viel Nähe, die erwachsenen Kinder wollen aber häufig ihr eigenes Leben führen. Viele alte Menschen haben Angst, dass sich die Beziehung und der Kontakt zu ihren Kindern bei einem Streit oder einer Krise verschlechtern könnte. Diese Angst ist durchaus berechtigt, da es generationenbedingt oft verschiedene Einstellungen zu Dingen gibt.

Gründen z.B. Kinder ihre eigene Familie, fühlen sich Senioren oft zurückgesetzt. Die Nachkommen führen ein eigenes Leben und bei den Eltern schleicht sich ein Gefühl von Macht- und Kontrollverlust ein. Nun ist der Ehepartner für den Sohn oder die Tochter zunächst bedeutsamer als die eigene Person – ein Zustand, der nicht so einfach zu akzeptieren ist. Auch die Geburt von Enkelkindern kann zu Konflikten mit den eigenen Kindern führen (Rahn & Mahnkopf, 2005, S. 706). Zunächst als freudiges Ereignis erlebt, können Enkelkinder sehr schnell zur Überforderung führen. Die unterschiedlichen Vorstellungen der Generationen über Erziehungsstile stellen ebenso einen nicht zu unterschätzenden Konfliktfaktor dar. Lehr (2003, S. 283 – 285) weist darauf hin, dass erwachsene Kinder immer einen starken Einfluss auf die Eltern ausüben. Häufig wirken sich die Schicksale der erwachsenen Kinder negativ auf das elterliche Befinden aus. Lehr nennt dabei beispielsweise Drogenabhängigkeit der Nachkommen, sehr auffälliges Verhalten oder psychisch behinderte erwachsene Kinder. Sie stellt fest, dass die Beziehung erwachsene Eltern zu den Kindern abnehmen kann, wenn die Eltern krank werden. Es kann aber auch sein, dass sie dadurch erst intensiviert wird. Dies hängt immer davon ab, wie gut die Qualität der Beziehung vor der Problematik war (Erlemeier, 2002, S. 70 - 74). Nehmen Familienkonflikte überhand, mangelt es dem alten Menschen an vertraulichen Gesprächen und emotionalem Austausch - weitere Faktoren, die Suizid im Alter auf Dauer begünstigen. Ist ein alter Mensch irgendwann nicht mehr erwerbstätig, birgt das zusätzlich ein Risiko für suizidales Verhalten.

2.3.3 Ausscheiden aus dem Erwerbsleben

Gibt ein Mensch seinen Beruf für die Verrentung auf, ändern sich viele Dinge. Der Kontakt zu Arbeitskollegen, der Bezug zu Macht, Ansehen und Status ist ein anderer (Kretschmar et. al, 2000, S. 417). Bekommt ein älterer Mensch kein Lohn- und Gehalt mehr, sondern Rente, sieht er sich häufig auch als einen „Kostenfaktor“, der dem Staat eher auf der Tasche liegt. Der verdiente Ruhestand wird dann nicht unbedingt mehr als positiv wahrgenommen. Rollen verändern sich, der Alltag funktioniert anders als bisher, die zeitliche Organisation ist eine neue (Faltermeier, Mayring, Saup & Strehmel, 2002, S. 195 - 198). Ein Ausstieg aus dem Beruf heißt, dass keine Leistungen mehr zu erbringen sind und es infolge dessen auch keine Anerkennung und Selbstbestätigung von Außen mehr gibt. Autonomie und Unabhängigkeit, die sich ein Mensch durch seinen Beruf geschaffen hat, gehen ein Stück weit verloren. Finanzielle Einbußen in der Rente treffen häufig die Frauen, weil sie insgesamt eine geringere Anzahl von Berufsjahren gearbeitet haben als Männer. Nicht selten liegt dann die Rente nur knapp über dem Existenzminimum. Teising (1992, S. 45) fand bei seiner Befragung der 38 über 60jährigen Suizidenten (bereits näher erläutert im Teil 2.3.1) heraus, dass insgesamt 13 Prozent unter belastenden finanziellen Problemen nach der Verrentung litten. Veränderungen im sozialen Netzwerk (Faltermeier, Mayring, Saup & Strehmel, 2002, S. 195 - 198) spielen ebenso eine große Rolle. Die Ehepartner müssen ihre Aufgaben (z.B. Haushaltsführung) in der Rente wieder neu verteilen und sich oft mit latenten Partnerschaftskonflikten auseinandersetzen. Wo früher der Arbeitskollege Ansprechpartner war, ist es jetzt die Ehefrau, die vielleicht nicht alles so versteht wie dieser. Plötzlich ist auch zeitlich alles anders geregelt. Der alte Mensch muss nicht mehr früh aufstehen, um seiner Arbeit nachzugehen. Der Ablauf der Tage, Wochen und Monate wird nicht mehr durch den Beruf bestimmt. Freizeit ist nicht mehr so kostbar, wie sie einmal war. Sie ist in Hülle und Fülle vorhanden und sie zu füllen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Der Rentner muss sich neue Ziele setzen und sein Leben neu organisieren. Viele Senioren fühlen sich dieser Herausforderung nicht gewachsen.

Als letzten Risikofaktor für Suizid im Alter ist noch die soziale Isolation und Einsamkeit zu nennen, mit der viele Betroffene zu kämpfen haben.

2.3.4 Soziale Isolation und Einsamkeit

Teising (1992, S. 44) stellte bei seiner Untersuchung fest, dass der Hauptgrund für suizidales Verhalten Isolation und Kontaktprobleme waren. Es ist bekannt, dass die Psyche eines alten Menschen sehr eng mit der subjektiv gefühlten Isolation zusammenhängt. Isolation bedeutet, dass der Mensch an einem Mangel an sozialen Beziehungen leidet. Sie besteht dann, „wenn die Zahl sozialer Kontakte unter einem für notwendig erachteten Minimum liegt“ (Tesch-Römer, 2000, S. 163). Viele Menschen leben im Alter alleine. Befragt man Familiensoziologen, kommen diese zu dem Ergebnis, dass Zwei- und Mehrgenerationenhaushalte in Deutschland abnehmen, während Eingenerationenhaushalte zunehmen (Peters, 2004, S. 209). Fakt ist, dass in Deutschland 18 Prozent aller Männer und 68 Prozent aller Frauen in einem Singlehaushalt leben. Dies betrifft vor allem Menschen über 75 Jahren. Dies hat oft die Folge, dass Sozialkontakte rar sind und eine Person leicht in das soziale Abseits geraten kann. Es ist aber nicht nur so, dass Einsamkeit entsteht, wenn ein alter Mensch alleine wohnt. Einsamkeit kann auch innerhalb eines guten Sozialnetzes entstehen – wenn die Kontakte oberflächlich und unverbindlich sind und der Betroffene nicht das Gefühl hat, nicht „wirklich“ dazuzugehören. Lieske (2000) fand in seiner retrospektiven Studie im Raum Düsseldorf für die Jahre 1986 – 1996 heraus, dass 19,9 Prozent (fast jeder fünfte!) aller Selbstmörder nur selten oder fast keine Sozialkontakte hatten. In 21 Prozent der Fälle konnte zu dieser Frage gar keine Antwort gegeben werden. Erlemeier unterscheidet in seiner Netzwerkforschung zwischen „quantitativen und qualitativen Parametern“ (Erlemeier, 2002, S. 71). Er behauptet, dass Einsamkeitsgefühle nicht hauptsächlich durch die Anzahl der Kontaktpersonen sondern durch qualitative Eigenschaften ausgelöst werden. Damit bezieht er sich auf den fehlenden vertraulichen Austausch und die Emotionalität in den Beziehungen. Demnach kann ein Anteil von 25 – 30 Prozent der über 65jährigen als „sozial isoliert“ bezeichnet werden. 5 – 10 Prozent der alten Menschen sagen selbst, dass sie sich auch einsam fühlen. Erlemeier vermutet in diesem Bereich die suizidal gefährdeten Personen.

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Details

Seiten
58
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656682332
ISBN (Buch)
9783656682349
Dateigröße
3.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274987
Institution / Hochschule
Fachhochschule Regensburg – Fachbereich Soziale Arbeit
Note
1,7
Schlagworte
alterssuizid ursachen diagnostik möglichkeiten prävention

Autor

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