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Die Finanzierung der industriellen Revolution in Deutschland

Hausarbeit 2014 15 Seiten

BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Industrielle Revolution in Deutschland
2.1 Die Leichtindustrielle Phase der Industrialisierung
2.2 Die Schwerindustrielle Phase der Industrialisierung

3. Übersicht über die Finanzierung der industriellen Revolution
3.1 Finanzierungsfragen in der leichtindustriellen Phase von 1800 bis
3.2 Banken und Industriefinanzierung in der schwerindustriellen Phase ab 1850

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Ökonomie wird das gleichzeitige Erscheinen der Schrift „Der Wohlstand der Nationen“ des Aufklärers und Moralphilosophen Adam Smith und die erstmalige industrielle Anwendung der Dampfmaschine im Jahre 1776, mit dem Beginn der industriellen Revolution gleichgesetzt. Diese Festlegung ist jedoch ein Trugschluss, der einer langwierigen und komplexen Entwicklung, die das Leben der Menschen weltweit grundlegend verändert hat, nicht gerecht wird.

Die industrielle Revolution in Europa hat sich sowohl historisch, als auch geographisch bedingt, regional und sektoral sehr unterschiedlich entwickelt. Dabei stellt sich die Frage, ob die allgemeine Kapitalverfügbarkeit diese Entwicklung maßgeblich beeinflusste, oder sogar Kapitalmangel vorherrschte und den Industrialisierungsprozess ausgebremst hat. Eng verknüpft mit den Überlegungen um das Kapital, steht auch die Frage nach dem Vorhandensein und der Funktionsweise von Kapitalmärkten zu dieser Zeit. Die Frage lautet also auch: War die industrielle Revolution vielleicht erst durch eine finanzinstitutionelle Revolution möglich?

Um die eingangs aufgeworfene Fragen zu beantworten soll zunächst ein knapper Überblick über die industrielle Revolution in die Thematik einführen. Daran anknüpfend soll auf die Entwicklung der Finanzierung der neu entstehenden Industrien in Deutschland geblickt werden. Dabei soll auch ein Vergleich mit der Entwicklung in anderen Ländern nicht gescheut werden, um die Besonderheiten des deutschen Modells hervorzuheben. Als ein Hauptbestandteil dieser Ausarbeitung sollen Finanzierungsaspekte behandelt werden, die sich sowohl zu Beginn, als auch im Zuge eines voranschreitenden Industrialisierungsprozesses ergeben. In einem Fazit sind die wesentlichen Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst.

2. Die Industrielle Revolution in Deutschland

Die Industrialisierung in Europa hat nicht mit der Erfindung der Dampfmaschine begonnen, dennoch steht sie wie kaum eine andere Errungenschaft aus dieser Zeit als Symbol für die Fahrtaufnahme einer grundlegenden Umwälzung. Dieser Prozess vollzog sich jedoch zunächst sehr schleppend. Am besten zu vergleichen ist er mit dem Sinnbild dieser Zeit: der Dampflokomotive. Ein schwerfälliges Konstrukt, dessen komplexe Mechanik nicht immer einwandfrei zusammenspielte, deren Fortkommen auf Schienen vorgezeichnet sein musste und dessen Fahrtaufnahme höchster Kraftanstrengung bedurfte (Ziegler 2012: 1).

Allgemein wird in der Literatur von einer leicht- und einer schwerindustriellen Phase in Europa gesprochen, wobei eine genaue Datierung schwierig ist, da die Industrialisierung in den Regionen Europas und verschiedenen Wirtschaftssektoren unterschiedliches Gewicht hatte. Für den deutschen Raum sind die Jahre 1800 bis 1850 der leichtindustriellen- und die Jahre 1850 bis zum Ersten Weltkrieg eher der schwerindustriellen Phase zuzuordnen. Obwohl es eine starke Verflechtung zwischen der historischen Entwicklung der Industriezweige in Deutschland und ihrer zum Aufbau nötigen Finanzierung gibt, soll zum Einstieg im Folgenden nur ein knapper historischer Überblick über die beiden Phasen der Industrialisierung aufgezeigt werden, ohne dabei die Finanzierungsaspekte zu sehr zu betonen (Wehler 2005: 637; Ziegler 2012: 13f).

2.1 Die Leichtindustrielle Phase der Industrialisierung

In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Dampfmaschine in Großbritannien bereits vereinzelt zur industriellen Produktion eingesetzt. Ihrer kontinentalen Ausbreitung standen jedoch zwei Faktoren im Wege. Zum einen waren die ersten Maschinen teuer, ihr Kauf risikobehaftet und ihr Vorteil gegenüber dem verbreiteten Wasserkraftantrieb gering. Schwerwiegender war jedoch die politische Situation. Durch die Napoleonischen Kriege war der europäische Kontinent größtenteils unter dem Einfluss Frankreichs. Die Kontinentalsperre zu Großbritannien, zur wirtschaftlichen Isolierung und Schwächung des Landes gedacht, behinderte zum einen die Ausbreitung der neuen Technologie und fungierte andererseits als „Infant-Industry-Protection“ der britischen Textilindustrie (Ziegler 2012: 2-13; Wellhöner, Wixforth 2003: 153).

Bis zur Aufhebung der Kontinentalsperre 1813 blieb die britische Textilproduktion weitestgehend isoliert, konnte sich weiterentwickeln und wurde produktiver, während auf dem Kontinent kaum Innovationen stattfanden. Nach den Napoleonischen Kriegen und der politischen Neuausrichtung in Europa war der Rückstand in der Leichtindustrie unübersehbar und ein Aufschließen zu dem britischen Produktionsniveau erschien wenig aussichtsreich. Vielversprechender für die kontinentalen Länder sah hingegen eine Ausrichtung auf den schwerindustriellen Weg aus. Zwar wurde dieser in Großbritannien bereits eingeschlagen, doch reichten die dortigen Kapazitäten nicht aus, um Europa mit zu versorgen. Zudem verfügten viele mitteleuropäische Länder ebenfalls über Steinkohlevorkommen, die für diese Entwicklung unabdingbar waren (Ziegler 2012: 14f).

2.2 Die Schwerindustrielle Phase der Industrialisierung

Die Hochphase der industriellen Revolution in Deutschland ist im Zeitraum von 1840 bis etwa 1870 anzusiedeln. Sie ist gekennzeichnet durch eine starke Fokussierung der Wirtschaft in den deutschen Zollvereinsstaaten auf die Branchen des Steinkohlebergbaus, der Eisen und Stahlproduktion, sowie der Eisenbahn- und Maschinenproduktion. Da diese Branchen eine sehr starke gegenseitige Abhängigkeit aufweisen, wird in der Literatur auch von einem schwerindustriellen Führungskomplex gesprochen. Besonders dominierend in diesem Gefüge war der Bereich rund um den Eisenbahnbau, der ein besonders hohes Wachstum zu verbuchen hatte und auch dazu beitrug, dass in den anderen, ihm zuarbeitenden Branchen die Kapazitäten ausgebaut wurden. Tabelle 1 vermittelt einen Eindruck darüber, welch enorme Kapazitätsentwicklung der Eisenbahnsektor erfuhr (Ziegler 2012: 51ff).

Tabelle 1: Streckenlänge, Beschäftigtenzahl und Leistungsabgabe der deutschen Eisenbahnen 1840-1880.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(a): ohne Beschäftigte im Eisenbahnbau

(b): 1879

Quelle: Ziegler, D. (1996): Eisenbahnen und Staat im Zeitalter der Industrialisierung, S. 53

3. Übersicht über die Finanzierung der industriellen Revolution

Der Industrialisierungsprozess im deutschen Raum mit moderner und kapitalintensiver Infrastruktur ist charakterisiert durch ein schnelles Auf- und Überholen gegenüber der britischen Wirtschaft, sowie einem bankorientierten anstelle eines marktorientierten Systems. Die Wirtschaftshistoriker sind sich einig, dass diese Entwicklung insbesondere auf einer simultanen Revolution des Bankwesens fußt. Auch der Ökonom Josef Schumpeter bezeichnete die Bank-Industriebeziehung als „Schlüsselrolle im Entwicklungsprozess“ für die deutsche Wirtschaft (Wellhöner, Wixforth 2003: 152). Um die besondere Rolle des Bankensystems in Deutschland zu verdeutlichen, ist ein Vergleich zu Großbritannien angebracht (Wellhöner, Wixforth 2003: 152; Ziegler 2012: 79).

Die Textil- und Leichtindustrie, die sich im 18. Jahrhundert in Großbritannien entwickelte, bedurfte nur geringer Kapitalmengen, sodass Investitionen mit dem Familienvermögen oder durch Entleihungen bei Verwandten getätigt werden konnten. Daneben hatte sich ein relativ dynamisches Kreditsystem zur Finanzierung von Rohstoffen oder Kanalnetzen etabliert, in welches Investoren gewillt waren ihr Kapital zu geben. In den deutschen Zollunionsstaaten waren die Kapitalbesitzer hingegen risikoavers und bevorzugten Investition in geringverzinste Staatsschuldtitel und Pfandbriefe. Dennoch gab es bereits lokale Unterschiede in der Aufstellung der Institutionen. Kredithäuser in Hamburg waren auf den Überseehandel spezialisiert und Banken in Frankfurt richteten ihr Geschäft auf die Finanzierung der deutschen Staaten aus (Ullmann 1990: 92; Ziegler 2012: 80).

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Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656678212
ISBN (Buch)
9783656678199
Dateigröße
951 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274996
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,0
Schlagworte
Finanzierung Industrielle Revolution Revolution WWG Weltwirtschaftsgeschichte VWL Deutschland 1873 1800 England Adam Smith Schumpeter Dampfmaschine Banken AG Aktiengesellschaften Sparkasssen Völkerbund Norddeutscher Bund Zollverein Staaten

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