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Konzentrationsförderung durch Bewegung in der Grundschule

Akademische Arbeit 2003 42 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - Begriffsbestimmung

2. Konzentrationsschwierigkeiten, -störungen und-schwächen

3. Bedeutung der Konzentrationsfähigkeit
3.1 Konzentration und Unterricht18
3.2 Konzentration und Entspannung
3.3 Konzentration und Bewegung

4. Aufmerksamkeit und Konzentration bei Maria Montessori

5. Konzentrationsförderung
5.1 Konzentrationsförderung durch Entspannung
5.2 Konzentrationsförderung durch Bewegung
5.2.1 Brain Gym®
5.2.2 Bewegungsgeschichten
5.2.3 Bewegungslieder
5.2.4 Spiele zur Konzentration mit dem ganzen Körper
5.2.5 Konzentrationsförderung mit allen Sinnen
5.2.6 Konzentrationsförderung im Sportunterricht

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

8. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung - Begriffsbestimmung

Häufig werden die Begriffe Konzentration und Aufmerksamkeit synonym verwendet. In der Fachliteratur findet man zahlreiche Definitionen, die sich teilweise deutlich voneinander abgrenzen.

Bei meinem Versuch, den Begriff Konzentration zu definieren, werde ich mich auf die Positionen von Autoren stützen, die – wie ich meine – eine ähnliche Begriffsbestimmung abgeben. Dabei muss betont werden, dass Aufmerksamkeit und Konzentration eng beieinander liegen, denn ohne vorhandene Aufmerksamkeit ist keine absolute Konzentration möglich.

Im Englischen deckt der Begriff “attention” die Bedeutungen beider Begriffe ab. Im deutschen Sprachgebrauch hingegen gibt es immer wieder Versuche, das Spezifische beider Begriffe herauszuarbeiten.

Das Wort Konzentration kommt von dem lateinischen Wort “concentrare” – sich in einem Punkt vereinigen oder verdichten (vgl. Gemmer 2001, S.10).

Isolde LENNIGER bezeichnet demzufolge Konzentration als „gebündelte Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand, auf einen Denkinhalt oder ein Tun“ (Lenniger 1995, S.10).

Konzentration bedeutet somit eine Einengung des Gesichtskreises und Steigerung der Wahrnehmung, während Aufmerksamkeit auch auf mehrere Dinge oder Inhalte zugleich gerichtet sein kann.

Nach Christine ETTRICH wird Konzentration als Steigerungsform der Aufmerksamkeit, „als vom Willen gesteuerte Aufmerksamkeit [...], die willentliche Eingrenzung der Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Objekt [...], die Einstellbarkeit auf fremdgesetzte Aufgaben, die sowohl den intellektuellen Voraussetzungen als auch den alterstypischen Besonderheiten des Kindes angepasst sind [...]" (Ettrich 1998, S.21), betrachtet.

Nach KROWATSCHEK ist die Konzentration selektiv17 und zeitlich begrenzt. (vgl. Krowatschek 2000, S.13).

Konzentration in der Schule lässt sich mit dem Willen erreichen. „Wir können mit dem Willen bewirken, uns nicht von den Reizen in der Außenwelt ablenken zu lassen, sondern uns auf den Inhalt eines Buches zu konzentrieren. Da in unserer Zeit die Reize der Außenwelt ständig zunehmen, erfordert es eine verstärkte Willensanstrengung, sich zu konzentrieren“ (Lenniger 1995, S.10).

2. Konzentrationsschwierigkeiten, -störungen und-schwächen

Die Konzentration kann durch bestimmte Faktoren behindert werden.

Mit den in der Überschrift genannten Bezeichnungen werden vor allem Unterschiede in der Intensität und der Dauer der Beeinträchtigung ausgedrückt.

Die geringste Beeinträchtigung der Konzentration wird als Konzentrationsschwierigkeit bezeichnet, da sie nur von kurzer Dauer und vor allem situativ bedingt ist.

Im Gegensatz dazu heben sich die Konzentrationsstörungen von den -schwierigkeiten nur graduell ab, sie sind aber immer noch auf bestimmte Situationen bezogen und nicht generell (vgl. Rapp 1982, S.25).

Nach ETTRICH ist eine Konzentrationsstörung als all das aufzufassen, was das „willkürliche Fokussieren auf ein bestimmtes Objekt, auf eine bestimmte Aufgabe bei gleichzeitiger Ausschaltung der bewussten Wahrnehmung aller Nebenreize verhindert“ (Ettrich 1998, S.23).

Für BARCHMANN u.a. wird eine Leistungsminderung bei Aufgaben, die dem individuellen Leistungsvermögen des Kindes angepasst sind und die ein kontinuierliches Lösungsbemühen über einen längeren Zeitraum voraussetzen als Störung angesehen (ebd., S.23). Ursachen für Konzentrationsstörungen lassen sich in drei große Bereiche ansiedeln:

1. beim Schüler selbst:

-allgemeine Lebensweise (Ernährung, Bewegung, Fernsehkonsum...)
-kognitive Faktoren (Intelligenz...)
-nicht-kognitive Faktoren (Schulangst, Arbeitsverhalten, Lernmotivation...)
-organische Faktoren (Wahrnehmungsstörungen, Fehlfunktionen des zentralen Nervensystems, chronische Krankheiten...)

2. in der Familie:

-häusliche Umwelt (Fernsehkonsum, Ablenkung, Lärm, Wohnverhältnisse)
-Erziehungsverhalten (familiäre Konflikte, Erziehungspraktiken)

3. in der Schule:

-sozial-emotionales Klima (Schüler-Schüler-Interaktion, Schüler-Lehrer-Interaktion, Klassengröße)
-Unterrichtsstil (Leistungsbeurteilung, Hausaufgaben- menge, Überforderung, Unterrichtsmethodik)

(vgl. Krowatschek 2000, S.14)

Die Konzentrationsschwäche dagegen wird als eine zeitlich länger andauernde Unfähigkeit verstanden, sich zu konzentrieren und tritt weitgehend unabhängig von den situativen Bedingungen auf. Anlagebedingte Formen werden als Entstehungsbedingungen von solchen unterschieden, die durch frühe, intensive und andauernde Erziehungsschäden entstanden sind (vgl. Rapp 1982, S.25).

Symptome für die Konzentrationsschwäche können sein :

-Ablenkbarkeit
-häufige Unaufmerksamkeit
-Bummeln und Trödeln sowie Tagträumen
-Flüchtigkeit
-Hektisches und impulsives Arbeitsverhalten
-Zappeligkeit und motorische Unruhe

Bei Kindern bezieht sich die Konzentrationsschwäche oftmals nur auf den Unterricht in der Schule. Es wird behauptet, 50% der Schulkinder könnten sich nicht richtig konzentrieren. Gründe dafür lassen sich in der mangelnden Motivation, am langweiligen Unterrichtsstoff oder in der unpassenden Auswahl des Lernmaterials (zu schwierig) anbringen (vgl. Krowatschek 2000, S.14).

3. Bedeutung der Konzentrationsfähigkeit

3.1 Konzentration und Unterricht18

Der Aufmerksamkeit wird im Unterricht eine Schlüsselposition zugemessen, weil zuerst die Aufmerksamkeit da sein muss, um konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. Aufmerksame Schüler nehmen den Unterrichtsstoff besser auf und können ihn auch besser verarbeiten.

Zentrale Aufgabe der LehrerInnen sollte daher sein, die Aufmerksamkeit der Schüler zu gewinnen und aufrecht zu erhalten. Damit Schüler konzentriert arbeiten, muss der Unterricht interessant gestaltet sein. Spannende Aufgaben und Tätigkeiten erhöhen die Konzentration der Kinder.

Lernsituationen sollten daher variantenreich angeboten sowie Leistungsanforderungen auf die Leistungsfähigkeit der Kinder abgestimmt werden. Es geht letztlich darum, „schulische Anforderungen klar zu strukturieren, die subjektive Bedeutsamkeit der Lernanforderungen für Kinder zu beachten und bestmöglich zu differenzieren“ (Schöll 1997, S.31).

Es gibt Bedingungen, die konzentriertes Arbeiten innerhalb des Unterrichts erleichtern können. Die Lehrperson sollte überflüssiges Reden vermeiden, jedoch Sprachtempo, Tonfall, Ausdruck und Lautstärke variieren. Indem sie den Kindern verschiedene Hinweisreize gibt, versucht sie individuellen Kontakt mit den Schülern aufzunehmen, um nicht nur das Lernprodukt, sondern auch die Aufmerksamkeitsleistungen zu verstärken (vgl. ebd., S.29ff.).

Nach HELMKE und RENKL (1993) ist die Aufmerksamkeit der Schüler im Unterricht besonders dann gewährleistet, wenn der Unterricht durch eindeutige und für alle erkennbare Verhaltensregeln getragen wird, Lernfortschritte kontinuierlich überwacht und rückgemeldet werden und der Unterricht an den individuellen Lernfortschritten der Schüler orientiert ist (vgl. Helmke; Renkl 1993, S.185ff).

BARTNITZKY und CHRISTIANI sehen die Fähigkeit der LehrerInnen, selbst zur inneren Ruhe, zur Gelassenheit und Konzentration zu kommen als entscheidende Rolle für den Erfolg an, dass auch die Schüler konzentriert sein können. Folgende Prinzipien sehen sie als unerlässlich an, Schülern zur Konzentration zu verhelfen: „Grenzen setzen und konsequent sein, Klarheit über den Ablauf des Unterrichts und die dafür nötigen Tätigkeiten schaffen, Anspannung und Entspannung abwechseln lassen, Kindern und sich Zeit zum Lernen lassen, Unterrichtsinhalte thematisch konzentrieren...“ (Bartnitzky; Christiani 1995, S.189).

3.2 Konzentration und Entspannung

Konzentration und Entspannung stehen in einer engen Wechselbeziehung zueinander.

„Entspannung ist die Auflösung physischer und psychischer Anspannung. Im entspannten Zustand läßt die Muskelspannung nach, der Atem wird gleichmäßig ruhig [...]“ (Lenniger 1995, S.9), wodurch der Blutdruck sinkt und der Puls langsamer wird.

Die Konzentrationsfähigkeit kann durch Entspannung gesteigert und gestärkt werden, wenn die Schüler durch Entspannungsübungen lernen, die äußeren Reize bewusst auszuschalten.

Angesichts der Veränderten Kindheit (siehe Kapitel 2) ist es sinnvoll und unerlässlich, die Kinder anzuleiten, diese äußeren Reize bewusst auszuschalten und sich nach innen zu wenden, die Nerven zu beruhigen und zur Ruhe zu kommen.

Das Loslassen und Geschehenlassen und nicht das Wollen oder Sichanstrengen führen dabei zur Entspannung.

Um zu einer tiefen Entspannung zu kommen ist eine ruhige Umgebung notwendig. Die Schüler sollten die Augen schließen, um den Prozess der Entspannung zu verstärken. Ein gedankliches Sich-Zureden sowie die Fähigkeit, seine Gedanken gehen und kommen zu lassen und nicht weiter zu verfolgen sind grundlegende Voraussetzungen, um in den Zustand der Entspannung zu gelangen.

Kinder sollen ihre innere Welt, ihre Körperempfindungen, ihren Atem, ihre Gefühle kennen lernen und dadurch letztendlich an innerer Kraft und Selbstvertrauen gewinnen. Bewusstes Entspannen kann sich harmonisierend und stabilisierend auf die physische und psychische Entwicklung von Kindern auswirken und entscheidenden Einfluss auf die Persönlichkeit nehmen. Sind Kinder entspannt, wirken sie auf andere positiver, nehmen ihre eigenen Gefühle besser wahr und entwickeln dadurch auch ein Mitgefühl für andere (vgl. Lenniger 1995, S.9ff.).

Nach PORTMANN und SCHNEIDER ist das Ziel für die Schule, durch Übungen und Spiele, Entspannung und Stille wiederherzustellen, Aufmerksamkeit und Konzentration mit allen Sinnen und dem ganzen Körper zu üben, um so die Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten zu stärken und das Vertrauen in anderen zu setzen. Ausgewählte Spiele und Übungen können die Phantasie und Kreativität der Kinder fördern. Durch die Freude am Spiel und das gemeinsame Erleben werden Harmonie und soziales Klima entscheidend verbessert (vgl. Portmann; Schneider 1996, S.9).

Der Auswahl der Spiele und Übungen liegt die Notwendigkeit zugrunde, das natürliche Gleichgewicht zwischen Entspannung und Anspannung sowie Konzentration und Entspannung zu erhalten und zu fördern (vgl. Lenniger 1995, S.12ff.).

3.3 Konzentration und Bewegung

Vor Jahrhunderten hatte man bereits erkannt, dass sich Bewegung positiv auf die Konzentrationsfähigkeit auswirkt. In Klöstern wurden extra Wandelgänge angelegt, damit sich Mönche während des Nachdenkens bewegen konnten.

Neurotransmitter sind im Gehirn dafür verantwortlich, Reize und folglich Informationen im Netzwerk der Nervenzellen weiterzuleiten. Erst wenn ein ausgewogener Neurotransmitterhaushalt vorhanden ist, besteht die Möglichkeit zur Konzentration. Durch Bewegung und Sport lässt sich dieser Haushalt optimieren, da die Neurotransmitter vermehrt im Sauerstoffüberschuss gebildet werden (vgl. Gemmer 2001, S.25).

„Bewegung orientiert und aktiviert das Gehirn ganz eindeutig, indem sie für den Zustand wacher Aufmerksamkeit sorgt, der nötig ist, um relevante Informationen aufzunehmen. Gleichzeitig ist Bewegung wichtig, damit koordinierte visuelle und auditive Reflexe in Aktion treten können, die für den Lernprozess Voraussetzung sind“ (Krebs; Brown 1998, S.195).

Durch Bewegung kann das Stresshormon Adrenalin abgebaut werden und somit die Konzentrationsfähigkeit gesteigert werden. Stress ist nämlich einer der größten Konzentrationskiller.

Auch Fett, das sich in den Blutgefäßen ablagert, kann die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn behindern. Die Folge dessen ist der Abfall der geistigen Leistungsfähigkeit. Erst mit Hilfe von Bewegung können die Muskeln dieses Fett durch fettabbauende Enzyme abbauen und dafür sorgen, wieder geistig und auch körperlich fit zu werden.

Bewegung fördert die Koordination beider Gehirnhälften. Nur durch das Zusammenwirken beider Gehirnhälften wird konzentriertes Lernen ermöglicht. Daher kann die Steuerung des Körpers nur optimal erfolgen, wenn beide Gehirnhälften gleichzeitig aktiv werden und aufeinander abgestimmt zusammenarbeiten können (vgl. Gemmer 2001, S.25f.).

Wie bereits in Kapitel 3 und 4 dieser Arbeit dargestellt, ist Bewegung als ein unerlässlicher Faktor für eine gesunde und ganzheitliche Entwicklung von Kindern anzusehen. In der Schule muss den veränderten Lebensbedingungen (siehe Kapitel 2) Rechnung getragen werden, indem vielfältige Bewegungsangebote für die Schüler bereitgestellt werden.

Gerade das Konzept der Bewegten Schule bietet den Kindern Gelegenheiten, ihrem Bewegungsbedürfnis nachzukommen. Durch die Integration von Bewegung in das Schulprogramm und das Schulleben werden „die biologisch-rhythmischen Dispositionen von Kindern im alltäglichen Unterrichtsablauf aller Fächer [...]“ (MSWWF 1999, S.35) berücksichtigt. „Wenn während unterrichtlicher Lern- und Erfahrungsprozesse die Aufmerksamkeit und die Konzentration der Kinder nachlässt, brauchen die Kinder häufig nur eine Phase des Spielens und Bewegens“ (ebd., S.35f.).

Daher kann eine kurze Pause mit Bewegung den konkreten Bedürfnissen der Kinder entgegenkommen und somit für ein positives Lernklima sorgen, indem die Kinder ihre volle Aufmerksamkeit und Konzentration zurück gewinnen (siehe dazu auch Kap. 4.7.1 dieser Arbeit).

4. Aufmerksamkeit und Konzentration bei Maria Montessori19

Bereits Maria MONTESSORI (1870-1952) entdeckte durch Beobachtungen, dass kleine Kinder in den Zustand intensiver Konzentration gelangen können.

Sie prägte das Phänomen der Polarisation der Aufmerksamkeit, ein Vorgang tiefer Konzentration, der durch aktiven und intensiven Kontakt zwischen dem kleinen Kind und einem von ihm ausgewählten Gegenstand entsteht.

Im Kinderhaus von San Lorenzo beobachtete MONTESSORI ein dreijähriges Mädchen, das tief versunken war in der Beschäftigung mit einem Einsatzzylinderblock, aus dem es immer wieder kleine Holzzylinder herauszog und an ihre Stelle steckte. Der Ausdruck des kleinen Mädchens zeugte von intensiver Aufmerksamkeit und beachtlicher Motivation. Selbst durch Störversuche ließ das Mädchen sich nicht ablenken, sondern machte mit seiner Beschäftigung stetig weiter. MONTESSORI begann demzufolge weitere Kinder zu beobachten und entdeckte, dass dieses Phänomen allgemein bei den Kindern festzustellen war (vgl. Klein-Landeck 1998, S.34f.).

[...]

Details

Seiten
42
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783656673033
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275178
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Schlagworte
konzentrationsförderung bewegung grundschule

Autor

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Titel: Konzentrationsförderung durch Bewegung in der Grundschule