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Das Modell Ökodorf. Eine mögliche Alternative?

Seminararbeit 2011 20 Seiten

Politik - Klima- und Umweltpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Ökodörfer
2.1. Definition Ökodorf
2.2. Abgrenzung zu Ökosiedlung und Ökostadt
2.3. Merkmale von Ökodörfern
2.4. Zielsetzung von Ökodörfern

3. Klimawandel und Ressourcenknappheit
3.1. Brundtland-Bericht
3.2. Grenzen des Wachstums
3.3. Vierter Sachstandsbericht des IPPC

4. Das Modell Ökodorf?

5. Conclusio

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Seminar „Umwelt. Entwicklung. Nachhaltigkeit“ behandelte verschiedenste Themenbereiche aus dem ökologischen Spektrum. Die Entstehung des Leitbildes nachhaltiger Entwicklung, Klimawandel, Welthunger, Ernährungssicherung und Ernährungssouveränität sowie nachhaltige Lebensstile stellten die Überbegriffe dieser thematischen Felder dar. Im Themenblock nachhaltige Lebensstile wurden Möglichkeiten zur Nachhaltigkeit angesprochen, wie etwa Ernährungssouveränität, Slow Food, Stadtlandwirtschaft, Community Supported Agriculture, FoodCoop sowie Ökodörfer.

In dieser Seminararbeit stehen ökologische Dörfer im Fokus der Betrachtung. Neben einer allgemeine Einführung in diese Thematik mit Begriffserläuterung, Abgrenzung, Merkmale und Zielsetzung soll die Frage beantwortet werden, inwieweit Ökodörfer eine Möglichkeit der nachhaltigen Lebensweise darstellen und ob sich das Modell Ökodorf auf weitere gemeinschaftliche Lebensformen wie etwa Dörfer, Siedlungen, Stadtteile und Städte übertragen lässt? Es ist also zu hinterfragen: Was sind Ökodörfer? Welche Merkmale zeichnen Ökodörfer aus und welche Zielsetzung wird verfolgt? Warum bedarf es überhaupt einer ökologischen und nachhaltigen Neuausrichtung der menschlichen Lebensweise?

Die Hypothesen zu dieser Seminararbeit lauten, dass sich das Modell Ökodorf nicht identisch und ohne Abstriche auf andere Gemeinschaften des Zusammenlebens übertragen lässt, wenn nicht die gleichen radikalen Ansätze wie in ökologischen Dörfern verfolgt werden. Gleichzeitig gilt jedoch auch, dass Ökodörfer nicht als abgeschlossene Biotope in einer kapitalistischen und ökonomisierten Gesellschaft fungieren, sondern der Ansatz und die Chance dazu besteht, Ökodörfer als beispielhafte Modelle für ein nachhaltigeres Leben und Wirtschaften im Alltag zu sehen.

2. Ökodörfer

Zum Einstieg in das Themenfeld gibt es eine Definition des Begriffes Ökodorf und es erfolgt eine Abgrenzung zu den Bezeichnungen Ökosiedlung und Ökostadt. Darüber hinaus werden in diesem Kapitel Merkmale von Ökodörfern aufgezeigt und es kommt zu einer Beschreibung der Zielsetzung dieser. Dadurch soll ein allgemeiner Überblick über die Thematik Ökodörfer gewährleistet sein, um im weiteren Verlauf der Seminararbeit auf weiterführende Fragestellungen eingehen zu können. In dieser Seminararbeit wird es aus Platzgründen nur möglich sein, den Fokus auf Ökodörfer in Europa und vor allem im deutschsprachigen Raum zu richten, wobei eine Untersuchung von außereuropäischen Ökodörfern auch einen lohnenswerten und interessanten Forschungsansatz darstellen würde.

2.1. Definition Ökodorf

Ein Ökodorf ist ein “human scale, full-featured settlement, in which human activities are harmlessly integrated into the natural world, in a way that is supportive of healthy human development and can be successfully continued into the indefinite future.” (Jackson 1998: 2).

Eine ausführlichere Beschreibung der Bezeichnung Ökodorf kann wie folgt aussehen: „An ecovillage is a human-scale settlement consciously designed through participatory processes to secure long-term sustainability. All four dimensions (the economic, ecological, social and cultural) are seen as mutually reinforcing. Attention to each is essential for holistic and healthy community development. The power of human communities to come together and co-design their own pathway into the future is seen as a major driving force for positive change. The good intentions and creativity of citizens and their willingness to make a difference is one of the most underutilised resources we have today.

Ecovillages are an outcome of citizens walking their talk in lowering ecological footprints while increasing their sense of belonging and purpose. Ecovillages are rapidly gaining recognition as demonstrations sites of sustainability in practice and as places of inspiration for the wider society. Ecovillage projects demonstrate that it is within human capacity and knowledge to consciously enhance and improve the environments in which we live.” (Global Ecovillage Network Europe 2011).

Ökodörfer sind demnach ökologische Lebensgemeinschaften und es gibt sie etwa seit den 1980er Jahren. Das bekannteste Beispiel im deutschsprachigen Raum stellt das Ökodorf Sieben Linden dar. Als eines der ältesten Ökodörfer wird das Projekt „Lebensraum“ im Weinviertel in Niederösterreich angesehen. Die größte Ökosiedlung befindet sich in Freiburg im Breisgau, wo der Stadtteil Vauban nach ökologischen Richtlinien umgewandelt wurde. Ökologische Merkmale beinhalten die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen, Unabhängigkeit von Autos und eine Lebensform in der Natur. Im Allgemeinen wird der Ansatz verfolgt, dass alle Bereiche des Lebens mit einbezogen werden. Dies sind dann beispielsweise eine ökologische Bauweise, eine Arbeit für die man sich berufen fühlt, eine soziale Absicherung, eine Bildung im ökologischen Bereich sowie ein Leben in einer solidarischen Gemeinschaft (vgl. Gugenberger 2007: 95).

Der ganzheitliche Ansatz ist ein zentraler Punkt, der von allen ökologischen Dörfern umgesetzt wird, auch wenn es bei einzelnen Bereichen und Ansatzpunkten Unterschiede gibt. Wichtige Bestandteile für die Community der Ökodörfer sind das Buch Eurotopia sowie das Global Ecovillage Network.

Das Buch Eurotopia, welches „Gemeinschaften und Ökodörfer in Europa“ auflistet und beschreibt, kommt in der Ausgabe von 2007 auf 364 Gemeinschaften in 25 Ländern (vgl. Habermann 2009: 139), davon etwa 170 in Deutschland (vgl. Gugenberger 2007: 95). Das Global Ecovillage Network (GEN) ist ein internationales Netzwerk von Ökodörfern, welches die Regionen GEN-Amerika, GEN-Europa und GEN-Ozeanien/Asien beinhaltet. Das Hauptziel besteht im Informationsaustausch zwischen den zahlreichen Projekten sowie darüber hinaus in der Verbreitung der Idee von Ökodörfern. Dies geschieht durch Seminare, Ausbildungsprogramme sowie Newsletter und Website. GEN hat einen Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen inne (vgl. Gaia Trust o. J.) und repräsentiert sich auf dem „World Summit on Sustainable Development“ und den „World and European Social Forums“ (vgl. Dawson o. J.: 3f). „In 1998, ecovillages were first officially named among the United Nations top 100 listing of Best Practices, as excellent models of sustainable living.” (Global Ecovillage Network Europe 2011).

2.2. Abgrenzung zu Ökosiedlung und Ökostadt

Eine Ökosiedlung, auch nachhaltige oder ökologische Siedlung genannt, ist ein Stadtteil mit einer ökologischen Ausrichtung. Dabei ist die Begriffsbezeichnung jedoch relativ unscharf, denn dies kann von einem gewissen ökologischen Minimum-Standard bis hin zu einer gänzlichen Ausrichtung auf ökologische Kriterien reichen. Der Unterschied zu einem Ökodorf besteht auf alle Fälle darin, dass nicht die ganze Stadt ökologisch ausgerichtet ist, sondern nur ein Teil der Stadt als nachhaltige Siedlung fungiert.

Als Beispiele für ökologische Siedlungen kann in Deutschland der Stadtteil Vauban in Freiburg genannt werden. Die ökologische Richtlinie fand hier etwa Anwendung bei Errichtung von Gebäuden in der Niedrigenergiebauweise, so dass dort Passivhäuser und Plusenergiehäuser zu finden sind (vgl. Stadt Freiburg 2011).

Ökostadt ist die Bezeichnung einer ökologischen Stadt, in der im Grunde genommen der gleiche ökologische und nachhaltige Ansatz verfolgt wird, wie in einem Ökodorf.

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Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656680574
ISBN (Buch)
9783656696841
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275227
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Internationale Entwicklung
Note
Schlagworte
Ökodorf Ökodörfer Umwelt Nachhaltigkeit Klimawandel Ressourcenknappheit Ökostadt Ökosiedlung Brundtland-Bericht Wachstum Entwicklung Konsum Grenzen

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