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Der eurozentrische wissenschaftliche Analphabetismus und die Bedeutung für eine in Österreich betriebene Entwicklungsforschung

©2009 Essay 10 Seiten

Zusammenfassung

Ein wissenschaftlicher Forschungsbetrieb, welcher seine Ausübung an Universitäten und in Institutionen außerhalb der Hochschulen erfährt, bestimmt die wissenschaftliche Agenda. Das Aktionsprogramm der Wissenschaft beinhaltet Theorien, Analysen und Diskurse, welche zum Gegenstand der Forschung gemacht werden. Wissenschaft kann nun nicht als ein Gebilde in einem abgeschlossenen Raum angesehen werden, sondern eine wissenschaftlich betriebene Forschung zieht auch Folgen nach sich, was bedeutet, dass in der Regel mit direkten Auswirkungen auf die Praxis zu rechnen ist. Wenn innerhalb des wissenschaftlichen Forschungsbetriebs Theorien und Tendenzen für die Entwicklungsforschung aufgestellt werden, dann kommt es in der Praxis der Entwicklungsforschung, also der Entwicklungszusammenarbeit, zur Entfaltung dieser wissenschaftlichen Grundlagen. Die Entwicklungsforschung fungiert somit als eine theoretische Denkfabrik, welche die Agenda der Entwicklungszusammenarbeit beeinflusst, wenn
nicht sogar bestimmt. Der Grad der Beeinflussung ist von der jeweiligen spezifischen Situation abhängig. Daher können die direkten Auswirkungen der Entwicklungsforschung in hohem Maße eintreten, genauso ist es aber auch möglich, dass nur geringe Elemente einer Beeinflussungsstruktur durchgesetzt werden können.

Bezüglich der wissenschaftlichen Forschungsbetriebe gibt es zahlreiche Fragen, die in diesem Zusammenhang zu stellen sind. Was bedeutet wissenschaftlicher Fortschritt? Was versteht man unter Objektivität? Was gilt als akzeptiertes Wissens, als ein gewisser Wissens-Kanon? Wie sieht wissenschaftliche Erkenntnis aus? Was ist unter einem "eurozentrischen wissenschaftlichen Analphabetismus" zu verstehen und was bedeutet dieser für eine in Österreich betriebene Entwicklungsforschung?

Leseprobe

Ein wissenschaftlicher Forschungsbetrieb, welcher seine Ausübung an Universitäten und in Institutionen außerhalb der Hochschulen erfährt, bestimmt die wissenschaftliche Agenda. Das Aktionsprogramm der Wissenschaft beinhaltet Theorien, Analysen und Diskurse, welche zum Gegenstand der Forschung gemacht werden. Wissenschaft kann nun nicht als ein Gebilde in einem abgeschlossenen Raum angesehen werden, sondern eine wissenschaftlich betriebene Forschung zieht auch Folgen nach sich, was bedeutet, dass in der Regel mit direkten Auswirkungen auf die Praxis zu rechnen ist. Wenn innerhalb des wissenschaftlichen Forschungsbetriebs Theorien und Tendenzen für die

Entwicklungsforschung aufgestellt werden, dann kommt es in der Praxis der Entwicklungsforschung, also der Entwicklungszusammenarbeit, zur Entfaltung dieser wissenschaftlichen Grundlagen. Die

Entwicklungsforschung fungiert somit als eine theoretische Denkfabrik, welche die Agenda der Entwicklungszusammenarbeit beeinflusst, wenn nicht sogar bestimmt. Der Grad der Beeinflussung ist von der jeweiligen spezifischen Situation abhängig. Daher können die direkten Auswirkungen der Entwicklungsforschung in hohem Maße eintreten, genauso ist es aber auch möglich, dass nur geringe Elemente einer Beeinflussungsstruktur durchgesetzt werden können.

Bezüglich der wissenschaftlichen Forschungsbetriebe gibt es zahlreiche Fragen, die in diesem Zusammenhang zu stellen sind. Was bedeutet wissenschaftlicher Fortschritt? Was versteht man unter Objektivität? Was gilt als akzeptiertes Wissens, als ein gewisser Wissens-Kanon? Wie sieht wissenschaftliche Erkenntnis aus? Was ist unter einem "eurozentrischen wissenschaftlichen Analphabetismus" zu verstehen und was bedeutet dieser für eine in Österreich betriebene Entwicklungsforschung?

Dieser letzten Fragestellung versucht sich dieser Essay anzunähern, ohne dabei jedoch den Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu möchten. Wenn es die Frage nach dem eurozentrischen wissenschaftlichen Analphabetismus zu beantworten gilt, und im zweiten Schritt die Auswirkungen für die Entwicklungsforschung in Österreich zu beleuchten sind, so ist es meiner Einschätzung nach erst einmal nötig, die drei Begrifflichkeiten Eurozentrismus, Wissenschaft und Analphabetismus abzuklopfen. Nach einer Erörterung der einzelnen Wortbegriffe ist eine Verknüpfung dieser herzustellen, um eine Kohärenz der Aussage zu erzielen. Wenn dies geschehen ist, können die Auswirkungen eines eurozentrischen wissenschaftlichen Analphabetismus für die in Österreich betriebene Entwicklungsforschung beispielhaft dargestellt werden.

Der Begriff Eurozentrismus beinhaltet, dass Europa als das Zentrum der Welt verstanden wird. Wenn man so will, als Mittelpunkt der Erde. Alles was außerhalb davon liegt, befindet sich in der Peripherie. Die Beurteilung außereuropäischer Kulturen erfolgt nach westlichem Maßstab. Dabei kommt es stets zu einer Abwertung der jeweiligen andersartigen Kultur. Die Erhöhung des Eigenen und die Herabsetzung des Anderen kann auf sozialer, ökonomischer, kultureller und wissenschaftlicher Ebene erfolgen. Das eigene Denken und Handeln ohne kritische Hinterfragung als überlegend einzustufen ist hierbei als äußerst kritisch einzustufen.

Unter der Bezeichnung Wissenschaft ist das Erschaffen von Wissen zu verstehen. Die Wissenschaft wird als ein Prozess angesehen. Die MitarbeiterInnen im Wissenschaftsbetrieb sind für die Forschung sowie die Lehre zuständig. Die Lehre beinhaltet die Vermittlung von Wissen. Das Feld der Wissenschaft ist bestimmt von AkteurInnen, Interessen und Diskursen. Dabei ist wissenschaftliches Handeln eingebettet in vorgegebene Strukturen. Wissenschaft wird nicht gänzlich autonom und in vollständiger Unabhängigkeit agieren können, denn an den Wissenschaftsbetrieb werden Ansprüche gestellt und verschiedene Gruppierungen haben zahlreiche Anliegen und Interessen an die Wissenschaft.

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Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656675396
ISBN (Buch)
9783656675389
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Internationale Entwicklung
Erscheinungsdatum
2014 (Juni)
Schlagworte
Eurozentrismus Analphabetismus Entwicklungsforschung Österreich Wissenschaft
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Titel: Der eurozentrische wissenschaftliche Analphabetismus und die Bedeutung für eine in Österreich betriebene Entwicklungsforschung