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Frauen im Wandel. Eine soziologische Betrachtung der Veränderungsprozesse ab 1950

Bachelorarbeit 2013 70 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung ...3

II. Die 1950er Jahre ... 7

1. Veränderung der Frauenrolle
1.1 Von der ‚Trümmerfrau‘ zur ‚Hausfrau‘
1.2 Haushalt und Erwerbsarbeit
2. Konsum und Lebensstil
3. Familie und Ehe
4. Der Bildungsbereich

III. Zwei entscheidende Wandlungsprozesse ... 24

1. Bildungsexpansion
2. Die neue Frauenbewegung

IV. Individualisierungskonzept von Ulrich Beck ... 32

1. Individualisierung in der zweiten Moderne
2. Entzauberungs- und Reintegrationsdimension

V. Frauen im Wandel in der zweiten Moderne ... 39

1. Erwerbsarbeit
2. Familien- und Lebensformen
2.1 Ehe
2.1.1 Bildungsaspekt
2.1.2 Kinderaspekt
2.2 Nichteheliche Lebensgemeinschaft
2.3 Single
3. Scheidung

VI. Schlussbetrachtung ... 58

Quellenverzeichnis ... 64

I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich ausführlich mit den Veränderungsprozessen von Frauen. Der Titel ‚Frauen im Wandel – Eine soziologische Betrachtung der Veränderungs- prozesse ab 1950‘ wurde gewählt, da sich die Analyse auf die Aspekte konzentriert, die sich in den 1950er Jahren entscheidend gewandelt haben. Zudem setzten diese Aspekte Veränderungsprozesse in Gang, die bis heute fortlaufen. Durch selbst gemachte Erfahrungen in einem Dreigenerationenhaushalt, entwickelte sich ein Interesse an den Ursachen entscheidender Unterschiede zwischen Frauen, unterschiedlicher Generationen. Es wurden bestehende alltägliche Differenzen im Lebensstil, in der Denkweise und in den Strukturen und Normen der Gesellschaft und Familie entdeckt, die sich mit fortschreitenden Jahren verstärkten. Immer öfter wurde deutlich, dass erstaunliche Unterschiede zwischen den Ansichten von Frauen der Geburtenkohorte 1935, 1960 und 1990 bestehen. Die Auseinandersetzung mit den Ursachen dieser Verschiedenartigkeit, machte deutlich, dass entscheidende Gründe in den gemachten Erfahrungen der jeweiligen Person, und den zeitweilig gegeben gesellschaftlichen Strukturen liegen.

Die Nachkriegszeit und besonders die 50er Jahre sind sehr bedeutend für die heutige Gesellschaft, da Denkweisen noch immer die älteren Generationen prägen. Beachtlich ist, dass sich in den 50er Jahren entscheidende Veränderungen in der Gesellschaft vollzogen haben, die zu neuen familiären, gesellschaftlichen und bildungspolitische Strukturen führten. Heute, im Jahr 2013, lassen sich erstaunliche Wandlungen beschreiben, die die Ansichten von Frauen, unterschiedlicher Generationen, verständlicher machen.

Begonnen wird die Arbeit mit dem Kapitel der 1950er Jahre. Wie eben schon einmal erwähnt, sind die 50er Jahre ein bedeutendes Jahrzehnt, da Frauen ihre Rollen nachdrücklich verändern konnten. Die Erfahrungen, die nach der ‚Stunde Null‘, dem Ende des zweiten Weltkrieges und dem Anfang einer neuen Gesellschaft, gemacht wurden, prägen die Menschen bis Ende des 20. Jahrhunderts und teilweise noch heute. Diesem Kapitel wird sehr viel Raum geboten, da entscheidende Aspekte angeführt werden, welche in den folgenden Kapitel noch einmal Betrachtung finden. Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit der Veränderung der Frauenrolle. Natürlich besteht die Erkenntnis, dass es nicht nur eine Frauenrolle gibt, sondern viele verschiedene. Der Titel wird in diesem Zusammenhang als kollektiver Singular verwendet, da nicht alle bestehenden Frauenrollen angeführt werden, sondern nur einige, die für diese Untersuchung äußerst relevant sind. Dieser Abschnitt ist in die Unterpunkte ‚Von der Trümmerfrau zur Hausfrau‘ und ‚Haushalt und Erwerb‘ unterteilt. Durch diese Einteilung werden die entscheidenden Wandlungen der Frauen in der Nachkriegszeit beschrieben. Die Frauen nehmen in den 50er Jahren unterschiedliche Rollen ein, die durch Wideraufbau, traditionelle Aufgaben im Haushalt, Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit gekennzeichnet sind.

Darauf folgt eine Untersuchung des Konsumverhaltens und des Lebensstils von Frauen in den 50er Jahren. Das Konsumverhalten ändert sich durch den aufkommenden materiellen Wohlstand der Gesellschaft. Für Frauen ist die Technisierung der Lebenswelt bedeutend, da durch die Anschaffung von Haushaltsgeräten unter anderem eine Arbeitserleichterung erlangt wird. Weiterhin wird in diesem Abschnitt das Thema Mode analysiert. Durch Mode wird in den 50er Jahren entscheidend die Rolle der Frau dargestellt, sodass es in dieser Arbeit als sehr wichtig angesehen wird, diesen Aspekt bewusst hervorzuheben.

Zudem wird in diesem Kapitel die Familie und Ehe untersucht. Nicht nur durch die Einführung des Gleichberechtigungsgesetztes im Jahr 1958 haben sich nachhaltige Entwicklungen zwischen Mann und Frau ergeben, sondern auch die erlangte Autonomie der Frauen ist bedeutend für diese Aspekte. Es wird in diesem Abschnitt herausgestellt, dass die Erfahrungen, die die Frauen als Trümmerfrauen und in den Jahren danach machten, Auswirkungen auf den privaten Bereich haben. Überdies wird untersucht, warum einerseits von einer Krise der Ehe, und andererseits davon gesprochen wird, dass die traditionellen Strukturen von Ehe und Familie wieder hergestellt sind.

Der letzte Abschnitt in dem Kapitel der 50er Jahre widmet sich dem Bildungsbereich. Dieser Aspekt wurde bewusst ans Ende des zweiten Kapitels gesetzt, da sich das dritte Kapitel, unter anderem, mit der Bildungsexpansion auseinandersetzt. Dies ermöglicht eine gute Überleitung, ohne Unterbrechungen, ins nächste Kapitel. In dem Abschnitt des Bildungsbereiches werden die bildungspolitischen Aspekte dargestellt, die sich nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland für die Gesellschaft ergeben. Durch den vermehrten Wohlstand der Gesellschaft, ändern sich auch Strukturen im Bildungssektor. Die Frauen profitieren davon in den 50er Jahren allerdings nur mittelbar. Einerseits hält auch hier die Gesellschaft und die Politik an Traditionen fest. Andererseits wird schnell deutlich, dass Veränderungen hervorgerufen werden. Weiterhin wird die Benachteiligung der Frau im Bildungsbereich erörtert.

Diese Darstellung leitet dann über in das dritte Kapitel ‚zwei entscheidende Wandlungsprozesse‘. Es werden in diesem Kapitel bewusst nur die Bildungsexpansion und die neue Frauenbewegung analysiert, weil diese zwei Wandlungsprozesse institutionell und gesellschaftlich weitreichende Veränderungen bewirkt haben, die im Hinblick auf die Frau besonders entscheidend sind. Durch die Analyse der Bildungsexpansion werden die Veränderungen und Erfolge der Frauen im Bildungssystem dargestellt. In dem Abschnitt der neuen Frauenbewegung werden ausgewählte Aspekte erörtert, die von der neuen Frauenbewegung bewirkt wurden, und die zur Emanzipation der Frauen beigetragen haben. Der Aus- bau des Bildungssektors, der die vermehrte Chancengleichheit zum Ziel hat, sowie die Beschäftigung mit Geschlechterfragen, wird bis heute fortgeführt und weiterentwicklet.

Im vierten Kapitel wird das Individualisierungskonzept von Ulrich Beck dargestellt. Dieses Kapitel dient als theoretische und soziologische Grundlage, um im weiteren Verlauf Veränderungsprozesse soziologisch zu analysieren. Dieses Konzept wurde gewählt, da Ulrich Beck davon ausgeht, dass von dem Individualisierungsschub, ab den 60er Jahren, besonders die Frauen betroffen sind. Weiterhin beschreibt er einen Übergang von der ersten zur zweiten Moderne. Dieser Übergang erscheint als entscheidend für die weitere Analyse der verschiedenen Veränderungsprozesse von Frauen. Nachdem in diesem Kapitel beschrieben wurde, was Ulrich Beck unter Individualisierung und dem Übergang von der einfachen zur reflexiven Modernisierung meint, werden die Entzauberungs- und Reintegrationsdimensi- on seines Individualisierungskonzeptes untersucht. Es wird wissentlich auf die erste, die Freisetzungsdimension, verzichtet, da die sozialstrukturellen Aspekte dieser Dimension, als weniger wichtig für die Veränderungen der Frauen angesehen werden. In der Analyse der zwei weiteren Dimensionen werden das Herauslösen aus traditionellen Strukturen und das Einbinden in neue Ordnungen von Frauen genau dargestellt.

Zu guter Letzt wird im fünften Kapitel der Wandel der Frauen in der zweiten Moderne untersucht. Der Titel bietet Anknüpfungspunkte zu dem Individualisierungskonzept von Ulrich Beck, welches als soziologisches Grundkonzept zuvor vorgestellt wurde. In diesem Kapitel werden Aspekte behandelt, die bereits für das Jahrzehnt der 50er Jahre analysiert wurden. Es wird nicht chronologisch jedes Jahrzehnt abgehandelt, da dies nicht der Idee der Arbeit entspricht. Vielmehr werden die einzelnen Aspekte analysiert, die sich in der zweiten Moderne verändert haben. Natürlich werden oft Vergleiche unterschiedlicher Jahrzehnte angeführt, jedoch soll nicht der Eindruck entstehen, dass es hier um eine zeitliche Abhandlung geht.

Zunächst wird die Erwerbsarbeit ausführlich erörtert, da sich in diesem Bereich ein quanti- tativer und qualitativer Wandel für die Frauen vollzogen hat. Es wird untersucht, wie sich die Erwerbsbeteiligung und die Erwerbsstruktur verändert haben. Weiterhin wird die Erwerbsarbeit mit dem Bildungs- und Familienstand einer Frau in Zusammenhang gebracht, da diese Aspekte in einem reziproken Verhältnis stehen. Nach dieser Analyse werden Familien- und Lebensformen genauer analysiert. Zunächst werden allgemeine Veränderungen beschrieben, die sich bezüglich der Familien- und Lebensformen vollzogen haben. Danach folgt eine Darstellung der Lebensform Ehe. Die Ehe gilt als Fundament der Familie und wird vom Staat besonders geschützt und unterstützt. Die Eheschließungen haben sich im Verlauf der zweiten Moderne nachdrücklich verändert. In diesem umfangreichen Abschnitt wird dargestellt, welche Frauen zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen ihres Lebens heiraten. Bei der Betrachtung wird noch einmal zwischen dem Kinder- und dem Bildungsaspekt unterschieden, da diese die Eheschließung beeinflussen. Der Kinderwunsch oder eine bestehende Schwangerschaft verändern die Einstellung zur Eheschließung. Ebenso entscheidet der Bildungsgrad einer Frau, ob, wann und wen sie heiratet. Nach diesem umfangreichen Abschnitt wird die nichteheliche Lebensgemeinschaft untersucht.

Die nichteheliche Lebensgemeinschaft ist eine Lebensform, die seit den 70er Jahren, besonders für Frauen immer attraktiver wird. In diesem Abschnitt wird errötet, warum die nichteheliche Lebensgemeinschaft an Bedeutung gewinnt und für welche Frauen diese Lebensform besonders geeignet ist. Weiterhin wird untersucht, welche Vorteile diese Lebensform mit sich bringt.

Zum Abschluss wird die Lebensform des Singles erörtert. Die gewählte Reihenfolge der Lebensformen erscheint als sinnvoll, da der Verlauf auch eine Abnahme der Abhängigkeit der Frau vom Mann darstellt. Die Lebensform des Singles oder des Alleinlebens ist keine neue, allerdings ist es immer häufiger eine bewusst gewählte Entscheidung vieler Frauen. In diesem Abschnitt wird untersucht, welche Charakteristiken eine Single-Frau hat und aus welchen Gründen sie sich in dieser Lebensform befindet.

Die Arbeit schließt mit einer ausführlichen Betrachtung der Scheidungsveränderungen ab. Dieser Abschnitt wird bewusst an letzter Stelle dargestellt, da die zuvor analysierten Lebensformen Veränderungen mit sich bringen, die den Scheidungswandel bedingen. In diesem Abschnitt wird dargestellt, warum sich die Scheidungsrate, seit den 70er Jahren, kontinuierlich erhöht und warum besonders Frauen häufiger die Scheidung einreichen. Weiterhin wird auch hier die Scheidungsrate mit dem Bildungsgrad der Frauen in Verbindung gebracht, und es werden verschiedene Mechanismen angeführt, die den Wandel erklären.

Das letzte Kapitel dieser Arbeit dient einer ausführlichen Schlussfolgerung über die Frauen im Wandel.

II. Die 1950er Jahre

Das Jahr 1945 wird oft als ‚Stunde Null‘ bezeichnet, da der zweite Weltkrieg am 8. Mai als beendet gilt. Das Jahr 1945 wird als Anfang und zugleich als Ende gesehen. Als Ende von alten Ordnungen, von Krieg und Gewalt, von Barbarei und Tötung. Als Anfang von einer neuen Gesellschaft mit neuen Ordnungen und Strukturen. Eine Gesellschaft, die durch Freiheit, Toleranz und Demokratie geprägt ist. „1945 steht für ein Wendepunkt der deutschen Geschichte, für die Abwendung der Deutschen von weltverbesserischem Dünkel und Nationalsozialismus, für ihre Hinwendung zu freiheitlichem Leben und Denken“ (Bechtel 2005: 1). Das Ende des zweiten Weltkrieges hat enorme Auswirkungen auf die Bewusstseinslage und das Moralverständnis der deutschen Bevölkerung. Die 1950er Jahre haben eine so große Relevanz, da es möglich wird, dass sich die Frau in ihren Rollen drastisch verändert. Auch zuvor gibt es schon Veränderungen, allerdings werden die Frauen nun mit Situationen konfrontiert, in denen sie keine andere Wahl haben, als ihre alten Rollen abzulegen und alle anfallenden Tätigkeiten zu meistern. Allerdings sind die 50er Jahre auch dadurch geprägt, dass die Frauen die alten Rollen wieder aufnehmen und neue kennenlernen. Im ersten Abschnitt wird von der Veränderung der Frauenrolle gesprochen. Dieser Begriff wird im kollektiven Singular benutzt. Gewiss gibt es unterschiedliche Frauenrollen, jedoch wird in diesem Abschnitt nicht auf alle Rollen eingegangen. Nach der kritischen Auseinandersetzung mit den Veränderungen der Frauenrolle, folgt eine Analyse des Konsumverhaltens und des Lebensstils. Überdies werden Veränderungen in Familie und Ehe erläutert und die Situation der Frauen im Bildungsbereich vorgestellt.

1. Veränderung der Frauenrolle

1.1 Von der ‚Trümmerfrau‘ zur ‚Hausfrau‘

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges weiß niemand, wie es weiter gehen soll, denn es besteht ein enormer Mangel. „Mangel an Wohnraum, Mangel an Nahrung, Mangel an den nötigsten Gebrauchsgegenständen, Mangel an Rohstoffen, vor allem aber Mangel an männlichen Arbeitskräften“ (Ruhl 1988: 7). Frauen sind nach dem Krieg im Überschuss, nmda zu dieser Zeit viele Männer entweder im Krieg gefallen oder noch in Kriegsgefangenschaft sind. Im Oktober 1946 gibt es in Deutschland ca. 7 Millionen mehr Frauen als Männer. Diese machten andere Kriegserfahrungen, als ihre Männer. Sie erlebten Bombenangriffe, wurden vertrieben und mussten flüchten, erlebten Vergewaltigungen und erlitten Hunger. Am Ende des Krieges standen die Frauen vor den zerstörten Städten und Dörfern, die es nun, unter dem Motto: „Wir Frauen müssen es machen“ (Theile 2006: 251), aufzubauen gilt.

Die ‚Trümmerfrauen‘, so werden die Frauen bezeichnet, die in der Nachkriegszeit die Trümmer beseitigen, werden zum Symbol für den deutschen Aufbauwillen und die Überlebenskraft. Durch die psychische und körperliche Schwerstarbeit der Frauen, werden die Städte schnell von Schutt befreit, sodass ein Wiederaufbau möglich wird. Die Sorge ums Überleben treibt viele Frauen freiwillig zur Trümmerbeseitigung, denn diese garantiert neben Lohn, auch höhere Lebensmittelrationen. Schwere körperliche Arbeit wird mit einer besseren Lebensmittelzuteilung belohnt. Viele Frauen sind auf diese Leistungen angewiesen, denn sie alleine tragen die Last im täglichen Existenzkampf. Ihre Ehemänner, Brüder und Söhne sind im Krieg gefallen oder noch nicht aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, sodass die Frauen, in Abwesenheit der Männer, das Überleben organisieren. In dem zerbombten Land ‚klopfen sie Steine‘ und schaufeln Schutt auf Pferdewagen, die sie dann mit ihrer Körperkraft ziehen, da es nicht mehr genügend Pferde gibt. Gleichzeitig kümmern sich die Frauen um ihre Angehörigen und Kinder. Alle anfallenden Tätigkeiten werden nun von den Frauen übernommen. Sie beseitigen einige Jahre lang den Schutt der zertrümmerten Häuser, schichten neue Ziegel auf den Baustellen, kümmern sich um Brenn- holz und Lebensmittel, fahren LKWs und betätigen Kräne. Arbeiten, die zuvor nur von Männern verrichtet wurden, da die Frau für den Haushalt, die Kinder und das Wohlergehen des Mannes zuständig war, werden nun von den Frauen angegangen. Allein in Berlin gibt es nach dem zweiten Weltkrieg 60.000 Trümmerfrauen, deren offizielle Bezeichnung ‘Hilfsarbeiterinnen im Baugewerbe‘ lautet.

Mit all der Verzweiflung, dem Elend und der Trauer verbindet sich aber allmählich auch Stolz über die Selbstständigkeit. Es entwickelt sich eine neue Stimmung unter den Frauen. Sie wollen es ‚dem Ausland‘ beweisen, dass sie, die Frauen, die ‚schreckliche deutsche Niederlage‘ in einen ‚Sieg‘ umwandeln, und das Land wieder aufbauen können (vgl. Thei- le 2006: 250-251; Echternkamp 2003: 176ff.).

Weiterhin müssen die Männer, die vor dem Krieg in Fabriken gearbeitet haben, ersetzt werden. Die Frauen, deren Arbeitskraft in allen Bereichen willkommen ist, übernehmen die Fabrikarbeit. Bereits in Kriegszeiten mussten die Frauen die Männer ersetzen. Dies geschah allerdings nur gemäßigt, da für Nationalsozialisten der Platz der Frau in der Küche und bei den Kindern war. Wie zu Kriegszeiten müssen die Frauen demnach auch in der Nachkriegszeit einer Arbeit nachgehen. Hunderttausende Frauen sind bald in fast allen Wirtschaftsbereichen, die zuvor von den Männern dominiert wurden, anzutreffen. Im Jahr

1946 beträgt die Anzahl der Frauen auf dem Arbeitsmarkt 36,6%. Viele Frauen finden auch Gefallen an ihrer Arbeit, da ihr Selbstbewusstsein gestärkt wird und sie Eigenständigkeit erfahren. Allerdings sind die Arbeitsbedingungen miserabel. Viele Frauen bekommen keine Arbeit in typischen ‚Frauenberufen‘, im Dienstleistungsgewerbe oder der Textilindustrie, sondern werden in die Fabriken gedrängt. Sie verrichten zwar die anfallende Arbeit der Männer, werden dafür aber nicht gleichermaßen entlohnt. Es wird davon ausgegangen, dass die Frauenerwerbsarbeit nur solange vorherrscht, bis die Männer die Arbeit wieder übernehmen können. Frauen bekommen weniger Geld, weil sie nur als Hilfsarbeiterinnen eingestellt werden, haben nicht das Recht auf Arbeitsschutzbestimmungen und kön- nen sich auch nicht zu einer Facharbeiterin ausbilden lassen.

Gegenüber der Heranziehung der Frauen auf den Arbeitsmarkt besteht auch die Überzeugung, dass die Frau in den Haushalt gehört und die Nachkriegszeit, bis in die frühen 50er Jahre, nur eine Ausnahme- und Übergangssituation darstellt. Als die Männer aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehren, haben sich die Lebensverhältnisse allmählich normalisiert und die Straßen sind von dem meisten Schutt befreit (vgl. Ruhl 1988: 7-8, 39ff.; Echternkamp 2003: 182ff.; Wodarz 1998: 12-13).

Das Motiv aller Bevölkerungsgruppen ist zu dieser Zeit, so schnell wie möglich aus dem Elend der Kriegs- und Nachkriegszeit herauszukommen, allerdings ist der Wiederaufbau durch Daseinsformen der Vorkriegszeit geprägt, da diese Orientierung bieten. Die Übergangszeit, in der die Frau einer Erwerbstätigkeit nachgeht, ist vorbei, denn die Frauen müssen ihre Arbeitsplätze für die Männer frei machen. Die Frauen werden teilweise mit dem Argument entlassen, „‘Doppelverdiener‘ […] hätten ihren Arbeitsplatz aus Gründen sozialer Gerechtigkeit zugunsten arbeitsloser Familienväter zu räumen“ (Tölke 1989: 136 zit. Schubert 1984: 323). Es wird sich an der Vorkriegszeit, an der Tradition orientiert, sodass die Frauen vom Arbeitsmarkt verdrängt werden und wieder ihre Position im Haushalt einnehmen (vgl. Schwarz 1997: 24). Glaser begründet dies wie folgt: In den 50er Jahren „ging es zunehmend wieder um die Befestigung traditioneller Werthaltungen: Die Hausfrau, die liebende, pflegende, heilende Hüterin des Hauses, sollte unentgeltlich Moral erziehen und den Mann „entlasten““ (2005: 81).

Zur gleichen Zeit vollziehen sich politische Entwicklungen, die die Rolle der Frau als ‚Hausfrau‘ untermauern. Die Währungsreform vom 20. Juni 1948 trägt dazu bei, dass die D-Mark stabilisiert wird und eine ‚Kaufwelle‘ eintritt. Die Produktion steigt an und die Preise sinken. Dies führt dazu, dass die Nachfrage von Gütern steigt, die zuvor als knapp galten und nun wieder für die Bevölkerung zugänglich werden. Allerdings verlangsamen sich schon ein Jahr später die Produktion und auch die Kaufkraft. Bei gleichbleibendem Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen führt diese Verlangsamung dazu, dass 1950 12,8% der Bevölkerung arbeitslos werden. Für die Frauen bedeutet dies der Weg zurück in den Haushalt, da die Männer, die Arbeitsplätze benötigen (vgl. Ruhl 1988: 72). Die Frauen werden demnach aus vielen Berufsbereichen heraus gedrängt und Beschäftigungsverbote für Frauen in Bauberufen und im Landverkehr, die es bereits zur Zeit des Nationalsozialismus gab, wieder eingeführt (Maier 1993: 258).

Weiterhin wird am 23. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland gegründet und das Grundgesetz, welches durch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe seit 1951 überwacht wird, in Kraft gesetzt. In diesem „finden sich die Prinzipien der neuen bundesstaatlichen parlamentarisch-demokratischen Republik“ (Schildt 1997: 10-11). An der Spitze steht der Bundeskanzler Konrad Adenauer, der von 1949 bis 1961 die Bundesrepublik Deutschland regiert. Die Regierungszeit Konrad Adenauers ist nach Schildt der politische Ausdruck der Wiederaufbauperiode, „in der eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Modernisierung unter konservativen Vorzeichen stattfand“ (1997: 10). Denn „mit Gründung der Bundesrepublik sind die alten Verhältnisse wiederhergestellt. Die Hausfrauenehe ist rehabilitiert, die Scheidungsrate sinkt. Das Schlagwort der neuen Gesellschaftsordnung heißt: „Restauration“ (Theile 2006: 252).

Im Verlauf der 50er Jahre bildet sich die Bundesrepublik zu einem demokratisch stabilen System heraus, in dem die Parteien parlamentarisch miteinander kooperieren und Koalitionsfähigkeit zeigen. Dieses Phänomen, des föderalistischen Korrektivs der Macht, führt dazu, dass sich politische Konflikte mildern und sich die Beteiligung und Verantwortung der Politiker erhöht. Weiterhin wird herausgestellt, dass die Stimmigkeit zwischen Kommunen und Bundesländern, die in dieser Zeit so hoch sind, wie nie wieder in der deutschen Sozialgeschichte, dazu führen, dass eine zentrale staatliche Ebene möglich ist. Die Demokraten aller Parteien arbeiten zu dieser Zeit konstruktiv im Bundestag und Bundesrat zusammen, da vieles ganz neu entwickelt werden muss (vgl. Schildt 2002: 17-18; Wolfrum 2006: 12-13).

„Die Rechts- und Sozialstaatlichkeit bedurfte einer gesetzlichen Verankerung. Im Artikel 20 des Grundgesetzes findet sich das Sozialstaatpostulat, das für die Bundesrepublik so charakteristisch wurde“ (Wolfrum 2006: 12). Zunächst dient die Sozialpolitik, die schon seit der Zeit von Bismarck weiterentwickelt wurde, zum Notbehelf der kriegsgeschädigten Gesellschaft. 1952 wird das Lastenausgleichgesetz verabschiedet. Dieses soll einen Ausgleich zwischen den Bevölkerungsschichten, die nicht durch den Krieg geschädigt wurden, und den, durch Vertreibung, Flucht und Weltkrieg Geschädigten, herstellen. Dieses Gesetz hat die größte Bedeutung für die Wirtschafts- und Finanztransaktion der deutschen Geschichte vor der Wiedervereinigung. Glaser verdeutlicht dieses Phänomen mit seinen Wor- ten: „Mit dieser in der deutschen Demokratie- wie Parlamentsgeschichte einmaligen ge- setzgeberischen Maßnahme, […] wurde auf Jahrzehnte hinaus der Zerfall der Gesellschaft in Arm und Reich verhindert“ (2005: 36). „Die Sozialpolitik wurde zur Integrationsklam- mer für breite Teile der bundesdeutschen Bevölkerung in den 50er Jahren“ (Wolfrum 2006: 13).

Die Sozialpolitik befasst sich, bis zur Gründung des Bundesministeriums für Familie im Jahr 1953, mit den Angelegenheiten der Familie. Der Familie kommt damit eine übergeordnete Rolle zu. Die Politiker aller Parteien sind sich einig, dass hierarchische Strukturen von Familie und Ehe, sowie die traditionelle Rollenverteilung von Mann und Frau wieder hergestellt werden müssen. Die Frau soll Hausfrau und Mutter, und ihrem Mann Gehilfin sein. Das Idealbild der Hausfrau wird von den berufstätigen Frauen gestört, da befürchtet wird, dass die Erwerbsarbeit die Funktion der Familie einschränkt. In den 1950er Jahren gründen sich Familienorganisationen, die zusammen mit der Kirche und dem Bundesministerium für Familie, die Stellung der Frau in der Familie stärken wollen. Das Kindergeldgesetz, welches am 13. November 1954 verabschiedet wird, soll die Institution Familie stärken und die Reproduktionsfunktion der Frau bekräftigen. Zunächst bekommt eine Familie ab dem dritten Kind 25DM pro Monat. Nach mehreren Änderungen, zu Gunsten der Familie, entsteht dann 1961 die Kindergeldkasse. Ab da an bekommt eine Familie für ein zweites Kind ebenfalls Kindergeld und für ein drittes Kind 40DM. Die Geburtenrate, die in der Nachkriegszeit zurückgegangen ist, soll angekurbelt werden. Diese und weitere Förderungsmaßnahmen, wie das Ehegattensplitting im Steuerrecht, welches bedingt, dass Ehepartner mit nur einem Verdiener besser da stehen, Änderungen der Rentenversicherung zur Absicherung der Hausfrau und die Einbeziehung der nichterwerbstätigen Frau in die Krankenversicherung, werden in den 50er Jahren eingeführt. Alle diese Maßnahmen sollen bewirken, die Frau, in der Rolle als Hausfrau und Mutter, zu stärken (vgl. Ruhl 1989: 107ff.; Maier 1933: 274).

1.2 Haushalt und Erwerbsarbeit

Wie im vorherigen Abschnitt erläutert, müssen die Frauen nach und während des Krieges die Tätigkeiten der Männer übernehmen. Sie beseitigen die Kriegstrümmer und übernehmen die Erwerbsarbeit. Als die Männer aus dem Krieg zurückkehren, ist es gesellschaftlich selbstverständlich, dass die Frauen sich wieder nur dem Haushalt und den Kindern widmen. Zu dieser Zeit respektiert die Gesellschaft nur die Erwerbstätigkeit von verwitweten Frauen mit Kindern, da diese einer außerhäuslichen Beschäftigung nachgehen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Frauen aus vollständigen Familien ist es gesellschaftlich nicht gestattet, einer Erwerbstätigkeit außerhalb des Hauses, nachzugehen.

Somit ist die Frau zu Beginn der 50er Jahre zunächst in ihrer Selbstverwirklichung gehindert. Allerdings muss auch angemerkt werden, dass sich diese traditionelle Werthaltung nicht vollständig durchsetzt, denn Frauen aus Familien, deren Lebensunterhalt durch das Gehalt des Mannes nicht gesichert ist, gehen zusätzlich zu den häuslichen Aufgaben weiterhin einer Erwerbstätigkeit nach. Politische und gesellschaftliche Gegner der Frauenerwerbsarbeit werfen den Frauen Geltungsdrang und Luxusstreben vor, durch die sie die Aufgaben innerhalb der Familie vernachlässigen würden. Allerdings sind diese Vorwürfe nicht pauschal gültig, denn „die Masse der berufstätigen Mütter ging arbeiten, weil der Ehemann zu wenig verdiente […]. Die Erwerbstätigkeit war damit nicht eine freie Entscheidung, sie wurde erzwungen durch die wirtschaftliche Lage“ (Ruhl 1988: 206). Hier muss eindeutig zwischen zwei Aspekten unterschieden werden. Sehr wohl gibt es Mütter, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, obwohl ihr Mann den Lebensunterhalt sichert, allerdings müssen die meisten Frauen, durch einen Zuverdienst, zum Lebensunterhalt beisteuern. Niehuss stellt in ihrem Artikel über ‚die Kontinuität und den Wandel der Familien in den 50er Jahren‘ heraus, dass sich die Zahl der erwerbstätigen Frauen, die einen lohnabhängigen Ehemann haben, in der Zeit von 1950 bis 1960, mehr als verdoppelt hat, und diese Zunahme nur teilweise strukturell bedingt ist (1993: 325). Ein Grund für Frauen in den 50er Jahren, über den Lebensunterhalt hinaus zu arbeiten, ist das auftretende Konsumverhalten der Gesellschaft, auf das in einem späteren Abschnitt noch explizit eingegangen wird (Glaser 2005: 80-81; Ruhl 1988: 205-206; Niehuss 1933: 324-325).

In der zweiten Hälfte der 50er Jahre ändert sich die Situation der Frauen, da sich die wirtschaftlichen Verhältnisse festigen, mehr Arbeitsplätze zur Verfügung stehen und ein Arbeitskräftemangel herrscht. Von der Politik wird am 1. Juli 1958 das Gesetz über die Gleichberechtigung der Geschlechter verabschiedet, welches die Stellung der Frau theoretisch neu ordnet. Gesellschaftlich wird das Gesetzt nicht sofort umgesetzt, da nach wie vor die Überzeugung der traditionellen Rollenverteilung besteht (Glaser 2005: 80-81). Weiterhin ist die Gesellschaft in den 50er Jahren bedeutend von dem industriellen Sektor geprägt, der Auswirkungen auf die Rolle der Frau hat. „Das westdeutsche „Wirtschafts- wunder“ war ein „Industriewunder“, eine beispiellose industrielle Expansion, allerdings ohne technische Revolution“ (Ambrosius 1993: 107). Natürlich muss an dieser Stelle zu- nächst angemerkt werden, dass die grundlegenden Weichenstellungen, die es der Bundes- republik Deutschland in den 50er Jahren ermöglicht, ein ‚Wirtschaftswunder‘ zu erreichen, schon früher gelegt wurden. Zum Einen ist hier die bedeutende Arbeit der ‚Trümmerfrau- en‘ zu nennen, da durch ihren Tatendrang das zerbombte Land schnell von Schutt befreit, und der Wiederaufbau möglich wurde. Andererseits hatte die Währungsreform aus dem Jahr 1948 entscheidende Auswirkungen, da durch diese unter anderem die Tauschgesellschaft beendet wurde. In erster Linie ist es jedoch dem, von den Amerikanern inszenierten Marshall-Plan zu verdanken, dass Deutschland sich in so kurzer Zeit wiederaufbauen, und im wirtschaftlichen Bereich enorme Fortschritte erzielen konnte.

Der Korea-Krieg, der zu Beginn der 50er Jahre ausbricht, hat außerdem Effekte auf die industrielle Entwicklung Deutschlands. Durch die Verwicklung der USA in den Korea- Krieg, profitiert Deutschland ökonomisch. Die USA sind zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage, ausreichend Güter herzustellen, da der Bedarf ihrer Rüstungswirtschaft steigt. Deutschland schließt die Lücke, die die USA hinterlassen und beliefert, dank seiner entstanden Exportkapazitäten, den Weltmarkt (vgl. Wolfrum 2006: 71; Bührer 1997: 34; Schildt 1997: 15). Auch Ambrosius teilt diese Auffassung: „die durch den Korea-Krieg sprunghaft ansteigende Auslandsnachfrage nach zivilen Industriegütern war sicherlich eine Starthilfe für die industrielle Expansion“ (1993: 113).

DiDie Zahl der Frauen, die nun erwerbstätig wird, steigt rapide an, sodass im Jahr 1957 in über einer Millionen Familien die Frau berufstätig ist. In dem Zeitraum von 1950 bis 1961 steigt die Anzahl der erwerbstätigen Ehefrauen in Deutschland von 19,7% auf 35,7% an. Diese Zunahme bedeutet allerdings nicht, dass die Frauen dadurch weniger Haushaltstätigkeiten zu verrichten haben. Die Frau nimmt eine Doppelrolle ein, die der Hausfrau und Mutter, und die der erwerbstätigen Frau (vgl. Glaser 2005: 80-81; Wildt 1993: 275ff.).

„Eine vollberufstätige Hausfrau arbeitet nach Messung der Bundesforschungsanstalt für Hauswirtschaft im Jahr 1953 insgesamt 85,1 Stunden in der Woche“ (Wildt 1993: 283-284). Bis Mitte der 50er Jahre arbeitet die Industrie an sechs Tagen die Woche bis zu 50 Stunden. „Diese exzessive Inanspruchnahme durch überlange Arbeitstage für den Großteil der Bevölkerung war eine wichtige Rahmenbedingung für die Sozialstruktur dieser Gründerjahre“ (Schildt 2002: 14). Die Nützlichkeit dieser enormen Anstrengungen der ersten Hälfte der 50er Jahre spüren die Arbeitnehmer ab Mitte dieses Jahrzehnts. Der materielle Wohlstand ist ab Mitte der 50er Jahre soweit gesichert, dass die Fünf-Tage-Woche für Arbeitnehmer eingeführt wird. Weiterhin wird zunächst eine 45 Stunden Woche festgelegt, die dann zu einer 40 Stunden Woche wird. Zudem ermöglicht das schnelle wirtschaftliche Wachstum eine Lohnerhöhung von über 8%. Im Zeitraum von 1950-1960 sinkt die Arbeitslosenzahl von 11% auf 1%. Diese Tatsache führt zu einer Vollbeschäftigung und zu einem Arbeitskräftemangel, der durch die Frauen ausgeglichen wird. Außerdem steigt die Kaufkraft der Bevölkerung und die Erwerbstätigkeit der Frau, nach der Eheschließung, gewinnt, mit Zunahme materiellen Wohlstands, immer mehr an Bedeutung (Wolfrum 2006: 71-72).

Demnach nimmt die Berufstätigkeit der Frau auch zu, als die Männer den Lebensunterhalt bereits alleine sicher stellen. Zu Beginn der 50er Jahre wird die Erwerbstätigkeit der Frau noch in materieller Not begründet, doch nun, ab Mitte der 50er Jahre, haben die Frauen andere Absichten. Sie wollen ihre, und die Zukunft ihrer Kinder finanziell absichern, am Wohlstand teilhaben und sich Güter leisten können, die über den Lebensstandard hinaus gehen. Vor allem sind hier Haushaltsgeräte zu nennen, durch deren Anschaffung die Frau in ihrer Doppelrolle entlastet wird. Die Technisierung des Haushalts wird in dem Abschnitt 2. ‚Konsum und Lebensstil‘ noch genauer erläutert. Der höchste Anstieg der Frauenerwerbsquote vollzieht sich in der Gruppe von verheirateten Frauen mit Kindern unter 14 Jahren. Im Zeitraum zwischen 1950 und 1962 steigt hier die Zahl auf 74% (vgl. Ruhl 1988: 205ff.). Theile merkt hierzu allerdings an, dass die Zahl der erwerbstätigen Frauen zwar enorm steigt, es aber dadurch keine qualitative Verbesserung der weiblichen Erwerbsarbeit gibt. „Die weibliche Erwerbsarbeit ist nicht mehr, als ein „Hinzuverdienen“, das zur Teilhabe der Kleinfamilie am boomenden Konsum gebraucht wird und der männlichen Ernährerrolle klar untergeordnet ist“ (2006: 254).

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Details

Seiten
70
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656676744
ISBN (Buch)
9783656676737
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275314
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Sozialwissenschaften/Philosophie
Note
1,7
Schlagworte
Frauenrolle 1950er Trümmerfrau Bildungsexpansion Frauenbewegung Individualisierungskonzept Ulrich Beck Lebensformen Scheidung

Autor

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Titel: Frauen im Wandel. Eine soziologische Betrachtung der Veränderungsprozesse ab 1950