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Die Revolution in Ägypten unter der Betrachtung der Freiheitstheorie von Hannah Arendt

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Hannah Arend und ihr Verständnis von Freiheit und Politik
1.1 Die Freiheitstheorie

2. Hannah Arendt und die Revolution in Ägypten
2.1 Das politische System Ägyptens
2.2 Die Revolution 2011
2.3 ‘Mission Accomplished‘

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Die Freiheit ist ein Ideal, dessen Anziehungskraft mit seiner Unschärfe noch zu wachsen scheint. Mehr ahnungsvoll als verstanden ist die Sehnsucht nach ihr, und doch oder gerade deshalb vermag sie Herzen zu gewinnen.“[1]

Jeder beansprucht sie, doch für sich selbst definiert jeder Freiheit unterschiedlich. Die Geschichte dieses weit gefassten Begriffes begann schon im sechsten Jahrhundert vor Christus mit der Entstehung der Polis und des Begriffes der Politik.[2] Zudem lässt sich sagen, dass seit der Französischen Revolution von 1789 die Freiheit zu einem absoluten Legitimationsbegriff wurde und seither kaum eine Regierung sich nicht als freiheitlich bezeichnen will oder kann.[3] Bis heute hat sich der Freiheitsbegriff dann zu einem Menschenrecht entwickelt, welches in verschiedenen Erklärungen, Verfassungen und im Völkerrecht festgeschrieben ist.[4]

Es wird nicht nur positives damit verbunden. Gerade in der heutigen Zeit kommt es vermehrt zu Terrorakten, Verbrechen und Kriegen im Namen der Freiheit. Da gerade die Freiheit aber als Menschenrecht gilt, betreffen Verbrechen gegen diese die ganze Menschheit.

Unzählige Wissenschaftler und Autoren haben sich schon mit diesem Begriff beschäftigt. In der vorliegenden Arbeit soll die Freiheitstheorie von Hannah Arendt behandelt werden und um auf zu zeigen, wie aktuell diese Theorie ist, wird sie an Hand eines gegenwärtigen Beispiels analysiert.

Im Folgenden wird die aktuelle Freiheitsbewegung und Revolution in Ägypten den Thesen Hannah Arendts gegenübergestellt, wobei ihre Schrift zur Freiheit und Politik als Grundlagentext dient. Dem Leser soll zuerst ein grober Überblick über das politische System des Landes gegeben werden um danach die Geschehnisse der Freiheitsbewegung besser nachvollziehen zu können.

Gerade wegen der Aktualität und der andauernden Entwicklung in Ägypten kann diese Arbeit nur einen zusammengefassten Überblick verschaffen. Dabei soll die Frage im Vordergrund stehen, wie freiheitlich Ägypten nach Hannah Arendt war und was die Revolution mit Freiheit und ihrer Beziehung zur Politik zu tun hat. „Denn Freiheit, die nur selten- in Revolutions- und Krisenzeiten- zum direkten Zweck politischen Handelns wird, ist eigentlich der Sinn dessen, daß es so etwas wie Politik im Zusammenleben der Menschen überhaupt gibt.“[5]

1. Hannah Arend und ihr Verständnis von Freiheit und Politik

Die bedeutenden Philosophin Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Linden geboren und wuchs in einem jüdischen Elternhaus auf. Sie „stellt in der Politischen Theorie eine Ausnahmeerscheinung dar, weil sie auf einmalige Weise die existenz-philosophischen Prägungen aus Deutschland mit der Erfahrung einer funktionierenden Demokratie in den USA zu verknüpfen verstand und daraus eine höchst eigenständige Form politischen Denkens formte.“[6] Ihr sogenanntes ‘Denken ohne Geländer‘ lässt sich schwerlich als links oder rechts einordnen, jedoch kann man sagen, dass sie als eine der ersten Intellektuellen gilt, die sowohl in Europa als auch in den USA gleichermaßen wirkte.[7]

Die Politikwissenschaftlerin und Feministin Nancy Fraser schrieb über Hannah Arendt auch als: „[…] die große Theoretikerin der Katastrophe, die sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts ereignete. Sie schrieb unter den Nachwirkungen des nazistischen Holocaust und lehrte uns, zu begreifen, was in diesem dunkelsten aller historischen Augenblicke auf dem Spiel stand.“[8] - die Freiheit.

1.1 Die Freiheitstheorie

Was bedeutet für Hannah Arendt Freiheit und ist diese überhaupt mit Politik zu vereinbaren? Antworten auf diese Fragen bietet ihre Schrift Freiheit und Politik, in der sie als erstes betont, dass die Freiheit nicht mitgegeben von der Natur ist.[9] Vielmehr ist sie: „historisch ein spätes und sachlich ein sekundäres Phänomen“, und „[i]hr liegt ein Rückzug aus der Welt zugrunde, bei dem man gewisse Erfahrungen und Ansprüche in das eigene Innere verschleppt, welche ursprünglich in dem Außen der Welt ihren Platz hatten und von denen wir nichts wüßten, hätten wir sie nicht erst einmal als weltlich greifbare Wirklichkeit kennengelernt.“[10]

Wie man auch in unserer heutigen Fernsehkultur sehen kann, kann man kaum über Freiheit sprechen, ohne nicht auch Politik miteinzubeziehen. So schreibt auch Hannah Arendt: „Frei sein können Menschen nur im Bezug aufeinander, also nur im Bereich des Politischen und des Handelns; nur dort erfahren sie, was Freiheit positiv ist und daß sie mehr ist als ein Nicht-gezwungen-werden.“[11] Zudem würde, ihrer Ansicht nach, Freiheit ohne Politik auf Dauer gar nicht funktionieren, da sie vorwiegend eine politische Erscheinung ist. Auch andersrum ist die Politik auf die Freiheit angewiesen, so schreibt sie: „Der Sinn von Politik ist Freiheit […].“[12] Dies gilt jedoch nur, „wenn wir unter dem Politischen einen öffentlichen Raum verstehen, der sich nicht nur von der Sphäre des Privatlebens abgrenzt, sondern sogar immer in einem gewissen Gegensatz zu ihr steht .“[13] Ausgangspunkt ist dabei, dass sie Politik immer mit der Pluralität der Menschen verbindet. Man muss also nicht von dem Menschen reden, sondern von einem Zusammen- und Miteinander-Sein. Politik entsteht also nicht im Menschen selber, sondern eher zwischen den Menschen.[14]

[...]


[1] Ladwig, Bernd, Freiheit, in: Göhler, Gerhard (Hrsg.), Iser, Mattias (Hrsg.), Kerner, Ina (Hrsg.), Politische Theorie, 22 umkämpfte Begriffe zur Einführung, VS Verlag, Wiesbaden 2006, S. 83.

[2] Greven, Michael, Freiheit, In: Nohlen, Dieter (Hrsg.), Grotz, Florian (Hrsg.), Kleines Lexikon der Politik, C.H. Beck oHG, Nördlingen 2011, S. 188.

[3] Vgl. Greven (2011), S. 188.

[4] Vgl. Greven (2011), S. 188.

[5] Arendt, Hannah, Freiheit und Politik, in: Erziehung zur Freiheit, Eugen Rentsch Verlag, Erlenbach-Zürich 1959, S. 31.

[6] Schaal, Gary/Heidenreich, Felix, Einführung in die Politischen Theorien der Moderne, 2. Aktualiesiert und erweiterte Auflage, Barbara Budrich Verlag, Regensburg 2009, S. 186.

[7] Vgl. Schaal/Heidenreich (2009), S. 186.

[8] Fraser, Nancy, Hannah Arendt im 21. Jahrhundert, in: Meints, Waltraud (Hrsg.) Politik und Verantwortung, zur Aktualität von Hannah Arendt, Offizin-Verlag, Hannover 2004, S. 73.

[9] Vgl. Arendt (1959), S. 31.

[10] Vgl. Arendt (1959), S. 31.

[11] Vgl. Arendt (1959), S. 31.

[12] Vgl. Arendt (1959), S. 42.

[13] Vgl. Arendt (1959), S. 41.

[14] Ludz, Ursula (Hrsg.), Hannah Arendt, Was ist Politik?, Fragmente aus dem Nachlaß, PiperVerlag, München 2007, S. lll.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656681144
ISBN (Buch)
9783656681090
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275348
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Politikwissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
revolution ägypten betrachtung freiheitstheorie hannah arendt

Autor

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Titel: Die Revolution in Ägypten  unter der Betrachtung  der Freiheitstheorie von Hannah Arendt