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Das Scheitern des Leopold Treibel, verglichen mit dem Gegenbeispiel Ed Kennedy

Vergleich zweiter Charaktere aus "Frau Jenny Treibel" von Theodor Fontane und "I Am the Messenger" von Markus Zusak

Facharbeit (Schule) 2013 7 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

In dieser Facharbeit werde ich Leopold Treibel aus Theodor Fontanes „Frau Jenny Treibel“ charakterisieren und dabei seinen nicht sehr erfolgreichen Umgang mit dem zentralen Konflikt, seiner Verlobung mit Corinna Schmidt, herausarbeiten. Dem werde ich die durch einen ähnlich fordernden Konflikt herbeigeführte Veränderung des Ed Kennedy aus Markus Zusaks „I am the Messenger“ gegenüberstellen.

Auf den ersten Blick weisen Leopold und Ed zwar große Unterschiede, aber noch mehr Gemeinsamkeiten auf. Leopold lebt im Berlin Ende des 19. Jahrhunderts, er ist 25 Jahre alt und unverheiratet. Sein Vater ist Kommerzienrat und die Familie gehört dem Besitzbürgertum und somit einem hohen gesellschaftlichen Stand an. Leopold ist seiner Position angemessen gut gekleidet, wie Corinna, eine Freundin der Familie, auf Seite 43 der Schöningh Textausgabe „Frau Jenny Treibel“, (1/ Z. 19 – 24) anmerkt; er hat gute Manieren, genoss eine einigermaßen gute Bildung und wirkt schmächtig und unsportlich.

Ed lebt im Vorort einer Großstadt in Australien Anfang des 21. Jahrhunderts. Er ist groß, aber ebenfalls unsportlich, und hat dunkle Haare und braune Augen. Im Gegensatz zu Leopold jedoch stammt er aus armen Verhältnissen und einer wenig fürsorglichen Familie; sein Vater war Alkoholiker, seine Mutter raucht und scheint sich nicht sehr um ihr Aussehen zu kümmern (2/ vgl. S. 179, Knopf Textausgabe „I am the Messenger“). Ed ging zur Schule, entschied sich allerdings gegen die Universität und arbeitet nun als Taxifahrer. Er wird vom Autor selbst auf Seite 353 (2/ Z. 10) als „epitome of ordinariness“ beschrieben.

Auch Leopold wird von vielen (wie z.B. dem alten Familienfreund Professor Schmidt oder dessen Neffe Marcell) als „Durchschnitt“ (1/ S. 64, Z. 1) bezeichnet, meist sogar als „noch unter mittel“, „unbedeutend“ und langweilig. Seine Mutter kritisiert auf Seite 102 seine Leidenschaftslosigkeit, sein Vater nennt ihn eine „Suse“ (1). Statt temperamentvoll wirkt er eher vernünftig, wie z.B. als er auf Seite 116 (1) die Gesundheit über „Unsinnigkeiten“ stellt. Er versucht, seine ohnehin schon alles andere als starken Emotionen größtenteils zu unterdrücken, so zum Beispiel seine Wut, so sagt er auf Seite 116: „Die Holländer haben ein Sprichwort: ,Ärgere dich nicht, wundere dich bloß‘. Und auch das werd ich mir schließlich noch abgewöhnen.“ (1)

Schmolke, die Haushälterin im Hause Schmidt, geht sogar so weit zu sagen, man könne vor ihm keinen Respekt haben, wodurch er in ihren Augen wenig männlich wirkt (1/ vgl. S. 197). Generell scheinen viele ihn noch für ein Kind zu halten, keinen eigenständigen und ernst zu nehmenden Erwachsenen, so sagt z.B. seine Mutter, die er meist „Mama“ nennt, (1/ S. 115) auf Seite 15 über ihn: „Leopold ist ein Kind“ (1).

Entsprechend steht es auch um seine Bildung: „Ich kenn ihn noch aus der Untersekunda her“, berichtet Schmidt auf Seite 96. „Weiter kam er nicht; wozu auch?“ (1)

Es wird also deutlich, dass die verschiedenen Charaktere ein sehr ähnliches Bild von Leopold Treibel haben, von dem auch die Darstellung Leopolds in der Sekundärliteratur nicht abweicht.

Ed, ebenfalls sehr durchschnittlich, scheint absolut antriebslos zu sein. Den Beruf als Taxifahrer hat er nur auf Drängen seiner besten Freundin Audrey ergriffen; eigentlich hätte er, wenn es nach ihr gegangen wäre, zur Universität gehen sollen, doch Ed weigerte sich, ob es nun daran liegt, dass er sich nicht dazu aufraffen konnte oder sich aus Selbstzweifeln nicht traute, denn er selbst schätzt sich nicht besonders intelligent ein, da er in der Schule nie sehr gut war. Auf Seite 17 (2) gibt er jedoch zu, dass er eigentlich weiß, dass dies nur eine Folge seines mangelnden Engagements und Fleißes war. Auch auf den Leser macht Ed einen intelligenten Eindruck: Er liest viele Bücher, äußert sich oft gesellschaftskritisch (beispielsweise ist er der Ansicht, die Menschen würden nur das sehen, was sie sehen wollen, 2/ vgl. S. 41), manchmal sogar philosophisch – auf S. 221 sagt er: „Big things are often just small things that are no-ticed“, und auch das berühmteste Zitat des Buches stammt aus seinem Mund: „Sometimes people are beautiful. Not in looks, not in what they say. Just in what they are.“ (2/ S. 224) Sein sonstiger Tonfall ist meist sehr sarkastisch, was den Leser oft zum Lachen bringt. Hier weist er also sehr deutliche Unterschiede zu Leopold auf, an dessen Seite man sich „doch totlangweilt“ (1/ S. 64).

Doch für Leopold ist es schwer, aus sich heraus zu kommen. Er ist unsicher und hat wenig Selbstbewusstsein; Corinna z.B. interpretiert sein Lächeln auf S. 41 (1) als Schutz, er wolle dahinter seine „Verlegenheit verbergen. „Sie haben eben nicht jene heroical courage (…), ganz im Gegenteil“, fährt sie fort und charakterisiert ihn somit auch als nicht besonders mutig, geradezu feige. Leopold selbst berichtet, keine Freunde zu haben (1/ vgl. S. 118). In seiner Freizeit reitet er viel und trinkt Kaffee – sein morgendlicher Ausritt scheint eine feste Angewohnheit zu sein.

Auch Ed ist ein Gewohnheitsmensch, dem Veränderungen schwer fallen. Ein Beispiel dafür sind seine alten Schuhe: „I live in the past (…) My boots are falling apart but I still wear them because I love them and cherish them.” (2/ S. 20) Außerdem benutzt er statt dem Computer oder Fernseher lieber Bücher. Auch das mehrmals wöchentliche Kartenspielen mit seinen drei besten Freunden ist eine feste Tradition. Er scheint es zu mögen, auch wenn er das nie direkt sagt, sondern nur: “I play cards (…) It’s what we do.” (2/ S.14) Diese ebenfalls etwas leidenschaftslose Aussage ähnelt Leopold wiederum sehr, und auch er weist ähnlich beherrschte und vernunftorientierte Eigenschaften auf wie dieser, so bestellt er beispielsweise in Restaurants keine Getränke „because I figure I can buy a drink anywhere – it’s the food I can’t cook that I’m here for.” (2/ S. 239)

Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden ist ihre Schüchternheit. Auch Ed tritt nicht sehr selbstbewusst auf, zum Beispiel verhält er sich in der Öffentlichkeit am liebsten leise (2/ vgl. S. 49).

Vielleicht ist diese auch der Grund für Leopolds „weiches Herz“ (1/ S. 64). Er ist immer freundlich und großzügig, zum Beispiel zu dem Kellner seines Lieblingscafés auf Seite 113 (1), und sogar seinem Pferd gegenüber verhält er sich sehr fürsorglich und weist Fritz, einen Jungen, der für die Pferde zuständig ist, an, es in den Schatten zu führen – „Die Morgensonne sticht hier so“ (1/ S. 112). Seinem verheirateten und erfolgreicheren Bruder Otto scheint er nichts zu neiden, zumindest äußert er sich nie entsprechend. „Einen besseren Menschen als unsren Leopold gibt es eigentlich überhaupt nicht“, beschreibt sein Vater ihn auf Seite 102 (1), doch es sei fraglich, ob das nur positiv gemeint ist. Leopold versucht geradezu, es jedem recht zu machen.

[...]

Details

Seiten
7
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656684985
ISBN (Buch)
9783656684992
Dateigröße
374 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275367
Note
1
Schlagworte
Charakterisierung Frau Jenny Treibel Leopold Treibel Theodor Fontane Ed Kennedy I Am the Messenger Markus Zusak

Autor

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Titel: Das Scheitern des Leopold Treibel, verglichen mit dem Gegenbeispiel Ed Kennedy