Lade Inhalt...

Seniorenstudium. Begriffsklärung, Aufbau, Legitimation und Motivationsgründe

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 25 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anfänge und gegenwärtiger Stand des Seniorenstudiums
2.1 Historischer Überblick
2.2 Gegenwärtiger Überblick

3. Aufbau des Seniorenstudiums
3.1 Begriffsklärung: Seniorenstudium
3.2 Das spezielle Gasthörerstudium
3.3 Das ordentliche Studium

4. Legitimationen des Seniorenstudiums
4.1 Warum bedarf das Seniorenstudium Legitimationen?
4.2 Legitimationen
4.2.1 Erhaltung geistiger Flexibilität
4.2.2 Verwissenschaftlichung der Welt
4.2.3 Gesellschaftliche Modernisierungsprozesse
4.2.4 Förderung sozialer und politischer Teilhabe
4.2.5 Persönlicher Orientierungsbedarf im Alter
4.2.6 Dialog zwischen den Generationen
4.2.7 Demographischer Wandel
4.2.8 Recht auf Bildung

5. Motivationsgründe für ein Studium im Alter

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Wie gestalte ich meinen Ruhestand?; Welchen Aktivitäten und Aufgaben gehe ich in dieser Zeit nach?; Zur Zeit ist mein Job für mich der Sinn meines Lebens; wer oder was soll dieser Sinn im Ruhestand sein?

Dies sind alles Fragen, mit denen sich die über 50-Jährigen in Deutschland beschäftigen bzw. beschäftigen sollten, da sie rein statistisch gesehen noch mindestens 20 Jahre leben werden, sobald sie das 60. Lebensjahr erreicht haben.

Somit kann man wohl feststellen, dass die Phase des Ruhestandes im Leben, neben der Phase Kindheit/Jugend die meiste frei verfügbare Zeit bietet.

Eine sinnvolle Nutzung dieser Ruhezeit kann ein Studium im Alter offerieren.

Tatsächlich ist es der Fall, dass immer mehr Senioren noch einmal die Universität besuchen; wenn nicht als ordentlicher Student, dann als Gasthörer, um ihrem neuen Lebensabschnitt (weiterhin) einen Sinn zu geben.

Um das Seniorenstudium wird es in der vorliegenden Arbeit gehen.

Zunächst wird ein kurzer historischer sowie gegenwärtiger Überblick gegeben. In diesem ersten Abschnitt wird auf die Anfänge und die aktuelle Situation der Öffnung der Hochschulen für Senioren eingegangen.

Im weiteren Verlauf wird nun der Aufbau des Studiums im Alter in seiner Struktur erläutert. Es wird erklärt, welche Besonderheiten das Studium ausmachen und welche Unterschiede zu einem gängigen Studium bestehen. Der vorletzte Abschnitt befasst sich mit Legitimationsgründen bezüglich des Seniorenstudiums. Legitimationen sind heute noch notwendig, zumal viele Menschen aufgrund von Unklarheiten und mangelndem Wissen, dem Seniorenstudium wenig Sinnhaftigkeit zuteilen. Zum Schluss werden noch die Motivationsgründe für ein Studium der Senioren dargelegt.

2. Anfänge und gegenwärtiger Stand des Seniorenstudiums in Deutschland

2.1 Historischer Überblick

Erste Überlegungen über eine mögliche Öffnung der Hochschulen für Senioren fanden ende der 70er Jahre statt. Bis hierhin gab es bereits schon Bildungsmöglichkeiten in bestimmten Institutionen für ältere Menschen jedoch boten sie keine wissenschaftliche Weiterbildungen an, obwohl die Nachfrage immer größer wurde.

Aus diesem Bedarf an wissenschaftlicher Weiterbildung entwickelte die Universität Oldenburg, die Gesamthochschule Kassel und die Pädagogische Hochschule Dortmund im Jahre 1979 erstmals in Oldenburg einen sogenannten internationalen Workshop mit dem Titel „Öffnung der Universitäten für ältere Erwachsene“.

An diesem Workshop nahmen viele Vertreter von deutschen Hochschulen sowie weitere Teilnehmer teil. Der Fokus dieser Versammlung lag auf der Frage ob ein Studium im Alter sinnvoll und überhaupt möglich wäre, da Universitäten in ihrer Beschaffenheit auf Berufsorientierung basieren.

Trotz dieser Skepsis betonte man das Recht auf Bildung in jedem Alter und auf jeglichem Niveau.

Darüber hinaus beschloss man, dass die zukünftigen Workshops als eine Art Plattform für Erfahrungs- und Informationsaustausch der Hochschulen untereinander dienen sollte.

Die danach folgenden zwei Workshops fanden 1981 und 1984 in Dortmund statt.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand der Dortmunder Modellversuch mit dem Titel „Entwicklung und Erprobung eines Studienangebotes für Senioren zur Ausbildung von Animateuren und Multiplikatoren“.

Dieses Studium wurde ab dem Jahre 1985 an der Universität Dortmund fest eingerichtet. (vgl. Kaiser 1997, S. 7-18.) Senioren bekamen hier erstmals die Möglichkeit an einem wissenschaftlichen weiterbildenden Studium teilzunehmen. Das Durchschnittsalter liegt inzwischen bei 58 Jahren. Es wurde weiterhin festgestellt dass überwiegend Nichtakademiker sowie Frauen an diesem Studienangebot teilnahmen und teilnehmen ( vgl. Veelken 2003, S.126.).

Ziel des Studiums ist einerseits die Kenntnisvermittlung für eine nachberufliche, qualifizierte Tätigkeit im Bereich des Sozialen, andererseits „könnten Seminare als »Werkstätten« fungieren, in denen nach geeigneten Formen für eine kritische und reflexive Betrachtung der eigenen Lebenssituation auf dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse gesucht wird.“ (Gösken/Pfaff 2003, S.159.). Die Tätigkeitsfelder an denen sie nach dem Studium anknüpfen können sind unter anderem im „Bereich Soziales; Freizeit, Kultur, Bildung, Sport; soziale Partizipation; neue Medien; Internationale Kooperation“ (Veelken 2003, S.126.).

Bis 1984 schlossen sich weitere 24 Hochschulen dem Beispiel an, jedoch setzen sie in dem Studienverlauf einen anderen Schwerpunkt.

Das Studium sollte nicht zu nachberuflichen Tätigkeiten qualifizieren, sondern eine allgemeinbildende Funktion haben. Die verschiedenen Ansätze der Universitäten wurden seitens der Senioren positiv begrüßt, da sie ihre unterschiedlichen Studienmotive abdecken.

Auf dem dritten Workshop kam es zur Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG). Die BAG setzte sich als Ziel das Seniorenstudium öffentlich zu vertreten, es zu fördern und den Austausch zwischen den Universitäten zu garantieren. Später kam es zur Umbenennung in die BAG-WiWA.

2.2 Gegenwärtiger Überblick

Seit dem Moment an dem sich die Hochschulen in Deutschland dazu bereit erklärt haben Studienangebote für ältere Erwachsene zu schaffen, entstanden nicht nur positive sondern auch negative Veränderungen bezüglich der Hochschulentwicklung. Zunächst einmal sei die positive Entwicklung zu bemerken. Seit Anfang der 80er Jahre „stieg die Zahl der Hochschulen, die ein ‚Seniorenstudium’ ermöglichen, kontinuierlich an“ (Saup 2001, S.13).

Im Jahre 1984 verzeichnete man bereits 25 Hochschulen (Kaiser 1997, S.9.). Obwohl das Seniorenstudium zu der Zeit noch am Anfang stand, so gab es anscheinend schon ein großes Interesse seitens der Hochschulen. Zehn Jahre später erweiterte sich die Anzahl um weitere 10 Hochschulen. Bemerkenswert ist der Fortschritt im Jahre 2000. Hier erweiterte sich die Anzahl nochmals um 15 Hochschulen, sodass man insgesamt von 50 ausgehen konnte (Saup 2001, S.13.).

Welchen Grund gibt es für dieses ansteigende Interesse der Hochschulen? Warum wollen sie den Senioren die Möglichkeit geben sich an der Universität weiterzubilden?

Hauptgrund ist wohl die stetig ansteigende Nachfrage nach einem ‚Studium im Alter’ seitens älterer Erwachsener. Eine Erhebung aus dem Jahre 2000/2001 ergab eine Anzahl von fast 25.000 Teilnehmern an einem Seniorenstudium (Saup ebd.). Im Jahre 2006 wurde sogar die bundesweit erste deutsche Senioren-Universität in Ostwestfalen-Lippe gegründet.

Ältere Erwachsene gehen mit einer großen Motivation und Interesse an die ihnen gebotene wissenschaftliche Weiterbildung heran und nehmen ihr Studium sehr ernst.

Dies wiederum führt zu einer steigenden Bereitschaft der Lehrenden ihre Veranstaltungen für Senioren zu öffnen. Jedoch sollte der ökonomische Aspekt, der sich aus dieser Weiterbildung von Senioren ergibt, nicht ganz außer Acht gelassen werden. Durch ein entsprechend ausgewähltes Studium eröffnen sich den Senioren viele neue soziale Tätigkeitsangebote die sie ausführen können und somit unserer Gesellschaft ökonomisch gesehen von ‚Nutzen’ sein können. Diese und weitere Legitimationen werden später noch genauer dargelegt und begründet.

Neben diesen positiven Entwicklungsabläufen gibt es, wie oben bereits erwähnt, auch negative auf zu zeigen.

Zu Beginn sei zu erwähnen, dass das Seniorenstudium über kein einheitliches Konzept verfügt nachdem sich jede Hochschule zu richten hat.

Dies erscheint im ersten Moment vielleicht nicht negativ, denn so gesehen kann jede Hochschule die für sich individuelle und beste Studienform wählen.

Außerdem steht jeder Hochschule frei zu entscheiden ob das Studium nur allgemeinbildend oder auch auf nachberufliche Tätigkeiten weiterbildend sein soll. Die meisten Senioren empfinden diese Studienauswahl, aus denen sie für sich das beste Angebot schöpfen können, als angenehm.

Trotz dieser positiven Anmerkung sei dieses ‚offene’ Konzept zu kritisieren. Durch die ‚Freiheit’ die den Hochschulen gegeben wird, kann es dazu führen, dass manche Hochschulen sich mit dem Seniorenstudium nur schmücken wollen.

Damit wird gemeint, dass sie ihr bereits bestehendes Gasthörer- Studium zum Seniorenstudium umbenennen, ohne dabei zielgruppenspezifische Angebote zur Studienberatung und - begleitung zu entwickeln. Aufgrund der geringen Kosten und Einfachheit wird diese Umwandlung des Gasthörerstudiums gerne von manchen Universitäten in Betracht gezogen. Leider wird die Weiterbildung Älterer und somit auch das Seniorenstudium oftmals noch als nebensächliche Aufgabe empfunden und kann zu solchen Auswirkungen führen.

3. Aufbau des Seniorenstudiums

3.1 Begriffsklärung: Seniorenstudium

Bevor ich auf die zwei Studienkonzepte, auf die ich mich beschränkt habe, näher eingehen werde, erscheint es mir als notwendig vorerst den Begriff Seniorenstudium in seiner Einzelheit zu klären und auch näher unter die Lupe zu nehmen. Was wird allgemein unter einem Studium verstanden? Laut Mechthild Kaiser wird „unter Studium [...] eine längerfristig angelegte, systematische und kritische Auseinandersetzung mit und Aneignung von wissenschaftlichen Fragestellungen, Erkenntnissen und Methoden verstanden, die an der Hochschule angeleitet durch die in ihr Lehrenden stattfindet“ (Kaiser 1997, S.19).

Soweit stimmt diese Erklärung mit der „wissenschaftlichen Erst- Ausbildung zur Berufsqualifizierung“ überein (Kaiser ebd.). Der Unterschied liegt hier in der Kombination des Begriffs Studium mit dem Begriff Alter. „In diesem Zusammenhang [meint Alter] die Lebensphase, in der die für das Erwachsenenleben zentralen Rollen in Beruf und Familie erfüllt sind.“ (Kaiser ebd.) Daraus lässt sich nun schließen, dass die Zielgruppe für ein Seniorenstudium oder Studium im Alter Personen in der nachberuflichen und nachfamiliären Lebenszeit sind.

[...]

Autor

Zurück

Titel: Seniorenstudium. Begriffsklärung, Aufbau, Legitimation und Motivationsgründe