Lade Inhalt...

Besondere Belastungen von Sportlehrern

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Sport - Sportpädagogik, Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Belastungen und Beanspruchungen von Sportlehrern
2.1. Unterrichtliche Bedingungen
2.1.1 Körperliche Belastungen
2.1.2 Klassengröße
2.1.3 Arbeit in der Öffentlichkeit
2.1.4 Notengebung
2.1.5 Veränderung der Sportarten
2.1.6 Problem der Vergleichbarkeit
2.2 Schulische Rahmenbedingungen
2.2.1 Organisationsprobleme
2.2.2 Zeitdruck
2.2.3 Gesundheitliche Rahmenbedingungen
2.2.4 Sparmaßnahmen

3. Folgen durch die Resignation im Sportlehrerberuf

4. Prävention
4.1 Prävention im Studium
4.2 Prävention während des Sportlehrerberufes

5 Fazit/ Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Potsdamer Lehrerstudie von 2005 zeigt, dass die Sportlehrer vom Burnout- Syndrom im Gegensatz zu allen anderen sozialen Berufen am stärksten betroffen sind. Es stellt sich die Frage, warum gerade ältere Sportlehrkräfte sich zurückziehen, nicht mehr bereit sind, viele Sportstunden zu halten und dementsprechend auf ihr Zweitfach ausweichen?

Die vorliegende Hausarbeit versucht diese Frage u. a. unter der Berücksichtigung dreier Studien zu beantworten. Die Sprintstudie beschäftigt sich eingehend mit dem Alltag eines Sportlehrers. Sie ist eine Arbeit auf empirischer Basis und gibt einen Einblick in relevante Bedingungen des Arbeitsalltages von Sportlehrkräften. Des Weiteren untersucht die Studie die Situation des Schulsports in Deutschland und befasst sich mit personalen und beruflichen Merkmalen von Sportlehrern, Kontextbedingungen des Sportunterrichts sowie fachbezogenen Einstellungen und den beruflichen Belastungen.2 Die zweite Studie, die AVEM- Studie (Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster), beschäftigt sich damit, wie die Lehrer den Anforderungen ihres Berufes gegenüber treten und in welchem Maße darin zum einen Gesundheitsressourcen, zum anderen aber auch Gesundheitsrisiken zum Ausdruck“8 kommen. Die dritte Studie, von „Rückzug bis Ausstieg“, einer Interviewstudie, gibt Aufschluss darüber, wie ältere Sportlehrkräfte auf die Belastungen des Faches reagieren.

Zu Beginn werden die Belastungen und Beanspruchungen von Sportlehrern mit ihren daraus sich ergebenen Folgen aufgezeigt. Nachdem die Ursachen der Problematik erkannt sind, werden Präventionsmaßnahmen vorgestellt und in einem sich daran anschließenden Fazit wird auf eine weitergehende Problematik Bezug genommen.

2. Belastungen und Beanspruchungen von Sportlehrern

Generell ist zu sagen, dass „sich das notwendige pädagogische Können der Sportlehrkräfte nicht grundsätzlich von der pädagogischen Befähigung der anderen Fachlehrer [unterscheidet,] aber es weist aufgrund der spezifischen Bildungsinhalte des Sportunterrichts - der körperlich-sportlichen Bewegungen und Handlungen - eine entscheidende Besonderheit [auf, nämlich] das sportlich motorische Können als wesentliche Komponente des pädagogischen Könnens.“11 So ist es notwendig, dass ein professioneller Lehrer ein gewisses Maß an sportlicher Kompetenz mit in den Lehrerberuf bringt, unabhängig von seinem Alter. Doch es ist nicht immer möglich, genau diese Unterrichtsqualität zu erbringen, die eigentlich erwartet wird, denn es kommen viele Belastungen auf den Lehrer, noch viel mehr auf den Sportlehrer zu, wie im Folgenden deutlich wird.

2.1. Unterrichtliche Bedingungen

Im Folgenden werden die allgemeinen unterrichtlichen Bedingungen dargestellt, die zu einer Belastung des Sportlehrers führen. Sie erhalten mit zunehmendem Alters eine noch höhere Brisanz.

2.1.1 Körperliche Belastungen

Auch wenn Lehrer/innen erfolgreich ihr Studium und ihr Referendariat abgeschlossen haben, tritt besonders für den Sportlehrer mit der Zeit eine sehr große Belastung auf, nämlich der geistige und körperliche Abbau. Folglich empfinden Sportlehrer ab 40 Jahren „eine kontinuierliche Zunahme fachspezifischer Belastungen“15. So ist es für jeden Sportlehrer wichtig, dass die körperlich- sportlichen und sportlich- motorischen Kompetenzen erhalten bleiben, um den Anforderungen in den unterschiedlichen Sportstunden gerecht zu werden. Zusätzlich muss er/sie ebenfalls auch den Erwartungen der Schüler genügen und er muss in der Lage sein, sich jeder Zeit aufs Neue vor der neuen Schülergeneration zu beweisen, indem er/sie sportliches- motorisches Können zeigt.12 Dass die körperliche Beweglichkeit eines 30 jährigen nicht mit der eines 50 jährigen zu vergleichen ist, ist sogar für jeden Laien nachvollziehbar. Der 50 jährige Sportlehrer/in muss allerdings weitere 17 Jahre eine Tätigkeit ausüben bzw. damit fertig werden, dass bei ihm/ihr die Kompetenz in Bezug auf einen wichtigen Bereich zunehmend geringer wird. Verliert er aufgrund seiner körperlichen Verfassung seine Expertenrolle bzw. Vorbildfunktion, entfallen zunehmend Demonstrationsübungen, hat das weitreichende Folgen für den Betroffenen. Zum einen kommt er in Konflikt mit seinen eigenen Ansprüchen und Versagensängste machen sich breit, zum anderen wirkt es sich auf die Akzeptanz der Schüler gegenüber ihrem Lehrer aus, was wiederum zu Disziplinschwierigkeiten führen kann, wodurch weitere psychische Probleme des Lehrers hervorgerufen werden. Ein Teufelskreis nimmt seinen Anfang.

Eine weitere große Belastung unter dem Aspekt des Alterns ist, dass der Sportlehrer/in nicht nur die Aufgaben des Aufbauens, Umräumens, Demonstrierens, Helfens und Sicherns hat, sondern dass er/ sie ohne ausreichende Erwärmung vor seinen Tätigkeiten einen hohen gesundheitlichen Verschleiß an Bändern, Muskeln und, Gelenken erfährt.13 Die empirische Studie von Kastrup/ Neumann zeigt Beispiele, wie Sportlehrer im höheren Alter mit dieser Belastung umgehen.14 So kommt es z.B. dazu, dass die meisten Aktivitäten eingeschränkt werden und man sich gar nicht mehr aufwärmt. Auch neuen Herausforderungen wie neue Sportarten, die für die Sportlehrkräfte im sport-motorischen Sinne neu zu erlernen wären, werden erst gar nicht mehr unterrichtet. Das führt dazu, dass sich Sportlehrer/innen aufgrund der großen Belastungen immer mehr distanzieren und nur noch wenige, bis hin lediglich nur die nötigsten Aufgaben erfüllen. Hieraus lässt sich also schließen, dass ein intensiver Sportunterricht die Gesundheit des Sportlehrers gefährdet und letztendlich dazu führt, dass man, wie in dem zuvor genannten Beispiel deutlich wurde, seine Anforderungen bzw. eigentlichen Aufgaben vernachlässigt.16

2.1.2 Klassengröße

Wie die Schaarschmidt- Studie zeigt, hat auch die Größe der Klasse und damit verbunden die Spannweite der Leistungen wie auch des Verhaltens der Schüler eine erhebliche Bedeutung für die Unterrichtsqualität. Denn in keinem anderen Schulfach in der heutigen Zeit bzw. Gesellschaft sind im Durchschnitt die Leistungen der Schüler so unterschiedlich von „koordinativ auffällig“ bis hin zu „Weltklasse“. So ist es schwer, sowohl den Lehrplanvorgaben bzw. Bildungsstandards wie aber auch dem einzelnen Schüler bzw. der Lerngruppe gerecht zu werden.17 Obwohl die Mehrheit der Lehrkräfte (60%) große Klassenstärken nicht als Belastung empfinden, bleibt in der Studie offen, welcher Gruppe die restlichen 40% angehören. Nachvollziehbar wäre es, wenn damit vor allen Dingen die älteren Sportlehrer gemeint sind, deren psychische Belastungen mit dem Alter steigen. Hier müssten noch genauere Untersuchungen folgen. Es wäre in keinem Verein vorstellbar, dass ein einzelner Trainer eine Gruppe von 30 Kindern zuständig ist, aber in der Schule. Andere Fachlehrer haben zwar genauso mit diesem Problem zu kämpfen, aber trotzdem führt das in einer Sportstunde für den Lehrer zu größeren Belastungen. Es gibt keine feste Sitzordnung, Organisationsformen werden viel häufiger gewechselt, Schüler kommen viel näher miteinander in Kontakt. Das führt zu Unruhe, einem höheren Lärmpegel, zu Konfliktsituationen unter den Schülern, sodass vom Lehrer höchste Konzentration, Weitblick, sowie ein starkes Nervenkostüm erwartet wird. Das sind Stressfaktoren, die mit zunehmendem Alter schwieriger zu bewältigen sind.18

2.1.3 Arbeit in der Öffentlichkeit

Vom Frühjahr bis zum Herbst stellt sich der Sportlehrer neue Herausforderungen, denn er/sie wird dem öffentlichen Sportunterricht ausgesetzt; er geht mit seiner Klasse in die Öffentlichkeit und verlässt somit den vor den Zuschauern geschützten Raum, die Turnhalle, um Sport zu machen. Auch bei Schülerkommentaren wie „es ist zu kalt“, „es ist zu warm“ etc. muss er wissen, wie er auf diese reagieren soll. Zudem ist die Sportlehrkraft immer wieder dem „öffentlichen Laienauge“ bei Sportfesten, Kreiswettkämpfen und Schulwettkämpfen ausgesetzt. Er stellt sich somit mehrfach im Jahr den Ergebnissen seiner Arbeit gegenüber seinen Kollegen und der kritischen Öffentlichkeit.19

Oftmals wird aber auch die Leistung des Sportlehrers an der Leistung seiner Schulmannschaften, die häufig das Aushängeschild der Schule sind, gemessen. So zeigen angeblich Siege der Mannschaft, dass der Sportlehrer guten Unterricht führt, bei schlechten Leistungen des Teams in Form von Niederlagen wird der Lehrer dementsprechend zur Verantwortung gezogen.20

2.1.4 Notengebung

Notengebung und Leistungsbewertung ist besonders im Sportunterricht ein heikles Thema, denn so unterschiedliche Aspekte wie in keinem anderen Fach fließen in die Note ein. So muss ein Lehrer beachten, wie zum die Leistung abfragen, d.h. in der Leichtathletik zum Beispiel, ob der Schüler die vorgegebene Strecke in einer bestimmten Zeit ablaufen kann, zum anderen ist die Leistungsbereitschaft des Schülers, seine sozialen Kompetenzen, wie Teamfähigkeit, Fairplay, Hilfsbereitschaft etc., und ihre Entwicklung zu beurteilen und in einer Note auszudrücken. So hat die Lehrkraft in diesem Bereich, um derartige Aspekte abzufragen, noch weitere Aufgaben, die zum Teil allerdings noch nicht genug definiert sind.21

2.1.5 Veränderung der Sportarten

Weitere Belastungen werden für den Sportlehrer durch Veränderungen der traditionellen Sportarten und besonders durch „Trendsportarten“ geschaffen, denn die Sportlehrkraft ist einem sogenannten Akzeptanzdruck ausgesetzt und muss entscheiden, was unter den Bedingungen der Schule realisierbar ist, welche Materialien für den Unterricht nötig sind. Und er muss sie natürlich auch besorgen. Außerdem muss sich der Lehrer nicht nur der neuen „Trendsportart“ stellen und die sportliche Kompetenz für diese erwerben, die im späteren Alter noch schwieriger zu erlangen ist, sondern auch möglicherweise großen finanziellen und zeitlichen Aufwand in der eigenen Freizeit dafür aufwenden.22

2.1.6 Problem der Vergleichbarkeit

Weitere Probleme stellen sich durch die Erfahrungsvergleiche der Schüler. Sportunterricht wird mit Training im Verein und in Freizeitgruppen verglichen. So werden fälschlicherweise Sportlehrer mit Trainern oder mit den „besten Freestylern“ in Verbindung gebracht. Doch diese Vergleiche sind ungerechtfertigt, denn Trainer sind meist Spezialisten in ihrem Gebiet mit viel Erfahrung und haben ganz andere Bedingungen als Sportlehrkräfte. Denn ein Trainer hat in der Regel keine Gruppe, die mit Motivationsproblemen zu kämpfen hat und heterogen ist bezüglich des Leistungsniveaus. Um diese Unterschiede deutlich zu machen, muss der Lehrer diesen Zwiespalt erklären und dafür Sorge tragen, dass jeder Schüler gefördert und gefordert wird. Das gelingt nur durch eine wohldurchdachte Unterrichtsvorbereitung. Wenn das aber nicht gelingt, dann entsteht ein zusätzliches Problem.23

[...]


2 vgl. Sportunterricht. Heft 9. 2008. S. 282, 283

8 Schaarschmidt U. 2004, S.21

11 Sportunterricht. Heft 10. 2006. S. 304

15 Sportunterricht. Heft 10. 2006. S. 311

12 vgl. ebd. S. 305

13 vgl. ebd. S.305

14 Kastrup, V.; Neumann, P.: Von Rückzug bis Ausstieg. In Sportpädagogik. Heft 4+5. 2008 ,S. 84- 87

16 vgl. Sportunterricht. Heft 10. 2006. S. 305

17 vgl. Sportunterricht. Heft 8. 2006. S. 244

18 Vgl. ebd. S. 245

19 vgl. Sportunterricht. Heft 10. 2006. S. 306

20 vgl. ebd. S.306

21 vgl. Sportunterricht. Heft 8. 2006. S. 245

22 vgl. Sportunterricht. Heft 10. 2006. S. 305

23 vgl. ebd. S.305, 306

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656678540
ISBN (Buch)
9783656678571
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275543
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Sportwissenschaft und Sportpädagogik
Note
1,0
Schlagworte
besondere belastungen sportlehrern

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Besondere Belastungen von Sportlehrern