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Über die Elfen, ihren Ursprung und ihre geschichtliche Entwicklung

Essay 2013 11 Seiten

Skandinavistik

Leseprobe

I Einleitung

Das Wesen der Elfen begeistert seit Langem schon ein grosses Publikum. Helmut Birkhan, ein österreichischer Mediävist und Keltologe, spricht in der heutigen Zeit sogar von einer „Verelfung der Welt“, denn die Elfen hätten „andere mythologische Gestalten wie die Schrate, Heinzelmännchen oder Irrwische verdrängt“ und seien allgegenwärtig geworden.[1] Massgebend dazu beigetragen hat J. R. R. Tolkien mit seinem Werk über den Ringkrieg in Mittelerde. Tolkien griff bei vielen Darstellungen innerhalb seiner selbst kreierten Welt auf Aspekte der nordischen Mythologie zurück:[2] Nebst Objekten wie dem Ring, Ortschaften wie dem Düsterwald oder Geschöpfen wie den Zwergen oder Riesen, so ist auch die Rasse der Elben und ihre Lokalitäten stark von der nordischen Mythologie beeinflusst. Zu nennen sind hier Eldamar („Elbenheim“), das von der Wohnstätte der nordischen Lichtalben, Álfheim, inspiriert wurde, und die Dunkelelben Mittelerdes, die den Dunkelalben Midgards, der „mittleren Welt“ des nordischen Universums, nachempfunden sind.

Seit ihrer Entstehung im Gebiet Skandinaviens haben die Elfen viele Veränderungen durchgemacht. Nicht nur der Name wurde einem Wandel unterworfen, sondern auch das elfische Gebaren an sich. Im Nachfolgenden soll in einem ersten Schritt nach einer Definition dieser Rasse gesucht und auf ihren Ursprung in der nordischen Mythologie eingegangen werden, ehe in einem zweiten Schritt sodann anhand von Lexikoneinträgen Aufschluss über die historische Entwicklung der Elfen gegeben wird.

II Definition und Ursprung

Elfen, Alben oder Elben bezeichnen einen Typus übernatürlicher Geschöpfe innerhalb der skandinavischen Mythologie.[3] In der Tat sind jedoch nur wenige Informationen über diese mythischen Geschöpfe überliefert worden.[4] Im Altnordischen wird der Elf als álfr bezeichnet, was zu Althochdeutsch alb wurde.[5] Im Mittelalter wies der alp sodann die Bedeutung „gespenstisches Wesen“[6] auf und erhielt darauffolgend auch den engeren Sinn von „Albtraum“[7]. Die zurzeit gebräuchliche englische Form (elf, elves) hat die mittelhochdeutsche weitgehend verdrängt und ist zu Elf(e), Elfen geworden, obwohl im Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm noch vermerkt steht:

Elb […] habe ich statt des unhochdeutschen elf hergestellt, welches man, des

eignen wortes uneingedenk, ohne überlegung, dem engl. elf nachgebildet hatte.[8]

Die wichtigste Figur unter den nordischen Alben scheint ihr Prinz Völundr zu sein. Dieser ist Bestandteil des Gedichts Völundarkv ið a in der Lieder-Edda, die auch als die „Poetische Edda“ bekannt ist und eine Sammlung von Dichtungen nicht bekannter Autoren umfasst. Tatsächlich beinhaltet das besagte Gedicht jedoch keine Nennung von Göttern, weshalb angenommen wird, die Elfen gehörten zur „lower mythology“.[9] Von Völundr wird lediglich gesagt, dass er ein sehr geschickter Handwerker sei, der mit seiner Schmiedekunst Magie bewirken könne.[10] Dieser Fähigkeit nach besitzt er Ähnlichkeiten mit den nordischen Zwergen.[11]

Von dem Volk der Alben wird um das 10. Jahrhundert in Kormáks Sage erzählt. Darin werden ihnen Opfergaben zuteil:

Hún segir: „Hóll einn er héðan skammt í brott er álfar búa í. Graðung þann er Kormákur drap skaltu fá og rjóða blóð graðungsins á hólinn utan en gera álfum veislu af slátrinu og mun þér batna.[12]

Um von seinen Kriegswunden geheilt zu werden, wird hier einem gewissen Thorvard empfohlen, das Blut eines Stieres auf einen von Alben bewohnten Hügel zu schütten und ihnen vom Fleisch ein Mahl zuzubereiten. Es ist anzunehmen, dass in der Zeit des heidnischen Europas wirkliche Opfer namens álfablót an die Alben dargebracht wurden. Der isländische Skalde Sighvatr Thordarson schrieb um ca. 1071 eine Sammlung über seine Reisen in den Osten mit dem Titel Austrfararvísur. Darin wird unter anderem beschrieben, wie ihm eine alte Frau die Gastfreundschaft verweigert, weil gerade die Elfenopfer (álfablóts) abgehalten würden und sie andernfalls den Zorn Odins auf sich zöge.[13]

[...]


[1] Anette Bolz: Die Karriere der Elfen. In: DIE ZEIT, Nr. 34 (2007), S. 32.

[2] Vgl. Martin Wettstein: Nordische Elemente im Werk von J.R.R. Tolkien. In: tarlanc.ch. URL: <tarlanc.ch/texte/Wettstein-Nordische-Elemente.pdf‎> (PDF, 03.06.13); Maria Nikolajeva: Elves. In: oxfordreference.com (2006). URL: http://www.oxfordreference.com/view/10.1093/acref/9780195146561.001.0001/acref-9780195146561-e-0979 (02.06.13).

[3] John Lindow: Norse Mythology: A Guide to the Gods, Heroes, Rituals, and Beliefs. Oxford University Press 2002, S. 110.

[4] Vgl. ebd.: „The relative lack of information about the elves in the mythology is made more tantalizing by the references retained in medieval Icelandic tradition to the álfablót.”

[5] Vladimir Orel: . Handbook of Germanic Etymology. Leiden: Brill 2003, S. 13.

[6] Matthias von Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, Bd. A-M. Stuttgart: S. Hirzel Verlag 1872, S. 28.

[7] Ebd. und bei Friedrich Kluge: An Etymological Dictionary of the German Language. London: George Bell & Sons 1891, S. 7.

[8] Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden [und] Quellenverzeichnis. Leipzig 1854-1971, Bd. 3, Sp. 400-401. In: woerterbuchnetz.ch. URL: <http://woerterbuchnetz.de/DWB> (06.06.2013).

[9] John Lindow, Norse Mythology, S. 14, 56.

[10] Alaric Timothy Peter Hall: The Meanings of Elf and Elves in Medieval England. Diss. University of Glasgow 2004, S. 187.

[11] John Lindow, Norse Mythology, S. 54, 100.

[12] Kormáks Saga. In: snerpa.is. URL: <http://www.snerpa.is/net/isl/kormaks.htm> (05.06.13).

[13] John Lindow, Norse Mythology, S. 53f.

Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656687627
ISBN (Buch)
9783656687603
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275633
Institution / Hochschule
Universität Basel
Note
Schlagworte
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