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Die Entstehung des IWF. Eine regimetheoretische Analyse

Essay 2014 8 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Regimetheorie nach Robert O. Keohane und die Theorie der hegemonialen Stabilität

3. Die Entstehung des Internationalen Währungsfonds (IWF)

4. Zusammenfassung und Schluss

1. Einleitung

Kaum eine internationale Organisation stand in den letzten Jahren so oft im Kreuzfeuer der Kritik wie der IWF. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 erhielt der IWF immer mehr Aufmerksamkeit seitens der Medien. Die Institution verordnet meist radikale Einschnitte in die Staatshaushalte, die Öffnung der Märkte und Privatisierungen wie zuletzt in Griechenland. Laut Kritikern verschärfen die harten Bedingungen, die an die Vergabe von Krediten an betroffene Länder geknüpft sind, die Situation in den jeweiligen Staaten nur noch weiter. Der IWF wurde einst zusammen mit der Weltbank nach dem zweiten Weltkrieg in Bretton Woods (USA) gegründet und hatte unter anderem die Aufgabe die Wechselkurspolitik seiner Mitgliedsländer zu überwachen (Dreher, 2003: 5). Auf die weiteren Aufgaben und Ziele soll hier nicht näher eingegangen werden. Diese Funktionen haben sich über die Zeit hinweg nicht nur durch den Zusammenbruch von Bretton Woods 1973 sondern auch durch die verschiedenen Krisen in den 80er und 90er Jahren (Rittberger et al., 2013: 191). Nichtdestotrotz ist der IWF zu einer der mächtigsten Organisation geworden, die in der heutigen Zeit durch die Vergabe von Krediten und die damit verbundene Auflagenpolitik maßgeblich Einfluss auf die wirtschaftspolitischen Entwicklungen der Nehmerländer hat (Tetzlaff, 1996: 83). Die Entstehung des IWF soll im Folgenden aus regimetheoretischer Sicht analysiert werden. Dabei stehen folgende zentrale Fragestellungen im Fokus: Aus welchen Gründen fand eine Kooperation der jeweiligen Mitgliederstaaten statt und wie wurde das Regime letztendlich realisiert? Das nächste Kapitel befasst sich mit den zentralen, für dieses Thema relevanten Aspekten der Regimetheorie von Robert O. Keohane. Anschließend soll die Theorie im darauffolgenden Gliederungspunkt auf das internationale Regime des IWF angewendet werden.

2. Die Regimetheorie nach Robert O. Keohane und die Theorie der hegemonialen Stabilität

Das vorrangige Anliegen von Robert O. Keohane war es zwischenstaatliche Kooperation erklärbar zu machen. In einer Welt, in der die Interdependenzdichte immer größer wird wächst auch das Bedürfnis nach internationaler Steuerung. Laut Keohane geht die Regimetheorie davon aus, dass Staaten bei großer Interdependenzdichte miteinander kooperieren und anarchische Regime bilden, die im besten Fall zu einer dauerhaften politischen Lösung in einem bestimmten Problemfeld beitragen. Die beteiligten Akteure handeln dabei rational und im gemeinsamen Interesse den Konflikt durch internationale Kooperation zu lösen. Ob und unter welchen Bedingungen Staaten miteinander kooperieren hängt allerdings von weitaus mehr Faktoren als nur der Überschneidung von bestimmten Interessen ab. Die Lösung des Problems mittels internationaler Kooperation steht in engem Zusammenhang mit der Kosten-Nutzen-Relation. Kooperation wird dann wahrscheinlich, wenn die Kosten für ein Regime geringer sind als ihr Nutzen. Diese Kosten-Nutzen-Relation steht wiederum im Zusammenhang mit der Interdependenzdichte der einzelnen Staaten. Je größer die Interdependenzdichte, desto größter ist auch der Nutzen der aus der Bildung eines Regime entstehen würde (Keohane, 1984: 79).

Laut Keohane ist darüber hinaus die Anzahl der Staaten, die sich im jeweiligen Regime beteiligen wollen von Bedeutung. Je mehr Staaten an einem Regime beteiligt sind, desto größer ist der Kontrollaufwand über die Einhaltung der vereinbarten Regeln und Normen, was wiederum die Kosten-Seite immens beeinflusst (Zangl, 2010: 142). Bei einer großen Anzahl an Staaten bedarf es somit wirksamer Kontrollinstanzen, die innerhalb des Regimes integriert sind. Diese Instanzen stellen allerdings wiederum einen weiteren Kostenfaktor dar.

Für unsere Fragestellung ist die kurze Betrachtung eines Ansatzes von Bedeutung, der als Weiterentwicklung der Regimetheorie angesehen werden kann. Es handelt sich dabei um die Theorie der hegemonialen Stabilität, die aus neorealistischer Perspektive ebenfalls Erklärungen zum Zustandekommen von Regimen liefert. Kernaussage der Theorie der hegemonialen Stabilität ist, dass nur eine Hegemonialmacht die Möglichkeit schafft den Ordnungsrahmen für eine offene Weltwirtschaft herzustellen und zu sichern (Kohler-Koch 1989: 91 f.). Die Bildung als auch der Fortbestand eines internationalen Regimes hängt demnach allein von den internationalen Machtstrukturen ab die in einem besonderen Problemfeld herrschen (Zangl, 2010: 144). Ohne die Existenz einer Hegemonialmacht, die den Großteil der Kosten für die Zusammenarbeit übernimmt, ist Kooperation ausgeschlossen. Aus dieser Sichtweise haben nicht-hegemoniale Akteure meist keinen oder nur begrenzten Einfluss auf die Entscheidungsfindungsprozesse (Rittberger et al., 2013: 255 f.). Schwächere Staaten arrangieren sich häufig aufgrund verschiedener Faktoren mit der vorherrschenden Ordnung. Zum einen können stark asymmetrische Machtverteilungen einen Umsturz aussichtslos erscheinen lassen oder die Hegemonialmacht stellt öffentliche Güter bereit, die auch für die nicht-hegemonialen Staaten von Nutzen sind (Rittberger et al., 2013: 256). Letztendlich werden internationale Organisationen in dieser Theorie nur als eine Art Instrument der Hegemonialmacht angesehen ohne eigenständige Wirkung (Zangl, 2013: 145). Die Gedankengänge der Theorie der hegemonialen Stabilität würden allerdings auch den Zusammenbruch eines Regimes bedeuten, wenn kein Hegemon mehr vorhanden wäre oder dieser seine Vormachtstellung im Laufe der Zeit verlieren würde (Rode, 2002: 24).

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Details

Seiten
8
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656687696
ISBN (Buch)
9783656687672
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275658
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,0
Schlagworte
Regimetheorie IWF Internationale Organisationen Theorie der hegemonialen Stabilität

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